Kommentar zu NACHGEDACHT 124: AUF EWIG JA!

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Kommentar zu NACHGEDACHT 124: AUF EWIG JA!, Originalartikel verfasst von Christina Leinweber, veröffentlicht am 24.5.2015 von osthessen-news.de

[…] Und eben nicht nur im Standesamt, sondern gerade in der Kirche wird es dann besonders wichtig, dass man weiß, um was es da geht: Eine kirchliche Trauung ist weitaus verbindlicher.*

Eine Trauung, die unter Einbeziehung eines von Menschen erdachten Gottes in Form (egal ob in Form von Segnung oder als Sakrament) geschlossen wird, ist genauso unverbindlich wie alles andere, was auf der Annahme eines Gottes basiert. In Ihrer Fantasiewelt mag es so sein, dass eine kirchliche Trauung „weitaus verbindlicher“ ist – in der realen Welt ist eine nicht kirchliche Trauung weitaus verbindlicher bzw. überhaupt erst verbindlich.

Aber ganz egal, wie „verbindlich“ die Form der Eheschließung war – das sagt auch noch nichts darüber aus, ob eine Ehe lebenslänglich für alle Beteiligten erhaltenswert bleiben wird.

Und viel romantischer. Eine kirchliche Ehe kann niemals getrennt werden.*

Was ist daran romantisch? – Umso erstaunlicher ist es, dass es immernoch Menschen gibt, die für eine halbe Stunde Romantik in Kauf nehmen, dass ihre eben eingegangene Verbindung angeblich „niemals getrennt“ werden kann, wobei das ja genaugenommen so auch nicht stimmt:

Eine kirchliche Ehe kann zwar niemals getrennt, aber sehr wohl annulliert werden, was faktisch aufs Gleiche rauskommt. Dafür bemüht man einfach ein Kirchengericht (ja, sowas gibts auch 2015 noch und auch in Deutschland und auch in der christlichen Kirche) und lässt kirchenrichterlich feststellen, dass die Ehe zum Zeitpunkt der Eheschließung nach kirchlichem Eherecht (auch sowas gibt’s, parallel zu Menschenrecht und Grundgesetz) nicht gültig war. Dafür gibts eine ganze Auswahl an möglichen Gründen. Da eine Ehe nicht aufgehoben werden kann, wird sie also einfach mit einer fadenscheinig konstruierten Begründung als ungültig erklärt.

Das Prozedere erinnert an die berühmte Steinigungsszene aus Monty Pythons „Das Leben des Brian“, wo sich alle Frauen eben Bärte umhängen, um an der für Frauen verbotenen Steinigung teilnehmen zu dürfen.

[…] Und ihre Bedeutung ist so schön, dass ich sie immer wieder gerne Fragenden erkläre.*

Wodurch sie leider auch nicht wirklicher oder realer wird…

Da der Mensch weiß, wie schwierig es ist, bedingungslos zu lieben und eine Liebe auf ewig lebendig zu halten, wird die Liebe der beiden Eheleute an diesem Tag in die Liebe Gottes genommen. Gott – als bedingungslose Liebe – wird damit zum Unterstützer und Begleiter der Verbindung. Es ist nämlich leider nunmal so, dass der Mensch eben nicht perfekt ist, seine Grenzen hat und somit auch die Liebe an Grenzen stoßen könnte. Deswegen bitten wir Gott an diesem wahrlichen „Hoch-Tag“ im Leben darum, die Liebe tragfähig zu machen und die eigene Liebe in seine Liebe, die eben keine Grenzen kennt, aufzunehmen.*

Was macht Sie so sicher, dass ausgerechnet Ihr Gott die „bedingungslose Liebe“ sei? Und nicht vielleicht doch einer der unzähligen anderen Götter, die sich die Menschheit im Lauf ihrer Existenz schon ausgedacht haben? Die mathematische Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering. Und wie sieht wohl die ach so grenzenlose Liebe eines Gottes aus, der, wie in Ihrer Bibel beschrieben, ein eifersüchtiger, rachsüchtiger und unvorstellbar gewalttätiger Gott ist? Der auch schon mal seine ganze Schöpfung ertränkt hat, weil sie ihm nicht mehr gefallen hat?

Fänden Sie Menschen perfekt, die, egal was kommt, an ihrem einmal gegebenen Eheversprechen festhalten, weil sie es ja „vor Gott“ gegeben hatten, auch wenn ein Partner zum Beispiel auf einmal gewalttätig wird? Ob eine Ehe „hält“ oder nicht hängt nicht davon ab, ob sie in der Liebe eines Gottes „aufgenommen“ wurde oder nicht. Einen erdachten Gott um seine Liebe zu bitten ist ebenso arrogant wie naiv. Eine Ehe ist Sache der Ehepartner – sich dabei (oder auch sonst) auf einen „lieben Gott“ zu verlassen oder nur auf ihn zu hoffen ist eine trügerische Illusion, ein (Selbst-)betrug.

Nach Ihrer Auffassung wäre es ein Beweis für die Liebe Gottes, wenn eine Ehe hält und ein Beweis für die Unzulänglichkeit der Menschen, wenn nicht, richtig? Solche Gedankenkonstrukte haben wahnhafte Züge. Liebe ist eine wundervolle und durch und durch natürliche – NICHT über-natürliche Angelegenheit. Liebe hat nichts mit Göttern zu tun.

Folglich wünsche ich allen, die sich in diesem Jahr verheiraten, das Bewusstsein darüber, dass es wahrlich der perfekte Tag im Leben ist, denn sie werden nicht nur mit ihrem Partner noch fester verbunden, sondern auch unzertrennlich mit Gott. Und nach diesem perfekten Tag wünsche ich, dass die Liebe Gottes oft in der Ehe wirksam werden möge.*

Es ist davon auszugehen, dass die Liebe Gottes weder oft, noch überhaupt jemals irgendwo irgendwie wirksam wird, weil es Gott mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gibt. Es ist trügerisch und heuchlerisch, Menschen einen Gott als eine real existierende Größe zu „verkaufen“, von dem sie irgendwas Realeres als eine naive Fiktion erwarten könnten, statt ihnen klar zu machen, dass sie für ihr Handeln und ihr Wohlergehen selbst verantwortlich sind. Und zwar sogar auch dann, wenn Sie es doch ganz doll sehr gewünscht hatten.

*Das Online-Portal Osthessennews fordert jede Woche unter der Rubrik „NACHGEDACHT“ mit „liberal-theologischen“ Gedanken zum Nachdenken auf. Alle als Zitat gekennzeichnete Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Original-Artikel von Christina Leinweber.

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