„Jenseits von Eden“ – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 6 Min.

„Jenseits von Eden“ – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Anke Prumbaum, veröffentlicht am 11.6.2022 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Frau Prumbaum liefert ein weiteres Musterbeispiel dafür, wie man vier Minuten mit (sinn-)freiem Assoziieren füllen kann, diesmal zum Thema Garten Eden.

Die heutige Fernsehpredigt von Frau Anke Prumbaum ist dermaßen hohl, dass ich der geneigten Leserschaft und mir eine Sommerpause gönne.

Garten Eden

So war meine erste spontane Reaktion, nachdem ich mir die vier Minuten Geschwafel, und anders kann ich es nicht bezeichnen, durchgelesen hatte.

Frau Prumbaum versucht mit aller Gewalt, irgendeinen Bezug zwischen dem „Tag des Gartens“ und der biblischen Paradies-Mythologie vom „Garten Eden“ herzustellen.

Die Kurzzusammenfassung der Einleitung: Giersch ist lästig, Garten bedeutet „Plage und Glück zugleich“, nachtaktive Mähroboter können für Igel gefährlich sein. Den „Garten Eden“ haben wir verloren, weil wir „Rausgeworfene“ sind. Seitdem versagen wir beim Pflanzen und Buddeln.

Kulturkritik im Garten

In den Gärten jenseits von Eden ist nicht mehr Leben und Platz für alle. Damit das eine wächst, wird das andere getötet oder vertrieben – Schnecken und Raupen und Wühlmäuse.

(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: „Jenseits von Eden“ – Wort zum Sonntag, verkündigt von Anke Prumbaum, veröffentlicht am 11.6.2022 von ARD/daserste.de)

Und Giersch.

Eine solche unterschwellige Kulturkritik ist immer wieder anzutreffen in den Verkündigungen von Berufschristen.

Dass Maßnahmen zur Ertragssteigerung unerlässlich sind, um die Weltbevölkerung ernähren zu können, ist ihnen dabei entweder nicht bewusst oder egal. Sie hängen lieber ihrer illusorischen Paradies-Fiktion nach, in der „die Wölfe bei den Lämmern wohnen“ (Jes 11, 6-8).

Augen auf beim Samenkauf!

Dabei sind es ja gerade die Christen, die sich mit Vertreibungen aus Gärten auskennen sollten.

Nicht nur im Mythos vom „Garten Eden“, sondern auch später lassen die anonymen Autoren sogar ihren Romanhelden Jesus persönlich in eindrücklichen Bildern beschreiben, wie Gottes Garten vom ungläubigen „Unkraut“ befreit wird (Hervorhebungen von mir):

  1. »Ihr sollt also die Deutung des Gleichnisses vom Sämann zu hören bekommen.
  2. Bei jedem, der das Wort vom Reich (Gottes) hört und es nicht versteht, da kommt der Böse und reißt das aus, was in sein Herz gesät ist; bei diesem ist der Same auf den Weg längshin gefallen.
  3. Wo aber auf die felsigen Stellen gesät worden ist, das bedeutet einen solchen, der das Wort hört und es für den Augenblick mit Freuden annimmt;
  4. er hat aber keine feste Wurzel in sich, sondern ist ein Kind des Augenblicks; wenn dann Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen eintritt, wird er sogleich irre.
  5. Wo sodann unter die Dornen gesät worden ist, das bedeutet einen Menschen, der das Wort wohl hört, bei dem aber die weltlichen Sorgen und der Betrug des Reichtums das Wort ersticken, so daß es ohne Frucht bleibt.
  6. Wo aber auf den guten Boden gesät worden ist, das bedeutet einen solchen, der das Wort hört und auch versteht; dieser bringt dann auch Frucht, und der eine trägt hundertfältig, der andere sechzigfältig, der andere dreißigfältig.«

…damit man es verbrenne…

  1. Ein anderes Gleichnis legte er ihnen so vor: »Mit dem Himmelreich verhält es sich wie mit einem Manne, der guten Samen auf seinem Acker ausgesät hatte.
  2. Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und entfernte sich dann wieder.
  3. Als nun die Saat aufwuchs und Frucht ansetzte, da kam auch das Unkraut zum Vorschein.
  4. Da traten die Knechte zu dem Hausherrn und sagten: ›Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn nun das Unkraut?‹
  5. Er antwortete ihnen: ›Das hat ein Feind getan.‹ Die Knechte fragten ihn weiter: ›Willst du nun, daß wir hingehen und es zusammenlesen?‹
  6. Doch er antwortete: ›Nein, ihr würdet sonst beim Sammeln des Unkrauts zugleich auch den Weizen ausreißen.
  7. Laßt beides zusammen bis zur Ernte wachsen; dann will ich zur Erntezeit den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheuer!‹«
    (Matthäus 13, 18-30 MENG)

Biblische Gartentipps: Menschen wie Unkraut ausreißen und verbrennen

Damit auch die primitivsten Sektenmitglieder verstehen was gemeint ist, lassen die Autoren ihren Jesus noch deutlicher werden (Hervorhebungen von mir):

