Gelassenheit aus dem Kloster? Die stille Vereinnahmung säkularer Praxis
Warum Krannichs Klosterromantik Gelassenheitstechniken religiös umdeutet, die längst säkular verfügbar sind und was von dem Freiheitsbegriff zu halten ist
Kirchen-, Glaubens- und Religionskritik • Aufklärung • Säkularismus • Humanismus
Das „Wort zum Sonntag“ ist eine Fernsehsendung, die jeden Samstag Abend im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und damit auf Kosten der Allgemeinheit ausgestrahlt wird.
In dieser nicht moderierten Verkündigungssendung nutzen evangelische und katholische Berufschristen zumeist aktuelle gesellschaftliche Themen, um damit ihren Glauben, ihre Religion oder ihre Kirchen zu bewerben.
Kommentare dazu aus säkular-humanistisch-naturalistischer Sicht gibts hier im „Wort zum Wort zum Sonntag.“
Warum Krannichs Klosterromantik Gelassenheitstechniken religiös umdeutet, die längst säkular verfügbar sind und was von dem Freiheitsbegriff zu halten ist
Wolfgang Becks Wort zum Sonntag nutzt die Emmaus-Erzählung, um religiösen Zweifel nicht aufzulösen, sondern dauerhaft zu vertagen – und verkauft das als Lebensweisheit.
Eine einzige Zumutung: Wie vorgespielte Ratlosigkeit die Auferstehungsbotschaft vor rationaler Kritik schützt – und warum das unehrlicher ist als offene Verkündigung.
Wort zum Sonntag mit Stadion-Feeling: Wie eine Pfarrerin Jesus‘ Hinrichtung mit Fußball und Gladiatoren vergleicht, den biblischen Auferstehungsmythos als „größten Sieg“ präsentiert und verspricht, dass „alle gewinnen“ – ohne zu erklären, was das konkret bedeutet oder warum es überhaupt Kämpfe gibt, wenn Gott doch schon gesiegt hat.
Endlich Ehrlichkeit über die Nutzlosigkeit des Gebets – aber dann religiöse Kitschmetaphern statt Konsequenzen, Theodizee-Ausweichen statt Gottesfrage und säkulare Lösungen im Auferstehungsgewand.
Benedikt Welter tarnt religiöse Werbung als psychologische Selbsthilfe: Statt wirksamer säkularer Methoden propagiert er Fasten, Beten und göttliche Abhängigkeit – ein Paradebeispiel für die Vereinnahmung menschlicher Probleme zur Vermarktung von Götterglauben.
Beck nutzt selektive Bibelauslegung, um eine berechtigte pazifistische Botschaft zu begründen, verschleiert dabei die massive Gewaltlegitimation biblischer Texte, klammert die historische Rolle der Kirchen als Kriegsbefürworter aus und übersieht, dass rationale Friedensethik ohne religiöse Legitimation auskommt und ethisch differenzierter argumentieren kann.
Beck flüchtet angesichts realer Kriegsgewalt in eine biblische Sturm-Metapher, naturalisiert damit politische Konflikte als schicksalhafte Naturgewalten, ersetzt wirksames politisches Handeln durch wirkungsloses Gebet und verkauft diese Ohnmacht als spirituelle Weisheit – eine Entmündigung mündiger Bürger durch religiöse Passivitätsrhetorik, präsentiert im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.
Höner instrumentalisiert eine rationale Entscheidung am Berg als Metapher für religiöse Unterwerfung und propagiert dabei eine autoritäre Selbstverkleinerung, die Beharrlichkeit als Sturheit delegitimiert, Autonomie als Egoismus diffamiert und Demut als Kapitulation vor klaren Positionen verkauft – während er verschweigt, dass Umkehren manchmal lebensgefährlich und das Durchhalten manchmal moralisch geboten ist.
Frau Kiess vereinnahmt den säkularen Valentinstag für eine christliche Liebesethik, die sie als universelle Norm präsentiert, während sie dabei logische Widersprüche zwischen proklamierter „Weite“ und tatsächlicher normativer Enge produziert und säkulare Moral als defizitär entwertet.
