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	Kommentare zu: Der letzte Gang &#8211; Das Wort zum Wort zum Sonntag	</title>
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	<description>Kirchen-, Glaubens- und Religionskritik • Aufklärung • Säkularismus • Humanismus</description>
	<lastBuildDate>Mon, 15 Feb 2021 10:33:00 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Christian		</title>
		<link>https://www.awq.de/2021/02/der-letzte-gang-das-wort-zum-wort-zum-sonntag/#comment-843</link>

		<dc:creator><![CDATA[Christian]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Feb 2021 10:33:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Es geht darum, das Leid zu beenden!
Und nicht endlos zu leiden!
Von Olafs Beircht bin ich sehr beeindruckt.
Zum Glück war ich nocht nicht in so einer Situation!
Dennoch vertrete ich die Ansicht, dass es einfach anmaßend ist, der Auffasuung zu sein, Gott ist der alleinige Herr über Leben und Tod!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es geht darum, das Leid zu beenden!<br />
Und nicht endlos zu leiden!<br />
Von Olafs Beircht bin ich sehr beeindruckt.<br />
Zum Glück war ich nocht nicht in so einer Situation!<br />
Dennoch vertrete ich die Ansicht, dass es einfach anmaßend ist, der Auffasuung zu sein, Gott ist der alleinige Herr über Leben und Tod!</p>
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		<title>
		Von: Elisabeth Petzoldt		</title>
		<link>https://www.awq.de/2021/02/der-letzte-gang-das-wort-zum-wort-zum-sonntag/#comment-842</link>

		<dc:creator><![CDATA[Elisabeth Petzoldt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Feb 2021 09:52:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Thematik selbstbestimmtes Sterben lässt mich seit einigen Monaten auch nicht los. Meine Tochter ist vor kurzem 18 Jahre alt geworden und denkt (mutmaßlich im Zusammenhang mit einer diagnostizierten Depression ) schon sehr lange über Leben und Sterben nach. Ich bin aufgrund meiner christlichen Erziehung, von der ich zum Glück vor knapp eineinhalb Jahren endgültig Abschied genommen habe, immer in dem Glauben gewesen, dass Leben in JEDEM FALL schützens- und bewahrenswert ist. Meine Tochter hat mich zu neuem Denken animiert: unabhängig von Alter, Krankheiten etc. sollte jeder Mensch selbst entscheiden, ob wie und wann er/sie sterben will.  Soweit so gut. Dennoch ist es für mich ein unerträglicher Gedanke, sie nicht am Suizid zu hindern. Sie sagt, es sei egoistisch, arrogant und anmaßend, Menschen daran hindern zu wollen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Ich finde, sie hat durchaus recht. Dennoch ist sie nach vielen langen und nervlich zermürbenden Gesprächen letztlich stationär in die Psychiatrie gegangen. Wahrscheinlich für Wochen oder gar Monate. Ich weiß, dass sie das meinetwegen tut. Weil sie nach eigener Aussage mir gegenüber Schuldgefühle hätte, wenn sie ihrem Leben ein Ende setzen würde. Obwohl es in ihren Augen das einzige ist, was sie für sinnvoll hält. Ich habe mich intensiv mit der Thematik Depression/Suizid/ psychische Krankheiten beschäftigt. Inwieweit kann man Menschen in psychiatrische Behandlung bringen, um sie vor etwas zu „schützen“, was gemeinhin als Gefahr für Leib und Leben bezeichnet wird? Wer maßt sich an zu urteilen, wann jemand mit seinem Leben fertig ist, es nicht mehr als lebenswert ansieht? Gibt es eine Altersgrenze, ab wann ein Suizid gerade so ok ist? Wer entscheidet über geistige Klarheit, Mündigkeit, Gesundheit, Urteilsfähigkeit??? 
In unserer Gesellschaft ist die religiös vernebelte Denkweise zum Thema Sterben allgegenwärtig und in den Köpfen der Menschen fest verankert! Ich nehme mich da nicht aus. Auch ich habe mich neu sortieren müssen mit meiner Ansicht.  Es wird noch sehr lange dauern, bis die Freiheit zu sterben eine wirklich freie Entscheidung ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Thematik selbstbestimmtes Sterben lässt mich seit einigen Monaten auch nicht los. Meine Tochter ist vor kurzem 18 Jahre alt geworden und denkt (mutmaßlich im Zusammenhang mit einer diagnostizierten Depression ) schon sehr lange über Leben und Sterben nach. Ich bin aufgrund meiner christlichen Erziehung, von der ich zum Glück vor knapp eineinhalb Jahren endgültig Abschied genommen habe, immer in dem Glauben gewesen, dass Leben in JEDEM FALL schützens- und bewahrenswert ist. Meine Tochter hat mich zu neuem Denken animiert: unabhängig von Alter, Krankheiten etc. sollte jeder Mensch selbst entscheiden, ob wie und wann er/sie sterben will.  Soweit so gut. Dennoch ist es für mich ein unerträglicher Gedanke, sie nicht am Suizid zu hindern. Sie sagt, es sei egoistisch, arrogant und anmaßend, Menschen daran hindern zu wollen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Ich finde, sie hat durchaus recht. Dennoch ist sie nach vielen langen und nervlich zermürbenden Gesprächen letztlich stationär in die Psychiatrie gegangen. Wahrscheinlich für Wochen oder gar Monate. Ich weiß, dass sie das meinetwegen tut. Weil sie nach eigener Aussage mir gegenüber Schuldgefühle hätte, wenn sie ihrem Leben ein Ende setzen würde. Obwohl es in ihren Augen das einzige ist, was sie für sinnvoll hält. Ich habe mich intensiv mit der Thematik Depression/Suizid/ psychische Krankheiten beschäftigt. Inwieweit kann man Menschen in psychiatrische Behandlung bringen, um sie vor etwas zu „schützen“, was gemeinhin als Gefahr für Leib und Leben bezeichnet wird? Wer maßt sich an zu urteilen, wann jemand mit seinem Leben fertig ist, es nicht mehr als lebenswert ansieht? Gibt es eine Altersgrenze, ab wann ein Suizid gerade so ok ist? Wer entscheidet über geistige Klarheit, Mündigkeit, Gesundheit, Urteilsfähigkeit???<br />
In unserer Gesellschaft ist die religiös vernebelte Denkweise zum Thema Sterben allgegenwärtig und in den Köpfen der Menschen fest verankert! Ich nehme mich da nicht aus. Auch ich habe mich neu sortieren müssen mit meiner Ansicht.  Es wird noch sehr lange dauern, bis die Freiheit zu sterben eine wirklich freie Entscheidung ist.</p>
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			</item>
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		<title>
		Von: AWQ		</title>
		<link>https://www.awq.de/2021/02/der-letzte-gang-das-wort-zum-wort-zum-sonntag/#comment-841</link>

