Weltuntergangsvorbereitung mit Gottes Benzinkanister

Lesezeit: ~ 3 Min.

Vorbereitet sein! Auf alles? – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Alexander Höner, veröffentlicht am 10.1.26 von ARD/daserste.de und von rundfunk.evangelisch.de

Darum geht es

Höner instrumentalisiert aktuelle Existenzängste, um einen Gott zu bewerben, der erwiesenermaßen nicht hilft, und verkauft psychologische Selbstberuhigung als spirituelle Weisheit, während die wirklich hilfreichen Elemente – menschliche Solidarität und rationale Vorbereitung – komplett ohne religiöse Zusätze auskommen.

Der evangelische Theologe Alexander Höner jongliert in seiner Ansprache zwischen Katastrophenangst und religiösem Vertrauen – und landet erwartungsgemäß bei der üblichen theologischen Doppelstrategie: Man solle sich vorbereiten, aber auch auf Gott vertrauen. Was zunächst wie ein ausgewogener Ratschlag klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als das übliche fromme Absicherungsmanöver.

Das Angstgeschäft als Einstieg

Höner nutzt geschickt die aktuelle Verunsicherung – Stromausfälle in Berlin, allgemeine Krisenstimmung – um seine Botschaft zu platzieren. Die Rhetorik ist kalkuliert: Erst wird Angst geschürt (Ernstfall, Krieg, Tod), dann präsentiert sich die Religion als Lösungsanbieterin. Ein altbekanntes Muster, das Kirchen seit Jahrhunderten perfektioniert haben. Wo Menschen verunsichert sind, bietet sich Heilsverkäufern aller Art das Geschäft mit dem Trost an.

Die Jesus-Anekdote: Realitätsfern wie eh und je

Besonders aufschlussreich ist Höners Verweis auf Jesus‘ Empfehlung, ohne Vorräte loszuziehen. Er zitiert diese biblische Passage, nur um sie sofort als unpraktikabel zu verwerfen. Wozu dann überhaupt erwähnen? Die Antwort ist simpel: Es geht um verzweifelt platzierte religiöse Referenzpunkte, nicht um praktische Lebenshilfe. Die Bibel wird als Autorität zitiert, aber sobald ihre Ratschläge zu weltfremd werden, relativiert man sie diskret. Diese intellektuelle Unredlichkeit zieht sich durch die gesamte religiöse Argumentation.

Vertrauen – auf was genau?

Der Kern von Höners Botschaft: „Mein Vertrauen macht mein Leben nicht sicherer, nicht krisenfester. Aber mein Vertrauen hilft mir, mich nicht verrückt zu machen.“ Hier wird es entlarvend. Er gibt zu, dass sein Gottvertrauen faktisch nichts bewirkt – keine Sicherheit, keine Krisenfestigkeit. Es ist reines Placebo, psychologische Selbstberuhigung.

Doch warum sollte man an eine „liebende Kraft“ glauben, die nachweislich nicht eingreift? Höner nennt sie Gott, aber was unterscheidet diese Kraft von purem Wunschdenken? Im Ernstfall – bei Stromausfall, Krankheit, Katastrophe – ist dieser Gott genauso abwesend wie immer und wie alle anderen Götter auch. Die Berliner, die in der Kälte saßen, wurden nicht von göttlicher Intervention gerettet, sondern von Technikern, Feuerwehr und solidarischen Nachbarn.

Die Gemeinschaft braucht keine Götter

Besonders ärgerlich ist die Vermischung: Höner spricht von Zusammenhalt „als Gemeinschaft, als Nation, als Demokratie“ – und schmuggelt dann seinen Gott mit hinein. Aber demokratischer Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe und soziale Solidarität funktionieren völlig unabhängig von religiösem Glauben. Tatsächlich zeigen säkulare Gesellschaften oft mehr und vor allem keinen auf die eigene Glaubensgemeinschaft beschränkten sozialen Zusammenhalt als stark religiöse.

Die humanistische Alternative ist klar: Wir können auf menschliche Solidarität, auf funktionierende Institutionen, auf Wissenschaft und rationale Vorbereitung vertrauen – ohne metaphysische Krücken. Psychologische Resilienz entsteht durch realistische Einschätzung der Lage, durch aktives Handeln und durch tragfähige soziale Netzwerke, nicht durch Gebete an eine imaginäre Kraft.

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Das Dilemma des modernen Wischiwaschi-Christen

Höner verkörpert den modernen, liberalen Christen, der einerseits rational genug ist, Jesus‘ Ratschläge nicht wörtlich zu befolgen (keine Vorräte!), andererseits aber an der Gottesvorstellung festhalten will. Das Ergebnis ist eine verwässerte Spiritualität, die faktisch zugibt, wirkungslos zu sein, aber dennoch als unverzichtbar verkauft wird.

Wenn Gottvertrauen das Leben nicht sicherer macht, wozu dann überhaupt dieser Umweg? Die ehrliche Antwort: zur emotionalen Selbstberuhigung. Aber dafür braucht es keine Götter – Meditation, Achtsamkeit, Philosophie oder schlicht realistische Akzeptanz der menschlichen Existenz mit allen Möglichkeiten, Chancen und Risiken leisten dasselbe, ohne intellektuellen Selbstbetrug.

Fazit

Höners Ansprache ist symptomatisch für die moderne Theologie: Sie will relevant bleiben, indem sie aktuelle Ängste aufgreift, bietet aber letztlich nur vage Trostformeln ohne praktischen Mehrwert. Die wirklich hilfreichen Elemente – Vorbereitung, Gemeinschaft, Zusammenhalt – funktionieren ohne religiösen Überbau. Der Rest ist fromme Folklore.

Die säkulare, humanistische Perspektive ist nüchterner, aber ehrlicher: Ja, das Leben ist unsicher. Ja, wir können nicht alles kontrollieren. Aber wir haben einander, wir haben unseren Verstand, und wir haben bewährte Systeme des Zusammenhalts. Das muss reichen – und das reicht auch.

KI

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3 Gedanken zu „Weltuntergangsvorbereitung mit Gottes Benzinkanister“

  1. Ich nehme an, die Schergen des Mullah-Regimes im Iran gewinnen einen guten Teil ihrer Handlungsbereitschaft aus ihrem Gottvertrauen. Gleiches gilt für Ihre Anführer …

    Antworten
    • Zeit für nen neuen Kreuzzug…
      Wie viele warens gleich nochmal?
      Egal, Gott will es und irgendwann werdens die fundamentalen Zeloten es schaffen, seinen gebrechlichen Leib wieder auf seinen ihm angewachsenen Thron zu hiefen, von dem er eigentlich nie fallen durfte…

      Idiotie wohin man nur blickt!
      Wir leben in verdammt interressanten Zeiten!

      Antworten
  2. Da fällt mir ein Witz ein:
    Kommt ein Mann zum Arzt und sagt: Es ist mir so peinlich, aber können Sie mir ein Medikament gegen das Bettnässen verschreiben?
    Der Arzt sagt: Ja, ich habe da was, jeden Tag eine von diesen Pillen, die ich Ihnen hiermit verschreibe.
    Nach ein paar Wochen kommt der Patient wieder zum Arzt. Der Arzt fragt: Na, wie haben die Pillen gewirkt. Tja, sagt der Patient, ich nässe zwar immer noch, aber es macht mir nichts mehr aus.

    Antworten

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