Johanna Vering: „Am Ende wird’s königlich!“ – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 6 Min.

Wenn Jesus zum „Game Changer“ gemacht wird – Johanna Vering und die Fußball-Metapher für Kreuzigung und Auferstehung, Das Wort zum Wort zum Sonntag Johanna Vering: „Am Ende wird’s königlich!“, veröffentlicht am 28.03.26 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Wort zum Sonntag mit Stadion-Feeling: Wie eine Pfarrerin Jesus‘ Hinrichtung mit Fußball und Gladiatoren vergleicht, den biblischen Auferstehungsmythos als „größten Sieg“ präsentiert und verspricht, dass „alle gewinnen“ – ohne zu erklären, was das konkret bedeutet oder warum es überhaupt Kämpfe gibt, wenn Gott doch schon gesiegt hat.

Am 28. März 2026 spricht die evangelische Pfarrerin Johanna Vering das „Wort zum Sonntag“. Ihr Thema: Palmsonntag, Einzug des Gottessohns aus der biblisch-christlichen Mythologie in Jerusalem, sein Tod und seine Auferstehung.

Ihr Zugang: Eine Fußball-Metapher. Sie vergleicht Jesus mit Fußballstars, die durch den Spielertunnel auf den Platz kommen, „gefeiert wie Könige“. Und dann kommt die Pointe: Jesus ist ein „Game Changer“ – einer, der das Spiel dreht.

Doch bei genauer Analyse zeigt sich: Diese Metapher trivialisiert eine brutale Hinrichtung durch Todesfolterung, die Auferstehung wird wie selbstverständlich als historisches Ereignis präsentiert (ohne Belege), und das zentrale Versprechen „Alle gewinnen“ bleibt vage – während fundamentale Fragen (Warum gibt es Leid? Was bedeutet „gewinnen“?) unbeantwortet bleiben.

Dieser Beitrag analysiert Verings Text und fragt: Was bedeutet es, wenn Theologie zur Sportmetapher wird – und wie (zumindest für Theologen wichtige) theologische Probleme hinter lockeren Sprüchen verschwinden?

Die Fußball-Metapher: Wenn Hinrichtung durch Todesfolterung zum Spiel wird

Verings Vergleich

Vering erzählt von ihrer Stadionführung in München und zieht dann Parallelen:

„Du kommst auf den Platz als ein König. Da wirst du gefeiert und bejubelt. […] Interessant ist: Die Fußballarena in München ist architektonisch dem Kolosseum in Rom nachempfunden. Und auch da ging es um Sieg und Niederlage, um viel mehr noch: um Leben und Tod. […] Königlicher Auftritt mit offenem Ende.

Und dann der unvermeidliche Sprung zu Jesus:

„Mit diesem königlichen Auftritt mit offenem Ende bin ich als Christin gedanklich ziemlich schnell beim Tag morgen, dem Palmsonntag. Da kommt nämlich auch einer als König auf den Platz. […] Jesus, bejubelt von der Masse. Und fatal: Es geht auch hier wieder um Sieg und Niederlage, um Leben und Tod.“

Das Problem: Trivialisierung von Leid

Der Vergleich hinkt nicht nur gewaltig, er ist auch ethisch fragwürdig:

  • Fußball ist ein Spiel – niemand stirbt wirklich (Vering selbst: „es geht nicht wirklich um Leben und Tod“)
  • Gladiatoren-Kämpfe waren staatlich organisierte Tötungen zur Volksbelustigung
  • Kreuzigung war eine brutale Hinrichtungsmethode – langsamer, qualvoller Foltertod durch Ersticken

Diese drei Dinge zu vergleichen – Fußball, Gladiatoren, Kreuzigung – unter der Überschrift „königlicher Auftritt mit offenem Ende“ ist eine Verharmlosung.

Der biblische Jesus wurde nicht „wie ein König gefeiert“ und dann in einem „spannenden Spiel“ besiegt. Er wurde, glaubt man der biblischen Schilderung, von der römischen Besatzungsmacht als politischer Aufrührer durch eine Todesfolterung hingerichtet – grausam, öffentlich, zur Abschreckung.

