„Bei Jesus ist der Teufel los“: Warum Stefan Buß‘ Menschenbild gefährlich ist

Lesezeit: ~ 9 Min.

Eine humanistische Zurückweisung autoritärer Gehorsamsideologie und mythologischer Weltdeutung – Kritik zu: Stefan Buß: „Bei Jesus ist der Teufel los!“ – Mt. 4,1-11, veröffentlicht am 7.3.26 von osthessen-news.de

Darum geht es

Buß propagiert ein menschenverachtendes Weltbild, das bedingungslosen Gehorsam verherrlicht, kritisches Denken als verdächtig diffamiert, Autonomie als teuflische Versuchung darstellt, säkulare Ethik delegitimiert und auf einer mythologischen Weltsicht basiert – eine autoritäre Indoktrination, die Menschen entmündigt und von der Eltern ihre Kinder fernhalten sollten, statt sie solcher geistigen Manipulation auszusetzen.

Stadtpfarrer Stefan Buß hat einen neuen „Impuls“ zur biblischen Versuchungsgeschichte Jesu veröffentlicht. Was er als spirituelle Orientierung präsentiert, ist bei genauer Analyse ein erschreckendes Dokument autoritären Denkens: Er propagiert bedingungslosen Gehorsam gegenüber einer imaginären Autorität, diffamiert rationale Selbstbestimmung als teuflische Versuchung, konstruiert eine mythologische Weltdeutung mit personifizierten Mächten des Bösen und präsentiert Schwäche und Unterwerfung als Tugenden.

Dieses Menschenbild ist nicht nur intellektuell unhaltbar – es ist moralisch verachtenswert und für die psychische Entwicklung junger Menschen gefährlich. Eltern, die ihre Kinder dem Einfluss solcher Ideologie aussetzen, handeln fahrlässig.

Die mythologische Weltsicht: Wenn der Teufel noch real ist

Buß beginnt mit einer scheinbar lockeren Formulierung: „’Bei Jesus ist der Teufel los!‘ – Das klingt fast flapsig. Aber genau das erzählt das Matthäusevangelium.“

Diese Einleitung verschleiert, dass Buß im Folgenden eine wörtliche Interpretation mythologischer Erzählungen vornimmt. Er behandelt den Teufel nicht als literarische Figur, als Symbol, als Metapher für innere Konflikte – sondern als reale Entität, die Jesus tatsächlich begegnet ist.

Teufel und Jesus
Quelle: Netzfund

Aus rationaler Sicht ist diese Weltsicht absurd. Es gibt keine empirischen Belege für die Existenz eines personifizierten Bösen, keinen Grund anzunehmen, dass übernatürliche Wesen Menschen versuchen, keine Evidenz für die Realität von Engeln oder Dämonen. Die Versuchungsgeschichte ist eine narrative Konstruktion, die theologische Aussagen über Jesus‘ Rolle und Charakter vermitteln soll – nicht ein historischer Bericht über ein tatsächliches Ereignis.

Doch Buß präsentiert diese mythologische Erzählung als Realität: „Und genau da, wo der Mensch schwach wird, setzt die Versuchung an.“ Der Teufel wird als handelndes Subjekt dargestellt, das strategisch vorgeht, das Menschen in schwachen Momenten angreift, das kalkuliert versucht.

Diese Dämonisierung des Bösen ist nicht nur irrational, sie ist auch moralisch problematisch. Sie externalisiert das Böse, macht es zu einer äußeren Macht, die den Menschen überfällt – statt anzuerkennen, dass Menschen selbst die Urheber ethischer und unethischer Handlungen sind. Die mythologische Weltsicht entlastet von Verantwortung („Der Teufel hat mich versucht“) und verhindert rationale ethische Reflexion.

Die Diffamierung der Autonomie: Selbstbestimmung als Versuchung

Buß interpretiert die drei Versuchungen Jesu und zieht dann eine erschreckende Parallele zur Gegenwart:

„Ist das nicht erschreckend aktuell?

