„Wir starten in den Advent 2025 – in den Advent des Lebens und dieser Welt“ – Gedanken zum Impuls von Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda, veröffentlicht am 29.11.25 von osthessen-news.de
Darum geht es
Der Impuls zum Advent 2025 verschleiert durch religiöse Rhetorik und vage Hoffnungsversprechen die Tatsache, dass nicht göttliche Intervention, sondern rationales menschliches Handeln die realen Probleme unserer Welt lösen kann.Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda lädt uns ein, den Advent 2025 als „Ankunft Gottes“ zu verstehen. Was auf den ersten Blick wie eine harmlose Weihnachtsbotschaft klingt, offenbart bei näherer Betrachtung die typischen Mechanismen religiöser Rhetorik: vage Versprechungen, emotionale Manipulation und die Projektion menschlicher Verantwortung auf eine imaginäre Instanz.
Die Illusion der göttlichen Intervention
„Gott wird Mensch – mitten in unserer Unvollkommenheit“, verkündet Buß. Doch was bedeutet das konkret? Die historische Realität ist ernüchternd: Es gibt keinerlei außerbiblische Belege für die Geburtsgeschichte Jesu in Bethlehem. Die Evangelien widersprechen sich in wesentlichen Details, und selbst christliche Theologen räumen ein, dass die Geburtserzählungen theologische Konstrukte sind, keine historischen Berichte.
Noch problematischer: Das Versprechen „Ich komme. Ich lasse dich nicht allein“ steht in krassem Widerspruch zur Lebensrealität unzähliger Menschen. Krebskranke Kinder, Opfer von Naturkatastrophen, Menschen in Kriegsgebieten – sie alle warten vergeblich auf diese versprochene „Ankunft“. Die theologische Ausflucht, Gott wirke auf „mysteriöse Weise“, ist nichts als eine Immunisierungsstrategie gegen berechtigte Kritik.
Passivität im Gewand der Hoffnung
Besonders perfide ist die Botschaft, wir sollten „warten“ – wenn auch „nicht passiv“. Doch genau das ist das Problem: Der Advent-Diskurs lenkt von aktivem Handeln ab. Statt konkrete Lösungen für die angesprochenen Probleme zu entwickeln – Klimakrise, soziale Ungerechtigkeit, Konflikte –, wird auf eine transzendente Kraft verwiesen, die „unterwegs“ sei.
Buß erwähnt zwar, dass Menschen „einander Licht bringen“ sollen, doch diese humanistische Einsicht wird sofort religiös vereinnahmt: „Er kommt, wo Menschen einander Licht bringen.“ Damit wird menschliche Solidarität zu einem göttlichen Akt umgedeutet. Die eigentliche Leistung – nämlich dass Menschen aus eigenem Antrieb, aus Empathie und Vernunft handeln – wird entwertet und einem Gott zugeschrieben, für dessen Existenz es keine Evidenz gibt.
Die Kerzenmetapher als Selbsttäuschung

„Manchmal beginnt dieses Licht ganz klein – wie eine erste Kerze“, schreibt der Pfarrer poetisch. Doch seien wir ehrlich: Eine Kerze im Advent ist Dekoration, mehr nicht. Sie löst keine Probleme. Sie heilt keine Krankheiten. Sie beendet keine Kriege.
Die Gleichsetzung von Kerzenlicht mit Hoffnung oder gar göttlicher Präsenz ist eine sentimentale Metapher, die von der Notwendigkeit konkreten Handelns ablenkt. Statt Kerzen anzuzünden, bräuchten wir wissenschaftliche Forschung, politisches Engagement und rationale Problemlösungsstrategien.
Resignation als Geschäftsmodell, auch im Advent 2025
Der Advent-Diskurs lebt von der menschlichen Sehnsucht nach Sinn und Hoffnung in schwierigen Zeiten. Das ist verständlich und zutiefst menschlich. Problematisch wird es, wenn Religionen diese Bedürfnisse ausnutzen, um ihre eigene Relevanz zu sichern.
Buß spricht von „unserer Resignation“, aus der wir „aufbrechen“ sollen – aber wohin? In die Kirche? Zum Gebet? Die konkrete Handlungsaufforderung bleibt nebulös: „einander neu wahrnehmen, zuhören, helfen, teilen, beten, hoffen“. Fünf dieser sechs Verben sind entweder trivial oder religiös konnotiert. Nur „helfen“ ist konkret – doch dafür braucht es keinen Gott und keine Kirche.
Was wir wirklich brauchen
Die vom Pfarrer angesprochenen Probleme sind real: Klimakrise, soziale Ungerechtigkeit, Konflikte. Doch ihre Lösung erfordert keine göttliche Intervention, sondern:
- Wissenschaftlich fundierte Klimapolitik statt Gebete für die Schöpfung
- Soziale Reformen und Umverteilung statt Almosen aus christlicher Nächstenliebe
- Diplomatische Anstrengungen und Konfliktlösung statt Hoffnung auf den „Fürsten des Friedens“
- Psychologische und medizinische Versorgung für Menschen in Krisen statt des Vertröstens auf eine bessere Jenseitswelt
Fazit: Menschliche Würde braucht keine Götter
Der humanistische Advent sähe anders aus: Wir würden anerkennen, dass wir Menschen die einzigen Akteure sind, die unsere Welt gestalten können. Wir würden die Verantwortung nicht an einen imaginären Gott delegieren, sondern sie aktiv übernehmen. Wir würden Licht ins Dunkel bringen – nicht durch Kerzen und Gebete, sondern durch Bildung, Wissenschaft, Empathie und solidarisches Handeln.
Die „Ankunft“, auf die es wirklich ankommt, ist nicht die eines Gottes, sondern die Ankunft im Hier und Jetzt – mit all seiner Schönheit und Schwierigkeit. Nur wenn wir aufhören, auf übernatürliche Rettung zu warten, können wir die Welt wirklich verändern.
In diesem Sinne: Einen aufgeklärten Advent – ohne Götter, aber mit umso mehr Menschlichkeit.

















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