		<dc:creator><![CDATA[AWQ]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Feb 2021 08:57:32 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://www.awq.de/?p=13707#comment-841</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://www.awq.de/2021/02/der-letzte-gang-das-wort-zum-wort-zum-sonntag/#comment-839&quot;&gt;Olaf Sander&lt;/a&gt;.

Hallo Herr Sander, vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Kommentar, der einen Einblick in Ihre Perspektive als Angehöriger bietet. Auch uns fällt die Respektlosigkeit und Übergriffigkeit auf - und zugleich die Feigheit, die religiösen Scheinargumente (Stichwort: Gottesebenbildlichkeit usw.) zu nennen, mit denen Christen selbstbestimmtes Sterben ablehnen.

Herzliche Grüße vom AWQ-Team und vielen Dank für Ihr Engagement!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://www.awq.de/2021/02/der-letzte-gang-das-wort-zum-wort-zum-sonntag/#comment-839">Olaf Sander</a>.</p>
<p>Hallo Herr Sander, vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Kommentar, der einen Einblick in Ihre Perspektive als Angehöriger bietet. Auch uns fällt die Respektlosigkeit und Übergriffigkeit auf &#8211; und zugleich die Feigheit, die religiösen Scheinargumente (Stichwort: Gottesebenbildlichkeit usw.) zu nennen, mit denen Christen selbstbestimmtes Sterben ablehnen.</p>
<p>Herzliche Grüße vom AWQ-Team und vielen Dank für Ihr Engagement!</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Olaf Sander		</title>
		<link>https://www.awq.de/2021/02/der-letzte-gang-das-wort-zum-wort-zum-sonntag/#comment-839</link>

		<dc:creator><![CDATA[Olaf Sander]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Feb 2021 22:53:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vielen Dank für diesen Artikel. 

Ich habe meiner Mutter im Dezember 2016 bei ihrem Suizid geholfen. Dabei wurden wir bis kurz vor ihrem Tod von einem Fernsehteam des SWR begleitet. Die Dokumentation heißt &quot;Frau S. will sterben&quot; und man kann sie auf YouTube sehen ( https://youtu.be/psYTpEr0Uzo ). Wer die Sterbegeschichte meiner Mutter aus meiner Sicht lesen möchte, ist herzlichst eingeladen auf meinem Blog nachzulesen ( http://sterbegeschichten.de/meine-sterbegeschichte/ ).

