Kommentar zu NACHGEDACHT (47) Haben Sie Vorurteile?

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Kommentar zu NACHGEDACHT (47) Haben Sie Vorurteile?, Originalartikel verfasst von Christina Leinweber, veröffentlicht am 01.12.13 von Osthessennews

[…] Aber es gibt genug Chancen, den vielleicht schlechten, ersten Eindruck zu revidieren.*

Zumal ein erster, vielleicht schlechter Eindruck in Wirklichkeit ja möglicherweise objektiv auch gar nicht am Verhalten dessen, der den Eindruck hinterlassen hat, gelegen haben könnte, sondern vielmehr auch an der voreingenommenen, subjektiven Wahrnehmung der Person, die diesen ersten Eindruck als “schlecht” empfunden hatte.

Diese Chancen muss man eigentlich jedem Menschen zugestehen, denn man selbst würde ja auch gern diese Chance erhalten.*

Wenn man das schreibt, dann sollte man das eigentlich auch tun…

[…] Deswegen ist Obacht angesagt und die Goldenen Regel der Ethik zählt auch hier wieder einmal: Wenn man selbst nicht in eine Schublade gesteckt werden will, dann sollte man das auch nicht mit anderen tun.*

Die “Goldene Regel der Ethik” lautet: “Tue was du willst, ohne dabei gleichberechtigte Interessen Anderer zu verletzen.”

Die möglichst schnelle Einschätzung einer Situation, einer Person oder eines angreifenden Säbelzahntigers war im Lauf der menschlichen Entwicklung von überlebenswichtiger Bedeutung – selbst auf die Gefahr hin, dass sich der erste Eindruck später doch noch als nicht zutreffend erweisen könnte.

Aber auch das genaue Gegenteil von blitzschneller Beurteilung kann in einer bestimmten Situation einen Entwicklungsvorteil bedeuten. Kleine Kinder übernehmen Fähigkeiten, Wissen und Werte von ihren Eltern, ohne diese zu hinterfragen oder zu bewerten.

Kleinen Kindern fehlt noch das nötige Wissen und die Fähigkeit, Informationen kritisch hinterfragen zu können – diese Fähigkeit erlangen Kinder erst nach und nach. Und es würde auch viel zu lange dauern, wenn Kinder in den ersten Lebensjahren alle Informationen erst hinterfragen würden.

Deshalb spielen diese ersten Lebensjahre eines Menschen auch eine ganz besondere Rolle für die frühkindliche Indoktrination, mit der Religionen unverantwortungslose Eltern ihre Werte und Ideen an die nächste Generation weitergeben lassen. Es ist sicher kein Zufall, dass Kinder möglichst bald nach der Geburt getauft werden.

[…] Toleranz ist oberste Priorität – besonders, um Vorurteile abzuwehren.*

Wenn Toleranz die oberste Priorität wäre, dann würde das ja bedeuten, dass man alles tolerieren müsste. Nicht die Toleranz sollte oberste Priorität haben, sondern das persönliche Wohlergehen, ohne gleichberechtigte Interessen Anderer zu verletzen. Mit diesem Maßstab lässt sich dann auch abwägen, was man tolerieren sollte und was nicht. Vorurteile entstehen nicht durch mangelnde Toleranz, sondern durch mangelndes Wissen.

Aus christlich-religiöser Sicht ist Toleranz allgemein ein sehr problematisches Thema. Ausgerechnet die Religion, die auf der einen Seite lautstark und vehement Toleranz fordert, vertritt nach wie vor Standpunkte, die an Intoleranz  kaum zu überbieten sind. Dabei bezieht sie sich auf archaische Schriften, die voll von Aufrufen zu Intoleranz aller Art sind: Un- und Andersgläubige, Frauen, Homosexuelle oder auch schon mal die eigenen Kinder werden da nicht nur nicht toleriert, sie müssen nach dem Willen Gottes generell (bzw. in bestimmten Fällen) getötet werden. Die einzige Entschuldigung für Gott ist, dass er nicht existiert.

Gerne wird auch übersehen, dass sich die Aufforderung zu Toleranz nur auf die An-(bzw. Ab-)hängigen derselben Religion bezieht – alle anderen spielen bestenfalls keine Rolle oder sollten schlimmstenfalls umfassend und gnadenlos vernichtet werden.

Kein Wunder, “Toleranz” konnte vor 2-3tausend Jahren noch kein erstrebenswertes Ziel gewesen sein – aber aus dieser Zeit stammen nun mal die Märchen, auf die sich Religionen auch heute noch für die Ableitung einer Ethik berufen. Zum Glück spielen diese weltfremden, vormittelalterlichen Werte für unsere heutige Gesellschaft praktisch keine Rolle mehr.

*Unter der Rubrik „NACHGEDACHT“ fordert Osthessennews jede Woche zum Nachdenken auf. Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Original-Artikel von Christina Leinweber.

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