  • Wenn du kannst – dann nutze deine Möglichkeiten.
  • Wenn du Macht haben kannst – dann greif zu.
  • Wenn du Erfolg haben kannst – warum verzichten?“

Diese Formulierungen präsentieren Autonomie, Selbstwirksamkeit und Erfolg als problematisch – als „Versuchungen“, denen man widerstehen soll. Buß diffamiert zentrale Werte säkularer Ethik:

1. „Nutze deine Möglichkeiten“ als Versuchung

Die erste Versuchung im Matthäusevangelium lautet: „Wenn du Gottes Sohn bist, verwandle diese Steine in Brot.“ Jesus antwortet: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“

Buß deutet das so: „Wenn du kannst – dann nutze deine Möglichkeiten“ – das ist eine Versuchung.

Aus humanistischer Sicht ist diese Deutung pervers. Dass Menschen ihre Fähigkeiten nutzen sollen, ist keine Versuchung, sondern eine ethische Pflicht. Wer die Fähigkeit hat, Hunger zu lindern (eigenen oder fremden), der sollte sie nutzen. Wer Probleme lösen kann, sollte das tun. Wer Potenziale entwickeln kann, sollte sie verwirklichen.

Buß stellt es jedoch als verdächtig dar, wenn Menschen ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Er propagiert stattdessen passive Ergebenheit: Warte auf Gottes Willen, nutze deine Fähigkeiten nicht eigenmächtig, vertraue statt zu handeln.

Diese Haltung ist antihumanistisch. Sie verhindert Selbstwirksamkeit, entmutigt Eigeninitiative, wertet rationale Problemlösung ab.

2. „Greif zur Macht“ als Versuchung

Die dritte Versuchung lautet: Der Teufel bietet Jesus „alle Reiche der Welt“, wenn er ihn anbetet. Jesus lehnt ab: „Du sollst Gott allein dienen.“

Buß deutet: „Wenn du Macht haben kannst – dann greif zu“ – das ist eine Versuchung.

Diese Deutung ist politisch gefährlich. Sie diffamiert jede Form von Machtausübung als potentiell teuflisch. Doch aus demokratischer Sicht ist Macht nicht per se böse. Macht kann missbraucht werden – aber sie kann auch konstruktiv eingesetzt werden: um Gerechtigkeit zu schaffen, um Strukturen zu verändern, um Schwache zu schützen.

Die pauschale Diffamierung von Macht führt zu politischer Passivität. Wer glaubt, dass Machtstreben teuflisch ist, wird sich nicht politisch engagieren, wird keine Verantwortung übernehmen, wird Ungerechtigkeit hinnehmen statt sie zu bekämpfen.

Zudem ist die Logik widersprüchlich: Die Kirche selbst ist eine Machtinstitution, die über Jahrhunderte politische und soziale Kontrolle ausgeübt hat. Wenn Machtstreben teuflisch ist – warum legitimiert die Kirche dann ihre eigene Macht?

3. „Warum verzichten?“ als Versuchung

Buß fragt rhetorisch: „Wenn du Erfolg haben kannst – warum verzichten?“

Diese Frage präsentiert Erfolgsstreben als moralisch verdächtig. Doch aus säkularer Sicht ist Erfolg nicht verwerflich. Menschen dürfen Ziele haben, dürfen nach Verwirklichung streben, dürfen Anerkennung für ihre Leistungen suchen.

Die Diffamierung von Erfolg führt zu einer Kultur der Selbstverkleinerung, die wir bereits in Buß‘ früheren Texten gesehen haben: Das Herz an die Angel hängen (Selbstaufgabe), Salz sein (sich auflösen), nicht das eigene Ego (Selbstwert als Sünde).

Diese Ideologie macht Menschen klein, nimmt ihnen den Mut zu Selbstverwirklichung, schürt Schuldgefühle für legitime Ambitionen.

