Kirchenkunst-Report 2016 – Teil 4: Qual und Leid

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Der vierte und letzte Teil des Kirchenkunst-Reports 2016 zeigt Aufnahmen von Qual und Leid aus katholischen Kirchen im südwestlichen Bereich des Landkreises Bad Kissingen.

Qual und LeidNach den Eindrücken der ersten drei Teile waren hier keine echten Überraschungen mehr zu erwarten. Schon gar keine positiven. Auch hier finden sich wieder Darstellungen brutalster Gewalt sowie reichlich seltsame Arrangements aus alten Männern und kleinen Kindern.

Meist sogar gleich mehrere “Opferstöcke” zählen auch hier zum kirchlichen Standard-Inventar. Man kann so wahlweise zum Beispiel ein “Freitagsopfer”, die 25 Cent für den Pfarrbrief, einen Beitrag für den Erhalt der Kirchenmusik oder natürlich auch einfach so Geld für die Kirche einwerfen.

Sartre auf dem Büchertisch

Für Kinder gibts bunte Bilderbücher mit Märchen aus der Bibel und von den Mainzelmännchen. In einer anderen Kirche steht gar einen Büchertisch für Erwachsene. Dort kann man den Gottesdienst sinnvoll zur philosophischen Weiterbildung nutzen.

Und sich zum Beispiel in das dort ausliegende Taschenbuch mit den Briefen von Jean-Paul Sartre an Simone de Beauvoir vertiefen. Da hat wohl jemand beim Ausmisten der Pfarrbibliothek nicht genau aufgepasst… 🙂

Qual und Leid in allen Variationen

Skulpturen von Menschen, die ihren eigenen, abgeschlagenen Kopf im Arm halten. Menschen, die an Bäume gefesselt sind und mehrere Pfeile im Körper stecken haben. Männer, die ein Schwert seitlich im Hals stecken haben. Opfer einer Geißelung. Knochen und Knöchelchen von allen möglichen Heiligen, Nonnen oder wem auch immer, kunstvoll in Gold gefasst. All das lässt sich im Umkreis von wenigen Kilometern im südlichen Teil des Landkreises Bad Kissingen finden.

Und natürlich gibt es auch hier das zentrale Thema des Christentums in allen Variationen: Die Todesfolterung eines Menschen. Viel Schmerz, viel Qual, viel Blut.

Gläubige Menschen verfügen über verschiedene Tricks, wie sie diese menschenverachtende Szene bewältigen. Je nach Bedarf wird dann behauptet, der Kreuzestod von Jesus für “unsere Sünden” sei der Dreh- und Angelpunkt der christlichen Lehre.

Wenn man dann nachfragt, was wohl von einem Gott zu halten sei, der sich selbst seinen eigenen Sohn als Menschenopfer zu Tode foltern lässt, um Menschen so seine Liebe zu zeigen, dann wird dieser Punkt gerne um gut drei Tage nach hinten verschoben. Und dann soll plötzlich die Auferstehung, die Überwindung des Todes das wichtigste Alleinstellungsmerkmal des Christentums sein.

Dann stellt sich aber nach wie vor die Frage, warum dann nicht die Auferstehung, sondern die Todesfolterung in ausnahmslos jeder katholischen Kirche zur Schau gestellt wird. Und zwar immer als zentraler Mittelpunkt.

Fazit

Warum man ausgerechnet Darstellungen von Qual und Leid braucht, um eine “Frohe Botschaft” zu verkünden, ist mir jedenfalls völlig schleierhaft. Aber sicher haben Theologen auch dafür salbungsvolle, wahrscheinlich reichlich nebulöse Scheinargumente. Die erklären, warum auch 2016 noch solche Darstellungen brutalster Gewalt unerlässlich sind. Zum Beispiel aus religionsgeschichtlichen Gründen.

Was löst der Anblick von Statuen gefolterter Menschen aus? Oder eines blutüberströmten Menschen, der ans Kreuz genagelt wurde? Und dem das Blut aus dem Körper spritzt? Wie wirkt ein Mann mit einem Schwert im Hals auf Menschen ohne religiöse Indoktrination? Wie würden Christen Darstellungen von Geköpften empfinden, wenn andere Religionen diese in ihren Versammlungsgebäuden zur Schau stellen würden? Würden sie dann religionsgeschichtliche Gründe anerkennen?

Und warum stört es niemand, dass Kinder solchen Anblicken ausgesetzt werden?

Unweigerlich kommt mir einmal mehr das Märchen “Des Kaisers neue Kleider” in den Sinn. Wieso scheint niemand das zu sehen, was hier nun mal zu sehen ist: Leid und Qual, Gewalt, Folter, Tod. Ganz egal, wie man diese Darstellungen vielleicht interpretieren kann: Mit einer Frohen Botschaft hat das nichts zu tun. Egal, wie schön der progressive Herr Pfarrer Gitarre spielt.

Achtung: Die folgenden Bilder dürften auf nicht religiös indoktrinierte und entsprechend immunisierte (bzw. abgestumpfte) Menschen verstörend (oder auch gestört) wirken.

Wer möchte, kann sie durch Anklicken vergrößern.

Alle Bilder des Kirchenkunst-Reports © AWQ.DE

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