Die Fußball-Metapher mag eingängig sein – aber sie trivialisiert das Leid eines Menschen, von dem Christen glauben, dass er tatsächlich gelebt und tatsächlich die in der Bibel geschilderten Ereignisse erlebt hat.

Jesus als „Game Changer“ – Auferstehung ohne Belege

Vering führt weiter aus:

„Für mich ist Jesus allerdings ein Game Changer, Einer, der das Spiel komplett dreht, denn es nimmt schließlich noch einen völlig anderen Verlauf als erwartet. Für mich ist das die wichtigste Aussage des Christentums: Am Ende steht der größte Sieg: Jesu Auferstehung nach dem Tod.

Jesus als „Game Changer“ – eine sportliche Metapher für eine theologische Behauptung, die keinerlei historische oder empirische Grundlage, dafür aber etliche Vorlagen aus älteren Gottessohn-Kulten hat.

Die historischen Fakten zur Auferstehung

  • Keine zeitgenössischen Belege: Die Evangelien wurden 40-70 Jahre nach Jesus‘ Tod verfasst, keine Augenzeugen
  • Widersprüchliche Berichte: Die vier Evangelien erzählen unterschiedliche Versionen der Auferstehung (wer kam zum Grab? wie viele Engel? was geschah danach?)
  • Biologisch unmöglich: Tote Menschen werden nicht lebendig. Es gibt keinen wissenschaftlich dokumentierten Fall
  • Ähnliche Mythen in anderen Religionen: Auferstehungsmythen waren in der Antike verbreitet (Osiris, Dionysos, Mithras)

Vering präsentiert die Auferstehung als Fakt („Am Ende steht der größte Sieg“) – ohne auch nur anzudeuten, dass dies eine Glaubensaussage ist, keine historische Tatsache.

Das ist intellektuelle Unredlichkeit. Wer eine biologisch unmögliche Behauptung als Fakt präsentiert, sollte mindestens erwähnen, dass es dafür keine Belege gibt.

„Alle gewinnen“ – aber was bedeutet das konkret?

Vering schreibt:

„Kämpfe bleiben niemandem erspart. Aber durch Jesu Tod und Auferstehung steht das Ergebnis schon fest: Alle gewinnen. Vielleicht einen weiteren Blick über das Leben hinaus. Und das sind königliche Aussichten.“

Das klingt großartig. „Alle gewinnen“ – eine universelle Heilsbotschaft.

Aber was bedeutet das konkret?

Frage 1: Gewinnen alle – oder nur Gläubige?

Vering sagt „alle gewinnen“ – aber ist das wirklich die christliche Lehre?

Die traditionelle christliche Lehre sagt:

  • Nur Gläubige werden erlöst (Johannes 3,16: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet“)
  • Ungläubige gehen verloren (Markus 16,16: „Wer nicht glaubt, wird verdammt werden“)
  • Es gibt Himmel und Hölle (Matthäus 25,46: „Diese werden weggehen in die ewige Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben“)

Vering verschleiert das. Sie sagt „alle gewinnen“ – aber meint sie wirklich alle? Oder nur die, die an Jesus glauben?

Wenn sie „alle“ meint (Universalismus), widerspricht sie der traditionellen christlichen Lehre.

Wenn sie „nur Gläubige“ meint, ist „alle gewinnen“ eine Täuschung.

Frage 2: Was bedeutet „gewinnen“?

Vering bleibt vage: „Vielleicht einen weiteren Blick über das Leben hinaus.“

„Vielleicht“? Das ist merkwürdig unspezifisch für eine „wichtigste Aussage des Christentums“.

Was konkret bedeutet „gewinnen“?

  • Ewiges Leben im Himmel? (Aber was ist der Himmel? Wie sieht das aus?)
  • Vergebung der Sünden? (Aber was ändert das konkret am Leben?)
  • Hoffnung in Krisen? (Aber das ist subjektives Gefühl, kein „Sieg“)

Vering bleibt im Ungefähren. Das ist typisch für Versprechen von christlichen Mainstream-Berufsverkündigern: Sie klingen großartig („alle gewinnen“, „königliche Aussichten“), aber bei genauerem Hinsehen ist und bleibt unklar, was konkret gemeint ist.

Frage 3: Gewinnen bedeutet… Jenseitshoffnung?

