Alles deinetwegen?

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Alles deinetwegen: Die christliche Lehre verlangt von ihren Anhängern, einen Gott für wahr zu halten, der das Universum erschaffen habe, weil er sich eine persönliche Beziehung zu einigen Vertretern einer bestimmten Trockennasenaffenart wünsche:

Alles nur deinetwegen?

Christentum:

  • Der Glaube, dass ein Gott ein Universum mit etwa 93 Milliarden Lichtjahren Durchmesser erschaffen hat, das etwa 100 Milliarden Galaxien enthält, von denen jede durchschnittlich mehr als 100 Milliarden Sterne enthält – nur, damit er ein persönliches Verhältnis mit dir haben kann.

Auch wenn heute freilich noch nicht abschließend geklärt ist, wie viele Sterne das Universum tatsächlich enthält: Es sind auf jeden Fall unvorstellbar viele. Nach aktuellem Stand geht die Wissenschaft von etwa 300.000.000.000.000.000.000.000 Sternen aus. Auch wenn diese Zahlen durch neue Erkenntnisse immer wieder präzisiert werden:

Fest steht, dass Astronomen dank modernster, wissenschaftlicher Methoden heute wesentlich präzisere Aussagen über Umfang, Ausdehnung und Beschaffenheit des Universums machen können als die Gelehrten zu der Zeit, in der sich die Menschen Unerklärliches noch mit dem Wirken von Göttern zu erklären versuchten.

Solange man noch keinen blassen Schimmer hat, was es schon nur mit dem für das bloße Auge sichtbare Firmament auf sich hat, kann man schon auf die Idee kommen, hier habe irgendein überirdisches Himmelswesen seine Finger oder was auch immer im Spiel. Und dann könnte man diese Phantasie weiter spinnen und diesem Wesen irgendwelche Eigenschaften und Absichten andichten.

Zum Beispiel, dass der Schöpfergott allmächtig, allwissend und allgnädig sein soll. Eigenschaften, die sich logisch gegenseitig ausschließen. Was damals aber offenbar niemanden weiter gestört zu haben scheint.

Alles deinetwegen!?

Auf die Frage, warum der imaginierte Gott dies alles erschaffen haben soll, fanden die Menschen eine Antwort, die offenbar genau ihren Wünschen entsprach: Weil er sich eine persönliche Beziehung zu ihnen wünscht. Sich vom Allmächtigen persönlich geliebt fühlen zu dürfen – das macht schon einen schlanken Fuß 😉 Und schmeichelt dem Ego.

Anders als von Gläubigen behauptet hat nicht Gott die Welt erschaffen. Sondern die Menschen haben sich Götter erschaffen. Nach ihren Wünschen, Ängsten und Hoffnungen. Ihretwegen.

Und wenn man das sich selbst und den nachfolgenden Generationen immer wieder einredet, dann kann sich so ein Glaube für viele hundert oder sogar tausende Jahre verfestigen.

Weißt du, wie viel Sternlein stehen?

Wie erfolgreich die frühkindliche religiöse Indoktrination funktionierte, lässt sich zum Beispiel auch daran erkennen, dass es Kinderlieder wie “Weißt du, wie viel Sternlein stehen” des evangelischen Pfarrers und Dichters Wilhelm Hey (1789–1854) bis in den allgemein bekannten und verwendeten Volksliederschatz geschafft haben:

Weißt du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viel Wolken gehen
weithin über alle Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet,
dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl.

Weißt du, wie viel Mücklein spielen
in der heißen Sonnenglut,
wie viel Fischlein auch sich kühlen
in der hellen Wasserflut?
Gott der Herr rief sie mit Namen,
dass sie all’ ins Leben kamen,
dass sie nun so fröhlich sind.

Weißt du, wie viel Kinder frühe
stehn aus ihrem Bettlein auf,
dass sie ohne Sorg’ und Mühe
fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an allen
seine Lust, sein Wohlgefallen;
kennt auch dich und hat dich lieb.
(Quelle: Wikipedia)

Dieser Text spiegelt ein objektiv betrachtet völlig absurdes, kindlich-naives Weltbild wider. In dem die angebliche göttliche Allmacht, Allwissenheit und Allgnade ins Kinderhirn gesäuselt wird.

Rhetorisch gesehen handelt es sich um eine Sammlung von Beispielen des “argumentum ad ignorantiam.”  Also: Wir wissen es nicht, deshalb muss es Gott sein. Oder auch: Liebes Kind, das hat er alles deinetwegen gemacht! Finde ihn großartig und sei ihm dankbar!

