Heiliger Valentin – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Magdalena Kiess, veröffentlicht am 14.02.26 von ARD/daserste.de – Wie Magdalena Kiess den Valentinstag theologisch vereinnahmt und dabei ihre eigene Botschaft untergräbt
Darum geht es
Frau Kiess vereinnahmt den säkularen Valentinstag für eine christliche Liebesethik, die sie als universelle Norm präsentiert, während sie dabei logische Widersprüche zwischen proklamierter „Weite“ und tatsächlicher normativer Enge produziert und säkulare Moral als defizitär entwertet – finanziert durch Rundfunkbeiträge aller, aber wie immer ohne säkulare Gegenrede.Im „Wort zum Sonntag“ vom 14. Februar 2026 sprach Magdalena Kiess über den Valentinstag und die Liebe. In knapp vier Minuten öffentlich-rechtlicher Sendezeit – finanziert durch Rundfunkbeiträge aller Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von ihrer Weltanschauung – unternahm sie den Versuch, einen säkularisierten Feiertag religiös zu deuten und dabei gleichzeitig eine moralische Haltung zu propagieren, die sie als „Liebe“ bezeichnet. Was dabei herauskommt, ist ein Paradebeispiel religiöser Vereinnahmung, logischer Inkonsistenz und paternalistischer Bevormundung.
Die Legende als Legitimation: Der heilige Valentin als Projektionsfläche
Kiess beginnt mit einer Geschichte über Liebende, denen ihre Beziehung verboten war: „Die Familien waren dagegen oder die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, das Geld, die Religion, was auch immer.“ Dann führt sie den heiligen Valentin ein, der „der Legende nach“ im dritten Jahrhundert Paare „christlich verheiratet haben“ soll, „denen das eigentlich verboten war“ – und dafür „sogar umgebracht worden sein soll“.
Bereits hier beginnt die Manipulation. Kiess präsentiert eine Legende – also eine historisch nicht gesicherte Erzählung – als Ursprung des heutigen Valentinstags. Tatsächlich ist der moderne Valentinstag eine kommerzielle Erfindung des 20. Jahrhunderts, die nur lose an mittelalterliche Bräuche anknüpft, welche ihrerseits wenig mit dem historischen Bischof Valentin von Terni zu tun haben (sofern es ihn überhaupt gab).
Die Legende dient hier als religiöse Legitimationsfolie: Seht her, der Valentinstag hat christliche Wurzeln! Dabei verschweigt Kiess, dass der Valentinstag als globales Phänomen nichts mit christlicher Theologie zu tun hat, sondern ein säkulares, kommerzialisiertes Fest romantischer Liebe ist – mit oder ohne Ehe, mit oder ohne Religion, mit oder ohne kirchlichen Segen.
Die Vereinnahmung: „Wir feiern die Liebe“ – aber welche Liebe?
„Und heute, gut 1800 Jahre später, feiern wir die Liebe am Valentinstag“, erklärt Kiess. Doch wer ist dieses „wir“? Feiern „wir“ wirklich alle den Valentinstag? Und wenn ja, feiern wir ihn aus religiösen Gründen?
Die Formulierung suggeriert eine kulturelle Kontinuität, die es nicht gibt. Der Valentinstag mag kommerziell erfolgreich sein, aber er ist kein religiöses Fest mehr – wenn er es je war. Menschen feiern ihn als Anlass, Zuneigung auszudrücken, nicht als Gedenktag eines christlichen Märtyrers. Die religiöse Vereinnahmung geschieht hier durch historische Suggestion: Weil es einmal einen Heiligen Valentin gegeben haben soll, gehört der heutige Valentinstag irgendwie zum christlichen Erbe.
Diese Logik wäre in anderen Kontexten absurd. Niemand würde behaupten, dass Halloween ein christliches Fest ist, nur weil es auf „All Hallows‘ Eve“ zurückgeht. Doch im „Wort zum Sonntag“ wird genau diese Vereinnahmung vollzogen – und das in einem öffentlich-rechtlichen Format, das allen Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet sein sollte, nicht nur den christlichen.