Die Verherrlichung des Gehorsams: Unterwerfung als Tugend

Nun kommt Buß zum Kern seiner Botschaft: Jesus‘ Antworten auf die Versuchungen seien Beispiele für Gehorsam:

„Jesus antwortet jedes Mal mit einem Wort aus der Schrift. Er diskutiert nicht. Er philosophiert nicht. Er greift zurück auf Gottes Wort.“

Diese Passage ist aufschlussend für Buß‘ autoritäres Denken:

1. Anti-Intellektualismus

„Er diskutiert nicht. Er philosophiert nicht“ – das wird als Tugend präsentiert. Jesus denkt nicht kritisch nach, wägt nicht ab, reflektiert nicht rational. Er zitiert einfach Schrift.

Diese Verherrlichung des Nicht-Denkens ist anti-intellektuell. Aus aufklärerischer Sicht ist gerade das kritische Denken die zentrale menschliche Fähigkeit. Kant definierte Aufklärung als „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ – als Mut, den eigenen Verstand zu gebrauchen.

Buß propagiert das Gegenteil: Unmündigkeit als Tugend. Diskutiere nicht, philosophiere nicht, denke nicht selbst – zitiere Autorität.

Diese Haltung ist nicht nur intellektuell bankrott, sie ist auch gefährlich. Sie macht Menschen anfällig für Manipulation, für autoritäre Ideologien, für unreflektierte Gefolgschaft. Wer lernt, dass Diskutieren und Philosophieren verdächtig sind, wird blind folgen statt kritisch zu prüfen.

2. Autoritätshörigkeit

Jesus „greift zurück auf Gottes Wort“ – das wird als Vorbild präsentiert. Nicht eigenes Denken, nicht rationale Abwägung, nicht ethische Reflexion sind entscheidend, sondern Rückgriff auf Autorität.

Diese Logik etabliert die Bibel (und damit deren Interpreten – die Kirche, die Pfarrer) als unantastbare Autorität. Was in der Schrift steht, ist wahr. Was Gott sagt, ist richtig. Punkt.

Aus säkularer Sicht ist diese Autoritätsgläubigkeit das Gegenteil von Mündigkeit. Menschen sollen nicht autoritätshörig sein, sondern kritisch: Prüfe Behauptungen, hinterfrage Autoritäten, denke selbst.

Die Bibel ist kein Argument. Sie ist ein historisches Dokument, verfasst von Menschen, geprägt von ihrer Zeit, voller Widersprüche und ethisch problematischer Passagen. Sie als letzte Instanz ethischer Wahrheit zu behandeln ist irrational.

3. Gehorsam als höchster Wert

Buß fasst zusammen: Jesus „bleibt Gottes Sohn – nicht indem er seine Macht zeigt, sondern indem er gehorcht.“

Gehorsam wird hier als zentrale Tugend präsentiert. Nicht Selbstbestimmung, nicht kritisches Denken, nicht ethische Reflexion – sondern Gehorsam gegenüber Gott.

Diese Ideologie ist autoritär in Reinform. Sie macht Menschen zu Befehlsempfängern, die nicht selbst entscheiden, sondern gehorchen. Sie negiert Autonomie, Mündigkeit, Selbstverantwortung.

Aus humanistischer Sicht ist Gehorsam keine Tugend an sich. Gehorsam kann unter Umständen richtig sein (z.B. gegenüber demokratisch legitimierten Gesetzen), aber er ist nie der höchste Wert. Der höchste Wert ist ethisches Urteil: Prüfe, ob eine Anweisung ethisch vertretbar ist – und gehorche nur dann, wenn sie es ist.

Blinder Gehorsam gegenüber Autorität hat historisch zu den schlimmsten Verbrechen geführt – von der Vergangenheit bis zum heutigen Tag: Holocaust, Inquisition, religiöse Kriege. All das geschah nicht trotz, sondern wegen Gehorsam gegenüber Autoritäten (staatlich oder religiös).

