Gedanken zu: Koffer vorm Kircheneingang – Silbermond-Hit “Leichtes Gepäck” im Mittelpunkt osthessischer Gottesdienste

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Gedanken zu: Koffer vorm Kircheneingang – Silbermond-Hit “Leichtes Gepäck” im Mittelpunkt osthessischer Gottesdienste, Originalartikel veröffentlicht am 13.09.16 von Osthessennews

Er [der Hit “Leichtes Gepäck” der Band Silbermond] wird Thema bei Begrüßung, musikalischer Begleitung von Chören und Bands, den Predigten bis hin zu Gebeten und persönlichen Segen der Pfarrerinnen und Pfarrer sein.*

In diesem Lied geht es darum, dass es befreiend sein kann, sich von unnötigem, belastenden Ballast zu befreien. Und deshalb hätten sich dieser Song und die Koffer auch hervorragend geeignet, um Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es nicht nur materiellen Ballast gibt, den viele mit sich unnötigerweise mit sich herumschleppen.

Leichtes Gepäck – nicht nur materiell zu empfehlen

Denn auch was die eigenen Glaubensüberzeugungen angeht, empfiehlt es sich ab einem gewissen Alter, mal mit dem “Entrümpeln” zu beginnen.

Wer über das heutige Wissen und über die Technik des 21. Jahrhunderts verfügt, kann redlicherweise nicht gleichzeitig noch an Göttermythen aus der Bronzezeit und an Auferstehungslegenden aus dem Vormittelalter festhalten.

Kinder hören für gewöhnlich ab einem bestimmten Alter auf, Phantasiefiguren wie den Osterhasen oder die Zahnfee für reale Gestalten zu halten. Ebenso hält wohl kein Gläubiger irgendwelche andere als seine eigenen Götter für echt. Dass es  für “ihren” Gott genausowenig stichhaltige Beweise gibt wie für den Weihnachtsmann, Shiva oder Thor, scheint sie nicht weiter zu stören.

Es verwundert sie meist auch nicht, dass die allermeisten gläubigen Menschen derselben Religion folgen wie ihre Eltern. Oder die Tatsache, dass bisher jede Religion mit dem Untergang der jeweiligen Epoche ebenfalls wieder verschwunden war.

Weil es sich bei Religionen eben nicht um übergeordnete Wahrheiten, sondern um rein menschliche, kulturelle Phänomene handelt. Nicht Gott erschuf die Menschen nach seinem Vorbild. Sondern die Menschen erdachten sich ihre Götter nach ihren Wünschen, Ängsten und Hoffnungen. Und zu ihren Zwecken.

Und so tragen Gläubige einen mehr oder weniger großen Koffer voller religiöser Gedanken, Dogmen und Indoktrinationen mit sich herum. Manche haben den Koffer vielleicht nur im Flur stehen. Und stolpern nur ab und zu mal darüber. Andere tragen den Koffer ständig mit sich herum. Fast immer deshalb, weil sie im Kindesalter erzählt bekommen haben, dass sie diesen Koffer immer bei sich tragen müssten.

Am besten, ohne jemals hineinzuschauen oder gar zu überlegen, ob sie das, was sich darin befindet, wirklich heute noch brauchen. Sie haben auch beigebracht bekommen, dass sie dann besonders gute Menschen seien, wenn sie niemals fragen, warum sie diesen Koffer mit sich herumschleppen müssen.

Ballast abwerfen

Um sich von dieser Art des überflüssigen “Reisegepäcks” zu erleichtern, können zum Beispiel folgende Fragen helfen:

  • Welche religiöse Glaubensüberzeugungen habe ich?
  • Wie bin ich zu diesen Überzeugungen gekommen?
  • Für wie wahrscheinlich halte ich es, dass diese Überzeugungen wahr sind?
  • Welche Beobachtungen/Erlebnisse/Erfahrungen habe ich gemacht, die diese Überzeugungen bestätigen?
  • Wie kann ich ausschließen, dass diese Beobachtungen/Erlebnisse/Erfahrungen von einem anderen Gott verursacht wurden? Oder von gar keinem Gott?
  • Gibt es auch andere Bereiche in meinem Leben, in denen ich die Methode des “Glaubens” anwende, um zu verlässlichen Erkenntnissen zu gelangen?
  • Wenn ich die Bibel für bedeutsam halte: Weiß ich wirklich, was da so alles drinsteht?
  • Gibt es auch andere Bereiche in meinem Leben, in denen ich mir meine Meinung aufgrund einer antiken Mythensammlung bilde?
  • Weiß ich, dass die Kirche wirklich das ist, wofür ich sie halte?
  • Wenn ich zwar vielleicht noch glaube, mich aber innerlich schon längst von der Kirche verabschiedet habe: Bin ich schon ausgetreten?

*Der als Zitat gekennzeichnete Abschnitt stammt aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalartikel.
**Wir haben keinen materiellen Nutzen von verlinkten oder eingebetteten Inhalten oder von Buchtipps.

 

 

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