Gedanken zum Impuls von Stadtpfarrer Stefan Buß: Zum Fest Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) 2.2., veröffentlicht am 31.01.26 von osthessen-news.de
Darum geht es
Pfarrer Buß verklärt patriarchale Reinheitsvorschriften zu „geistlichen Momenten“, vereinnahmt universelle Lichtsymbolik exklusiv christlich, instrumentalisiert Leid theologisch und verschleiert hinter ästhetischer Metaphorik den missionarischen Anspruch, dass nur durch eine spezifische Offenbarungsreligion „Licht in die Welt“ komme.Mariä Lichtmess anno 2026
Stadtpfarrer Stefan Buß lädt in seinem aktuellen Impuls zur Feier von Mariä Lichtmess ein – einem Fest, das er als „Brücke zwischen Weihnachten und dem weiteren Weg Jesu“ beschreibt. Doch was bei genauerem Hinsehen deutlich wird, ist exemplarisch für religiöse Narrative: Historische Kontexte werden ausgeblendet, patriarchale Strukturen theologisch verklärt, und universelle Lichtmetaphern werden exklusiv christlich vereinnahmt.
Historische Realität vs. theologische Verklärung

Der Pfarrer beschreibt die Darstellung Jesu im Tempel als Erfüllung des „Gesetzes Israels“, ohne die problematischen Aspekte dieser Praxis zu benennen. Die im Lukasevangelium geschilderte Szene basiert auf zwei jüdischen Reinheitsvorschriften: der Auslösung des Erstgeborenen (Pidjon ha-Ben) und der rituellen Reinigung der Mutter nach der Geburt.
Letztere beruht auf der Vorstellung, dass eine Frau nach einer Geburt „unrein“ sei – bei einem Jungen 40 Tage, bei einem Mädchen sogar 80 Tage (3 Mose 12). Diese Vorstellung ist aus heutiger Sicht zutiefst frauenfeindlich und reduziert weibliche Körperlichkeit auf kultische Unreinheit. Statt diese patriarchale Praxis kritisch zu reflektieren, wird sie in Buß‘ Text als „äußerer Vollzug“ euphemisiert, in dem „etwas zutiefst Geistliches“ geschieht.
Die historische Wahrheit ist: Solche Reinheitsgebote dienten der sozialen Kontrolle und der Festschreibung von Geschlechterhierarchien. Sie aus humanistischer Sicht unkritisch zu tradieren, bedeutet, vormoderne Frauenbilder weiter zu legitimieren.
Mariä Lichtmess: Die Vereinnahmung des Lichts
Besonders aufschlussreich ist die zentrale Metapher des Textes: Christus als „Licht der Welt“. Buß (v)erklärt: „An Weihnachten wird das Licht entzündet — an Lichtmess wird es in die Hände der Menschen gelegt.“ Diese Exklusivität ist historisch wie kulturell unhaltbar.
Lichtfeste zur Wintersonnenwende sind keine christliche Erfindung, sondern universelles Kulturerbe der Menschheit. Von den römischen Saturnalien über das persische Yalda-Fest bis zu nordeuropäischen Mittwinterbräuchen – die Symbolik des wiederkehrenden Lichts nach der dunkelsten Zeit des Jahres ist archetypisch und gehört allen Menschen, nicht einer einzelnen Religion.
Die christliche Kirche hat diese Symbolik u. a. mit Mariä Lichtmess schlicht übernommen und für sich reklamiert. Wenn Buß schreibt, Christus werde als „das Licht“ erkannt, vollzieht er genau diese Vereinnahmung: Ein universelles menschliches Symbol wird konfessionell monopolisiert.
Aus säkularer Sicht ist „das Licht“ kein exklusives Besitztum einer Religion, sondern steht für Aufklärung, Vernunft, Menschlichkeit – Werte, die keiner angeblich göttlichen Offenbarung bedürfen.