Die Diffamierung rationaler Selbstbestimmung: „Das Gottlose im Guten“

Nun wird Buß explizit in seiner Diffamierung säkularer Ethik:

„Die größte Versuchung ist vielleicht nicht das Böse, sondern das Gottlose im Guten.“

Stadtpfarrer Stefan Buß, Fulda, Impuls vom 7.3.26

Diese Formulierung ist perfide. Sie suggeriert, dass selbst scheinbar gute Handlungen „gottlos“ – und damit letztlich böse – sein können. Buß konstruiert damit eine Falle: Selbst wenn du ethisch handelst, selbst wenn du Gutes tust – wenn du es ohne Gott tust, ist es verdächtig, ist es „Versuchung“.

Diese Logik entwertet jede säkulare Ethik. Humanisten, Atheisten, Agnostiker – alle handeln „gottlos“, auch wenn sie ethisch handeln. Und laut Buß ist gerade das die „größte Versuchung“.

Aus rationaler Sicht ist diese Behauptung absurd. Ethisches Handeln braucht keine göttliche Legitimation. Menschen können aus Empathie, aus rationaler Einsicht, aus säkularen Werten ethisch handeln – ohne Gott, ohne Bibel, ohne Religion.

Die Behauptung, „gottloses Gutes“ sei verdächtig, ist eine Form der moralischen Enteignung: Nur wer im Namen Gottes handelt, handelt wirklich gut. Alle anderen – selbst wenn sie Gutes tun – stehen unter Verdacht.

Diese Logik ist nicht nur arrogant, sie ist auch gefährlich. Sie delegitimiert säkulare Ethik, wertet nichtreligiöse Menschen ab, schürt Misstrauen gegenüber allem, was nicht religiös legitimiert ist.

Die Verherrlichung von Schwäche und Leid: „Der Weg führt durch die Wüste“

Buß deutet die Wüsten-Episode als Vorbild:

„Die Wüste ist der Ort der Leere. Der Einsamkeit. Der Bedürftigkeit. Vierzig Tage fastet Jesus. […] Und genau da, wo der Mensch schwach wird, setzt die Versuchung an.“

Er schließt: „Der Teufel bietet ihm die Herrlichkeit – ohne Leidensweg. Aber Jesus weiß: Der Weg Gottes führt nicht an Golgatha vorbei.“

Diese Passage verherrlicht Leid und Schwäche als notwendige Bestandteile des „Weges Gottes“. Jesus lehnt Herrlichkeit ab, weil sie ohne Leiden käme. Das impliziert: Leiden ist notwendig, Leiden ist gut, Leiden ist Gottes Wille.

Aus humanistischer Sicht ist diese Theologie destruktiv. Leid ist kein Wert an sich. Es ist ein Übel, das man nach Möglichkeit vermeiden, lindern oder überwinden sollte. Die Verklärung von Leid als spirituell wertvoll führt dazu, dass Menschen unnötiges Leid ertragen, statt es zu bekämpfen.

Die Kreuzestheologie, auf die Buß hier anspielt („Golgatha“), ist besonders problematisch: Sie sagt, dass Leiden heilbringend ist, dass Opfer notwendig ist, dass Tod Erlösung schafft. Diese Logik kann Menschen dazu bringen, Opferhaltungen einzunehmen, eigenes Leid nicht als Unrecht zu erkennen, Ausbeutung zu dulden.

Aus psychologischer Sicht ist es wichtig, zwischen unvermeidbarem Leid (Krankheit, Verlust, Vergänglichkeit) und vermeidbarem Leid (Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Missbrauch) zu unterscheiden. Unvermeidbares Leid muss man akzeptieren und verarbeiten. Vermeidbares Leid sollte man bekämpfen, nicht verherrlichen.

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Buß unterscheidet das nicht. Er verherrlicht Leid pauschal als „Weg Gottes“ – und macht damit aus Leiden eine Tugend.

Die konkreten Beispiele: Wenn Ethik zu Versuchung wird

Buß konkretisiert, was er als „Versuchung“ ansieht:

„Auch bei uns ist manchmal ‚der Teufel los‘. Nicht mit Hörnern und Schweif. Sondern leise. Vernünftig. Logisch.

