Die Sternsinger: Auch 2026 wieder Kinderarbeit für den Kirchenapparat

Lesezeit: ~ 6 Min.

Worum geht es?

Die Sternsinger-Aktion lässt Kinder Spenden für eine milliardenschwere Institution sammeln, die einen erheblichen Teil des Geldes intransparent für Priesterausbildung, Kirchenbau und religiöse Missionierung verwendet, statt für bedingungslose humanitäre Hilfe.
Quelle: Netzfund
Drauf reingefallen: Engagement verdient Respekt – heuchlerische Instrumentalisierung und Missionierung nicht.

Wenn Kinder für Missionierung und Kirchenbau sammeln

Jedes Jahr im Januar dasselbe Ritual: Als „Heilige Drei Könige“ verkleidete Kinder ziehen durch die Straßen, singen an Haustüren und sammeln Spenden. Die Aktion wird als große Solidaritätsaktion verkauft – „Kinder helfen Kindern“. Doch ein genauer Blick auf die Verwendung der gesammelten Gelder offenbart ein ganz anderes Bild.

Die nackten Zahlen: Millionen für den Kirchenapparat

2025 sammelten die Sternsinger in Deutschland rund 48 Millionen Euro. In Österreich waren es 2023 etwa 19,2 Millionen Euro. Seit Beginn der Aktion wurden allein in Österreich über 520 Millionen Euro eingesammelt. Das ist eine gewaltige Summe – gesammelt von Kindern und Jugendlichen, die bei Wind und Wetter von Tür zu Tür gehen.

Was die meisten Spender nicht wissen: Ein erheblicher Teil dieser Gelder fließt nicht in humanitäre Hilfe, sondern direkt in den Ausbau kirchlicher Strukturen, in Missionierung und religiöse Indoktrination.

Wohin das Geld wirklich fließt, Beispiel Österreich

Eine detaillierte Auswertung der österreichischen Projektlisten von 2016 bis 2022 durch den Journalisten Michael Bonvalot zeigt ein erschreckendes Bild:

Priesterausbildung statt Kinderrechte

Die Ausbildung von Priestern, Schwestern und Laien in Asien erhielt zwischen 2016 und 2022 fast eine halbe Million Euro (490.063 Euro). Allein 2022 flossen 120.014 Euro in dieses Programm – mehr als in alle neun geförderten Projekte in Ghana zusammen.

Über 250.000 Euro gingen nach Indien für die Ausbildung von Priesterseminaristen und Ordensleuten. Zusätzlich wurden über 130.000 Euro für die Ausbildung von Schwestern in „geistlicher Begleitung und Leitung von Exerzitien“ ausgegeben.

Sternsinger Atheisten Oesterreich

Kirchenbau im religiösen Konkurrenzkampf

In Ländern wie Tansania, wo die katholische Kirche in Konkurrenz mit anderen Religionen steht, wurden über 170.000 Euro für den Neubau einer Kirche und den „Kapazitätenaufbau“ einer Diözese bereitgestellt. Auch in Mosambik, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo floss Geld in den Bau und Ausbau katholischer Kirchen.

Bibelkurse und christliche Propaganda

Über 160.000 Euro wanderten in „Bibelarbeit“ in verschiedenen afrikanischen Ländern. In Brasilien waren es weitere rund 120.000 Euro für den gleichen Zweck. Im Libanon wurde sogar ein „Bibelkongress“ gefördert.

Katholische Medienmacht ausbauen

Besonders skandalös: Der christlich-arabische Fernsehsender SAT-7 erhielt zwischen 2016 und 2022 über 450.000 Euro. Die Vision des Senders: „Eine wachsende Kirche im mittleren Osten und Nordafrika“ – also klassische Missionierung.

Die katholische Nachrichtenagentur UCANEWS bekam mindestens 120.000 Euro. Christliche Radiostationen in Kenia, Südsudan und Uganda wurden ebenfalls großzügig unterstützt. Die Zeitung der Jesuiten in Nicaragua erhielt rund 90.000 Euro.

Politische Lobbyarbeit der Kirche

Zwischen 2016 und 2022 flossen 126.049 Euro nach Südafrika für „Politische Bildungs- und Lobbyarbeit“ der Bischofskonferenz. Weitere rund 180.000 Euro gingen an andere afrikanische Bischofskonferenzen.

In Nicaragua wurden für verschiedene theologische Ausbildungsprogramme über 700.000 Euro überwiesen – darunter ein „Theologisches Bildungsprogramm für Führungspersönlichkeiten“.

Das Problem der Intransparenz

Was macht diese Mittelverwendung besonders problematisch? Die systematische Verschleierung.

Die Dreikönigsaktion wirbt in ihrer Öffentlichkeitsarbeit fast ausschließlich mit sozialen Projekten und glücklich lächelnden Kindern. Projekte mit Titeln wie „Sauberes Wasser für Gesundheit“ oder „Schule statt Kinderarbeit“ werden prominent präsentiert. Die massiven Zahlungen für Priesterausbildung, Kirchenbau und religiöse Propaganda werden dagegen konsequent verschwiegen.