Die falsche Dichotomie: „Entweder-Oder“ als Strohmann
Kiess fährt fort: „Die einen finden ihn kitschig, kommerzialisiert und einfach unnötig. Die anderen kaufen Rosen und Pralinen oder organisieren romantische Dates. Wieder andere fragen: Darf man überhaupt glücklich sein und feiern, wenn es so viele Menschen nicht sind und wenn an so vielen Orten der Welt gerade der Hass regiert?“
Hier konstruiert Kiess ein Problem, um dann ihre Lösung anzubieten. Sie behauptet, „wir“ hätten uns an „Entweder-Oder-Fragen gewöhnt“: „Ist etwas richtig oder falsch, erlaubt oder verboten, bin ich dafür oder dagegen?“
Doch wer stellt diese Fragen tatsächlich in dieser Schärfe? Die allermeisten Menschen feiern oder ignorieren den Valentinstag, ohne sich in moralische Dilemmata zu verstricken. Die Frage „Darf man glücklich sein, wenn andere leiden?“ mag bei einigen aufkommen, aber sie ist kaum repräsentativ für den gesellschaftlichen Umgang mit dem Valentinstag.
Kiess baut einen Strohmann auf – die angebliche „Entweder-Oder-Mentalität“ – um dann ihre Lösung als befreiende Alternative zu präsentieren: „Das Leben ist nicht entweder schwarz oder weiß. Es besteht aus vielen Farben und Schattierungen, genau wie die Liebe.“
Diese Plattitüde klingt weise, ist aber analytisch wertlos. Natürlich ist das Leben komplex. Doch Kiess benutzt diese Trivialität, um ihre eigentliche Agenda zu verschleiern: die Einführung einer spezifisch christlichen Liebesethik als universelle Orientierung.
Die christliche Liebesethik als universelle Norm
Nun kommt Kiess zum Kern ihrer Botschaft: „In der Bibel wird die Liebe ausführlich beschrieben, meistens nicht als romantisches Bauchkribbeln, sondern eher als Haltung, die unser Verhalten, ja unsere Reaktionen und unser ganzes Sein verändern kann.“
Hier vollzieht sich die theologische Vereinnahmung. Der Valentinstag, der heute primär ein Fest romantischer Liebe ist, wird umgedeutet in einen Anlass, über christliche Nächstenliebe nachzudenken. Die Bibel wird zur Autorität erklärt für die Frage, was „Liebe“ eigentlich ist.
Kiess zitiert aus dem ersten Korintherbrief (1 Kor 13): „Die Liebe ist geduldig, die Liebe ist gütig, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie trägt das Böse nicht nach.“
Diese Passage ist zweifellos einflussreich und literarisch schön. Aber sie ist nicht die einzige oder gar die beste Definition von Liebe. Aus humanistischer Sicht können wir Liebe als empathische Verbundenheit, als gegenseitige Anerkennung, als Fürsorge verstehen – ohne Rückgriff auf biblische Autorität. Und erst recht ohne Rückgriff auf einen Gott, dessen angebliche Liebe bei Licht betrachtet nichts anderes wäre als eine perfide Erpressung, wenn es ihn gäbe – auf den Punkt gebracht in Mk 16,16.
Zudem verschweigt Kiess die problematischen Aspekte der biblischen Liebesethik: Die Liebe, von der Paulus spricht, ist eingebettet in ein patriarchales Weltbild, in dem Frauen Männern untergeordnet sind, in dem Homosexualität verdammt wird, in dem Sklaverei akzeptiert ist. Die selektive Zitation biblischer Liebesideale blendet diese Kontexte aus und präsentiert eine geschönte Version christlicher Ethik.
Die moralische Überhöhung: Liebe als Verhaltensanweisung
Kiess fragt: „Wenn wir nach dieser Liebe handeln würden, wie sähe dann unser Umgang miteinander aus? Wie würden wir Entscheidungen treffen? Würden wir mehr miteinander reden, auch bei unterschiedlichen Meinungen? Würden wir Kontakt halten, auch wenn jemand schwierig geworden ist?“
Diese rhetorischen Fragen implizieren, dass Menschen, die nicht nach biblischer Liebesethik handeln, weniger liebevoll, weniger kommunikativ, weniger beziehungsfähig sind. Doch diese Unterstellung ist empirisch falsch und moralisch anmaßend.
Säkulare Menschen pflegen sehr wohl liebevolle Beziehungen, sprechen miteinander trotz unterschiedlicher Meinungen, halten Kontakt zu schwierigen Personen – nicht weil die Bibel es ihnen sagt, sondern weil sie empathisch, sozial kompetent und ethisch verantwortungsvoll sind. Diese Fähigkeiten brauchen keine religiöse Grundlage.
