„Sei, was du bist“ – Wenn ein Stadtpfarrer einen Missbrauchsverdächtigen zitiert

Lesezeit: ~ 8 Min.

Wie Stefan Buß den durch dokumentierten Missbrauch belasteten Schönstatt-Gründer als spirituelle Autorität präsentiert – Kritik zum Impuls Stefan Buß: „Sei, was du bist, sei es in bestmöglicher Form!“ P. Josef Kentenich, veröffentlicht am 11.3.26 von osthessen-news.de

Darum geht es

Stefan Buß zitiert unkritisch Schönstatt-Gründer Josef Kentenich als spirituelle Autorität, obwohl gegen diesen dokumentierte Vorwürfe systematischen geistlichen, emotionalen und sexuellen Missbrauchs vorliegen, das Seligsprechungsverfahren wegen nicht entkräfteter Anschuldigungen ausgesetzt wurde und die Schönstatt-Bewegung die Aufklärung behindert – eine Ignoranz gegenüber Betroffenen und eine Propagierung genau jenes autoritären Menschenbildes (Identität durch göttliche Zusage statt Autonomie, Gehorsam als Selbstverwirklichung), das Kentenichs dokumentiertes Missbrauchssystem ermöglichte.

Am 11. März 2026 veröffentlichte Stadtpfarrer Stefan Buß einen „Impuls“, in dem er ein Zitat von Pater Josef Kentenich, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, als Orientierung für christliches Leben präsentiert: „Sei, was du bist, sei es in bestmöglicher Form!“ Was Buß seinen Leserinnen und Lesern verschweigt: Gegen Kentenich liegen schwerwiegende, gut dokumentierte Missbrauchsvorwürfe vor. Es geht um Missbrauch geistlicher, emotionaler und sexueller Natur. Das Seligsprechungsverfahren wurde 2022 ausgesetzt, weil die Anschuldigungen „noch nicht entkräftet werden konnten“.

Die Person, die Buß hier als spirituelle Autorität zitiert, soll Frauen systematisch manipuliert, psychisch terrorisiert und in mindestens einem Fall sexuell missbraucht haben. Die Analyse zeigt: Buß propagiert nicht nur ein problematisches Menschenbild – er tut dies unter Berufung auf eine hochgradig fragwürdige Gestalt.

Josef Kentenich: Die dokumentierten Vorwürfe

Um die Ungeheuerlichkeit von Buß‘ Zitierung zu verstehen, ist ein Blick auf die Person Josef Kentenich und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe unerlässlich.

Die Archivfunde von Alexandra von Teuffenbach

Im Juli 2020 veröffentlichte die Kirchenhistorikerin Dr. Alexandra von Teuffenbach ihre Forschungsergebnisse zu Kentenich, die auf bis dahin nicht öffentlich zugänglichen Dokumenten aus den vatikanischen Archiven basierten. Schwestern der von Kentenich gegründeten Marienschwestern hatten ihm systematischen Machtmissbrauch und sexuellen Missbrauch vorgeworfen, das Heilige Offizium stufte die Vorwürfe als glaubwürdig ein und beschrieb Kentenich in Berichten um 1950 als hochgradig manipulativ (katholisch.de, 2.7.2020).

Im Oktober 2020 erschien von Teuffenbachs Buch „Vater darf das!“ – eine Archivdokumentation, die Briefe und Berichte von Schwestern enthält, die von erschütternden Praktiken Kentenichs berichten. Die Schilderungen umfassen:

Geistlicher Missbrauch:

  • Kentenich forderte absolute Unterwerfung unter seine Person
  • Er beanspruchte für sich eine gottgleiche Verehrung
  • Er zwang Schwestern zu Beichten bei ihm selbst
  • Er drohte damit, sie „direkt in die Hölle zu schicken“, wenn Gott mehr über sie wissen würde als er

Emotionaler und psychischer Missbrauch:

  • Systematische Infantilisierung: Er behandelte erwachsene Frauen wie Kleinkinder, nannte sich „der Vater“ und die Schwestern „das Kind“
  • Das sogenannte „Kindesexamen“ – ein demütigendes Frage-und-Antwort-Spiel: „Wem gehört das Kind? – Dem Vater. Was ist der Vater für das Kind? – Alles. Was ist das Kind vor dem Vater? – Nichts.“ Eine Variante bezog explizit „frauliche Organe (Brust, Schoß)“ in die Fragen ein.
  • Totale Kontrolle: Schwestern mussten ihn um Erlaubnis bitten für alle Verrichtungen des täglichen Lebens, einschließlich des Wechsels der Monatshygiene
  • Zwang zu Selbstgeißelung und Selbstbestrafung, während er zuhörte
  • Bloßstellung und Verächtlichmachung vor anderen Schwestern

Körperlich-sexueller Missbrauch:

Mindestens eine Schwester berichtete von sexuellem Missbrauch. Die Wissenschaftlerin von Teuffenbach kam zu dem Schluss, dass Visitator Tromp keine schweren theologischen Bedenken gegen die Schönstatt-Bewegung hatte, aber sehr klar andere vorgefundene Missstände darstellte, die vor allem mit den Schönstätter Marienschwestern zu tun hatten (DOMRADIO.DE, 25.10.2023).

Das Exil 1951-1965: Gründe und Hintergründe

1951 wurde Kentenich durch den Vatikan ins Exil in die USA geschickt, nachdem Visitatoren ernannt worden waren und die Vorwürfe als glaubwürdig eingestuft wurden (Ökumenisches Heiligenlexikon).

Die offiziellen Gründe: Von Teuffenbach beschreibt, dass Kentenich hilflose erwachsene Frauen zu Kindern erniedrigt, jedes Detail ihres Lebens kontrolliert, sie psychisch unter Druck gesetzt und zur Beichte bei ihm selbst gezwungen habe (DOMRADIO.DE).

Die Schönstatt-Bewegung argumentierte lange, Kentenich sei 1965 „rehabilitiert“ worden. Doch 2020 fand von Teuffenbach einen Brief aus der Glaubenskongregation von 1982, unterzeichnet von Kardinal Joseph Ratzinger, der mitteilte, dass keine der früheren Entscheidungen des Heiligen Offiziums bezüglich Kentenichs Lehre, Tätigkeit und Person annulliert worden seien (katholisch.de, 14.9.2020). Es gab nie ein Rehabilitierungsdekret.

Die Milwaukee-Vorwürfe: Missbrauchsanschuldigungen an einem Jungen

Im März 2021 wurde bekannt, dass es weitere Missbrauchsvorwürfe gegen Kentenich gibt. Ein Amerikaner wirft Kentenich vor, ihn zwischen 1958 und 1962 sexuell missbraucht zu haben, diese Vorwürfe waren der Erzdiözese Milwaukee ab 1994 bekannt gewesen und auch untersucht worden (Vatican News, 10.3.2021).

Bischof Stephan Ackermann ließ die Vorwürfe 2021/22 neu untersuchen. Der mit der Untersuchung beauftragte Anwalt Steven Biskupic kam zu dem Ergebnis, dass die Vorwürfe aufgrund des Todes von Schlüsselzeugen nicht abschließend bewertet werden können, der Betroffene hält vehement daran fest, dass er vor über 60 Jahren von Kentenich sexuell missbraucht worden sei (katholisch.de, 6.7.2022).

Die Aussetzung des Seligsprechungsverfahrens

Im Mai 2022 zog Bischof Ackermann die Konsequenz: Das Bistum Trier teilte mit, dass Bischof Ackermann wegen der Anschuldigungen, die noch nicht entkräftet werden konnten, das Seligsprechungsverfahren ausgesetzt habe, das Bistum werde das Verfahren nicht aktiv fortführen (Wikipedia).

Die Reaktion der Schönstatt-Bewegung: Zwischen Leugnung und Vertuschung

Die Reaktion der Schönstatt-Bewegung auf die Vorwürfe war bezeichnend:

Zunächst vehemente Leugnung: Das Generalpräsidium des internationalen Schönstattwerkes wies den Missbrauchsvorwurf zunächst mit Entschiedenheit zurück (Wikipedia).