Das geht nur mit Denkverzicht

Absurde Fantasien wie diese können auch gläubige Christen meist problemlos als Hirngespinst durchschauen – wenn sie nicht im Zusammenhang mit ihrer eigenen, sondern irgendeiner anderen Religion stehen.

Aber indem die christliche Mythologie durch die Bibel (und, wie wir gesehen haben, auch durch Kinderlieder) immer wieder an die Nachwelt weitergegeben wurde, hat sich auch der Glaube daran bis heute erhalten.

Nur: Wie lassen sich solch absurde Ideen mit dem in Einklang bringen, was wir heute bereits über die Welt und über das Universum wissen?

Und so grotesk das klingen mag: Auch im Jahr 2017 ist es noch für verblüffend viele Menschen völlig normal, so zu tun, als gäbe es diesen Gott tatsächlich. Der das Universum erschaffen hat. Weil er sich eine persönliche Beziehung zu ihnen wünscht. Alles deinetwegen.

Damals hatten die Menschen einfach noch keine bessere Erklärung. Um sowas heute noch glauben zu können, ist ein konsequenter Denkverzicht unerlässlich. Und dieser verordnete Denkverzicht ist es, der religiösen Glauben kritikwürdig erscheinen lässt.

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3 Gedanken zu „Alles deinetwegen?“

  1. Sorry,
    Aber im gesamten Beitrag habe ich kein objektives Argument gegen die Existenz eines Schöpfergottes gefunden.
    Man liegt hier wie so oft lediglich dem Denkfehler auf dass Gott der Ersatz für Bildungslücken sei.
    Ist schon eigenartig wie man etwas wegerklären will wofür man gar keine Gegenbeweise hat.
    Seid doch bitte so weise und gebt zu: “Ich weiß es nicht besser.”
    Woher will ein Außenstehender wissen ob jemand eine Beziehung zu Gott hat?
    Woher weiß man dass man ein “Trockennasenaffe” ist?

    Ich finde es mindestens genauso naiv der Evolution zu glauben.
    Man tut so als sei das alles offensichtlich und bewiesen, was es aber in den seltensten Fällen tatsächlich ist.

    Jemandem etwas für unmöglich zu erklären was man selbst nicht versteht, das ist wirklich naiv.
    Sorry, Niveau ist keine Körperpflegeprodukt.
    Ich vermisse auf dieser Website intelligentes Leben

    • Lieber Heiko, du brauchst dich nicht zu entschuldigen 🙂 Wer die Existenz von etwas behauptet, ist in der Beweispflicht. Wir treffen gar keine Aussage über die Existenz von Göttern und müssen deshalb auch keine Gegenbeweise bringen. Wir zeigen lediglich, dass die Vorstellung eines Schöpfergottes (in diesem Fall dem biblisch-christlichen, mit den dort behaupteten Eigenschaften) nach heutigem Wissens- und Erkenntnisstand über das Universum äußerst unplausibel ist.

      Desweiteren beschreiben wir kurz, warum sich Menschen Götter ausgedacht hatten und sogar heute noch am Glauben an sie festhalten. Unzählige Menschen behaupten, eine Beziehung zu allen möglichen Göttern zu haben. Woran könnten die, die an andere Götter glauben als du erkennen, dass sie die falschen Götter verehren?

      Wenn man sich mit der Evolution befasst, kann man auch wissen, dass der Mensch biologisch gesehen zur Familie der Trockennasenaffen gehört. Die Evolution ist keine Glaubensfrage, sie basiert auf millionenfach widerpsruchsfreier, weltweit nachweis- und nachprüfbarer Beobachtung und Erkenntnis. Heute noch die Wirkungsweise der Evolution in Frage zu stellen rangiert in etwa auf dem Level von Flacherde- oder Reptiloiden-Vorstellungen. Eine weitere Diskussion zu diesem Thema erübrigt sich damit.

      Ein wissenschaftlicher Standpunkt ist stets ergebnisoffen. Es ist nie ausgeschlossen, dass sich ein solcher durch neue Erkenntnisse und Beweise (!) trotzdem irgendwann als falsch herausstellen kann. Glaubensüberzeugungen taugen allerdings nicht als Beweis.

      Wir erklären überhaupt nichts für unmöglich, sondern weisen vielmehr darauf hin, dass eine bestimmte Vorstellung (die des biblisch-christlichen Schöpfergottes) absurd und unplausibel erscheint, wenn man sie im Licht des heutigen Wissens- und Erkenntnisstandes betrachtet.

      Neben den schon in deinem anderen Kommentar auch hier verwendeten Strohmann-Argumenten kommt hier noch ein ad hominem (“…vermisse… intelligentes Leben”) dazu, was keine gute Basis für eine ergiebige Diskussion darstellt.

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