Kardinal Marx: “Vielleicht auch mit staatlicher Hilfe”

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In einem Fernsehinterview äußerte sich Kardinal Marx wie folgt zur Missbrauchsstudie:

„Die Forscher haben […] auch deutlich gemacht, dass weiterer Forschungsbedarf ist. Vielleicht auch mit staatlicher Hilfe, das will ich gar nicht ausschließen.“

– Kardinal Reinhard Marx im heute-journal vom 25.9.18

Meme Kardinal Marx

Neben vielen anderen macht besonders auch dieses Statement deutlich, wie realitätsbefreit das klerikale Selbstverständnis tatsächlich ist.

Was Kardinal Marx wohl konkret mit “staatlicher Hilfe” meint? Die er “gar nicht ausschließen” will? Wohl kaum das, was Eberhard Reinecke vom Institut für Weltanschauungsrecht – ifw fordert:

Staatsanwaltschaften sollten jetzt die Kirchenarchive beschlagnahmen!

  • Man stelle sich vor, die Mafia würde einen Bericht veröffentlichen, in dem sie einräumt, in den letzten 70 Jahren eine Vielzahl von Verbrechen begangen zu haben, der Pate entschuldigt sich bei den Opfern, allerdings weigert die Mafia sich, unabhängigen Wissenschaftlern oder gar der Polizei Zugang zu ihren Archiven zu gestatten. Klingt ziemlich lächerlich und natürlich würde die Polizei sofort losmarschieren, um das Mafiaarchiv zu beschlagnahmen. Auch wenn die katholische Kirche nicht die Mafia ist, ist das Verhalten genauso. (Quelle: Eberhard Reinecke / Institut für Weltanschauungsrecht -ifw via hpd.de, erstmals veröffentlicht im Blog die schneeflocke am 8. April 2013)

Was ein Staatsanwalt zu tun hat…

Und weiter heißt es in diesem Beitrag:

  • Es geht hier um schwerste Straftaten, die – wie einzelne Tatbestände des § 176 StGB – mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren belegt sind. Und die Kirche hat ja nun nicht etwa nur Strafakten ausgewertet, sondern offenbar ihre eigenen Archive, aus denen sich im Zweifel auch eine Vielzahl von Taten ergab, die (bisher) gerade nicht strafrechtlich verfolgt wurden. Ausdrücklich ist neben der Auswertung von Strafverfahren ab S. 104 der Studie auch von “Tätern” die Rede, offenbar solche, die bisher nicht verfolgt wurden.
    Was ein Staatsanwalt zu tun hat, wenn er – selbst aus der Zeitung – von einer Straftat erfährt, die – wie hier – ein Offizialdelikt ist, ergibt sich aus § 152 Abs. 2 StPO, in dem es heißt:

    • Die Staatsanwaltschaft ist “soweit nicht gesetzlich ein anderes bestimmt ist, verpflichtet, wegen aller verfolgbarer Straftaten einzuschreiten, sofern zureichende tatsächliche Anhaltspunkt vorliegen.” (Quelle: ebenda)

Kardinal Marx und die Wirklichkeit

Quelle: heute-show

Quelle: heute-show

Was ein Kardinal Marx also tatsächlich unter “staatlicher Hilfe” in Bezug auf die Aufklärung des Missbrauchsskandals seiner Arbeitgeberin versteht ist irrelevant.

Auch, dass er offenbar der Ansicht ist, es liege in seinem Ermessensspielraum, ob er eine solche Untersuchung und vor allem strafrechtliche Verfolgung ausschließen könne oder nicht. Hier geht es nicht um seine religiös erweiterte Scheinwirklichkeit. Sondern um das Schicksal von Menschen, überwiegend von Kindern.

Die einzige Chance für die katholische Kirche, ihre Glaubwürdigkeit vielleicht wenigstens irgendwie noch wiederherzustellen, bestünde meines Erachtens darin, unverzüglich sämtliche noch nicht vernichteten Unterlagen der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Und eine objektive strafrechtliche Untersuchung und Strafverfolgung konsequent zu unterstützen.

Die von der Kirche selbst durchgeführte Missbrauchsstudie kann dazu höchstens der Auslöser gewesen sein.

Nur: Ohne Druck von außen wird sich die katholische Kirche keinen Millimeter weit bewegen. Schon gar nicht, wenn man nächsten Schritt ihre nun erst recht nicht mehr zu rechtfertigende Paralleljustiz in Frage stellt.

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Letzte Aktualisierung: 29. September 2018