Kommentar zu NACHGEDACHT (34) Werden Sie heute eine Welt retten?

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Kommentar zu NACHGEDACHT (34) Werden Sie heute eine Welt retten?, Originalartikel verfasst von Christina Leinweber, veröffentlicht am 01.09.13 von Osthessennews

[…] Mitten auf dem Römer findet eine Demo statt – gegen was? Gegen den syrischen Krieg, gegen Militärangriffe.

Zu diesem Zeitpunkt war für die meisten noch nicht absehbar, dass wir in weniger als zwei Jahren mehr mit diesem Krieg zu tun haben würden, als wir es uns je hätten vorstellen können oder wollen…

[…] Wie kann ich schneller „die Welt retten” oder eher gesagt „meine Welt, in der ich jeden Tag lebe”?

Indem ich mir, falls noch nicht geschehen, zunächst mal klar darüber werde, dass die “Welt, in der ich jeden Tag lebe” frei von den Einflüssen erdachter überirdischer Wesen ist. Die Zeit, die ich vielleicht bisher der Verehrung solcher fiktiver Wesen gewidmet habe, kann ich dann dafür nutzen, “die Welt zu retten.”

Umweltpolitisch kann ich schon mal aktiv werden, immer einmal mehr überlegen ob ich Plastik oder Glas kaufe, die Kinder unserer Kinder sollen ja nicht über die Müllhalde zur Schule laufen.

Plastik landet hierzulande nicht auf der Müllhalde, sondern wird dem Recycling zugeführt (wenn es nicht über den Restmüll, sondern über den Wertstoffkreislauf entsorgt wird).

Die eigentliche Umweltverschmutzung und -zerstörung findet nicht hier bei uns und schon gar nicht auf dem Schulweg statt – die ist so ausgelagert, dass wir in der Regel nichts davon mitbekommen, meist in Länder, in denen es keinen Schulweg gibt, weil es nicht mal Schulen gibt. Deshalb ist es natürlich generell sinnvoll, Müll zu vermeiden.

Also heute schon mal an morgen denken ist glaube ich immer ein gutes Garant dafür, dass man sich Gedanken macht – auch politisch.

Durch “an morgen denken” allein ändert sich nichts. Es ist bestenfalls nur ein Garant dafür, dass man sich sein schlechtes Gewissen damit scheinbar erleichtert hat.

[…] Und so kann man zwar nicht die ganze Welt retten, aber man kann seine eigene, kleine Welt retten und ein Stück besser machen.

Dieser Partikularismus passt nicht mehr zum Leben in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts. Natürlich ist es naheliegend, in seiner näheren Umgebung zu handeln. Allerdings reicht es nicht mehr, nur “seine eigene, kleine Welt” zu betrachten. Deshalb ist auch die Aufforderung zur Nächstenliebe nicht mehr zeitgemäß.

Statt meine Nächsten (und nur meine Nächsten; gemeint waren damit nämlich nur die Zugehörigen derselben Gruppe, im Fall der biblischen Aussage also des Judentums) lieben zu wollen, besteht die Herausforderung heute darin, meine Nächsten, aber auch meine Fernsten zu achten und fair zu behandeln.

Auch wenn es uns oft nicht richtig bewusst ist (wofür auch umfassend gesorgt wird), hat unser tägliches Verhalten in sehr vielen Bereichen auch Auswirkungen auf Menschen, die eben nicht “in unserer kleinen Welt” leben, sondern irgendwo anders auf der Erde, zum Beispiel in einem Niedriglohnland oder in einem Land, in dem Sklaverei, Kinderarbeit und Ausbeutung allgemein noch bzw. wieder üblich ist.

Es reicht also nicht mehr, nur seine eigene, kleine Welt zu retten und sie sich ein Stück besser zu machen. Abgesehen davon geht es sowieso nicht darum, die Welt zu retten (die Welt muss nicht gerettet werden). Ziel sollte sein, dafür zu sorgen, dass die Welt noch eine Weile ein für Menschen und andere Lebewesen geeigneter Lebensraum bleibt. Deshalb ist zum Beispiel Umweltschutz in erster Linie Eigennutz.

Die Erde an sich wird die (erdgeschichtlich gesehen) 3-4 Sekunden, in denen sie von Menschen bevölkert wird, sicher überstehen, solange kein Ereignis eintritt, das die Erde in ihre Bestandteile zerlegt.

Die Menschheit ist heute nicht nur in der Lage, den Lebensraum Erde zu vernichten, sie ist auch in der Lage, so zu handeln, dass die Erde auch weiterhin ein Lebensraum für glückliches Leben ist. Interessante Ansätze dazu finden sich im Buch Hoffnung Mensch, Infos dazu gibts in unseren Buchtipps.**

*Unter der Rubrik „NACHGEDACHT“ fordert Osthessennews jede Woche zum Nachdenken auf. Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Original-Artikel von Christina Leinweber.

**Wir haben keinen materiellen Nutzen von der Einbindung oder Verlinkung von Inhalten oder von Buchtipps.

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