So viel zu meinem Hintergrund und den Erfahrungen, die mich das Leben machen ließ. Weil Sie, hochgeschätzter Herr Niedermeier, bereits den sachlichen und objektiven Teil der Gegenargumentation erledigt haben, erlaube ich es mir jetzt, den emotionalen Teil zu übernehmen. Denn es ist enorm wichtig, diesen angeblich so einfachen Wahrheiten über das selbstbestimmte Sterben, wie sie hier so beispielhaft von Frau Schardien postuliert werden, die komplexen Umstände der Realität und die Vielfältigkeit des Menschseins entgegen zu stellen.

Es fängt erstmal damit an, dass ein psychisch gesunder Mensch nicht einfach so sterben will, noch nicht einmal dann, wenn er schwer krank ist. Ich habe seit 2016 mit einigen Menschen gesprochen. Das waren kranke und gesunde, sterbewillige und lebenslustige Menschen. Es war nicht einer dabei, der das eigene Leben nicht als seinen wertvollsten Schatz betrachtet hätte und es war auch keiner dabei, der sich irgendwie als Last (die es loszuwerden gälte) empfunden hätte. Das Leben will leben. Und wenn es auch nur den kleinsten Hoffnungschimmer auf Besserung gibt, kämpfen Menschen um ihr bisschen Leben. Niemand gibt einfach so auf.

Und dann kommt immer dieses merkwürdig zu kurz gedachte Argument, vulnerable Menschen könnten von anderen zum Suizid gedrängt werden und es dann auch noch tun. Vielleicht sollte sich Frau Schardien selbst einmal die Frage stellen wie sie reagieren würde, wenn ihr ein naher Verwandter, Vormund, das Krankenhaus oder ein von den Erben beauftragter Sterbehilfeverein nahelegte, doch jetzt endlich sterben zu wollen? 

Lassen Sie uns davon ausgehen, dass Frau Schardien beim Beantworten der Frage ganz bestimmt nicht sterben wollen würde. Vermutlich wäre dann ihre Reaktion Entsetzen und Empörung. Und zwar zu Recht! Wahrscheinlich würde sie die Frage-, bzw. Forderungssteller achtkantig rausschmeißen und sich Hilfe suchen, bspw. in ihrer Gemeinde, bei Freunden und Vertrauten, ihrem Arzt oder bei Journalisten, die solcherlei Dinge gerne aufdecken, weil so etwas tatsächlich ein Skandal wäre. 

Menschen so grundsätzlich zu unterstellen, dass sie einen solchen Angriff auf ihr Leben nicht selbst erkennen und abwehren könnten, ist nicht nur ein Mangel an Respekt vor dem Verstand und der Autonomie der Menschen, es ist vor allem auch Entmündigung. Aber ja, ich weiß, wir reden hier von der Kirche ...

Leider ist Frau Scharpiens Geschichte von &quot;Elke&quot; und ihrem Vater so allgemein und geradezu banal, dass man alles und nichts hineininterpretieren kann. Vermutlich wollte sie nur auf Hospize als Alternative zum selbstbestimmten Freitod hinweisen - und bestimmt auch auf den einsamen Krankenhaus- oder Pflegeheimtod. Das ist vollkommen in Ordnung, denn Hospize können tatsächlich eine Alternative sein. Allerdings wäre es ehrlicher, wenn sie auch dazu sagen würde, dass längst nicht jeder Sterbenmüssende ein Bett dort bekommt, nicht jede Diagnose hospizwürdig ist und Palliativmedizin nicht immer und in jedem Fall helfen kann. 

All das, was Frau Scharpien aus dem Hospiz beschreibt, die Fotos der Lieben, das Rasierwasser usw. ist nicht falsch. Der beste Dienst am Menschen bei seinem Lebensende ist es aber nur dann, wenn all die Bemühungen von diesem Menschen gewollt sind. Aber spätestens wenn sich jemand anders entscheidet und sein Ende selbst bestimmen will, ist das Hospiz keine Alternative mehr. 

Der auch von Ihnen zitierte Satz 

&quot;Niemand hindert ihn. Nichts drängt ihn. Das ist Freiheit am Lebensende.&quot;

macht mich in diesem Kontext mit seiner brutalen Einseitigkeit fassungslos. Denn mit den Augen eines Sterbewilligen betrachtet, sagt dieser Satz das komplette Gegenteil aus. Man hindert den Sterbewilligen eine autonome Entscheidung zu treffen. Man drängt ihn auszuhalten und auch noch Dankbarkeit dafür zu zeigen. Würde Frau Scharpien die Freiheit anderer Menschen tatsächlich wichtig sein und deren umfassende (Entscheidungs)Freiheit mitdenken, hätte sie diesen Satz nicht so formulieren können.

