Gedanken zu: Impuls von Stadtpfarrer Buß: „Reisesegen“

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Gedanken zu: Impuls von Stadtpfarrer Buß: „Reisesegen“, veröffentlicht am 21.07.21 von osthessennews.de

Darum geht es

Mit einem „Reisesegen“ gibt Pfarrer Buß einen weiteren Einblick in die bizarre Vorstellungswelt des von ihm verkündigten Glaubenskonstruktes.

Passend zur beginnenden Urlaubszeit waltet Buß also seines priesterlichen Amtes:

[…] Stellen wir alle, die auf dem Weg sind, die sich erholen und die neue Kraft schöpfen wollen unter den Segen Gottes.
(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Impuls von Stadtpfarrer Buß: „Reisesegen“, veröffentlicht am 21.07.21 von osthessennews.de)

ReisesegenOb er mit „wir“ von sich selbst im Pluralis Majestatis (oder, zum Katholizismus mindestens genauso gut passend, im Pluralis Modestiae) spricht oder ob er mit „wir“ seinem Publikum seine priesterlichen Segnungsaufgaben überträgt, bleibt unklar.

Unklar bleibt natürlich auch diesmal wieder, wie sich Herr Buß den Ablauf einer solchen Segnung konkret vorstellt. Was erwartet er von einer solchen Segnung?

Dass der allmächtige liebe Gott seinen ewigen Allmachtsplan womöglich ändert? Wenn ihn der Stadtpfarrer von Fulda schon extra öffentlich darum bittet? Ein Pfarrer, der demzufolge offenbar besser als der geglaubte allmächtige  allwissende Schöpfer weiß, wo es bei seinen Schäfchen hakt? Wo der liebe Gott noch nachbessern muss?

Woran kann jemand erkennen, dass er tatsächlich „unter dem Segen“ seines jeweils geglaubten Gottes steht? Und dass das, im vorliegenden Fall, auf die Buß’sche Beschwörungsformel zurückzuführen ist?

Reisesegen: Auf Tour mit dem Halbgott

Auch wenn die Frage nach der grundsätzlichen Wirkungsweise eines priesterlichen Segens unklar bleibt, lässt der nun folgende „Reisesegen“ einige Rückschlüsse zu, von welchen Annahmen Herr Buß offenbar ausgeht:

Herr Jesus Christus, wir sind mit dir unterwegs, um zueinander zu finden.

Katholiken, die in Polen, Ungarn und anderen Ländern auf der Straße gegen Vielfalt und Selbstbestimmtheit demonstrieren, sind auch felsenfest davon überzeugt, mit dem „Herr Jesus Christus“ unterwegs zu sein. Und die finden auch zueinander. Um gemeinsam Menschen auszugrenzen. Weil diese zueinandergefunden haben.

Ich finde es immer wieder bemerkenswert (und erschreckend), mit welcher Selbstverständlichkeit ein erwachsener, geistig gesunder Mensch im 21. Jahrhundert solche Behauptungen aufstellen kann, als handle es sich dabei um beleg- und nachprüfbare Fakten.

Der „Herr Jesus Christus“ ist, anders als ein Jehoschua, dessen Lebensgeschichte möglicherweise als reale Vorlage für die Gottessohnmythologie gedient haben könnte, eine literarische Figur aus der biblisch-christlichen Mythologie. Der Beschreibung nach ein Halbgott, um genau zu sein. So wie zum Beispiel auch Minos, der Sohn von Zeus und Europa. Oder der griechische Halbgott Perseus, Sohn von Zeus und Danaë.

Etwas geschieht – aber was?

Wenn du mit uns gehst, geschieht etwas an uns und durch uns.

Damit man etwas als Geschehen (oder auch Ereignis) bezeichnen kann, muss irgendeine Ursache dazu geführt haben, dass irgendetwas nachher erkennbar anders ist als es vorher noch war. Während Herr Buß das Geschehen an sich nicht verrät („etwas“), scheint er sich bei der Ursache sicher zu sein: Die Begleitung eines Gottessohns.

Auch Anhänger anderer Götter fühlen sich von diesen begleitet. Allen ist eins gemeinsam: Keiner kann diese Vorstellung von einer rein menschlichen Wunschvorstellung unterscheiden.

Redlicherweise lässt sich kein irdisches Geschehen mit magischen Himmelswesen in einen ursächlichen Zusammenhang bringen. Sowas kann man sich natürlich ausdenken und einbilden. Aber das gilt für alles Beliebige, was man sich nur ausdenken und einbilden kann.

Ehrlicher und zutreffender wäre es, zum Beispiel zu sagen: Sobald wir anfangen, uns einzubilden, das zweite Drittel unseres Gottes würde uns begleiten, dann verändert diese Vorstellung unser Verhalten.

Bizarre Selbstwahrnehmung

Wir bitten dich: Herr, öffne unsere Herzen für deine Liebe und lass uns diese Liebe den Menschen weitergeben, denen wir begegnen.

Was oberflächlich vielleicht ganz harmlos klingt, erscheint bei näherer Betrachtung ziemlich bizarr und fragwürdig:

Ohne göttliche Einwirkung scheinen Katholiken also erstmal mit „veschlossenen Herzen“ unterwegs zu sein. Zumindest indirekt unterstellt ihnen der Herr Pfarrer genau das.