Juristische Schritte: Die Schönstätter Marienschwestern versuchten, das Buch „Vater darf das!“ gerichtlich verbieten zu lassen. Das Landgericht Berlin wies den Antrag 2021 mit dem Verweis auf die vom Grundgesetz garantierte Wissenschaftsfreiheit zurück, diese sei weit auszulegen und umfasse auch einseitige Interpretationen und irrationale Argumentationen (schoenstatt.de).

Archivverschluss: Von Teuffenbach berichtete, dass das Archiv der Marienschwestern für wissenschaftliche Forschung verschlossen sei – genau jenes Archiv, das möglicherweise weitere belastende Dokumente enthält.

Späte Einsicht: Der Vorsitzende des internationalen Schönstatt-Werkes räumte schließlich Fehler ein: „Wir erkennen an, dass wir manches aus Rücksicht und zum Schutz von Personen und Gemeinschaften zu lange zurückgehalten haben“ (katholisch.de, 14.9.2020).

Eigene Forschungsgruppe statt unabhängiger Aufarbeitung: Statt eine unabhängige Historikerkommission einzusetzen, berief das Bistum Trier auf Drängen der Schönstatt-Bewegung eine „Expertengruppe“, der auch Vertreter der Pallottiner und der Schönstatt-Bewegung angehören – nicht jedoch Alexandra von Teuffenbach, deren Recherchen die Aufklärung überhaupt erst angestoßen hatten (Wikipedia).

Fortgesetzte Verehrung: Die Verehrung Pater Kentenichs scheint trotz aller Vorwürfe gegen ihn unverdrossen weiterzugehen (gottes-suche.de, 14.12.2023).

Stefan Buß zitiert Kentenich: Ignoranz oder Strategie?

In diesem Kontext muss Buß‘ Impuls bewertet werden. Er zitiert Kentenich als spirituelle Autorität, ohne auch nur mit einem Wort die schwerwiegenden Vorwürfe zu erwähnen.

Die Verschleierung durch Umdeutung

Buß deutet Kentenichs Zitat „Sei, was du bist, sei es in bestmöglicher Form“ als Einladung zur Authentizität und Selbstentfaltung. Er schreibt: „Das ist keine Forderung nach Maskerade, sondern eine Einladung zur Echtheit.“

Doch vor dem Hintergrund dessen, was über Kentenichs dokumentierte Praktiken bekannt ist, erhält dieses Zitat eine ganz andere, zynische Bedeutung. Denn den Berichten zufolge forderte Kentenich von den Schwestern gerade nicht Authentizität, sondern totale Unterwerfung. Sie sollten nicht sie selbst sein, sondern sein Kind, sein Besitz, seine Verfügungsmasse.

Das „Kindesexamen“ macht deutlich: „Was ist das Kind vor dem Vater? – Nichts.“ Dies ist das genaue Gegenteil von „Sei, was du bist“ – es ist die Forderung, nichts zu sein, sich selbst auszulöschen zugunsten der Allmacht des „Vaters“.

Die Kontinuität des problematischen Menschenbildes

Auffällig ist, dass Buß‘ Interpretation des Kentenich-Zitats nahtlos an sein eigenes, bereits in früheren Impulsen dargelegtes Menschenbild anschließt:

Aus Buß‘ früheren Texten:

  • „Das Herz muss an der Angel hängen“ (25.02.): Der Mensch soll sich selbst zum Fang machen, emotional gefangen nehmen lassen
  • „Ihr seid das Salz der Erde“ (28.02.): Menschen sind Konservierungsstoffe, die sich auflösen sollen
  • „Nicht das eigene Ego“ (28.02.): Selbstwert wird als verwerflich diffamiert
  • „Der Teufel“ (07.03.): Autonomie wird als teuflische Versuchung dargestellt

Aus dem aktuellen Kentenich-Impuls:

  • „Unsere Identität liegt nicht in unserer Leistung, sondern in Gottes Zusage“
  • „Gott hat mich nicht als Kopie geschaffen. Er braucht keine zweite Version eines Heiligen. Er braucht mich.“
  • „Jesus war ganz er selbst – und ganz beim Vater. […] Und gerade darin war er vollkommen gehorsam.“

Die Botschaft ist konsistent: Identität kommt nicht von innen, sondern von außen (von Gott). Authentizität bedeutet nicht Selbstbestimmung, sondern Unterwerfung. Gehorsam wird als Vollendung des Selbstseins präsentiert.

