Zum Leserbrief zum Thema Hostie: Das Geheimnis von Weihnachten

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Am 12. Dezember 2016 veröffentlichte die Fuldaer Zeitung einen Leserbrief von Frau Vera Schöppner aus Flieden zum Thema Hostie. Frau Schöppner kritisierte in ihrer Einlassung die ihrer Meinung nach offenbar völlig unzureichende Darstellung des Themas Hostie in einem früheren Artikel der Fuldaer Zeitung.

Denn aus ihrer Sicht sei die Hostie natürlich viel mehr als nur ein rundes Gebäckstück, das zur Erinnerung an Jesus gegessen werde. So hatte die Zeitung das wohl in der Rubrik ¨Kinderleicht erklärt¨ dargestellt.

Die Hostie – harmlose Backoblate oder symbolisch-kannibalistisches Ritual?

Geht man von der katholischen Lehre aus, dann hat Frau Löffler natürlich recht: Denn diese Lehre verlangt von ihren Anhängern tatsächlich und allen Ernstes, dass diese es für wahr halten, dass die Backoblate in den Leib von Jesus verwandelt wird. Gleiches gilt für den Messwein, der nach der ¨Verwandlung¨ das Blut von Jesus sein soll.

Es handelt sich also ausdrücklich nicht um ein Essen, um an eine vormittelalterliche Legende zu erinnern. Sondern, rational betrachtet, um einen kannibalistischen Ritus. Eine Zeremonie, bei der die Anhänger es für wahr halten sollen, dass sie den Leib Christi essen und das Blut Christi trinken.

Diese bizarre Absurdität kann man geistig gesunden und ansonsten vermutlich auch aufgeklärten Menschen im 21. Jahrhundert kaum noch vermitteln. Sollte man meinen. Denn Frau Schöppner beweist, dass es offenbar sehr wohl Menschen gibt, die mit diesem symbolisch-kannibalistischen Ritus nicht nur keine Probleme haben. Sie hält ihn offenbar für existentiell bedeutsam für die irdische Wirklichkeit.

Religiöser Wunsch und irdische Wirklichkeit

Da es sich auch nach einer ¨Wandlung¨ bei einer Backoblate in eine Hostie um genau dieselbe Backoblate handelt wie vorher, spielt es eigentlich keine große Rolle, was sich deren Konsumenten dabei vorstellen. Ob sich jemand sein Verlangen von einem Seelenbräutigam stillen lässt oder eben so tut, als würde er einen Menschen verspeisen, ist jedem selbst überlassen.

Und natürlich ist es auch jedem selbst überlassen, solche Handlungen für irgendwie bedeutsam zu halten. Frag- und kritikwürdig wird es meiner Meinung nach erst, wenn Kinder mit solchen Wahnvorstellungen infiziert werden. Denn ich halte Menschenopfer, egal ob ¨in echt¨ oder nur gespielt, für abstoßend und menschenunwürdig.

Die Geduld des Allmächtigen

Wer meint, eine literarische Kunstfigur aus dem Vormittelalter könnte dafür sorgen, dass Menschen von einer Sünde erlöst werden, mit der dessen göttlicher Vater die Menschen dereinst bestraft hatte, kann natürlich wie Frau Schöppner die permanente Abwesenheit des Wüstengottes aus der Bronzezeit mit dessen unglaulicher Geduld begründen.

Dass Geduld im Falle eines angeblich allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes bedeutet, dass dieser entweder nicht allmächtig, allwissend oder allgütig ist, scheint Frau Schöppner nicht bewusst zu sein. Denn wieso stattet dieser Gott seine Schöpfung erst mit einem angeblich freien Willen aus, um sie dann dafür zu bestrafen, wenn sie diesen dazu nutzen, sich ihm nicht unterwerfen zu wollen?

Wenn Gott etwas gegen Leid und Elend tun könnte, es aber nicht tut (weil er so geduldig ist), dann ist er ein Sadist. Wenn er etwas dagegen unternehmen wollte, aber nicht kann, dann ist er nicht allmächtig. Und wenn Gott etwas gegen Leid und Elend tun könnte und auch wollte, aber nichts davon weiß, dann ist er nicht allwissend.

Die einfachste, offensichtlichste und einleuchtendste Erklärung ist, dass Gott nicht existiert. Schon gar nicht mit den Eigenschaften, die ihm die Menschen zuschreiben. Denn bis heute ist absolut nichts sicher und unzweifelhaft auf das Wirken eines solchen Gottes zurückzuführen. Deshalb ist es auch nicht Gott, der etwas bewirkt. Sondern die Vorstellungen in den Köpfen der Menschen, die an ihn glauben.

Und wozu Menschen fähig sind, die sich auf eben diesen Gott Jahwe berufen haben, zeigt ein Blick in die zehnbändige Kriminalgeschichte des Christentums.

Realitätsflucht

HostieDie Herausforderungen an die globale Gesellschaft im 21. Jahrhundert sind viel zu real, als dass man ihnen heute noch mit archaischen Riten und absurden Zeremonien sinnvoll begegnen könnte. Religiöse Moralismen aus der Bronzezeit und aus dem Vormittelalter lassen sich kaum noch mit unseren heutigen ethischen Standards in Einklang bringen. Was aber auch gar nicht nötig ist (außer für Theologen, die damit ihr Geld verdienen).

Denn heute steht kein Wüstengott mehr an oberster Stelle, sondern die Würde und Freiheit des Individuums. Unsere heutige Gesellschaftsordnung sichert jedem das Recht zu, sich die Wirklichkeit nach persönlichen Vorstellungen beliebig zu gestalten. Egal, was jemand für wahr oder bedeutsam hält.

Was hatte wohl die Kinderredaktion der Fuldaer Zeitung bewogen, das absurde Thema Transsubstantiation (Verwandlung) als Erinnerungsessen zu verharmlosen? Und was  meint wohl Frau Schöppner, wäre anders, wenn Menschen diese Verwandlung einer Oblate in eine Hostie und damit in Menschenfleisch tatsächlich für wahr halten würden? Wie würde Frau Schöppner eine andere als ihre eigene religiöse Ideologie einschätzen, in der die Anhänger das Fleisch des Gottessohnes in Form einer Hostie essen sollen?

 

 

 

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