Gemeinsam gemeinschaftlich sein…. – Gedanken zu NACHGEDACHT 206

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Gemeinsam gemeinschaftlich sein – Originalartikel verfasst von Christina Lander, veröffentlicht am 18.12.2016 von Osthessennews

Interessanterweise zerschlagen wir Menschen aber auch gern Gemeinschaften. Mobbing und Ausgrenzung beherrschen einige Personen sehr gut.*

¨Wir Menschen¨ bedeutet, dass hier alle Menschen gemeint sind. Bei solchen Aussagen sollte man darauf achten, dass man hier nur Eigenschaften nennt, die tatsächlich auf alle Menschen zutreffen. Pauschal könnte man zum Beispiel sagen, dass alle Menschen Angehörige einer bestimmten Trockennasenaffenart sind.  Nicht aber, dass alle Menschen gern Gemeinschaften zerschlagen. Auch, wenn man das in seinem persönlichen Umfeld vielleicht so wahrnimmt.

Umgekehrt lässt sich asoziales Verhalten nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren beobachten. Man denke zum Beispiel nur an einen mehrere Jahre dauernden Völkerkrieg zwischen zwei Schimpansenvölkern, bei dem schließlich alle männlichen Schimpansen der gegnerischen Gruppe von den angreifenden Primaten getötet worden waren. Auch die Tatsache, dass es bei einigen Tierarten, die gemeinsam in sozialen Verbänden leben üblich ist, dass neu an die Macht gekommene Anführer zunächst sämtlichen männlichen Nachwuchs töten, um ihre eigenen Gene weitergeben zu können, könnte man als Zerschlagung von Gemeinschaft deuten.

Gemeinsam in Gemeinschaften zusammenzuleben, hatte ab einer gewissen Entwicklungsstufe einen (Überlebens-)Vorteil bedeutet. Sozialverhalten lässt sich, wie asoziales Verhalten auch, evolutionär erklären. Denn auch der Umgang mit Außenseitern, die den Frieden und Zusammenhalt der jeweiligen Gruppe mit ihrem Verhalten gefährden könnten, kann dazu dienen, die Gemeinschaft zu stärken.

Dazu kommen eine ganze Reihe weiterer Phänomene, die hier eine Rolle spielen. Ein gemeinsames Feindbild kann die Identität der Gruppe festigen. Und durch die Herabsetzung Einzelner (aus welchen Gründen auch immer) bedeutet gleichzeitig eine Überhöhung der Gruppe oder derer, die dies tun. Das sagt jetzt noch nichts darüber aus, inwieweit solches Handeln ethisch korrekt ist, aber es kann erklären, wie es dazu kommen kann.

Gemeinsam in der Herde

Besonders deutlich lässt sich dieser Effekt bei Religionen beobachten. Gerade monotheistische Glaubensgemeinschaften wie das Christentum bauen auf genau dieser Abgrenzung auf: Die Zugehörigen dürfen sich als das ¨auserwählte Volk Gottes¨ fühlen. Ihnen wird als Gegenleistung für ihre Unterwerfung ein wohliges Gruppengefühl vermittelt und ewiges Glück in Aussicht gestellt.

Heute wird gern so getan, als würde das christliche Heilsversprechen für alle Menschen gelten. ¨Jesus hat alle Menschen erlöst¨, hatte mir erst kürzlich ein Priester erklärt.

Das ist, zumindest nach biblischer Aussage (die ja als angebliches ¨Wort Gottes¨ immer gilt, wenns drauf ankommt), keineswegs der Fall. Denn alle, die nicht der christlichen Herde angehören, sind auf ewig verdammte und verlorene Schafe.

Und auch im Diesseits haben laut Bibel nur Menschen eine Chance auf ein glückliches Leben, die sich Gott unterwerfen. Denn alle anderen werden in den meisten Fällen als Schwätzer, Prahler, Blender, Großmäuler oder eben Ungläubige diffamiert.

