Gedanken zu: Frohes neues JAHR!…. – NACHGEDACHT 208 zum Thema Demut und Dankbarkeit

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Gedanken zu: Frohes neues JAHR!…. –  NACHGEDACHT 208, Originalartikel zum Thema Demut und Dankbarkeit, verfasst von Christine Lander, veröffentlicht am 1.1.2017 von Osthessennews

(…) Eigentlich gönne ich mir ein paar Minuten, um nachzudenken – über das, was war, über das, was nicht hätte passieren dürfen, über das, was Gott sei Dank passiert ist. (…)
Dankbar sein – können wir das? Und müssen wir überhaupt dankbar sein? Ja, ich denke, dass wir mit der Haltung, vergangene Zeiten als Geschenk anzusehen, Demut einüben können. Sie ermöglicht uns, Gegebenes hinzunehmen.

Ob es daran liegt, dass sich die Autorin als ¨liberal-theologisch¨ bezeichnet oder ob sie einfach nur unangenehmen Fragen aus dem Weg gehen will, weiß ich nicht. Denn mir fällt auf, dass sie in ihren Veröffentlichungen zwar immermal den christlichen Aberglauben einfließen lässt, dann aber auch oft entscheidende Punkte (absichtlich?) offen lässt.

Gott sei Dank – aber welchem?

So auch diesmal. Erst schreibt sie, dass etwas ¨Gott sei Dank¨ geschehen sei. Warum man für Positives Gott danken solle, für Negatives aber offenbar nicht, verrät sie indes nicht.

Im weiteren Text geht sie dann der Frage nach, ob man denn nicht dankbar sein müsse. Wem oder was man dankbar sein sollte, behält sie ebenfalls für sich. Dass wahrscheinlich Gott gemeint sein soll, kann man sich zwar denken. Aus dem Text geht das aber nicht eindeutig hervor.

Und so kommt sie auch nicht in die unangenehme Situation erklären zu müssen, warum augenscheinlich auch Dinge geschehen, für die man sich eigentlich nicht bedanken möchte.

Demut nach christlichem Verständnis

Weiter empfiehlt sie eine demütige Haltung. Auch dies deutet auf einen möglichen religiösen Zusammenhang hin. Denn nach christlichem Verständnis bedeutet Demut

  • …das Anerkennen der Allmacht Gottes. Demut beschreibt demnach die innere Einstellung eines Menschen zu Gott. (Quelle: Wikipedia)

Ein Blick in die Kriminalgeschichte des Christentums zeigt, dass diese Demut vor Gott auch perfekt dazu geeignet ist, von Menschen auch Demut anderen ¨Herrschern¨ gegenüber zu fordern. Besonders solchen, die ihren Status mit ¨von Gottes Gnaden¨ zu legitimieren versuchten.

Ein Beispiel von vielen ist die so genannte ¨Onkel-Tom-Mentalität.¨ Diese lässt sich auch hervorragend aus gleich mehreren Bibelstellen ableiten. In denen Sklaven dazu aufgefordert werden, sich ihrem Herren genauso zu unterwerfen, wie sie sich Gott unterwerfen sollten.

Den Seinen gibts der Herr im Schlaf?

Dass nach christlicher ¨Logik¨ das ¨Gegebene¨ ja von Gott gegeben ist, bedeutet Demut demzufolge, anzuerkennen, dass es Gott eben nicht immer nur gut mit einem meint. Ein Blick ohne religiöse Vernebelung zeigt recht schnell, dass sich zwischen dem, was geschieht und einem vermeintlichen Phantasiewesen, zu denen auch Götter zählen kein Kausalzusammenhang hergestellt werden kann.

Denn in der Phantasie von Menschen können alle beliebigen Götter alle beliebigen Eigenschaften haben. Ohne natürlich, dass dies außerhalb der menschlichen Vorstellung irgendeine Auswirkung auf die irdische, natürliche Wirklichkeit hätte. Womit sämtliche Überlegungen diesbezüglich hinfällig sind.

Demut vor einem allmächtigen Wesen?

Aber selbst, wenn man sich die Sache innerhalb der christlichen Scheinwirklichkeit betrachtet, bleiben am Schluss viel mehr Fragen als Antworten.

Wieso sollte ein angeblich allmächtiger Schöpfer verlangen, dass seine Allmacht von den Vertretern einer bestimmten Trockennasenaffenart anerkannt wird? Ein solcher Gott wäre eine sehr unsichere und fragwürdige Persönlichkeit, wäre er auf die Demut einer bestimmten Spezies auf einem bestimmten kleinen Planeten angewiesen.

Und wieso sollte man ausgerechnet die göttliche Allmacht anerkennen, wo ein allmächtiges Wesen doch so viele Möglichkeiten hätte, eine bessere, friedlichere Welt als diese zu erschaffen? Gottes einzige Entschuldigung ist, dass er nicht existiert. Wie alle anderen tausende Götter auch, die sich Menschen schon zusammenfabuliert und imaginiert haben, um in ihrem vermeintlichen Namen und Auftrag andere Menschen leichter zu führen.

