Bonifatiussegen: Kirche und Politik in Fulda

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Wie in der Fuldaer Zeitung zu lesen war, wurde die Herbst-Vollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda jetzt mit einem so genannten Bonifatiussegen beendet.

Das Bild des Artikels zeigt ältere Männer in sakral anmutenden Gewändern. Zwei davon tragen ein keckes Mützchen. In der Hand halten sie je ein vergoldetes Objekt, das wie eine Untertasse mit Henkel dran aussieht. Und entfernt an einen Metalldetekor erinnert, wie man ihn vom Check-In-Schalter am Flughafen kennt.

Diese Objekte halten sie ebenfalls älteren Männern, die vor ihnen knien, mit bedeutsamem Blick vor die Stirn:

Bonifatiussegen

Dem Artikel ist zu entnehmen, dass es sich bei dieser bizarren Handlung offenbar um den so genannten Bonifatiussegen handelt.

Bis hierher wäre das Ganze keiner Erwähnung wert. Solange keine Kinder in diese Phantasy-Rollenspiele involviert werden, spricht ja nichts dagegen, wenn sich erwachsene Menschen gegenseitig in geheimnisvollen Zermonien mit rituellen Kraftzaubern belegen.

Bis hierher: alles gut

Ebenfalls kaum von Bedeutung ist der Umstand, dass diese Herren mit einem Faible für lange, bunte Gewänder und ausgefallene Kopfbedeckungen ihre Rituale für tatsächlich bedeutsam halten.

Ein jeder möge sich die Wirklichkeit so gestalten, wie sie ihm gefällt. Der Phantasie sind so gut wie keine Grenzen gesetzt. Solange keine gleichberechtigten Interessen Anderer dabei beeinträchtigt werden.

Vermischung von Wunsch und Wirklichkeit

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Denn bei Rollen- und Phantasyspielen ist es durchaus üblich, zwischen der Scheinwelt und der wirklichen Welt zu unterscheiden. Es funktioniert einfach besser, wenn man irdische Probleme nicht mit Zaubersprüchen, sondern mit irdischen Mitteln angeht. Genau das machen diese Herren nicht.

Sie halten es nämlich allen Ernstes für legitim und sogar für erforderlich, sich öffentlich zu politischen und gesellschaftlichen Themen zu äußern. Zu sehr realen, weltlichen Themen. Zu Themen in einer Welt, in der Gebete nicht erhört werden. Und in der Zaubersprüche bestenfalls eine (Selbst-)täuschung bewirken. Genauso wie ein Bonifatiussegen.

Der von diesen Männern behauptete Gott ist bis zum Beweis des Gegenteils genauso fiktiv wie zum Beispiel Spiderman.™ Und deshalb sind Aussagen, in denen dieser Gott eine Rolle spielt, genauso sinnvoll, wie wenn jemand zum Beispiel vorschlagen würde, Spiderman™ um Unterstützung zu bitten. Oder Robin Hood.

Für eine moderne Ethik, die ja für die Weltbevölkerung im 21. Jahrhundert und nicht nur für ein kleines, primitives Wüstenvolk aus längst vergangener Zeit taugen muss, eignen sich die biblischen Moralismen aus der Bronzezeit und aus dem Vormittelalter nicht mehr.

Bonifatiussegen: Totenbeschwörung auf katholisch

Wer rituell-zeremonielle Totenbeschwörungen wie einen Bonifatiussegen für bedeutsam hält, den kann man kaum ernst nehmen, wenn er sich zu realen Themen äußert. Wie zum Beispiel zur aktuellen Welt- oder Innenpolitik. Oder dazu, wie Menschen ihr Privatleben gestalten.

Ebenfalls ein Unding ist es, dass diese Herren staatlich umfangreichst sonderprivilegiert sind. Und sogar Kinder mit ihrer Scheinwirklichkeit indoktrinieren dürfen. Trotz angeblicher Trennung von Staat und Kirche. Und eine milliardenschwere Subventionierung gibts obendrauf. Damit man sich umfangreich der Millionen rühmen kann, die man für soziale Zwecke verwendet. Was eigentlich so gar nicht im Sinne des als Gott verehrten Gottessohnes ist. Weder das Rühmen, noch die Unterstützung von Un- und Andersgläubigen. Denn Nächstenliebe heißt nicht zufällig Nächstenliebe.

Einmal mehr sei an dieser Stelle an die Stellenbeschreibung des Bischofs erinnert, wie sie Herr Ratzinger aka Papst Benedikt einst verkündet hatte:

  • „Der christliche Gläubige ist eine einfache Person. Aufgabe der Bischöfe ist es deshalb, den Glauben dieser kleinen Leute vor dem Einfluss der Intellektuellen zu bewahren.“
    –Benedikt XVI. alias Kardinal Ratzinger
    Predigt vom 31.12.1979, zum Entzug der Missio canonica für Hans Küng(zitiert nach John L. Allen, Joseph Ratzinger, 2002), gefunden in: „Problemfall Religion – ein Kompendium der Religions- und Kirchenkritik“ von Gerhard Czermak,  Tectum Verlag Marburg, 2014**

*Das Bild zeigt einen abfotografierten Zeitungsausschnitt aus der Fuldaer Zeitung vom 21.09.2016
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