Dies ist exakt die Logik, die Kentenich den Berichten zufolge nutzte, um seine Macht über die Schwestern zu legitimieren: Sie sollten „ganz sie selbst“ sein – aber dieses „Selbst“ war definiert durch ihre Unterwerfung unter den „Vater“.

Die Verharmlosung von Grenzen

Buß schreibt: „Ein Same ist vollkommen – und doch ist er noch nicht der Baum. Er trägt alles in sich, was er werden kann. Aber er muss wachsen.“

Diese Metapher klingt harmlos, ist aber im Kontext Kentenichs bedenklich. Denn wer bestimmt, was der Same „werden kann“? Wer definiert, wie das „Wachstum“ aussehen soll?

Den Dokumenten zufolge war es bei Kentenich klar: Er definierte, was die Schwestern werden sollten. Er bestimmte, was „bestmögliche Form“ bedeutet. Die Schwestern hatten keine Autonomie in dieser Entwicklung – sie waren Objekte seiner Formung, seines „pädagogischen“ Zugriffs.

Buß‘ Formulierung „meine Schwächen nicht verleugnen, meine Berufung ernst nehmen, mein Gewissen ernst nehmen“ klingt nach Selbstbestimmung. Doch im theologischen Kontext, den er aufspannt, wird auch das Gewissen zur Instanz göttlicher Kontrolle – es ist nicht mein Gewissen, sondern Gottes Stimme in mir.

Die ethische Verantwortung eines Stadtpfarrers

Buß‘ Zitierung Kentenichs wirft fundamentale Fragen auf:

1. Kennt Buß die Vorwürfe gegen Kentenich?

Wenn ja: Warum zitiert er ihn als spirituelle Autorität, ohne die Vorwürfe zu erwähnen?

Wenn nein: Wie kann ein Stadtpfarrer, der öffentlich predigt, einen der umstrittensten Figuren der deutschen Katholizismus-Geschichte zitieren, ohne sich über die Person informiert zu haben?

2. Was bedeutet es für Betroffene?

Für Menschen, die selbst geistlichen oder sexuellen Missbrauch erlebt haben, ist die unkritische Zitierung einer durch dokumentierte Missbrauchsvorwürfe schwer belasteten Person re-traumatisierend. Die Botschaft lautet: Deine Erfahrungen zählen nicht. Die Autorität des Beschuldigten steht über deinem Leid.

3. Was lehrt es junge Menschen?

Buß‘ Impuls richtet sich an eine breite Öffentlichkeit, einschließlich junger Menschen. Was lernen sie daraus? Dass man Personen mit schweren Missbrauchsvorwürfen zitieren kann, solange ihre Worte schön klingen? Dass Autorität wichtiger ist als Integrität?

4. Welches Menschenbild wird vermittelt?

Selbst wenn man die Kentenich-Verbindung ignoriert: Buß‘ Menschenbild bleibt problematisch. Die Botschaft lautet:

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  • Dein Wert kommt nicht von dir selbst, sondern von Gott
  • Deine Identität ist nicht selbstbestimmt, sondern gottgegeben
  • Dein Leben soll nicht dir dienen, sondern Gottes Ruhm
  • Gehorsam gegenüber Gott ist der Weg zur Selbstverwirklichung

Dies ist ein autoritäres Menschenbild, das Autonomie negiert und Unterwerfung als Befreiung verkauft.

Das säkular-humanistische Gegenbild

Dem ist ein humanistisches Menschenbild entgegenzusetzen:

Autonomie statt Unterwerfung

Menschen sind selbstbestimmte Wesen mit intrinsischem Wert. Sie brauchen keine göttliche Zusage, um wertvoll zu sein. Sie brauchen keine externe Autorität, um ihre Identität zu definieren.