Weltliche Interpretation

Aufgrund der sehr vagen Formulierungen könnte man natürlich auch auf die Idee kommen, die Autorin würde sich gar nicht auf Gott beziehen. Sondern vielmehr zu einer gewissen Gelassenheit auffordern, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind. Oder, falls möglich, etwas dagegen zu unternehmen, wenn man es für erforderlich erachtet. Wobei man auch dann noch mit den Dingen klarkommen muss, auf die man eben keinen Einfluss hat.

Sehr hilfreich für eine solche Haltung ist es, rational und im Rahmen der irdischen, natürlichen Wirklichkeit zu denken und zu handeln. Götter, Geister und Gottessöhne stehen dabei eher im Wege, als dass sie etwas Hilfreiches beitragen können.

Außer vielleicht einer irgendwie hoffnungsvollen Illusion. Die sich aber nach heutigem Wissensstand im Moment des Todes zusammen mit dem, was die Christen als ¨Seele¨ bezeichnen, in Existenzlosigkeit auflöst.

Neuanfang?

Und nun steht uns allen ein neues Jahr bevor. Das uns vielleicht Angst macht, weil so vieles unsicher ist, vielleicht sind wir aber auch hoffnungsvoll aufgeregt, weil wir froh über einen Neuanfang sind.

Es fängt nichts ¨neu an.¨ Die Einteilung der Zeit in Jahre, Monate, Tage ist eine von Menschen festgelegte Skala. Die sich an der ungefähren Dauer eines Herzschlages (ca. 1 Sekunde) orientiert. Der Zeit ist es völlig egal, in welche Intervalle sie unterteilt wird. Deshalb ist die Erkenntnis, ¨dass es weiter geht¨ zwar richtig, aber auch nicht wirklich erhellend.

Warum unsere Zeitrechnung ausgerechnet auf der angeblichen Geburt eines angeblichen Gottessohnes beruht, wäre sicher auch mal ein interessantes Thema. Denn dieser Geburtstag ist nicht relevanter als zum Beispiel der von Osiris, Baal oder Benjamin Blümchen.

Die viel spannendere Frage wäre jedoch, wie es weiter geht. Ob Menschen auch 2017 noch überirdische Phantasiewesen, die sich Leute in der Bronzezeit ausgedacht hatten, für wahr halten? Und sich diesen gegenüber in Demut üben?

Ob ein Fuldaer Bischof auch 2017 noch Un- und Andersgläubige öffentlich beleidigt? Und seine äußerst fragwürdige Ideologie als einzig heilbringende Wahrheit verkündigen wird? Ob auch 2017 noch Menschen Kreuze als schön, idyllisch, romantisch bezeichnen werden? – Es ist davon auszugehen.

Hoffnung Mensch

Es ist aber auch davon auszugehen, dass auch 2017 wieder eine steigende Anzahl von Menschen erkennt, dass ihre religiösen Überzeugungen auf menschengemachten Illusionen basieren.

Oder sie werden genauer nachfragen, was die von ihnen zu bezahlende Kirchensteuer mit dem auf vorsichtig 200 Milliarden Euro geschätzten kirchlichen Vermögen zu tun hat.

Sicher werden auch 2017 Menschen, die bisher noch Demut vor einem Phantasiewesen für sinnvoll erachtet hatten (schließlich haben sie diese ja vom Säuglingsalter an eingetrichtert bekommen), erkennen, dass auch die christliche Religion nicht als Grundlage für moderne ethische Standards geeignet ist. Und dass es keinen einzigen sinnvollen Grund zur Annahme gibt, dass hinter allem, was geschieht, irgendwelche überirdischen Wesen stehen.

Christliche Gut-Böse-Dualismen haben in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts ebenso ausgedient wie Moralismen aus der Bronzezeit. Etwa in Form von Verhaltensgeboten, in denen nicht die Freiheit und Würde des Individuums an oberster Stelle steht. Sondern ein erfundener, behaupteter Gott mit einer offensichtlich gravierenden multiplen Persönlichkeitsstörung.

Gute Vorsätze fürs neue Jahr

Wahrscheinlich haben sich auch einige Leute vorgenommen, im neuen Jahr ihren Horizont endlich mal mit anderer als biblischer Lektüre zu erweitern. Unser Tipp für alle, die ihre Glaubensgewissheiten mal kritisch auf Sinnhaftigkeit hinterfragen möchten, ist zum Beispiel: Warum ich kein Christ sein will von Uwe Lehnert. Wer nach dieser Lektüre trotzdem noch Christ sein möchte, kann dies ja gerne sein.

Und sicher steht der Kirchenaustritt auch auf so mancher Liste mit den guten Vorsätzen für das Neue Jahr. Dass man diese Liste nicht allzulange liegen lassen sollte, ist sicher auch bekannt.

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalartikel.
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