  • Wenn ich nur ein bisschen trickse …
  • Wenn ich nur einmal mich durchsetze …
  • Wenn ich nur meinen Vorteil suche …“

Diese Beispiele sind irreführend. Tricksen, sich rücksichtslos durchsetzen, nur den eigenen Vorteil suchen – das sind aus säkularer Sicht auch ethisch problematisch. Aber nicht weil sie teuflisch sind, sondern weil sie anderen schaden.

Die säkulare Begründung lautet: Handle so, dass du die Würde und Autonomie anderer respektierst. Lüge nicht, weil Lügen Vertrauen zerstört. Setze dich nicht rücksichtslos durch, weil das andere verletzt. Suche nicht nur deinen Vorteil, weil Egoismus Solidarität untergräbt.

Diese Begründungen brauchen keinen Teufel, keine mythologischen Mächte. Sie basieren auf rationaler Ethik, auf Empathie, auf Konsequenzenabwägung.

Buß‘ Beispiele verschleiern zudem, dass er vorher auch legitime Handlungen als Versuchung dargestellt hat: Möglichkeiten nutzen, Macht anstreben, Erfolg suchen. Er vermischt bewusst ethisch Problematisches (Tricksen) mit ethisch Neutralem (Erfolg) – um beides unter Verdacht zu stellen.

Das humanistische Gegenbild: Autonomie, Vernunft, Selbstbestimmung

Dem menschenverachtenden Weltbild, das Buß propagiert, ist ein humanistisches Menschenbild entgegenzusetzen:

1. Der Mensch ist autonom

Menschen sind keine Befehlsempfänger göttlicher Autorität, sondern autonome Subjekte mit der Fähigkeit und dem Recht zur Selbstbestimmung. Sie entscheiden selbst über ihre Werte, ihre Ziele, ihre Lebensführung.

2. Vernunft ist zentral

Die menschliche Fähigkeit zu rationalem Denken ist das entscheidende Werkzeug zur Weltdeutung und zur ethischen Orientierung. Nicht autoritätshöriges Schriftzitieren, sondern kritisches Denken, Diskutieren, Philosophieren sind Tugenden.

3. Ethik ist säkular begründbar

Menschen brauchen keine göttlichen Gebote, um ethisch zu handeln. Säkulare Ethik basiert auf Empathie, auf rationalem Nachdenken über Konsequenzen, auf dem Respekt vor der Würde anderer. Sie ist nicht „gottlos“, sondern menschlich.

4. Selbstwirksamkeit ist wertvoll

Menschen sollen ihre Fähigkeiten nutzen, ihre Potenziale entwickeln, Probleme lösen. Das ist keine Versuchung, sondern ethische Pflicht. Selbstwirksamkeit, Kompetenz, Erfolg sind Werte, keine Sünden.

5. Leiden ist kein Wert

Leid ist ein Übel, das man nach Möglichkeit vermeiden, lindern oder überwinden sollte. Die Verklärung von Leiden als spirituell wertvoll ist destruktiv. Stattdessen: Leidvermeidung und Leidlinderung als ethische Ziele.

6. Macht kann konstruktiv sein

Macht ist nicht per se teuflisch, sondern ein Mittel, das ethisch oder unethisch eingesetzt werden kann. Menschen dürfen und sollen Macht anstreben – um Gerechtigkeit zu schaffen, Strukturen zu verändern, Schwache zu schützen.

7. Es gibt keinen Teufel

Das Böse ist nicht eine externe Macht, die Menschen überfällt, sondern das Ergebnis menschlicher Entscheidungen. Verantwortung lässt sich nicht auf mythologische Mächte abwälzen. Menschen sind selbst verantwortlich für ihr Handeln.