Viele Sterbehilfegegner erlauben sich zumeist ungefragt die Anmaßung, ob das Leiden anderer Menschen (noch) aushaltbar ist oder nicht. Dabei sind Leiden von Natur aus höchst subjektiv und die Grenzen der Menschen so unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Auch bei meiner Mutter haben sich Menschen, die weder meine Mutter in Persona noch ihre Beschwerden kannten, dazu verstiegen zu behaupten, &quot;dass es ihr so schlimm ja noch gar nicht ging und sie durchaus noch ein paar Jahre hätte leben können&quot;.

Wahrscheinlich wusste meine Mutter, dass sich nach ihrem Suizid Hinz und Kunz die &quot;Freiheit nehmen&quot; würden, sich solche Respektlosigkeiten zu erlauben. In der Dokumentation (bei YouTube ab Minute 23:27) beugt sie dem sehr deutlich vor:

&quot;Ich bin einfach nur dankbar, dass ich bis hierher gekommen bin. Und es braucht mich keiner zu bedauern und es braucht auch keiner zu sagen, naja, na so schlecht ging es ihr ja nun auch wieder nicht. [...]&quot;

Und doch ist genau das passiert. Mehrfach und öffentlich. Eben einfach respektlos.

Genau diese Respektlosigkeit zieht sich auch durch Frau Scharpiens Text. Es ist dieser starke Paternalismus, von dem religiöse Mennschen offenbar nicht ablassen können, weil sonst wohl ihr gesamtes Weltbild in Frage stünde. 

