Warum der Meerblick nicht reicht – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 5 Min.

Warum der Meerblick nicht reicht – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Magdalena Kiess, veröffentlicht am 8.8.2025 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Das Sommerloch beim „Wort zum Sonntag“ versucht Frau Kiess mit etwas religiöser Mystik und einem Bibelrosinchen zu kitten.

Nach alt bekanntem WzS-Schema problematisiert Frau Kiess diesmal den Umstand, dass manche Menschen auch im Urlaub nicht abschalten können.

Was tun, wenn sich unsere Seele verfangen hat in einem unsichtbaren Netz aus Erwartungen, Leistungsdruck und ständiger Erreichbarkeit und nicht mehr baumeln kann?

Mir kommt ein altes Gedicht von Angelus Silesius in den Sinn. Da heißt es: „Halt an, wo laufst du hin, der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“

Klingt ziemlich alt und fromm. Ist es auch. Ist aber was Wahres dran.

Denn was sagt er da eigentlich?

Dass die Ruhe nicht am Strand wartet. Sondern hier. Jetzt. In dir.

(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Warum der Meerblick nicht reicht – Wort zum Sonntag, verkündigt von Magdalena Kiess, veröffentlicht am 8.8.2025 von ARD/daserste.de)

Ob jemand nach Ruhe, nach „Himmel“ oder nach Göttern sucht, scheint für Frau Kiess keinen Unterschied zu machen.

Für diese mystische Innenrevision ist es inzwischen wohl egal, ob ein Platzhaltergott dabei überhaupt noch eine Rolle spielt. Und wenn ja, womit dieser Platzhalter gefüllt wird.

Wellness-Wischiwaschi-Weichspül-Christentum

Die mystische Theologie eines Johann Scheffler aka Angelus Silesius lässt sich hervorragend mit nicht-christlicher Esoterik und „Spiritualität“ in Verbindung bringen.

War es dem Theologen damals noch darum gegangen, Gott wenigstens in sich selbst zu finden, wenn man ihn schon in der irdischen Wirklichkeit vergeblich suchte, geht es heute nicht mehr um Himmel- und Gottesreiche. Sondern nur noch um ein bisschen Ruhe und Erholung vom Alltag.

Als weiteren christlichen Wellness-Coach bringt Frau Kiess jetzt den Gottessohn aus der biblischen Mythologie ins Spiel:

Gechillter Heiland

Auch Jesus wusste das. Er war selbst ständig unterwegs, umringt von Menschen und ihren Anliegen, immer viel beschäftigt – aber im Gegensatz zu uns nicht gehetzt!

Er sagt: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid – ich will euch Ruhe verschaffen.“

Dass es bei dieser Bibelstelle natürlich ebenfalls nicht um ein bisschen Erholung und Urlaubsruhe geht, stört Frau Kiess nicht. Die begriffliche Nähe der hier angesprochenen „Ruhe“ zu ihrem heutigen Urlaubsthema genügt.

Die vom Gottessohn aus der biblischen Mythologie versprochene Ruhe setzt jedoch voraus, sich zunächst dem „richtigen“ Gott unterworfen und „Buße getan“ zu haben, wie wir wenige Zeilen vor der herausgepickten Stelle erfahren hätten, wenn Frau Kiess nicht wie gewohnt den Kontext unterschlagen hätte:

20 Damals begann er gegen die Städte, in denen seine meisten Wunder geschehen waren, Drohworte zu richten, weil sie nicht Buße getan hatten: 21 »Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die in euch geschehen sind, so hätten sie längst in Sack und Asche Buße getan. 22 Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Sidon am Tage des Gerichts erträglicher ergehen als euch! 23 Und du, Kapernaum, wirst doch nicht etwa bis zum Himmel erhöht werden? Nein, bis zur Totenwelt wirst du hinabgestoßen werden (Jes 14,13.15). Denn wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die in dir geschehen sind, so stände es noch heutigen Tages. 24 Doch ich sage euch: Dem Lande Sodom wird es am Tage des Gerichts erträglicher ergehen als dir!«

Matthäus 11,20-24 MENG

Die vom biblischen Jesus in Aussicht gestellte Ruhe basiert auf dem festen Vertrauen darauf, dass sein Gott persönlich dereinst höchstselbst mit brutalster Gewalt „für Ruhe sorgen“ würde. Indem er jene „ausgleichende Gerechtigkeit“ herstellen würde, die man sich so sehnlich wünschte.

Ruhe durch oder vor Glauben?

Und helfen solche Weisheiten? Sie sind immerhin ein Angebot – Oder eine Erinnerung. Daran, dass wir nicht auch noch unsere Erholung und Ruhe „schaffen“ müssen. Sondern, dass wir eher zu ihr zurückkehren dürfen, wie es in einem Psalm heißt: „Kehr um, meine Seele, zu deiner Ruhe.“

Bei diesen „Weisheiten“ handelt es sich um zweckdienlich uminterpretierte bzw. aus dem Kontext gerissene Textfragmente.

Bei den angeführten religiösen „Weisheiten“ geht es nicht darum, Urlaubsruhe und Erholung zu finden. Sondern den Gott aus der biblisch-christlichen Mythologie. Die Unruhe entsteht hier nicht durch zu viel Stress. Sondern durch zu wenig Glauben.