Kiess suggeriert, dass die biblische Liebesethik eine Art moralische Überlegenheit verleiht. Doch die Geschichte zeigt: Christliche Liebe hat weder Kriege verhindert, noch Unterdrückung beseitigt, noch zu einem friedlicheren Zusammenleben geführt. Im Gegenteil: Im Namen christlicher Liebe wurden und werden Menschen verfolgt, ausgegrenzt und getötet.
Die autoritäre Zumutung: „Liebe kann nicht neutral bleiben“
Nun wird Kiess explizit normativ: „Liebe heißt nicht, alles ist egal. Wo jemand erniedrigt, verletzt oder zerstört wird, kann Liebe nicht neutral bleiben. Sie stellt sich an die Seite derer, die klein gemacht werden. Sie traut sich auch sehr deutlich Nein zu sagen.“
Diese Passage klingt zunächst emanzipatorisch: Liebe als Parteinahme für Unterdrückte, als Widerstand gegen Ungerechtigkeit. Doch die Formulierung ist zutiefst paternalistisch. Liebe wird hier personifiziert als Akteurin, die „sich an die Seite stellt“ und „Nein sagt“. Doch wer entscheidet, was Liebe in konkreten Situationen „sagt“?
Die Antwort liegt auf der Hand: diejenigen, die beanspruchen, im Namen der Liebe zu sprechen – also religiöse Autoritäten wie Kiess selbst. Die „Liebe“ wird zum Vehikel für moralische Urteile, die als objektiv und unhinterfragbar präsentiert werden.
Zudem widerspricht diese Passage Kiess‘ eigener Kritik an „Entweder-Oder-Fragen“. Sie sagt: „Liebe kann nicht neutral bleiben.“ Das ist eine klare Entweder-Oder-Aussage: Entweder du stellst dich auf die Seite der Unterdrückten (gemäß der biblischen Liebesethik), oder du bleibst neutral – und bist damit nicht liebevoll.
Die propagierte „Weite der Liebe“ schrumpft hier auf eine sehr enge moralische Direktive: Du musst handeln, wie die Liebe (bzw. die Bibel, bzw. Kiess) es vorschreibt. Das ist keine Freiheit, sondern Bevormundung.
Die Selbstwidersprüchlichkeit: Weite versus Normativität
Kiess behauptet: „Liebe aber ermöglicht weiten Raum, wenn man sie lässt. Sie ist eine Haltung, die fragt: Was dient dem oder der anderen? Was baut ihn oder sie auf? Was bewahrt Beziehungen auch über Meinungsverschiedenheiten hinweg und was hilft, dass auch ich mich zum Besseren hin ändern kann?“
Diese Fragen klingen offen und reflexiv. Doch sie stehen in fundamentalem Widerspruch zu Kiess‘ vorheriger Aussage, dass Liebe „nicht neutral bleiben kann“ und „sehr deutlich Nein sagen“ muss.
Entweder die Liebe ermöglicht „weiten Raum“ – dann muss sie auch Raum lassen für unterschiedliche Antworten auf ihre Fragen, für moralische Pluralität, für Kontroversen. Oder sie ist eine normative Haltung, die klare Grenzen setzt und „sehr deutlich Nein sagt“ – dann ist sie nicht weit, sondern eng.
Kiess will beides: Die Liebe soll weit sein (um nicht moralisierend zu wirken) und gleichzeitig normativ (um moralische Autorität zu beanspruchen). Diese Selbstwidersprüchlichkeit entlarvt die rhetorische Strategie: Die „Weite“ ist ein PR-Trick, um die eigentliche normative Agenda zu verschleiern.
Die Instrumentalisierung des Valentinstags
Am Ende kommt Kiess zum Punkt: „Ich glaube, dafür steht der Valentinstag, ganz gleich ob wir in Partnerschaften oder als Single leben.“
Diese Aussage ist bemerkenswert dreist. Der Valentinstag steht für romantische Liebe, für Zuneigung zwischen Partnern, für Zweisamkeit – und für kommerzielle Interessen der Blumen-, Parfum- und Schokoladenindustrie. Er steht nicht für biblische Nächstenliebe, nicht für moralische Reflexion, nicht für christliche Ethik.
Kiess instrumentalisiert einen säkularen Feiertag für ihre theologische Agenda. Sie eignet sich den Valentinstag an, um über etwas ganz anderes zu sprechen: über christliche Moral, über biblische Liebesethik, über „richtiges“ Verhalten.
Diese Vereinnahmung ist umso problematischer, als sie in einem öffentlich-rechtlichen Format geschieht, das Neutralität wahren sollte. Kiess nutzt Gebührengelder, um einen weltlichen Feiertag religiös zu deuten – ohne Widerspruch, ohne Gegenrede, ohne säkulare Alternative.