  1. Hierauf entließ er die Volksmenge und begab sich in seine Wohnung. Da traten seine Jünger zu ihm und baten ihn: »Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker!«
  2. Er antwortete: »Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;
  3. der Acker ist die Welt; die gute Saat, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut dagegen sind die Söhne des Bösen;
  4. der Feind ferner, der das Unkraut gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende dieser Weltzeit, und die Schnitter sind Engel.
  5. Wie nun das Unkraut gesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Weltzeit der Fall sein:
  6. Der Menschensohn wird seine Engel aussenden; die werden aus seinem Reich alle Ärgernisse und alle die sammeln, welche die Gesetzlosigkeit üben,
  7. und werden sie in den Feuerofen werfen: dort wird lautes Weinen und Zähneknirschen sein.
  8. Alsdann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!«
    (Matthäus 13, 37-43 MENG)

Obwohl diese Stellen perfekt zum Themengebiet „Garten“ gepasst hätten und obwohl sie sogar aus dem Neuen Testament stammen, hat Frau Prumbaum sie einfach weggelassen.

Dabei wäre es doch ein Zeichen besonderer Nächstenliebe gewesen, wenn Frau Prumbaum ihr glaubensfreies Unkraut-Publikum eindringlich vor dem Schicksal warnen würde, das es gemäß der von ihr vertretenen und beworbenen biblisch-christlichen Glaubenslehre erwartet!?

Aber weiter im Text: Der Dreck unter ihren Fingernägeln erinnert Frau Prumbaum daran, dass auch sie wieder zu Erde wird, wie auch Adam, dessen Name „Erde“ bedeutet.

Wir sind alle Erde!

Sie, ich, ein Wesen aus Erde, nicht mehr, nicht weniger.

Nanu, Frau Prumbaum? Wo haben Sie denn ihre göttlich eingehauchte Seele gelassen? Oder haben Sie sich von der archaisch-dualistischen Vorstellung schon verabschiedet, dass Menschen den anderen Tieren aufgrund göttlicher Bevorzugung und externer „Beseelung“ überlegen seien?

Was wird denn dann aus dem christlichen Heilsversprechen, wenn Sie nach Ihrem Tod wieder zu Erde, bzw. zu Sternenstaub zerfallen? Welcher Teil von Ihnen wird denn dann erlöst, wenn Sie nicht mehr als ein Wesen aus Erde sind?

A propos Erde:

  • Menschen bestehen hauptsächlich aus Sauerstoff (25,5%), Kohlenstoff (9,5%), Wasserstoff (63%) und Stickstoff (1,4%). (Quelle)
  • Der Planet Erde besteht hauptsächlich aus Eisen (32,1 %), Sauerstoff (30,1 %), Silizium (15,1 %), Magnesium (13,9 %), Schwefel (2,9 %), Nickel (1,8 %), Calcium (1,5 %) und Aluminium (1,4 %). Die restlichen 1,2 % teilen sich Spuren von anderen Elementen. (Quelle)
  • Gartenerde besteht aus mineralischen Bestandteilen (Steine, Sand, Lehm usw.), organischen Bestandteilen (Wurzeln, abgestorbene Pflanzen und Tiere, Pilze, Algen, Würmer usw.), Bodenwasser un Bodenluft.

Was schließen wir daraus? Der Evolution genügen vergleichsweise wenige Grundbaustoffe, um daraus nicht nur Gartenerde, sondern auch empfindungsfähiges Leben und so komplexe Dinge wie Bewusstsein entstehen zu lassen.

Oder noch genauer formuliert: Vergleichsweise wenige und einfache Grundbaustoffe genügen, um unter bestimmten Umständen und über seeeeeehr lange Zeiträume zu hochkomplexen Lebensformen evolvieren zu können.

Das ist Eden: Demut, Zurücknahme.

Das biblisch-mythologische Eden ist: Eine absurd skurrile Phantasiewelt mit Gehorsam statt Freiheit, mit Abhängigkeit und Unterwerfung statt Eigenverantwortung, Vernunft und humaner Ethik.

Erstaunliche Toleranz!?

Nicht so bei Frau Prumbaum: Wenn etwa Menschen Pflanzen mit ihren Nachbarn tauschen, obwohl diese Nachbarn wegen täglichen Grillens nerven, dann wird für Frau Prumbaum ein Garten zu einem biblischen Garten Eden. Wegen der „erstaunlichen Toleranz.“

Dabei ist ausgerechnet das biblische Eden ein Hort der schlimmsten Intoleranz, die man sich nur ausdenken kann:

Statt den Mundraub der Urfrau zu tolerieren, verflucht (!) der liebe Gott in der biblisch-christlichen Mythologie daraufhin alle Schlangen und alle (!) Menschen, die jemals leben werden. Und zwar so massiv, dass er später eine innerfamiliäre Todesfolterung als Menschenopfer zu seiner eigenen Befriedigung inszenieren musste. Ob das schon zur „Erlösung“ aller Schäflein gereicht hat, kann natürlich niemand so sicher sagen…

Und wenn dieses Delikt aus göttlicher Sicht schon tatsächlich nicht tolerierbar ist, dann hätte Gott, wenn er auch nur einen Funken An- und Verstand in der göttlichen Birne (oder wo auch immer bei Göttern diese Eigenschaften zu verorten sind) gehabt hätte ja darauf kommen müssen, dass seine Geschöpfe zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht gelernt hatten, „Falsch“ und „Richtig“ zu unterscheiden.

