Gedanken zum Beitrag: Hochfest im Fuldaer Dom – Weihbischof Diez: Gott weist Wege zum Frieden, veröffentlicht am 7.1.2026 von osthessen-news.de
Darum geht es
Statt reale Friedensarbeit zu fördern, flüchtet sich Weihbischof Diez in theologische Rhetorik, die politische Verantwortung an eine imaginäre göttliche Instanz delegiert und damit menschliches Handeln entmündigt.Weihbischof und Domdechant Prof. Dr. Karlheinz Diez predigte im Fuldaer Dom zum so genannten Hochfest der Erscheinung des Herrn. Seine Botschaft: Gott zeige den Menschen Wege zu Frieden und Versöhnung – „leise, beharrlich und jenseits gängiger Machtlogik“. Was auf den ersten Blick nach Hoffnung klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als problematische Verweigerung säkularer Verantwortung.
Die Krippe als politisches Programm?
Diez interpretiert die Geschichte der Heiligen Drei Könige als Anleitung für heutige Machtfragen. Das neugeborene Christuskind in einem „ärmlichen Stall“ soll eine „Umkehr der Maßstäbe“ symbolisieren: Macht werde nicht durch Stärke definiert, sondern durch „Hingabe und Liebe“.
Doch welche praktische Konsequenz hat diese poetische Formel? Keine. Die Metapher mag ästhetisch ansprechend sein, doch sie ersetzt nicht die harte politische Arbeit, die für Frieden notwendig ist: Diplomatie, Interessenausgleich, völkerrechtliche Verträge, wirtschaftliche Kooperation. Frieden entsteht nicht durch „Hingabe und Liebe“ an ein himmlisches Wesen, sondern durch menschliche Verhandlungen, Kompromisse und institutionelle Absicherungen.
Putin als moderner Herodes?
Besonders fragwürdig wird Diez‘ Predigt, wenn er den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine mit König Herodes vergleicht. Wladimir Putin habe – wie Herodes – „Angst, seine Herrschaftsgewalt abgeben zu müssen“. Diese Analyse ist nicht falsch, aber sie bleibt bei der Diagnose stehen. Die entscheidende Frage lautet: Was folgt daraus?
Diez‘ Antwort: „Gott führt anders. Seine Wege sind leise und sanft.“ Wer sich im Gebet an ihn wende, könne erkennen, „wo Wege zu Frieden und Versöhnung verlaufen“.
Das ist eine gefährliche Verharmlosung. Während Menschen in der Ukraine sterben, während Städte bombardiert werden, empfiehlt der Weihbischof Gebet als Erkenntnismethode. Diese Position entmündigt die Opfer und entlastet die Täter. Sie suggeriert, dass nicht politisches Handeln, sondern mystische Einsicht gefragt sei. Tatsächlich braucht es aber militärische Verteidigung, humanitäre Hilfe, internationale Sanktionen und langfristige Friedensverhandlungen – alles zutiefst weltliche, säkulare Prozesse.
Die Anmaßung göttlicher Autorität
Diez lobt die Weisen aus dem Morgenland dafür, dass sie „eine höhere Macht anerkennen“ und wissen, „dass über ihrem Leben Gott steht“. Diese Demut vor Gott wird als politische Tugend verkauft. Doch hier liegt ein fundamentaler Irrtum: Politische Macht sollte nicht vor imaginären Gottheiten relativiert werden, sondern vor demokratischer Kontrolle, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten.
Die Vorstellung, Machthaber sollten sich vor Gott verantwortlich fühlen, klingt nur so lange sympathisch, bis man fragt: Welcher Gott? Interpretiert nach welcher Theologie? Und wer bestimmt, was dieser Gott will? Geschichte und Gegenwart zeigen überdeutlich, dass religiöse Legitimation von Macht mindestens ebenso viel Unheil angerichtet hat wie säkulare Machtansprüche.