Vering sagt: „einen weiteren Blick über das Leben hinaus„.

Das bedeutet: Das „Gewinnen“ passiert nicht hier und jetzt, sondern nach dem Tod.

Das ist problematisch, weil:

  1. Nicht überprüfbar: Niemand kann nachprüfen, was nach dem Tod kommt, deshalb kann hier alles Beliebige behauptet werden.
  2. Lenkt ab von realen Problemen: Wenn das „Gewinnen“ erst nach dem Tod kommt, warum sich dann im Leben für Gerechtigkeit einsetzen?
  3. Vertröstung statt Lösung: „Hier leiden, dort gewinnen“ – das ist das Opium des Volkes (Karl Marx)

Vering verspricht „königliche Aussichten“ – aber was sie liefert, ist eine fiktive Jenseitshoffnung. Das hilft niemandem im Hier und Jetzt.

Theodizee-Problem: Warum gibt es Kämpfe, wenn Gott schon gesiegt hat?

Vering schreibt:

„Und ich weiß mich durch Jesu Tod und Auferstehung auch hier im Leben schon getragen. Vor allem in Krisen. Gerade jetzt, wo scheinbar die Mächtigen durch Krieg und Erpressung die Welt beherrschen wollen.“

Und:

Kämpfe bleiben niemandem erspart. Aber durch Jesu Tod und Auferstehung steht das Ergebnis schon fest: Alle gewinnen.“

Hier zeigt sich das Theodizee-Problem in aller Klarheit:

  1. Jesus hat „gesiegt“ (laut Vering: „größter Sieg“, „Game Changer“)
  2. Aber: „Kämpfe bleiben niemandem erspart“
  3. Und: „Mächtige beherrschen durch Krieg die Welt“

Wenn Jesus gesiegt hat – warum gibt es dann weiterhin Leid, Kriege, Kämpfe?

Vering beantwortet diese Frage nicht. Sie sagt nur:

  • „Ich weiß mich getragen“ (subjektives Gefühl)
  • „Das Ergebnis steht schon fest“ (vage Zukunftsversprechen)

Aber das löst das Problem nicht:

  • Warum gibt es Kriege, wenn Gott allmächtig ist und Jesus gesiegt hat?
  • Warum müssen Menschen leiden, wenn der „größte Sieg“ bereits errungen ist?
  • Warum bleiben „Kämpfe niemandem erspart“, wenn Gott doch „alle gewinnen“ lässt?

Die Antwort bleibt aus. Stattdessen: Jenseitshoffnung („über das Leben hinaus“) statt realer Lösungen.

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Passivität durch Jenseitshoffnung: „Das Ergebnis steht schon fest“

Vering sagt: „Durch Jesu Tod und Auferstehung steht das Ergebnis schon fest: Alle gewinnen.“

Das klingt beruhigend und unverfänglich. Aber es ist auch gefährlich passiv:

  • Wenn das Ergebnis schon feststeht – warum dann etwas anstreben? Warum sich einsetzen?
  • Wenn „alle gewinnen“ – warum dann für Gerechtigkeit streiten? Es kommt ja eh gut.
  • Wenn der „Sieg“ im Jenseits liegt – warum dann im Diesseits aktiv werden?

Vering erwähnt „Mächtige, die durch Krieg die Welt beherrschen wollen“ – aber ihre Antwort ist nicht: „Lasst uns etwas dagegen unternehmen“, sondern: „Ich weiß mich getragen“.

Das ist Passivität durch Jenseitshoffnung. Das „Opium des Volkes“ hatten wir gerade ja schon angesprochen – Religion als Trost, der vom realen Bemühen um Gerechtigkeit und Leidminderung abhält.

Säkulare Alternative: Kein „Game Changer“, sondern reale Lösungen

Gegen Verings religiöse Jenseitshoffnung steht die säkulare Alternative:

1. Keine Auferstehung – also: Dieses Leben zählt

Wenn es keine Auferstehung gibt, kein Jenseits, keine „königlichen Aussichten“ nach dem Tod – dann ist dieses Leben alles, was wir haben.