Laut Silesius solle man Gott in sich selbst suchen und finden. Und bei Jesus, sowie im zitierten Psalm ist es die vollständige Unterwerfung unter den „richtigen“ Gott, die einem Ruhe vor dem lästigen Selberdenken verschaffen soll.

Das „Angebot“ besteht in der Option, Verantwortung an ein fiktives „höheres Wesen“ abgeben zu können, statt sie selbst auszuhalten und zu übernehmen. Das mag für den Betroffenen bequem und für die Priesterkaste profitabel sein. Als „Weisheit“ würde ich es allerdings nicht bezeichnen. Eher als Geschäftsmodell.

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Jesus gibt keine Noten, sondern Hölle

Die Unruhe kommt ja oft aus dem Anspruch, ständig zu performen und der Angst vor Bewertung. Jesus aber gibt uns keine Noten. Er gibt Nähe. Eine Nähe die sagt: Du bist gut. Du bist genug. Hier kannst du einfach sein.

Was für eine verachtenswert zynische, und aus dem Mund einer Theologin mutwillig falsche Darstellung der biblischen Binnenlogik.

Nee, Jesus gibt uns keine Noten. Er gibt Nähe. Eine Nähe die sagt:

Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Markus 16,16 LUT

Das ist die Kernaussage der biblischen Gottessohn-Legende, auf den Punkt gebracht.

In praktisch jedem seiner Gleichnisse lassen die anonymen Bibelschreiber ihren Jesus klar stellen: Nur wer sich seinem Gott vollständig und bedingungslos unterwirft, hat eine Chance, vielleicht davor verschont zu bleiben, was ihm dieser Gott androht, wenn er er es nicht tut.

Alle anderen, die sich zu Lebzeiten nicht von diesem, von keinem oder lieber von einem anderen Gott lieben lassen möchten, bestraft der liebe Gott mit zeitlich unbegrenzter Dauerfolter durch physische und psychische Höllenqualen bei vollem Bewusstsein und ohne Aussicht auf Begnadigung.

Wieso stehen Christen nicht zu der kranken ********, die sie laut ihrer „Heiligen Schrift“ nun mal zu glauben haben? Und schwurblen stattdessen lieber das Blaue vom Himmel?

Klar: So brauchen sie sich nicht damit auseinanderzusetzen, dass ihre Heilsbotschaft im Grunde nichts anderes ist als ein kollektives Stockholm-Syndrom.

…das bewusste Hinwenden zu dem, was bleibt

Genau diese Erfahrung, angenommen zu sein, ohne etwas leisten zu müssen, kann eine Quelle echter Ruhe sein. Sie ist der Zustand, in dem sich unsere Seele aus diesem Netz der Verstrickungen lösen kann und sich – in der Stille – an das Unverlierbare hängt.

Innere Ruhe ist kein Luxusgut. Sie kostet keine 20 Prozent Aufschlag. Sie ist das bewusste Hinwenden zu dem, was bleibt, wenn alles andere verstummt.

Probieren Sie’s aus: Setzen Sie sich zur Ruhe – im wahrsten Sinne des Wortes. Setzen Sie sich zu Ihrer Ruhe dazu. Vielleicht hat sie Ihnen ja was zu erzählen…

Ich wünsche Ihnen eine ruhige Nacht.

Tipps für Berufsverkündiger mit akuter Schwurbelneigung

Die wichtigsten Tipps: Wohnung kühlen, viel trinken und leichte Kleidung tragen.

Die besten 10 Tipps

  • Wohnung kühlen: Nur morgens und abends lüften, tagsüber Fenster, Rollos und Vorhänge geschlossen halten.
  • Luftige, helle Kleidung: Am besten Baumwolle oder Leinen, helle Farben reflektieren die Sonne.
  • Viel trinken: Am besten Wasser oder ungesüßten Tee, auf Alkohol und gezuckerte Getränke verzichten.
  • Leichte Mahlzeiten essen: Frisches Obst, Salat und Fisch sind leichter verdaulich als schwere Gerichte.
  • Körperliche Anstrengung vermeiden: Aktivitäten in die kühlen Morgen- oder Abendstunden verlegen.
  • Kühle Duschen/feuchte Umschläge: Lauwarm duschen oder kühle Umschläge auf Stirn, Nacken oder Unterarme legen.
  • Schutz vor Sonne: Hut, Sonnenbrille und Sonnencreme benutzen, Schattenplätze suchen.
  • Mehr Pausen machen: Regelmäßige kleine Pausen einlegen, um den Kreislauf zu schonen.
  • Ventilator richtig nutzen: Bei Bedarf Ventilator einsetzen, für bessere Kühlung ein Gefäß mit Eis davor stellen.
  • Besser schlafen: Bettlaken oder Pyjama vor dem Schlafengehen kühlen, nur leicht zudecken im Schlafzimmer.

Weitere Empfehlungen

  • Ein Fußbad oder kalte Tücher im Nacken helfen zwischendurch.
  • Raum verdunkeln, eventuell nasse Tücher aufhängen zur Kühlung.
  • Mit Wasser verdünnte Obstsäfte sind im Sommer besonders erfrischend.

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