Passive Hoffnung statt aktiver Gestaltung
„Gott halte die Geschicke in seinen Händen, tröste, heile und richte auf“, verkündet Diez. Das mag individuell tröstlich sein, ist aber politisch fatal. Diese Haltung führt zu Passivität: Wenn Gott ohnehin alles in der Hand hat, warum sollten Menschen dann Verantwortung übernehmen?
Tatsächlich zeigt die Erfahrung: Frieden entsteht nicht durch göttliches Eingreifen, sondern durch menschliche Anstrengung. Die Europäische Union, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, internationale Konfliktmediationen – all das sind Errungenschaften säkularen Denkens und menschlicher Kooperation. Der Verweis auf einen Gott, der „leise und sanft“ führt, ist keine Strategie, sondern eine Kapitulation vor der Komplexität politischer Realität.
Fazit
Weihbischof Diez verpackt traditionelle kirchliche Machtlegitimation in ein Gewand der Demut. Doch seine Predigt bleibt eine rhetorische Übung ohne praktischen Nutzen. Sie ersetzt rationale Analyse durch religiöse Symbolik, politische Verantwortung durch mystische Hoffnung, und menschliche Handlungsfähigkeit durch göttliche Vorsehung.
Die eigentliche Botschaft humanistischer Ethik lautet anders: Menschen sind für Frieden verantwortlich – nicht Götter. Wir brauchen keine stillen göttlichen Wege, sondern laute, entschlossene menschliche Anstrengungen für Gerechtigkeit, Diplomatie und Solidarität. Das mag weniger poetisch klingen als Diez‘ Krippenmetaphorik – aber es ist ehrlich, realistisch und wirksam.

















Es ist immer wieder bizarr, wie machtgeile, superreiche Kleriker anderen Menschen erklären, dass nur Armut und Unterwürfigkeit der Schlüssel zum Glück seien.
Warum nur fällt keinem dieser so offensichtliche Widerspruch auf?!
Erschütternd, wie tief die Gehirnwäsche über Generationen hinweg funktioniert…
Seine Botschaft „Gott zeige den Menschen Wege zu Frieden und Versöhnung“ ist in meinen Augen eine unverschämte Lüge, denn Gott zeigt erkennbar gar nichts. Dieses „den Menschen“ adressiert eher ein theologisches Konzept und nicht reale Menschen. Das hinterhältige „leise, beharrlich und jenseits gängiger Machtlogik“ und das „Gott führt anders. Seine Wege sind leise und sanft.“ erinnert mich an Russels Teekanne: von niemandem wahrnehmbar. So leise, sanft und jenseits jeder Machtlogik, dass niemand die angeblich gezeigten Anleitungen hören und oder gar umsetzen könnte.
»Wladimir Putin habe – wie Herodes – „Angst, seine Herrschaftsgewalt abgeben zu müssen“.«
Und wieder mal wird ein erfundenes Horrormärchen als historische Tatsache in die Argumentation eingebaut; als ob Herr Diez nicht wisse, dass dieses frei erfunden ist. Putin oder auch Herodes Angst anzudichten ist schon ziemlich verwegen. Das Kalkül der Machterhaltung muss nicht unbedingt auf dem Gefühl der Angst gründen. Vielmehr ist ein religöses Sendungsbewusstsein, der gern genommene „Kampf gegen DAS BÖSE“, eine starke Motivation, für die man auch noch Kirchenfürsten einspannen kann.
Ich empfehle Herrn Diez dringend, sich über die verschiedenen Säulen des Putinschen Machtapparates zu informieren. Herrn Diezens russisch-orthodoxen Kollegen haben den Krieg gegen die Ukraine durch typisch religiöse Hetzpropaganda konsequent und systematisch mit vorbereitet. Sie interpretieren und „verkaufen“ den Krieg nach wie vor als von Gott gewollte Mission.
Die Einbildung, es gebe so etwas wie eine inhaltlich klare und schlüssige „christliche Moral“ ist leider nach wie vor so sinnlos und gefährlich wie weit verbreitet.