Das ist nicht deprimierend, sondern befreiend:

  • Wir müssen uns hier und jetzt für Gerechtigkeit einsetzen (nicht auf Götter warten)
  • Wir müssen Leid hier und jetzt bekämpfen (nicht auf das Jenseits vertrösten)
  • Wir sind selbst verantwortlich für unser Leben und unsere Welt

2. Nicht „alle gewinnen“ – also: Wir müssen für Gerechtigkeit kämpfen

Vering verspricht: „Alle gewinnen.“

Die Realität: Nicht alle gewinnen. Manche leiden, manche sterben, manche werden unterdrückt.

Deshalb müssen wir aktiv werden:

  • Für soziale Gerechtigkeit kämpfen (nicht auf Götter warten)
  • Gegen Krieg und Unterdrückung eintreten (nicht passive „Hoffnung“)
  • Für Menschenrechte streiten (nicht Jenseitshoffnung)

3. Kein „Game Changer“ – also: Wir sind selbst verantwortlich

Jesus ist kein „Game Changer“, der das Spiel dreht.

Wir selbst müssen das Spiel ändern:

  • Durch Bildung (Aufklärung, Wissenschaft)
  • Durch politisches Engagement (Demokratie, Menschenrechte)
  • Durch Solidarität (soziale Bewegungen, Gewerkschaften)
  • Durch säkulare Ethik (Vernunft, Empathie, Gerechtigkeit)

4. Keine „königlichen Aussichten“ – sondern realistische Hoffnung

Vering verspricht „königliche Aussichten“ – aber liefert nur vage Jenseitshoffnung.

Säkulare Hoffnung ist realistisch:

  • Wir können Leid reduzieren (Medizin, Technik, Bildung)
  • Wir können Gerechtigkeit schaffen (Politik, Recht, Solidarität)
  • Wir können Frieden fördern (Diplomatie, Bildung, Abrüstung)
  • Wir können Kindern Rationales Denken, Entscheiden und Handeln lehren (statt Religionsunterricht)

Das sind keine „königlichen Aussichten“, sondern realistische Ziele. Und sie funktionieren – ohne Gott, ohne Auferstehung, ohne fiktive Jenseitshoffnung.

Fazit: Sportmetapher statt Substanz

Johanna Verings „Wort zum Sonntag“ ist ein weiteres Paradebeispiel für religiöse Rhetorik ohne Substanz:

  1. Fußball-Metapher trivialisiert Hinrichtung: Eine Todesfolterung wird mit Fußball verglichen – verharmlosend
  2. „Game Changer“ ohne Belege: Auferstehung wird als Fakt präsentiert – keine historischen Belege, biologisch unmöglich, Vermischung von Mythologie und Realität
  3. „Alle gewinnen“ – aber wie? Vage, unspezifisch, verschleiert traditionelle, dogmatisch zementierte christliche Lehre (nur Gläubige werden erlöst)
  4. Theodizee-Problem ignoriert: Warum gibt es Leid/Kriege, wenn Jesus „gesiegt“ hat?
  5. Passivität durch Jenseitshoffnung: „Das Ergebnis steht schon fest“ – lenkt ab von realen Problemen

Vering verspricht „königliche Aussichten“ – aber was sie liefert, ist frei erfundene Jenseitsvertröstung statt realer Lösungen, vernebelt mit einer Metapher, bei der ihr es entweder nicht bewusst oder schlicht egal war, wie unpassend sie ist und warum.

Die säkulare Alternative:

  • Dieses Leben zählt – keine Auferstehung, also: hier und jetzt handeln
  • Nicht alle gewinnen – deshalb: für Gerechtigkeit kämpfen
  • Kein magisch-mythologischer „Game Changer“ – wir müssen selbst das „Spiel“ ändern
  • Realistische Hoffnung – nicht fiktive „königliche Aussichten“, sondern konkrete Ziele

Die humanistische Botschaft bleibt: Du brauchst keinen „Game Changer“ im Jenseits. Du kannst das „Spiel“ selbst ändern – hier und jetzt. Durch Vernunft, Solidarität, politisches Engagement, Aufklärung. Keine königlichen Aussichten, sondern realistische Hoffnung. Keine Jenseitshoffnung, sondern Diesseitslösungen.

Hoffnung Mensch statt Hoffnung Gott.

KI
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