Warum diese Ideologie zu verachten ist

Buß‘ Weltbild ist nicht nur intellektuell unhaltbar – es ist moralisch verachtenswert, weil es:

  1. Menschen entmündigt durch Propagierung blinden Gehorsams
  2. Kritisches Denken diffamiert als verdächtig („Er diskutiert nicht, er philosophiert nicht“)
  3. Autonomie als Versuchung darstellt
  4. Säkulare Ethik delegitimiert („das Gottlose im Guten“)
  5. Leiden verherrlicht als notwendigen „Weg Gottes“
  6. Selbstwirksamkeit abwertet zugunsten passiver Ergebenheit
  7. Mythologisches Denken als rational verkauft (realer Teufel, Engel)
  8. Autoritätshörigkeit als Tugend etabliert

Diese Ideologie macht Menschen klein, ängstlich, passiv, abhängig. Sie verhindert Selbstentfaltung, kritisches Denken, politisches Engagement, rationale Weltdeutung.

Die Verantwortung der Eltern: Kinder schützen vor Indoktrination

Besonders problematisch ist, dass solche Inhalte nicht nur Erwachsene erreichen, sondern auch Kinder und Jugendliche – im Religionsunterricht, in Gottesdiensten, in kirchlichen Jugendgruppen.

Eltern, die ihre Kinder dem Einfluss solcher Ideologie aussetzen, handeln fahrlässig. Denn diese Weltanschauung:

  • Untergräbt kritisches Denken: Kinder lernen, dass Diskutieren und Philosophieren verdächtig sind
  • Schürt Schuldgefühle: Legitime Ambitionen (Erfolg, Selbstverwirklichung) werden als Versuchung dargestellt
  • Verhindert Autonomieentwicklung: Gehorsam wird höher bewertet als Selbstbestimmung
  • Etabliert irrationale Weltsicht: Kinder lernen, dass Teufel, Engel, der Bibelgott und andere übernatürliche Mächte real sind
  • Propagiert Opferhaltung: Leiden wird als wertvoll dargestellt, Widerstand gegen Ungerechtigkeit als potentiell teuflisch

Kinder haben ein Recht auf Aufklärung, auf rationale Bildung, auf Entwicklung kritischer Denkfähigkeit. Eltern, die ihre Kinder kirchlicher Indoktrination aussetzen, verletzen dieses Recht.

Die säkulare Gesellschaft sollte:

  • Religionsunterricht, solange es ihn noch gibt, kritisch begleiten: Eltern sollten wissen, was ihre Kinder dort lernen
  • Alternative Ethikunterricht stärken: Säkulare Ethik als gleichwertiges Angebot
  • Aufklärung fördern: Kinder über verschiedene Weltanschauungen informieren, kritisches Denken stärken
  • Schutz vor Indoktrination und vor Priestern allgemein: Kinder nicht als Missionsfeld behandeln

Fazit: Zurückweisung einer menschenverachtenden Ideologie

Stefan Buß‘ „Impuls“ ist ein Dokument autoritären, antihumanistischen, irrational-mythologischen Denkens. Er propagiert:

  • Bedingungslosen Gehorsam statt Autonomie
  • Autoritätshörigkeit statt kritisches Denken
  • Diffamierung säkularer Ethik
  • Verherrlichung von Leiden
  • Mythologische Weltsicht (realer Teufel)
  • Anti-Intellektualismus („Er diskutiert nicht, er philosophiert nicht“)

Dieses Menschenbild ist nicht nur abzulehnen – es ist zu verachten, weil es Menschen ihre Würde nimmt, ihre Autonomie negiert, ihr Denken einschränkt, ihre Selbstentfaltung verhindert.

Dem ist ein humanistisches Menschenbild entgegenzusetzen: autonom, rational, ethisch selbstverantwortlich, zur Selbstwirksamkeit befähigt, frei von mythologischen Ängsten, mündig.

„Bei Jesus ist der Teufel los“? Nein. Bei Stefan Buß ist autoritäres Denken los. Und das ist weit gefährlicher als jeder mythologische Teufel.

Schützen wir uns und unsere Kinder vor solcher Ideologie. Fördern wir kritisches Denken, Autonomie, säkulare Ethik. Und weisen wir zurück, was uns klein machen will.

Mündig. Rational. Selbstbestimmt. Humanistisch.

Stop fruehkindliche Indoktrination
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