Sie selbst haben offenbar auch keine eigene Liebe, die sie weitergeben können. Die Liebe, die Katholiken ihren Mitmenschen entgegenbringen, ist also in ihrer eigenen Wahrnehmung gar nicht ihre eigene, sondern die Liebe ihres Gottes, der quasi durch sie hindurchliebt.

Der Priester behauptet nun, diesen Gott, der seine Anhänger mit „verschlossenen Herzen“ geschöpft hatte davon überzeugen zu können, die Schäflein erstmal empfänglich für göttliche Liebe machen zu können. Damit sie diese dann an ihre Mitmenschen weitergeben können.

Hier schwingt diese klerikale Verachtung menschlicher Fähigkeit zur Liebe mit, wie sie immer wieder mehr oder weniger offensichtlich bei Verkündigungen von Berufschristen anzutreffen ist. Ob es wohl mit dem Zölibat zu tun hat, dass jemand solch verquere Vorstellungen in Sachen Liebe hegt?

Dazu brauchts doch keine Götter!

Herr, öffne unsere Augen für die Wunder deiner Schöpfung und für die Nöte und Probleme, auf die wir stoßen. Herr, öffne unsere Hände, damit wir die Hände der anderen ergreifen und dort helfen, wo Hilfe nötig ist.

Und wieder scheinen Katholiken nicht von sich aus in der Lage zu sein, sich an der Natur zu erfreuen und sich altruistisch zu verhalten. Und umgekehrt: Aufmerksames und mitmenschliches Verhalten deuten sie zur göttlichen Gabe um.

Herr, lass unsere Füße sichere Schritte tun auf dem Weg des Friedens.

Ein Abdriften in Geschwurbel-Sprache wie hier ist immer ein Zeichen dafür, dass es eine eigentliche Aussage entweder gar nicht gibt. Oder falls doch, dass diese bewusst vernebelt und verunklart werden soll. Um sich nicht allzu sehr festlegen zu müssen.

Katholiken sind offenbar nicht von sich aus in der Lage, sich friedlich zu verhalten – oder was eben auch immer damit gemeint sein soll. Und wenn sie „auf dem Weg des Friedens“ ins Straucheln kommen, dann hatte ihr Gott diese Bitte an ihn eben nicht erhört.

Den ganzen Reisesegen könnte man zusammenfassen mit:

  • Genieße dein Leben und sei kein Arschloch!

…und dafür brauchts keine Göttervorstellungen.

Heimkehren voller schöner Erlebnisse

Herr, lass uns einander suchen und finden und wohlbehalten heimkehren voller schöner Erlebnisse!

Mir kommt bei solchen Worten aus dem Mund eines katholischen Pfarrers unweigerlich ein bestimmter pädokrimineller katholischer Priester in den Sinn.

Der hatte seinen Sommerurlaub immer im Gästehaus direkt neben einem Kinderheim in Oberammergau verbracht. Um dann die von den Nonnen zur Vergewaltigung angebotenen Kinder im Keller des Kinderheimes immer wieder brutal sexuell zu missbrauchen.

Ob dieser Priester sich auch mit solchen Bitten an seinen lieben Gott gewandt und ihm anschließend für die „schönen“ Urlaubeserlebnisse gedankt hatte?

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Gibt es einen deutlicheren Beweis für die offensichtliche Unwirksamkeit sämtlicher priesterlicher Segnungen und Gottesbeschwörungen?

Reisesegen: Wem nutzt’s tatsächlich?

Herr, lass dieser [sic] Weg ein kleiner Schritt sein auf dem großen Weg zu dir! Herr, wir freuen uns, dass wir mit dir unterwegs sind.

Was macht es mit Menschen, wenn sie wirklich ernsthaft glauben, was Herr Stadtpfarrer Buß ihnen hier vorgaukelt?

Wenn sie ihr Leben tatsächlich als eine Art vorgezogene göttliche Bewährungsstrafe wahrnehmen? Unfähig, von sich aus ihr Dasein zu genießen und sich mitmenschlich zu verhalten? Sondern die sich einreden lassen, vollkommen abhängig vom Wohlwollen eines Gottes zu sein? Eines Gottes, der sich, wenn es ihn geben sollte, trotz inständiger priesterlicher Anrufung genau so verhält, als gäbe es ihn nicht?

  • Aus psychologischer Sicht ist das ständige Lobpreisen von Gott problematisch und dient vorwiegend den Religionen und Glaubensgemeinschaften. Die permanente Verehrung unterminiert das Selbstwertgefühl der Gläubigen und fördert die Unterwürfigkeit.
  • Das führt zu Angst und stärkt die Bindung, die oft in die Abhängigkeit mündet. Deshalb verlassen sie [die Gläubigen, Anm. v. mir] sich oft nicht mehr auf die eigenen Erfahrungen und Gefühle, sondern widmen ihr Leben Gott und delegieren ihre Entscheide an Geistliche, die sie als die Vertreter Gottes betrachten.
    (Quelle: Hugo Stamm via hpd.de: Wem nutzen die Hallelujas?)
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