Kommentar zu: Neunte Runde Talk am Dom – Peter HAHNE: „Glaube ist nicht das, was man sagt, sondern was man wagt“

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Kommentar zu: Neunte Runde Talk am Dom – Peter HAHNE: „Glaube ist nicht das, was man sagt, sondern was man wagt“, veröffentlicht am 04.03.16 von Osthessennews, Verfasser nicht genannt

[…] „Das Grundgesetz hat christliche Wurzeln, und dazu stehe ich“, so der bekannte Journalist unter dem Beifall des Publikums.*

Was unser Grundgesetz ausmacht, sind sicher nicht christliche Wurzeln, ganz im Gegenteil. Würden unsere Rechtsgrundlagen auf christlich-jüdischen Werten begründet sein, so hätten wir keine:

  • Gleichberechtigung von Mann und Frau**
  • Redefreiheit/Meinungsfreiheit
  • Pressefreiheit
  • Gleichberechtigung
  • Gewaltenteilung
  • Anästesie
  • Antibiotika
  • Folterverbot
  • Verbot der Todesstrafe
  • u. v. m. … (Quelle)

Die antiken Griechen haben die Demokratie erfunden. Dann gab es die Aufklärung, Humanismus, die Französische Revolution, die Amerikanische Freiheitserklärung. Den Kampf der englischen Frauen für Wahlrecht der Frauen. Jedes Jahrhundert und Jahrzehnt hat mit unermüdlichem, entbehrungsreichem Einsatz für unser modernes Recht, wie wir es heute in unseren Gesetzen kennen, gegen den erbitterten Widerstand der Kirche gekämpft. Welche Wurzeln unsere Rechtsordnung wirklich hat, steht hier.

Die christliche Kirche hingegen hat praktisch immer nur versucht zu verhindern – und natürlich ihre eigene Privilegierung und Subventionierung sicherzustellen:

  • Bayerisches Konkordat vom 29. März 1924
    • Errichtung von Konkordatslehrstühlen für Philosophie und Geschichte an den Philosophischen Fakultäten der Universitäten München und Würzburg (Art. 4 § 2).
    • Religion als ordentliches Unterrichtsfach in allen Schulgattungen (Art. 4 § 3 und Art.7 § 1).
    • Aufsicht über den Religionsunterricht durch die Kirche (Art. 8).
    • konfessionelle Lehrerbildung (Art. 5 § 3).
    • Recht der Eltern auf Errichtung von Konfessionsschulen, der “katholischen Volksschule” (Art. 6).
  • Badisches Konkordat vom 12. Oktober 1932
    • Der Fortbestand der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Freiburg in der zum Vertragsabschluss bestehenden Form wird staatlicherseits garantiert.
    • Für die Berufung der Professoren der Fakultät wird der katholischen Kirche ein Einspruchsrecht im Sinne des Nihil obstat eingeräumt, so dass auf eine Berufung bei kirchlicher Beanstandung verzichtet wird. (also Konkordatslehrstühle)
  • Reichskonkordat von 1933
    • Fortbestand des Bayerischen Konkordats von 1924, des Preußischen Konkordats von 1929 und des Badischen Konkordats von 1932 (Artikel 2)
    • Staatsleistungen an die Kirche können nur „im freundschaftlichen Einvernehmen“ abgeschafft werden. (Artikel 18)
    • Garantie der katholisch-theologischen Fakultäten. (Artikel 19)
    • Katholischer Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach. (Artikel 21)
    • Beibehaltung und Neueinrichtung katholischer Bekenntnisschulen (Artikel 23)

Es sei bedenklich, dass heute viele Menschen Anspielungen und Inhalte der Bibel nicht mehr verstünden. „Wer die Bibel nicht kennt und sich als Intellektuellen bezeichnet, der ist blöd“, lautete Hahnes griffiges Fazit.

Wesentlich bedenklicher ist es, dass es auch 2016 noch Menschen gibt, die “Anspielungen und Inhalte der Bibel” als irgendwie bedeutungsvoll für die heutige Zeit ansehen.

Mein griffiges Fazit in der arroganten, respektlosen Diktion von Herrn Hahne:

  • “Wer die Bibel (nicht nur auszugsweise) kennt, sie für irgendwie bedeutsam oder wahr und gleichzeitig sich noch für intellektuell redlich hält, der ist blöd.”

Gott habe den Menschen als „Bedienungsanleitung“ für ihr Leben die Bibel gegeben.

Je nach Bedarf wird die Bibel von Christen völlig beliebig mal “als Bedienungsanleitung” oder auch “eben nicht als Bedienungsanleitung” ausgegeben. Nicht nur die Inhalte, sondern auch die angebliche Bedeutung lassen sich beliebig interpretieren und ganz nach Wunsch umdeuten, wie es eben gerade am besten passt. Fest steht, dass alles, was in der Bibel steht, ausschließlich von Menschen erdacht ist.

Ein göttlicher Einfluss würde voraussetzen, dass es wenigstens einen Gott gibt. Keiner der über 3000 Götter, die sich die Menschen schon ausgedacht haben, ist jemals auch nur ein Mal seriös belegbar irgendwie in Erscheiung getreten. Deshalb ist es auch unredlich zu behaupten, Gott habe irgendetwas getan, wenn es weder einen Beleg für die Existenz eines Gottes gibt und noch nicht mal eine klare, verbindliche Definition, wer oder was Gott überhaupt sein soll.

„Ich bin Christ, weil ich darüber nachgedacht habe.“

Wer wirklich konsequent nachdenkt und nicht an einem bestimmten Punkt sein Wissen und Gewissen ausschaltet, kann redlicherweise kein Christ sein. Und weil Glaube reine Privatsache ist, sollten gläubige Menschen ihren Glauben auf ihre Privatsphäre beschränken, statt die Öffentlichkeit damit zu behelligen.

Der Sonnengesang als Dankgebet an Gott, in dem die Naturelemente gepriesen werden, sei auch heute noch aktuell.

Es ist vollkommen zwecklos, einem fiktiven, von Menschen erdachten Gott, für irgendetwas zu danken – genausogut könnte man auch dem Gestiefelten Kater oder Rumpelstilzchen danken. Wer das Bedürfnis hat, sich für etwas zu bedanken, der möge sich zum Beispiel bei der der Evolution bedanken – ihr haben wir die Sinnesorgane und das Gehirn zu “verdanken,” mit denen wir unsere Umwelt wahrnehmen und etwas schön finden können.

  • Genügt es nicht zu sehen, dass ein Garten schön ist, ohne dass man auch noch glauben müsste, dass Feen darin wohnen?
    (
    Douglas Adams)

Die Kirche beim Privatfunk präsent zu halten, sei kostspielig, aber sinnvoll.

Wer zahlts denn? Wer genau? Und wofür sinnvoll, außer für Menschen, die einen materiellen Nutzen davon haben, dass Menschen an ihren Gott glauben? Inwiefern können Behauptungen, die entweder auf archaischen Märchen und Mythen, oder aber auf “persönlichen Empfindungen” basieren, für die Allgemeinheit überhaupt von besonderer Bedeutung sein?

„[…] Ich versuche Antworten zu finden und bete regelmäßig.“

Der beste Weg, Antworten zu finden, ist mit dem Beten aufzuhören und Antworten in der realen, natürlichen Wirklichkeit zu suchen. Antworten, die auf fiktiven Annahmen basieren, können bei konsequentem, redlichem Denken zwangsläufig nur enttäuschend sein.

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalartikel.

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