Die vollständige Projektliste ist auf der Website nur schwer zu finden und wird nicht aktiv kommuniziert. Ältere Listen waren teilweise überhaupt nicht verfügbar – ein klarer Verstoß gegen das Transparenzgebot bei Spendenorganisationen.

Die Macht der Täuschung

Stellen wir uns vor, ein Kind klingelt an unserer Tür, singt ein Lied und sammelt Spenden „für Kinder in Not“. Wir geben 20 Euro – in dem Glauben, damit hungernde Kinder oder kranke Menschen zu unterstützen. Tatsächlich finanzieren wir damit aber möglicherweise:

  • Die Ausbildung eines katholischen Priesters in Asien
  • Den Bau einer Kirche in Afrika
  • Einen Bibelkurs in Südamerika
  • Die Lobbyarbeit einer Bischofskonferenz
  • Einen christlichen Propagandasender

Würden wir immer noch spenden?

Der Reichtum der Kirche: Ein obszöner Kontrast

Besonders zynisch wird die Sternsinger-Aktion, wenn man sie ins Verhältnis zum gigantischen Vermögen der katholischen Kirche setzt.

Die katholische Kirche in Deutschland verfügt nach Schätzungen über ein Vermögen zwischen 200 und 300 Milliarden Euro. Allein die Immobilien werden auf weit über 200 Milliarden Euro geschätzt. Das Erzbistum München-Freising allein besitzt 5,96 Milliarden Euro, das Erzbistum Köln 4,3 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Die 48 Millionen Euro, die 2025 von Kindern gesammelt wurden, entsprechen gerade einmal 0,024% des geschätzten Gesamtvermögens der katholischen Kirche in Deutschland. Es ist, als würde jemand mit einem Vermögen von 100.000 Euro nach 24 Euro fragen.

2023 nahm die katholische Kirche in Deutschland allein 6,5 Milliarden Euro Kirchensteuer ein. Die Sternsinger-Spenden machen davon weniger als ein Prozent aus.

Die „Päpstlichen Missionswerke“

Das Kindermissionswerk trägt nicht umsonst das Wort „Mission“ im Namen. Es ist ein offizielles Werk der Päpstlichen Missionswerke und wurde von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker in Rom mitgegründet.

Die Missionierung, also die Bekehrung von Menschen zum Katholizismus, ist integraler Bestandteil der Sternsinger-Arbeit. Kardinäle im Vatikan loben das „missionarische Engagement“ der Sternsinger und bezeichnen es als Vorbild für die gesamte Weltkirche.

Kinderarbeit für kirchliche Zwecke?

Aus säkularer Perspektive stellt sich eine grundsätzliche Frage: Ist es ethisch vertretbar, Kinder und Jugendliche für die Finanzierung religiöser Strukturen arbeiten zu lassen?

Die Sternsinger sind oft erst 6-7 Jahre alt, viele noch jünger. Sie opfern ihre Freizeit, laufen bei jedem Wetter von Haus zu Haus, werden möglicherweise abgewiesen oder beschimpft. Und das alles, um Geld für eine Institution zu sammeln, die selbst über Hunderte von Milliarden verfügt und einen erheblichen Teil dieser Spenden für die eigene religiöse Expansion verwendet.

Die Vereinten Nationen definieren in ihrer Kinderrechtskonvention, dass Kinder vor wirtschaftlicher Ausbeutung zu schützen sind. Zwar werden die Sternsinger nicht im klassischen Sinne ausgebeutet, doch die Grenze ist fließend, wenn Kinder systematisch als Spendensammler eingesetzt werden, ohne dass ihnen oder den Spendengebern transparent gemacht wird, wofür das Geld tatsächlich verwendet wird.

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Doppelmoral und Heuchelei

Die katholische Kirche präsentiert sich gerne als moralische Instanz, als Anwältin der Armen und Schwachen. Gleichzeitig:

  • Hortet sie ein Vermögen in dreistelliger Milliardenhöhe
  • Lässt sie Kinder Spenden sammeln für Projekte, die sie selbst problemlos finanzieren könnte
  • Verschleiert sie systematisch, dass ein erheblicher Teil der Spenden in Missionierung und Kirchenausbau fließt
  • Investiert sie massiv in den eigenen Machterhalt statt in bedingungslose humanitäre Hilfe

Der säkulare Blick: Was wirklich gebraucht würde

Aus humanistischer Perspektive sollte Entwicklungshilfe und Katastrophenhilfe bedingungslos erfolgen – ohne religiöse Indoktrination, ohne Missionierung, ohne den Aufbau religiöser Machtstrukturen.

Statt Priester auszubilden, sollte in Bildung investiert werden. Statt Kirchen zu bauen, sollten Schulen, Krankenhäuser und Infrastruktur entstehen. Statt Bibelkurse zu finanzieren, sollte kritisches Denken und wissenschaftliche Bildung gefördert werden.

Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Oxfam oder das Deutsche Rote Kreuz zeigen, dass effektive Hilfe ohne religiöse Agenda möglich ist. Sie sind transparent, werden von unabhängigen Institutionen geprüft und verfolgen keine versteckten Evangelisierungsziele.

Der Skandal der staatlichen Subventionierung

Noch skandalöser wird die Situation, wenn man berücksichtigt, dass die katholische Kirche in Deutschland massiv vom Staat unterstützt wird:

Die Bundesländer zahlen jährlich rund 600 Millionen Euro an die katholische und evangelische Kirche – als „Entschädigung“ für Enteignungen, die vor über 200 Jahren stattfanden. Diese sogenannten Staatsleistungen sind ein Anachronismus, der dringend abgeschafft gehört – Verfassungsauftrag seit über 100 Jahren.

Der Staat treibt die Kirchensteuer ein, Kirchen sind von zahlreichen Steuern befreit, kirchliche Einrichtungen werden massiv staatlich subventioniert. Eine Institution, die derart privilegiert ist, sollte nicht auch noch Kinder Spenden sammeln lassen.

Was zu tun ist

Für säkular und humanistisch denkende Menschen gibt es mehrere Handlungsoptionen:

  1. Keine Spenden an die Sternsinger Wer wirklich helfen will, sollte direkt an transparente, säkulare Hilfsorganisationen spenden, die keine religiöse Agenda verfolgen.
  2. Aufklärung Sprich mit Nachbarn, Freunden und Verwandten über die tatsächliche Mittelverwendung. Viele Menschen spenden in gutem Glauben, ohne die Hintergründe zu kennen.
  3. Politischer Druck Fordere von deiner Kommune, dass die Sternsinger-Aktion nicht in öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern stattfinden darf. Die Trennung von Staat und Kirche muss auch in diesem Zusammenhang ernst genommen werden.
  4. Transparenz einfordern Schreibe an das Kindermissionswerk und fordere vollständige Transparenz über alle geförderten Projekte und deren religiösen Charakter.
  5. Für die Abschaffung der Staatsleistungen kämpfen Die jährlichen 600 Millionen Euro Staatsleistungen an die Kirchen sind ein Skandal. Setze dich für deren Beendigung ein.

Fazit: Schluss mit der Romantisierung

Die Sternsinger-Aktion ist keine niedliche Tradition und keine reine Wohltätigkeit. Sie ist ein ausgeklügeltes System zur Geldbeschaffung für eine der reichsten Institutionen der Welt und für die Kirchenpropaganda. Ein System, das Kinder instrumentalisiert, Spender täuscht und einen erheblichen Teil der Gelder für religiöse Expansion und Missionierung verwendet.

Es ist Zeit, dieser Praxis die romantische Verklärung zu nehmen und sie beim Namen zu nennen: Eine Spendensammelaktion mit massiver Intransparenz, die mehr dem Machterhalt der Kirche dient als echter humanitärer Hilfe.

Wer wirklich helfen will, findet bessere, transparentere und effektivere Wege als ausgerechnet einer milliardenschweren religiösen Institution Geld zu geben, die dieses dann zu einem nicht unerheblichen Teil in die eigene Expansion investiert.

Quellen und weiterführende Links

  • MGEN 44: Die Sternsinger (Wiederholung)
    „Die Sternsinger“ sind das Kindermissionswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Angeblich verfügt die Organisation über 300.000 Teilnehmer und 90.000 Ehrenamtliche, die im Jahr 2018 knapp 68 Millionen Euro sammelten. Das Geld wird laut Satzung zur „Unterstützung der missionarischen, pastoralen und sozialen Arbeit der katholischen Kirche“ und für die „religiöse, soziale und kulturelle Entwicklung“ von Kindern ausgegeben.  Podcast-Folge anhören…
  • MGEN 155: Sternsinger: Langjähriger Präsident ist Missbrauchstäter
    Elf Jahre lang war Pfarrer Winfried Pilz Präsident des Päpstlichen Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. Ihr kennt das: Um den Jahreswechsel herum schickt die reichste Organisation der Welt überall in der Republik Kinder zum Betteln, angeblich für den vielbeschworenen „guten Zweck“. Nun ließ es sich nicht mehr vertuschen: Monsignore Pilz, über Jahre gern gesehener Gast in Kanzler- und Bundespräsidialamt, war gewohnheitsmäßiger Missbrauchtäter. Seit einzelne Taten des Priesters sich nicht mehr verbergen ließen, melden sich mehr und mehr Opfer.

Kritische Recherchen zur Sternsinger-Aktion:

Offizielle Informationen:

Vermögen der katholischen Kirche in Deutschland:

Kirchensteuer und Staatsleistungen:

Weitere kritische Perspektiven:

Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen und Recherchen.

KI

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