Die Leerstelle: Säkulare Ethik und autonome Moral
Was in Kiess‘ Ausführungen vollständig fehlt, ist die Anerkennung, dass Menschen sehr wohl moralisch handeln können – liebevoll, fürsorglich, gerecht – ohne biblische Autorität, ohne religiöse Legitimation, ohne christliche Liebesethik.
Die humanistische Ethik fragt nicht: „Was sagt die Bibel über Liebe?“ Sie fragt: „Was brauchen Menschen, um ein gutes Leben zu führen? Wie können wir Leid vermindern? Wie können wir Autonomie und Würde respektieren?“
Diese Fragen lassen sich rational, diskursiv, demokratisch beantworten – ohne Rückgriff auf religiöse Texte. Die säkulare Ethik ist nicht „lieblos“, sie ist nicht „eng“, sie ist nicht moralisch defizitär. Sie ist anders: autonom, begründungspflichtig, fallibel – und gerade deshalb offen für Korrektur und Weiterentwicklung.
Kiess aber suggeriert, dass wahre Liebe nur aus biblischer Quelle schöpfen kann. Damit entwertet sie säkulare Moral und säkulare Lebensführung – im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, finanziert von allen.
Die Rolle des „Wort zum Sonntag“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Das „Wort zum Sonntag“ ist ein Relikt aus einer Zeit, als Deutschland noch überwiegend christlich geprägt war. Heute leben Millionen Menschen in Deutschland ohne religiöse Bindung und sie sind inzwischen in der Überzahl. Sie zahlen denselben Rundfunkbeitrag wie Christinnen und Christen – aber sie bekommen kein „Wort zum Sonntag“ aus säkularer, humanistischer Perspektive.
Stattdessen müssen sie zuschauen, wie ihre Feiertage vereinnahmt, ihre moralischen Überzeugungen entwertet und ihre Lebensführung implizit als defizitär dargestellt werden. Das ist nicht neutral, das ist nicht pluralistisch, das ist Privilegierung einer religiösen Weltanschauung auf Kosten aller anderen.
Kiess hat das Recht, ihre Überzeugungen zu vertreten. Aber sie sollte nicht das Privileg haben, sie in einem Format zu verkünden, das allen gehört – ohne Widerspruch, ohne Gegenrede, ohne Rechenschaftspflicht.
Fazit: Liebe braucht keine Bibel
Magdalena Kiess‘ „Wort zum Sonntag“ ist ein Beispiel dafür, wie religiöse Akteure säkulare Feste vereinnahmen, moralische Autorität beanspruchen und dabei logische Widersprüche produzieren. Die „Weite der Liebe“, die sie propagiert, erweist sich als enge normative Agenda. Die „Freiheit“, die sie verspricht, ist Unterwerfung unter biblische Ethik. Die „Offenheit“, die sie beschwört, ist religiöse Bevormundung.
Aus humanistischer Sicht brauchen wir keine biblische Liebesethik, um liebevoll, fürsorglich und gerecht zu handeln. Wir brauchen Empathie, Vernunft und den Willen, die Würde anderer zu respektieren. Wir brauchen keine Legenden über heilige Valentins, um romantische Liebe zu feiern. Wir brauchen keine moralischen Direktiven aus dem ersten Korintherbrief, um gute Beziehungen zu führen.
Der Valentinstag mag kommerziell und kitschig sein. Aber er ist unser Kitsch, unsere Kommerzialisierung, unser säkulares Fest. Die Kirche hat darauf keinen Anspruch – und das „Wort zum Sonntag“ sollte endlich zur Kenntnis nehmen, dass die Gesellschaft religiös längst über es hinausgewachsen ist.
„Gute Nacht“, sagt Kiess am Ende. Gute Nacht auch der religiösen Vereinnahmung weltlicher Feste. Gute Nacht der Bevormundung im Namen der Liebe. Und gute Nacht dem Privileg, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk theologische Deutungshoheit zu beanspruchen.



















Die biblische Liebe bedeutet nichts anderes als totale Unterwerfung, Selbstaufgabe, Loyalität ohne Vernunft, totaler Kadavergehorsam!
Und weil ich FLORIAN heise gehören ab jetzt alle Blumen mir!
So, da habt ihr euren Salat!
(Aber n kleines Steak wäre auch toll…) 🙂