Fragen ohne Antwort – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Conrad Krannich, veröffentlicht am 24.01.26 von ARD/daserste.de und von rundfunk.evangelisch.de
Darum geht es
Krannich inszeniert christliche Passivität als Tugend, indem er politisches Versagen durch spirituelle Innerlichkeit ersetzt und konkrete Handlungsoptionen zugunsten einer vagen Herzensöffnung verweigert.Conrad Krannichs „Wort zum Sonntag“ vom 24. Januar 2026 ist ein Lehrstück darin, wie religiöse Rhetorik politische Verantwortung vernebelt. Unter dem Deckmantel der Nachdenklichkeit präsentiert der Theologe eine Weltanschauung, die Hilflosigkeit zur Haltung verklärt.
Die Inszenierung der Ratlosigkeit
Krannich beginnt mit Polarlichtern und großen Fragen: „Wohin geht die Reise?“ Diese dramaturgische Eröffnung suggeriert existenzielle Tiefe, bleibt aber bei atmosphärischer Kulisse stehen. Die eigentliche Analyse – warum die Mullahs morden können, warum Putin ungebremst agiert, welche politischen Strukturen versagen – wird nicht einmal angedeutet.
Stattdessen folgt die Begegnung mit Farhad, dem iranischen Restaurantbesitzer. Die Szene ist emotional aufgeladen: gehaltene Hände, Schweigen, gebrochene Stimme. Doch was als empathische Geste verkauft wird, entpuppt sich als narrativer Trick. Krannichs Sprachlosigkeit wird nicht als Versagen gekennzeichnet, sondern als angemessene Reaktion nobilitiert: „vielleicht ist es gut, mal eine Sekunde lang nichts sagen“.
Das „hörende Herz“ als Ersatzhandlung
Der Rückgriff auf König Salomos Bitte um ein „hörendes Herz“ markiert den Kern der Problematik. Was in der biblischen Erzählung als Wunsch nach Weisheit zur gerechten Herrschaft gemeint war, schrumpft bei Krannich zur introspektiven Übung. Das „hörende Herz“ wird nicht mit Urteilskraft, Analyse oder gar Handlung verbunden – sondern mit „Raum geben“, „Polarlichter empfangen“ und „Stille aushalten“.
Diese Spiritualisierung ist bezeichnend: Wo konkrete Solidarität mit iranischen Freiheitskämpfern gefordert wäre, wo Druck auf Regierungen, Sanktionspolitik, Asylrecht oder Exilunterstützung thematisiert werden müssten, bietet Krannich Herzensweite an. Das ist nicht nur unzureichend – es ist eine Kapitulation des Denkens.
Farhads instrumentalisierte Hoffnung
Besonders problematisch ist die Verwendung von Farhads Stimme. Seine Aussage „Iran wird frei sein, irgendwann“ klingt nach Hoffnung – doch in Krannichs Deutung wird sie zur Durchhalteparole ohne politische Konsequenz. „Bis dahin ist unsere größte Aufgabe, Menschen zu bleiben“ – eine Formulierung, die moralische Integrität gegen politischen Kampf ausspielt.
Dabei sind es gerade säkulare, humanistische Bewegungen im Iran, die unter Lebensgefahr für Freiheit kämpfen. Nicht das „offene Herz“ in Deutschland wird den Iran befreien, sondern konkrete Unterstützung: Aufmerksamkeit für Menschenrechtsverletzungen, Asyl für Verfolgte, technische Hilfe für Dissidenten, diplomatischer Druck. All das kommt bei Krannich nicht vor.
Die Theologie der Ohnmacht
„Hier, Gott, ein bisschen Zeit von mir für dich. Nimm Platz zwischen all meinen Fragen, halte mit mir den Wahnsinn aus“ – diese Zeilen offenbaren die Grundhaltung: Gott wird zum therapeutischen Gegenüber in der eigenen Überforderung. Nicht zur Quelle von Erkenntnis oder Handlungsimpuls, sondern zum Komplizen im Nichtstun.
Diese Passivität tarnt sich als Demut. Doch echter Humanismus bedeutet gerade nicht, vor der Komplexität der Welt zu kapitulieren. Er bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – mit den unvollkommenen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Aufklärung heißt, Zusammenhänge zu benennen: Wie westliche Appeasement-Politik Autokraten stärkt. Wie Wirtschaftsinteressen Menschenrechte relativieren. Wie religiöse Strukturen – im Iran wie anderswo – Freiheit unterdrücken.
Polarlichter statt Politik
Am Ende steht Krannich ohne Polarlicht, „aber mit dieser Antwort“ in der Nacht. Welche Antwort? Dass Menschen Menschen bleiben sollen? Das ist keine Antwort auf die gestellten Fragen, sondern ihre Verweigerung.
Ein säkularer Humanismus würde anders klingen: Er würde konkrete Ungerechtigkeiten benennen, Machtstrukturen analysieren, Handlungsoptionen aufzeigen. Er würde Farhads Wut nicht nur halten, sondern ihre Berechtigung anerkennen und in politische Forderungen übersetzen. Er würde das Schweigen nicht als Tugend, sondern als Versagen erkennen.
Krannichs Predigt ist letztlich eine Zumutung: Sie nimmt menschliches Leid zum Anlass für religiöse Selbstvergewisserung, statt zu Solidarität und Widerstand aufzurufen. Das „hörende Herz“ wird zum Feigenblatt für eine Weltanschauung, die vor der Wirklichkeit die Augen verschließt – und diese Verweigerung auch noch als spirituelle Leistung verkauft.
Das Jahr beginnt nicht dadurch neu, dass wir das Herz offen halten. Sondern dadurch, dass wir den Verstand einschalten und handeln.

















Ein sehr großer Teil der Erklärung des brutalen Mullah-Regimes und dessen langjähriger Stabilität sind religiöse Wahnideen – und Herr Krannich bietet religiöse Wahnideen als Antwort darauf. Das kann ich nur als kaltschnäuzigsten Zynismus interpretieren.
Nur Geduld, der Herr selbst (D. Trump) bereitet gerade den nächsten heiligen Kreuzzug vor.
Es kann ja nicht sein, dass ein theokratisches Regime seine eigenen Bürger auf offener Strasse erschiesst…
…oder doch?!
Einfach abwarten, der Herrgott bzw. Donnie himself wirds schon richten!