Mesliers Mémoire (2): Vernunft oder Gott

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Wie verträgt sich Vernunft und gesunder Menschenverstand mit dem Glauben an einen Gott? Jean Meslier, der erste bekannte Atheist der Neuzeit, hatte diese Unvereinbarkeit schon früh erkannt.

Mesliers Erkenntnisse zu Vernunft und Gott

Ist es nicht sonderbar, dass man Eures Gottes Freund nicht sein kann, ohne ein Feind der Vernunft und des gesunden Menschenverstands zu sein?!

– Jean Meslier, 1678-1733

Vernunft vs. Glaube

Wer an einem Glauben an erfundene Götter, Geister und Gottessöhne festhalten möchte, muss an einem bestimmten Punkt Vernunft und Verstand außen vor lassen. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu. Schon Jean Meslier hatte erkannt, dass sich Glaube und gesunder Menschenverstand redlicherweise nicht unter einen Hut bringen lassen.

Dieses Dilemma war – zumindest dem katholischen Abbé Meslier – also schon vor 300 Jahren bekannt. Kein Wunder, dass die Kirche die Schriften Mesliers zensierte und seine Bücher verbrennen ließ. Die radikal-aufklärerischen Gedanken, die entlarvende Kompromisslosigkeit Mesliers Atheismus waren dem Klerus sicher schon damals ein Dorn im Auge.

Auch 300 Jahre später noch aktuell

Indes haben Mesliers Worte bis heute nichts an Präzision verloren. Was er wohl dazu sagen würde, wenn er wüsste, dass es 300 Jahre nach seiner Erkenntnis immernoch Menschen gibt, die zwar schon eine Mondlandung vollbracht haben, die mühelos weltweit reisen und ebenso kommunizieren, und die aber trotzdem noch “eines Gottes Freund” sein wollen? Eines Gottes, für dessen Existenz es keinen einzigen seriösen Beleg gibt?

Für die es kein Problem zu sein scheint, trotz ansonsten klarer und kritischer Denkweise ausgerechnet in der wohl grundlegendsten Frage auf diese Methode zu verzichten und stattdessen religiöse Narrative aus dem Vormittelalter für bedeutsam und wahr zu halten.

Die heute ein trotz vieler Lücken schon unvorstellbar komplexes und in sich schlüssiges Weltbild gewonnen haben, für das kein Schöpfermythos mehr gebraucht wird. In deren Gesellschaftsordnung die Würde und Freiheit des Menschen an oberster Stelle stehen. Und kein eingebildeter, eifer- und rachsüchtiger Provinzial-Wüstengott aus der Bronzezeit.

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