Selbstentfaltung statt Gehorsam

„Sei, was du bist“ – aus humanistischer Sicht bedeutet das: Entwickle deine Potenziale, erkenne deine Werte, gestalte dein Leben nach eigenen Maßstäben. Nicht nach göttlichen Geboten, nicht nach klerikalen Vorgaben, sondern nach eigener Einsicht.

Kritisches Denken statt Autoritätsgläubigkeit

Menschen sollten lernen, Autoritäten kritisch zu prüfen. Wer hat diese Person geschrieben? Welche Taten stehen hinter den Worten? Ist diese Person ein geeignetes Vorbild?

Wenn Stefan Buß Josef Kentenich zitiert, ohne dessen dokumentierte Missbrauchsvorwürfe zu erwähnen, dann lehrt er: Autoritätsgläubigkeit statt kritisches Denken.

Würde der Betroffenen statt Täter-Verehrung

Die Schwestern, die den Mut hatten, über ihre Erfahrungen zu sprechen, verdienen Anerkennung, Solidarität, Glauben. Stattdessen wurden sie von der Schönstatt-Bewegung angezweifelt, ihre Aussagen als „einseitig“ abgetan, ihre Zeugnisse juristisch bekämpft.

Stop fruehkindliche Indoktrination
…und vor denen, die sie verbreiten.

Und Stadtpfarrer wie Buß zitieren weiterhin den Mann, gegen den diese schwerwiegenden Vorwürfe vorliegen.

Die Verantwortung der Eltern

Eltern, die ihre Kinder religiöser Erziehung aussetzen, sollten wissen, wem ihre Kinder ausgesetzt werden. Wenn ein Stadtpfarrer eine durch schwere Missbrauchsvorwürfe belastete Person als spirituelle Autorität präsentiert, ist das ein Warnsignal.

Die Frage ist nicht: Darf man Kentenich zitieren?

Die Frage ist: Warum will man ihn zitieren? Was sagt es über das eigene Menschenbild, wenn man sich auf eine Person beruft, gegen die Vorwürfe vorliegen, sie habe Frauen als „Kinder“ entmündigt, totale Kontrolle über ihre intimsten Bereiche ausgeübt, systematischen Missbrauch begangen?

Eltern sollten ihre Kinder fernhalten von religiösen Kontexten, in denen Personen mit schweren Missbrauchsvorwürfen unkritisch verehrt werden. Sie sollten ihre Kinder lehren, Autoritäten zu hinterfragen, nicht ihnen blind zu folgen.

Fazit: Wenn schöne Worte von Beschuldigten kommen

„Sei, was du bist, sei es in bestmöglicher Form“ – ein Zitat, das aus dem Mund eines selbstbestimmten Humanisten Inspiration sein könnte. Aus dem Mund Josef Kentenichs, gegen den Vorwürfe vorliegen, er habe Frauen zu „Kindern“ degradiert, die ihm „gehörten“, ist es Zynismus.

Und aus dem Mund Stefan Buß‘, der diese Person unkritisch als spirituelle Autorität präsentiert, ist es Ignoranz – oder schlimmer: Strategie.

Die Botschaft dieses Impulses ist nicht: „Sei authentisch.“ Die Botschaft ist: „Unterwirf dich Gott – und das ist kein Widerspruch zur Authentizität, sondern deren Erfüllung.“

Diese Botschaft ist gefährlich. Sie öffnet Tür und Tor für geistlichen Missbrauch, für die Legitimation autoritärer Strukturen, für die Entwertung menschlicher Autonomie.

Wir brauchen keine Zitate von Personen mit schweren Missbrauchsvorwürfen, um zu lernen, wir selbst zu sein. Wir brauchen rationale Ethik, kritisches Denken, humanistische Werte.

Und wir brauchen keine Stadtpfarrer, die gedankenlos umstrittene Personen zitieren, statt Verantwortung zu übernehmen für die Botschaften, die sie verbreiten.

„Sei, was du bist“ – ja. Aber sei es selbstbestimmt, autonom, frei von autoritären Ansprüchen. Nicht unter dem Joch eines Gottes, den Priester wie Buß und Beschuldigte wie Kentenich für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Quellen

KI
Josef Kentenich Schönstatt Kindesexamen
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