Aber es nervt einfach nur noch. Weil es so sehr aus der Zeit gefallen ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Dank für diesen Artikel. </p>
<p>Ich habe meiner Mutter im Dezember 2016 bei ihrem Suizid geholfen. Dabei wurden wir bis kurz vor ihrem Tod von einem Fernsehteam des SWR begleitet. Die Dokumentation heißt &#8222;Frau S. will sterben&#8220; und man kann sie auf YouTube sehen ( <a href="https://youtu.be/psYTpEr0Uzo" rel="nofollow ugc">https://youtu.be/psYTpEr0Uzo</a> ). Wer die Sterbegeschichte meiner Mutter aus meiner Sicht lesen möchte, ist herzlichst eingeladen auf meinem Blog nachzulesen ( <a href="http://sterbegeschichten.de/meine-sterbegeschichte/" rel="nofollow ugc">http://sterbegeschichten.de/meine-sterbegeschichte/</a> ).</p>
<p>So viel zu meinem Hintergrund und den Erfahrungen, die mich das Leben machen ließ. Weil Sie, hochgeschätzter Herr Niedermeier, bereits den sachlichen und objektiven Teil der Gegenargumentation erledigt haben, erlaube ich es mir jetzt, den emotionalen Teil zu übernehmen. Denn es ist enorm wichtig, diesen angeblich so einfachen Wahrheiten über das selbstbestimmte Sterben, wie sie hier so beispielhaft von Frau Schardien postuliert werden, die komplexen Umstände der Realität und die Vielfältigkeit des Menschseins entgegen zu stellen.</p>
<p>Es fängt erstmal damit an, dass ein psychisch gesunder Mensch nicht einfach so sterben will, noch nicht einmal dann, wenn er schwer krank ist. Ich habe seit 2016 mit einigen Menschen gesprochen. Das waren kranke und gesunde, sterbewillige und lebenslustige Menschen. Es war nicht einer dabei, der das eigene Leben nicht als seinen wertvollsten Schatz betrachtet hätte und es war auch keiner dabei, der sich irgendwie als Last (die es loszuwerden gälte) empfunden hätte. Das Leben will leben. Und wenn es auch nur den kleinsten Hoffnungschimmer auf Besserung gibt, kämpfen Menschen um ihr bisschen Leben. Niemand gibt einfach so auf.</p>
<p>Und dann kommt immer dieses merkwürdig zu kurz gedachte Argument, vulnerable Menschen könnten von anderen zum Suizid gedrängt werden und es dann auch noch tun. Vielleicht sollte sich Frau Schardien selbst einmal die Frage stellen wie sie reagieren würde, wenn ihr ein naher Verwandter, Vormund, das Krankenhaus oder ein von den Erben beauftragter Sterbehilfeverein nahelegte, doch jetzt endlich sterben zu wollen? </p>
<p>Lassen Sie uns davon ausgehen, dass Frau Schardien beim Beantworten der Frage ganz bestimmt nicht sterben wollen würde. Vermutlich wäre dann ihre Reaktion Entsetzen und Empörung. Und zwar zu Recht! Wahrscheinlich würde sie die Frage-, bzw. Forderungssteller achtkantig rausschmeißen und sich Hilfe suchen, bspw. in ihrer Gemeinde, bei Freunden und Vertrauten, ihrem Arzt oder bei Journalisten, die solcherlei Dinge gerne aufdecken, weil so etwas tatsächlich ein Skandal wäre. </p>
<p>Menschen so grundsätzlich zu unterstellen, dass sie einen solchen Angriff auf ihr Leben nicht selbst erkennen und abwehren könnten, ist nicht nur ein Mangel an Respekt vor dem Verstand und der Autonomie der Menschen, es ist vor allem auch Entmündigung. Aber ja, ich weiß, wir reden hier von der Kirche &#8230;</p>
<p>Leider ist Frau Scharpiens Geschichte von &#8222;Elke&#8220; und ihrem Vater so allgemein und geradezu banal, dass man alles und nichts hineininterpretieren kann. Vermutlich wollte sie nur auf Hospize als Alternative zum selbstbestimmten Freitod hinweisen &#8211; und bestimmt auch auf den einsamen Krankenhaus- oder Pflegeheimtod. Das ist vollkommen in Ordnung, denn Hospize können tatsächlich eine Alternative sein. Allerdings wäre es ehrlicher, wenn sie auch dazu sagen würde, dass längst nicht jeder Sterbenmüssende ein Bett dort bekommt, nicht jede Diagnose hospizwürdig ist und Palliativmedizin nicht immer und in jedem Fall helfen kann. </p>
<p>All das, was Frau Scharpien aus dem Hospiz beschreibt, die Fotos der Lieben, das Rasierwasser usw. ist nicht falsch. Der beste Dienst am Menschen bei seinem Lebensende ist es aber nur dann, wenn all die Bemühungen von diesem Menschen gewollt sind. Aber spätestens wenn sich jemand anders entscheidet und sein Ende selbst bestimmen will, ist das Hospiz keine Alternative mehr. </p>
<p>Der auch von Ihnen zitierte Satz </p>
<p>&#8222;Niemand hindert ihn. Nichts drängt ihn. Das ist Freiheit am Lebensende.&#8220;</p>
<p>macht mich in diesem Kontext mit seiner brutalen Einseitigkeit fassungslos. Denn mit den Augen eines Sterbewilligen betrachtet, sagt dieser Satz das komplette Gegenteil aus. Man hindert den Sterbewilligen eine autonome Entscheidung zu treffen. Man drängt ihn auszuhalten und auch noch Dankbarkeit dafür zu zeigen. Würde Frau Scharpien die Freiheit anderer Menschen tatsächlich wichtig sein und deren umfassende (Entscheidungs)Freiheit mitdenken, hätte sie diesen Satz nicht so formulieren können.</p>
<p>Viele Sterbehilfegegner erlauben sich zumeist ungefragt die Anmaßung, ob das Leiden anderer Menschen (noch) aushaltbar ist oder nicht. Dabei sind Leiden von Natur aus höchst subjektiv und die Grenzen der Menschen so unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Auch bei meiner Mutter haben sich Menschen, die weder meine Mutter in Persona noch ihre Beschwerden kannten, dazu verstiegen zu behaupten, &#8222;dass es ihr so schlimm ja noch gar nicht ging und sie durchaus noch ein paar Jahre hätte leben können&#8220;.</p>
<p>Wahrscheinlich wusste meine Mutter, dass sich nach ihrem Suizid Hinz und Kunz die &#8222;Freiheit nehmen&#8220; würden, sich solche Respektlosigkeiten zu erlauben. In der Dokumentation (bei YouTube ab Minute 23:27) beugt sie dem sehr deutlich vor:</p>
<p>&#8222;Ich bin einfach nur dankbar, dass ich bis hierher gekommen bin. Und es braucht mich keiner zu bedauern und es braucht auch keiner zu sagen, naja, na so schlecht ging es ihr ja nun auch wieder nicht. [&#8230;]&#8220;</p>
<p>Und doch ist genau das passiert. Mehrfach und öffentlich. Eben einfach respektlos.</p>
<p>Genau diese Respektlosigkeit zieht sich auch durch Frau Scharpiens Text. Es ist dieser starke Paternalismus, von dem religiöse Mennschen offenbar nicht ablassen können, weil sonst wohl ihr gesamtes Weltbild in Frage stünde. </p>
<p>Aber es nervt einfach nur noch. Weil es so sehr aus der Zeit gefallen ist.</p>
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