Kein Wunder, dass sich besonders Menschen der unteren sozialen Schichten von so einer Lehre angezogen fühlten. Hier konnten selbst die ärmsten Schlucker plötzlich zum auserwählten Volk Gottes gehören! Sie mussten nicht mal unterschreiben…

Dabeisein ist alles…

Und da Paulus aus der ursprünglich jüdischen Endzeitsekte eine Religion erschaffen hatte, die auch zu den Vorstellungen und Voraussetzungen Un- und Andersgläubiger kompatibel war, musste man nicht mal mehr den jüdischen Glauben mitbringen, um Teil der Herde zu werden. Was will man mehr!

Kurzum: Mit ¨Gemeinsam¨ sind nach biblischer Lehre immer nur die Glaubensbrüder und -schwestern gemeint. Diese soll man lieben wie Gott und wie sich selbst. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, zu welchen Zwecken und zu welcher Zeit die christliche Religion erfunden worden war. Die biblischen Moralismen sorgen für eine deutliche Abgrenzung zwischen der gläubigen Ingroup und dem Un- oder andersgläubigen Rest, der Outgroup.

Ein solches Konzept mag zur einfacheren Führung eines primitiven Wüstenvolks hervorragend geeignet gewesen sein. Mit den Herausforderungen einer global vernetzten Welt im 21. Jahrhundert hat das vielleicht noch so viel zu tun wie ähnliche Göttermythen, zum Beispiel die Edda oder die griechischen Göttersagen.

Gruppenbevorzugung oder Stärkung des Individuums?

Wie sehr arbeiten Pädagogen daran, dass bereits im Kindergarten und in frühen sozialen Phasen gemeinschaftlich leben gelernt wird.

Dazu würde mich interessieren, wie sehr Pädagogen daran arbeiten, neben der natürlich wichtigen Gemeinschaft auch und besonders die individuelle Persönlichkeit von Kindern zu stärken? Denn wer die ¨Spielregeln¨ für das Miteinander nicht nur aufgrund normativer Gruppenregeln einhält, sondern diese selbst als sinn- und wertvoll anerkennt, der wird einen fairen Umgang mit allen Mitmenschen anstreben – nicht nur mit denen, die gemeinsam mit ihm in einer Gruppe sind.

Die christliche Nächstenliebe ist nicht nur unrealistisch, sondern auch auf die Nächsten beschränkt (wie der Name schon sagt). Man wird kaum alle seine Nächsten lieben können, geschweige denn die Fernsten. Das ist aber auch gar nicht erforderlich, wenn man versucht, mit allen Menschen fair umzugehen. Den Nächsten und den Fernsten.

Feiern mit Leuten, die man nicht mag?

Ein schönes Weihnachtsereignis wäre doch, mit jemandem eine Gemeinschaft zu schließen, den wir nicht so sehr mögen? Oder unser Weihnachtsfest für andere zu öffnen?

Wenn wir jemand nicht mögen, dann gibt es dafür mit Sicherheit einen oder mehrere Gründe. Was versprechen Sie sich konkret davon, mit jemand gemeinsam ein Fest zu feiern, den oder die Sie nicht mögen? Könnte das schon ein Hinweis auf die Problematik der Nächstenliebe sein? Muss man alle Menschen mögen? Oder wäre es nicht viel realistischer und für die Gemeinschaft förderlicher, wenn alle fair miteinander umgehen? Auch die, die sich vielleicht nicht mögen?

Vielleicht bringt ja der Zauber der Heiligen Nacht, ganz wie im Sinne des kleinen Kindes, die Nähe, die wir uns zu anderen wünschen und die sich andere womöglich auch von uns ersehnen.

Wie ist denn ¨ganz wie im Sinne des kleinen Kindes¨? Was hat der Zauber eines vom Christentum gekaperten heidnischen Festes mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun? Wozu braucht es Mutmaßungen über die Absichten eines kleinen Kindes, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht? So, wie man auf andere Menschen zugehen sollte, sollte man auch respektieren, von jemandem nicht gemocht zu werden.

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Artikel.
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