Kennen Sie sich selbst? … – Gedanken zu Nachgedacht… (225) zum Thema Selbsterkenntnis

Kennen Sie sich selbst? … – Gedanken zu Nachgedacht… (225), Originalbeitrag zum Thema Selbsterkenntnis verfasst von Christina Lander, veröffentlicht am 30.04.17 von osthessennews

Ich hoffe doch, dass sich jeder Mensch ungefähr gut einschätzen kann, selbstverständlich ist allerdings die Beziehung zu unserer Mitte, zu unserem Selbst nicht wirklich.

SelbsterkenntnisNaja, das kommt jetzt darauf an, was man unter “wirklich” versteht. Denn selbst wenn man davon ausgeht, dass Menschen aufgrund ihrer beschränkten Wahrnehmungsfähigkeiten vermutlich niemals in der Lage sein werden, eine möglicherweise tatsächlich vorhandene Realitität hinter ihrer wahrgenommenen Wirklichkeit erkennen zu können, so kann man doch von einer Wirklichkeit sprechen.

Diese bezeichnet dann das Ergebnis dessen, was uns unser Unterbewusstsein als Wirklichkeit präsentiert.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Davon ausgehend würde ich auch die “Beziehung zu unserer Mitte, zu unserem Selbst” schon als wirklich bezeichnen. Natürlich in Form einer subjektiven, wahrgenommenen und interpretierten Wirklichkeit. Aber diese ist ja die Grundlage menschlichen Bewertens und Handelns. Selbst wenn sie möglicherweise sogar gravierend von einer wie auch immer gearteten “Realität” abweichen sollte. Nur: Eine andere als unsere Wirklichkeit steht uns nicht zur Verfügung. Was nicht heißt, dass sich diese konstruierte Wirklichkeit nicht auch jederzeit verändern kann. Und weiterentwickeln.

Aber wie sieht es denn sonst mit unserem Bild über uns selbst aus? Tatsächlich können wir uns doch nie wirklich richtig kennen, denn bekannt ist nur das, was wir aus zurückliegenden Erfahrungen über uns wissen. Was wir allerdings tun würden, wenn etwas ganz Neues passiert, können wir nur erahnen, vermuten.

Wen sollten wir denn besser kennen können als uns selbst? Wessen Verhalten sollten wir besser erahnen können als unser eigenes? Wer nicht gerade unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, die die Selbstwahrnehmung beeinträchtigt, dürfte sich am ehesten schon über seine eigenen Ansichten im Klaren sein.

Es gibt also immer eine „dunkle“, geheimnisvolle Seite über uns selbst, die wir nicht kennen, weil wir sie noch nie ausleben mussten:

Oder weil wir uns noch nie getraut haben, sie auszuleben. Oder zumindest, sie anzuerkennen.

Davon sind zum Beispiel auch religiöse Menschen betroffen, die meist vom Kleinkindalter an beigebracht bekommen haben, dass sie umso frömmer, umso tugendhafter seien, je weniger sie die Glaubensgewissheiten hinterfragen.

Sie haben gelernt, dass sie Dinge als wahr anerkennen müssen, die augenscheinlich und offensichtlich nicht wahr sind. Und dass es eine Sünde sei, diese Punkte kritisch und rational zu hinterfragen. Die Selbsterkenntnis muss an dem Punkt enden, wo es um die Hinterfragung von Glaubensinhalten geht.

Sapere aude!

Ich denke, dass es auch schon reichen würde, seine eigenen Verhaltens- oder Meinungsmuster einmal zu hinterfragen, einmal etwas zu tun, was man aus seinem Elternhaus oder in seinem bisherigen Leben nicht gewagt hat. Ich versuche immer wieder, etwas zu tun, was ich eigentlich nicht in meinem Selbstkonzept verinnerlicht habe. Einfach, um mich selbst noch einmal neu kennenzulernen.

Das halte ich für eine großartige Idee, der ich uneingeschränkt zustimme! Sapere aude! Wage es, dich deines Verstandes zu bedienen! Denken Sie “außerhalb der Box”! Erweitern Sie Ihren Horizont! Hinterfragen Sie Ihre Gewissheiten und Überzeugungen von Zeit zu Zeit (selbst-)kritisch! Nutzen Sie die Werkzeuge des rationalen Denkens!

Hierzu noch zwei hierzu passende Zitate, die Adenauer zugeschrieben werden:

  • „Meine Herren, es kann mich doch niemand daran hindern, über Nacht klüger zu werden.“
  • „Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich.“

Selbsterkenntnis…

[…] Der Gewinn ist nicht nur eine neue Erfahrung sondern auch ein neues Stück von seinem Selbst.

Die eigene Persönlichkeit ist keine statische Größe. Sie erfährt eine ständige Weiterentwicklung, die bis zum Lebensende weitergeht. Alle neuen Wahrnehmungen, Empfindungen, Gedanken und Handlungen tragen fortlaufend zur Prägung des Unterbewusstseins bei. Und diese Prägung ist es, die wiederum maßgeblich das menschliche Denken und Handeln bestimmt.

Und so kann es zum Beispiel sein, dass sich, etwa durch neue Erkenntnisse, Gewissheiten im Lauf des Lebens möglicherweise als (gut getarnte und bisher nie hinterfragte) Illusionen entpuppen. Der erste Schritt in diese Richtung kann das von der Autorin empfohlene ehrliche und selbstkritische Hinterfragen der eigenen Ansichten sein.

Ich fände es interessant von der Autorin zu erfahren, ob sie ihre “liberal-theologischen” Glaubensinhalte ebenfalls dieser kritischen Prüfung unterzieht. Oder ob sie diese bei der Selbsterkenntnis auch weiterhin ausspart.

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalartikel.
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