Eva konnte somit gar nicht wissen, dass irgendeine Handlung überhaupt falsch sein könnte. Zum Beispiel, vom Baum der Erkenntnis zu naschen.

Eine weitere Aufzählung von Beispielen, in denen der Gott der biblischen Mythologie als durch und durch intolerant beschrieben wird, erspare ich mir an dieser Stelle.

…gute Frage…

Warum ich das alles erzähle?

Das frage ich mich allerdings auch schon die ganze Zeit…

Meine Vermutung: Weil Sie Ihr Geld unabhängig davon bekommen, womit Sie die vier Minuten Sendezeit füllen?

Weil ich nach wie vor glaube, dass der Mensch in den Garten Eden gehört. Und dass Eden immer mal stückchenweise zurückkommt. Und weil morgen Tag des Gartens ist. Begehen Sie ihn doch einfach – mit Hoffnung für alles, was noch wachsen muss. Mit Achtung vor dem Leben und Demut.

Und – vielleicht auch mit einem Tütchen Samen. Das könnten Sie zum Beispiel da ausstreuen, wo es jemand wieder ganz genau genommen hat mit dem Zubetonieren.

Wenn es Frau Prumbaum darum geht, dass Menschen ihre Gärten naturnah gestalten und sich mitmenschlich verhalten sollten, dann hätte sie dafür viel bessere Argumente bringen können als ihren Glauben an einen irrealen „Garten Eden.“ Denn die Hoffnung lautet Mensch. Nicht Gott.

„Garten Eden“-Fiktion vs. verantwortungsvolles menschliches Handeln

Das beste Argument dürfte dabei wohl sein, dass der Mensch den größten Einfluss darauf hat, ob der Planet Erde noch möglichst lange als geeigneter Lebensraum für Sauerstoff verstoffwechselnde Lebewesen bleibt oder nicht. Deshalb sollten sich Menschen im höchsteigenen Interesse darum bemühen, hierzu einen Beitrag zu leisten.

Mit einem Tütchen Samen ist es allerdings nicht getan: Die Maßnahmen, die schon jetzt längst überfällig, dringend erforderlich und womöglich schon zu spät dran sind, müssen auf politischer Ebene beschlossen und durchgesetzt werden. Und zwar global.

Da diese Aspekte bei Frau Prumbaum komplett fehlen, kann man davon ausgehen, dass es ihr in erster Linie nur darum ging, das Thema „Garten“ irgendwie für ihre Glaubensreklame zu instrumentalisieren.

Dafür genügt es offenbar, irgendwelche Allgemeinplätze aneinanderzureihen, die einem zu einem bestimmten Stichwort in den Sinn kommen. Das Ganze vermengt man dann mit Bibelstellen, die man so auswählt und zurechtbiegt, dass sie zumindest unverfänglich erscheinen.

Und fertig ist ein weiteres „Wort zum Sonntag.“

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2 Gedanken zu „„Jenseits von Eden“ – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. Liebe, verwirrte Frau Prumbaum,

    wir wünschen uns nichts sehnlicher als das Sie eine besonders große Portion vom Baum der Erkenntnis naschen. Holen Sie sich gerne auch noch einen Nachschlag.

    Mit diesem WzS haben Sie erneut ihre Null-Diät im Bezug auf die Früchte von Baum der Erkenntnis fortgesetzt.

    Wir sind Wesen aus Erde? Wie muss ich mir das vorstellen, wenn Sie sich in den Finger schneiden kommt Torf raus?
    Der Mensch gehört in den Garten Eden? Nein, lieber in den Hof der Witwe Bolte, da gibt’s statt langweiliger Früchte, Hähnchen.

    Hoffnung für alles was noch wachsen muss? Dafür gibt’s sehr guten Dünger, da brauchen Sie keine Hoffnung.

    Meine Erkenntnis zu dieser Sendung der Intelligenz-Abstinenz:
    Das Testbild und das Sandmännchen haben deutlich mehr Anspruch an Erkenntnis.

    Vielleicht noch ein Tipp für eine Ihrer nächsten geistlosen Ergüsse:
    Falls Sie mal zum Zahnarzt müssen, machen Sie was mit der Zahnfee und Zahn um Zahn. Da lässt sich doch sicher was aus der Bibel zusammenschustern.

    Ist der Verstand erst mal ruiniert, ist das Wort zum Sonntag nicht weit.
    Das reimt sich zwar nicht, aber das ist die Erkenntnis.

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  2. Tja – ich vermute, da waren noch ganz andere Tütchen als solche mit Samen im Spiel. Anders ist eine derartige Satzfolge kaum zu erklären.

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