Frau Prumbaum instrumentalisiert menschliche Stärke und medizinische Erfolge für religiöse Narrative, während sie gleichzeitig die tatsächlichen Heldinnen und Helden – Wissenschaft, Medizin und menschliche Vernunft – unsichtbar macht.
Welter benennt zwar präzise weltweites Unrecht und positioniert sich moralisch dagegen, flüchtet dann aber in paulinische Geduldstheologie und poetische Innerlichkeit, statt konkrete Solidarität, politischen Widerstand und rationale Ursachenanalyse einzufordern.
Krannich inszeniert christliche Passivität als Tugend, indem er politisches Versagen durch spirituelle Innerlichkeit ersetzt und konkrete Handlungsoptionen zugunsten einer vagen Herzensöffnung verweigert.
Pfarrerin Prumbaum ersetzt rationale Auseinandersetzung mit Sterben und Sprachkritik durch sentimentale Metaphern und religiöse Vereinnahmung, wodurch sie genau jene verschleiernde Sprache praktiziert, die sie vorgibt zu kritisieren.
Höner instrumentalisiert aktuelle Existenzängste, um einen Gott zu bewerben, der erwiesenermaßen nicht hilft, und verkauft psychologische Selbstberuhigung als spirituelle Weisheit, während die wirklich hilfreichen Elemente – menschliche Solidarität und rationale Vorbereitung – komplett ohne religiöse Zusätze auskommen.
Das „Wort zum Sonntag“ ersetzt konkrete Hilfe bei realen Problemen durch vage religiöse Hoffnungen auf „gute Mächte“ und verschleiert damit, dass nicht übernatürliche Kräfte, sondern menschliche Solidarität und funktionierende Sozialsysteme tatsächlich helfen.
Frau Behnken verklärt individuelle Gefühle zur politischen Kraft und ersetzt damit die notwendige Analyse struktureller Probleme und konkretes politisches Handeln durch die naive Vorstellung, man könne die Welt mit diffuser „Liebe“ verändern.
Welter instrumentalisiert menschliche Empathie für theologische Zwecke und suggeriert, dass Liebe und Versöhnung einer göttlichen Legitimation bedürfen, obwohl sie natürliche menschliche Fähigkeiten sind, die keiner religiösen Begründung bedürfen.
Höner immunisiert den Glauben durch emotionale Rhetorik und präemptive Selbstkritik gegen rationale Einwände, indem er legitime Friedenswünsche mit religiösem Wunschdenken gleichsetzt und historisch unhaltbare Weihnachtsmythen als Beleg für die „Möglichkeit des Unmöglichen“ verkauft – während er selbst eingesteht, dass es naiv ist.
Kiess verkauft universelle menschliche Bedürfnisse nach Ritual und Gemeinschaft als religiöses Eigentum und schmuggelt unter dem Deckmantel toleranter Winterromantik letztlich doch die exklusive christliche Heilsbotschaft ein, während sie verschweigt, dass säkulare Gesellschaften Sinn, Ethik und Zusammenhalt ohne metaphysischen Überbau schaffen können.
Die Kirche romantisiert religiös verbrämte „Sanftmut“ als spirituelle Lösung für reale terroristische Bedrohungen, während sie gleichzeitig verschleiert, dass gerade religiöse Ideologien diese Gewalt überhaupt erst hervorbringen – und präsentiert ihre eigene Hilflosigkeit als moralische Überlegenheit.
Johanna Vering verkauft private Schwangerschaftsfreude als Gottesbeweis und vertagt reale Weltprobleme auf ein mythisches „Einmal“, statt anzuerkennen, dass Hoffnung menschliches Handeln erfordert, keine göttlichen Versprechen.
Pfarrerin Prumbaum instrumentalisiert menschliche Trauer und emotionale Verletzlichkeit, um unbelegte Jenseitsversprechen zu verkaufen.
Die Kirchen können nicht glaubwürdig Antisemitismus bekämpfen, wenn sie einerseits die Bibel als göttliche Wahrheit verkünden, andererseits aber deren antisemitische Passagen nachträglich als menschliche Irrtümer relativieren.
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Ich musste zuerst an "Light-Wurst-Produkte" der 80er Jahre denken... "Ich will so bleiben wie ich bin. - Du darfst!" :-)