Gedanken zum Beitrag: NEUHOF In der Kaligemeinde stimmt was nicht! – Wo ist das Gipfelkreuz auf dem Kaliberg geblieben? – Besorgte Leser, veröffentlicht am .1.26 von (ci) / osthessen-news.de
Darum geht es
Der Artikel normalisiert religiöse Vereinnahmung öffentlichen Raums durch unkritische Präsentation eines christlichen Symbols als selbstverständliches „Wahrzeichen“, ohne die weltanschauliche Neutralität einer pluralistischen Gesellschaft zu berücksichtigen.Die Aufregung um das verschwundene Gipfelkreuz auf dem Neuhofer Kaliberg offenbart ein grundsätzliches Problem: die unreflektierte Vermischung von religiöser Symbolik und öffentlichem Raum. Der Artikel präsentiert das christliche Kreuz als selbstverständliches „Wahrzeichen“ und bedient dabei eine Rhetorik, die religiöse Dominanz normalisiert.

Besonders problematisch ist die emotionale Aufladung: Ein Leser beschreibt das Kreuz als „zusätzlichen Segen“ für sein Haus und spricht von „Beruhigung“ durch das religiöse Symbol. Diese Privatisierung öffentlicher Räume durch christliche Symbolik ignoriert, dass nicht alle Anwohner dieser Religion angehören oder überhaupt religiös sind. Was für manche „beruhigend“ wirkt, kann für andere ein Symbol religiöser Vereinnahmung sein.
Kritische Distanz? Fehlanzeige.
Der Artikel lässt jede kritische Distanz vermissen. Statt zu hinterfragen, ob ein religiöses Symbol auf industriellem Gelände überhaupt angemessen ist, wird die Rückkehr des Kreuzes als selbstverständlicher Wunsch präsentiert. Die Initiative des damaligen Bürgermeisters Martin Hohmann (der später durch antisemitische Äußerungen bundesweit bekannt wurde[1]Quelle: Martin Hohmann war von 1984 bis 1998 Bürgermeister von Neuhof. Am 3. Oktober 2003 hielt er eine Rede zum Tag der Deutschen Einheit, in der er die Frage stellte, ob man „die … Continue reading) wird unkritisch historisch eingeordnet.
Aus säkularer Perspektive stellt sich die Frage:
Warum muss ein Industrieunternehmen religiöse Symbole präsentieren? Der „Monte Kali“ ist keine Kirche, sondern eine Industriehalde. Die Tatsache, dass ein unbekannter Spender das Kreuz finanzierte, ändert nichts an der öffentlichen Wirkung und der damit verbundenen Botschaft: „Hier ist christliches Territorium.“
In einer pluralistischen Gesellschaft sollten öffentlich sichtbare Räume neutral gestaltet sein. Ein beleuchtetes, neun Meter hohes Kreuz, das „weithin sichtbar“ ist, markiert eine religiöse Dominanz, die andere Weltanschauungen ausschließt. Was wäre die Reaktion, wenn stattdessen ein humanistisches Symbol, ein muslimischer Halbmond oder ein atheistisches „A“ installiert würde?
Die unkritische Berichterstattung zeigt, wie tief verwurzelt die christliche Privilegierung in Deutschland noch ist. Statt „Aufmerksamkeit“ für die Rückkehr eines religiösen Symbols zu fordern, sollte die Debatte lauten: Brauchen wir im 21. Jahrhundert überhaupt religiöse Markierungen auf Industrieanlagen oder auch auf Berggipfeln?
Fußnoten
| ↑1 | Quelle: Martin Hohmann war von 1984 bis 1998 Bürgermeister von Neuhof. Am 3. Oktober 2003 hielt er eine Rede zum Tag der Deutschen Einheit, in der er die Frage stellte, ob man „die Juden“ als „Tätervolk“ bezeichnen könne. Diese Rede wurde von führenden jüdischen Organisationen, Historikern und der Mehrheit der Politik als antisemitisch eingestuft:
Paul Spiegel, damaliger Präsident des Zentralrats der Juden, nannte die Äußerungen „einen Griff in die unterste Schublade des widerlichen Antisemitismus“ (Wikipedia) Die Kreuz-Initiative fand 1995 statt, also während seiner Zeit als Bürgermeister (1984-1998), acht Jahre vor der antisemitischen Rede. |
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