Zutiefst fragwürdig: Leid als theologisches Programm
Problematisch wird der Text dort, wo er Leid theologisch instrumentalisiert. Simeons Prophezeiung vom „Schwert, das Marias Seele durchdringt“, interpretiert Buß so: „Christlicher Glaube ist keine Flucht vor der Dunkelheit des Lebens. Er ist das Vertrauen, dass gerade in dieser Dunkelheit ein Licht brennt, das nicht verlöscht.“
Diese Theologie des Leidens ist zutiefst fragwürdig. Sie suggeriert, dass Leiden einen höheren Sinn habe, dass es gottgewollt oder gar notwendig sei für Erlösung. Aus humanistischer Perspektive ist das eine gefährliche Verharmlosung: Leid sollte nicht verklärt, sondern bekämpft werden. Die Aufgabe des Menschen ist es nicht, im Leid einen „göttlichen Plan“ zu erkennen, sondern durch Vernunft, Wissenschaft und Solidarität Leid zu mindern.
Die Vorstellung, dass „Licht und Kreuz zusammengehören“, macht Gewalt und Leid zu unvermeidlichen Bestandteilen der menschlichen Existenz – und verhindert so deren entschiedene Zurückweisung.
Missionarischer Anspruch statt Dialog
Wenn Buß schreibt, die Gläubigen sollten „selbst Lichtträger werden — durch Liebe, durch Hoffnung, durch Vertrauen, durch Barmherzigkeit“, klingt das zunächst sympathisch. Doch der Kontext macht deutlich: Es geht nicht um universelle humanistische Werte, sondern um die Verbreitung einer spezifisch christlichen Heilsbotschaft. Die Formulierung „das Licht soll hinausgetragen werden in unsere Welt“ trägt missionarische Züge – als ob „die Welt“ ohne dieses spezielle Licht in Dunkelheit verharren würde.
Dabei zeigt die Geschichte: Ethisches Handeln, Mitgefühl und soziale Verantwortung sind keine und schon gar keine exklusiv religiösen Errungenschaften. Humanistische Ethik kommt ohne Offenbarung fiktiver Gottheiten aus und begründet Werte wie Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit aus der menschlichen Vernunft und unserem Bedürfnis nach einem gelingenden Zusammenleben.
Fazit: Symbolik ohne kritische Reflexion
Stefan Buß‘ Impuls zu Mariä Lichtmess ist symptomatisch für viele religiöse Verlautbarungen: Historische Kontexte werden ausgeblendet, patriarchale Strukturen verschleiert, universelle Symbole vereinnahmt und Leid theologisch verklärt – alles verpackt in eine ästhetisch ansprechende Lichtmetaphorik.
Aus säkularer Sicht bleibt die Frage: Warum brauchen wir im 21. Jahrhundert noch Erzählungen, die menschliche Werte wie Mitgefühl und Hoffnung an eine spezifische religiöse Heilsfigur binden? Warum sollten wir Licht, Wärme und Menschlichkeit nicht als das feiern, was sie sind: zutiefst menschliche, allen zugängliche Qualitäten, die keiner göttlichen Legitimation bedürfen?
Das Licht der Aufklärung scheint heller als das Licht dogmatischer Kerzen.


















Wer nicht leuchten und strahlen will, wie die Heilsverkünder wird ausgelöscht wie ne Kerze.
Der überwiegende Teil der Menscheit ist halt einfach abgrundtief böse und kriecht depressiv durch die Schatten.
Sofern man dem christlichen Geshwurbel glaubt…
„I might be evil, but I feel good“ (Zitat: Evil Dead 3 – Armee der Finsternis) 😉
Im Übrigen: Die rituelle Reinigung der Frau nach der Geburt eines Kindes war mit einer Abgabe verbunden, die in Form eines Schlachtopfers erbracht werden musste.
Ausserdem kostete die sog. Darstellung des Kindes fünf Schekel.
Von nix kommt nix, sagt sich der Rabbi.
Ansonsten beschreibt Herr Buss nur wieder ein klassisches Beispiel für kulturellen Diebstahl.