Ruft katholisch.de zum Angriffskrieg auf? – Die Goldene Rosine 2019

~ 16 Minuten

Seit einigen Monaten veröffentlicht das Social Media Team von katholisch.de auf seiner Facebookseite Bibel-Meme. Diese bestehen jeweils aus einem biblischen Textfragment und einem Hintergrundbild.

ACHTUNG: Dieser Beitrag enthält Bibelzitate, die auf nicht religiös indoktrinierte Menschen verstörend wirken dürften.

Die Idee dabei scheint zu sein, Halbsätze aus dem biblischen Kontext zu entnehmen und diese Fragmente anhand der Hintergrundbilder in einen neuen Zusammenhang zu bringen.

Besonders beliebt: Biblische Aussagen, die sich eigentlich auf Gott bzw. auf das Verhältnis von Gott zu seinen Fans beziehen,  werden visuell auf Menschen bzw. das Verhältnis von Menschen untereinander übertragen.

Für diejenigen, denen die katholisch.de-Onlineredaktion diese Transferleistung offenbar nicht zutraut, gibts zumeist noch ein paar erklärende Worte. Oder auch mal eine Fragestellung, die zu Kommentaren anregen soll.

Und Kommentare generieren diese Posts tatsächlich:

Lobe preise ehre. ..usw…

Einigen Hardcore-Katholiken scheint es allerdings sowieso völlig egal zu sein, was da steht. Die kümmert es nicht, wie der Kontext lautet, ob die Quellenangabe stimmt (was öfters mal nicht der Fall ist) oder was sich die Redaktion bei der Auswahl und Zusammenstellung vielleicht gedacht haben könnte:

katholisch.de Fankommentare

Ob es sich bei diesen Kommentator*innen um geistig gesunde Erwachsene handelt, weiß ich natürlich nicht – Zweifel sind hier sicher berechtigt. Die Kommentare dieser Leute lassen jedenfalls vermuten, dass sich diese weitestgehend von der irdischen Realität entkoppelt haben. Was natürlich ihr gutes Recht ist.

Es ist offenbar auch immer wieder nur die selbe Handvoll User, die mit Kommentaren wie diesen beweist, dass eine peinliche, kindlich-naive Art der Volksfrömmigkeit (genauer: heilige Einfalt) auch im 21. Jahrhundert und auch im mitteleuropäischen Raum durchaus noch anzutreffen ist. Diese Menschen dürften immun gegen jeden Anflug von Vernunft und Skepsis sein.

Auswahl per Zufall? Natürlich nicht…

Nachdem ich diese Meme-Serie jetzt einige Zeit mitverfolgt hatte, wollte ich mal von der Onlineredaktion wissen, nach welchen Kriterien die Textfragmente für die täglichen Meme ausgewählt werden.

Dass die Bibelstellen tatsächlich per Zufall ausgewählt werden, wie zunächst behauptet, wollte ich nicht glauben.

Dafür waren die Fragmente viel zu einseitig: Kein Wort über die dunklen, unmoralischen, unmenschlichen und gnadenlosen Seiten des eifer- und rachsüchtigen Bibelgottes, die bei einer tatsächlich zufälligen Auswahl ja eher früher als später auch mal zur Sprache kommen würden.

Würde die katholisch.de-Onlineredaktion ihre Bibel-Sprüche tatsächlich völlig zufällig und vor allem aus dem kompletten Bibeltext auswählen und veröffentlichen, dann ergäbe sich ein völlig anderes Bild. Sehr wahrscheinlich würde, ebenfalls eher früher als später, zumindest die Facebook-Sperre zuschlagen.

Link zu Gotteslob-Webseite verstößt gegen Facebook-Gemeinschaftstandards

Screenshot Facebook Sperre mein-gotteslob.deDas passiert manchmal schneller als man gucken kann: So wollte mir zum Beispiel eine katholisch.de-Redakteurin den Link zu einer Seite schicken, auf der das katholische Liedgut zu finden ist. Aus bislang unbekannten Gründen entspricht diese Seite allerdings nicht den Gemeinschaftsstandards von Facebook. Der Link zu dieser Seite darf deshalb nicht via Facebook geteilt werden.

Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis die katholisch.de-Redaktion Facebook dazu bringt, dieses “Mobbing” (Zitat katholisch.de-Redakteurin) zu beenden.

Aber zurück zum Thema: Erst auf Nachfrage erfuhr ich dann, dass ein Redakteur Stellen auswählt, die ihm geeignet scheinen, um den Usern einen positiven Impuls zu geben.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Redaktion über ein extrem lichtstarkes Mikroskop sowie über ein sehr scharfes Skalpell verfügen. Denn sonst wäre es vermutlich kaum möglich, zum Beispiel aus einer Aufforderung zum gnadenlosen Angriffskrieg die paar unverfänglichen Worte herauszuschnibbeln, die dann dem gläubigen Publikum als biblischer Impuls mitgegeben werden können, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Rosinenpicken für Fortgeschrittene

Wie so etwas aussieht, möchte ich an einem Beispiel zeigen.

Hier zunächst der Abschnitt, aus dem der Spruch für das Bibel-Meme am 2. Oktober 2019 entnommen wurde. Die geneigte Leserschaft möge beim aufmerksamen und möglichst unvoreingenommenen Durchlesen bitte schon mal überlegen, welchen dieser Sätze die katholisch.de-Onlineredaktion wohl als Tagesimpuls ausgewählt hatte:

Einsetzung Josuas durch Mose

  1. Mose trat vor ganz Israel hin und sprach diese Worte.
  2. Er sagte zu ihnen: Ich bin jetzt hundertzwanzig Jahre alt. Ich kann nicht mehr in den Kampf ziehen. Auch hat der HERR zu mir gesagt: Du wirst den Jordan hier nicht überschreiten.
  3. Der HERR, dein Gott, zieht selbst vor dir hinüber, er selbst vernichtet diese Völker bei deinem Angriff, sodass du ihren Besitz übernehmen kannst. Josua zieht vor dir hinüber, wie es der HERR zugesagt hat.
  4. Der HERR wird an ihnen tun, was er an Sihon und Og, den Amoriterkönigen, die er vernichtete, und an ihrem Land getan hat.
  5. Der HERR wird sie euch ausliefern: Dann sollt ihr an ihnen genau nach dem Gebot handeln, auf das ich euch verpflichtet habe.
  6. Empfangt Vollmacht und Kraft: Fürchtet euch nicht und weicht nicht erschreckt zurück, wenn sie angreifen! Denn der HERR, dein Gott, er zieht mit dir. Er lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht.
  7. Mose rief Josua herbei und sagte vor den Augen ganz Israels zu ihm: Empfange Vollmacht und Kraft: Du sollst mit diesem Volk in das Land hineinziehen, von dem du weißt: Der HERR hat ihren Vätern geschworen, es ihnen zu geben. Du sollst es an sie als Erbbesitz verteilen.
  8. Der HERR selbst zieht vor dir her. Er ist mit dir. Er lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht. Du sollst dich nicht fürchten und keine Angst haben.
    (Quelle: 5. Mose 31, 1-8 EU)

Wer zieht, und wohin?

Es geht hier also darum, dass Josua als Nachfolger des inzwischen 120jährigen Mose als der neue Kriegsfürst von Gottes Gnaden vorgestellt wird.

Völlig ungeachtet dieser abstrusen und brutalen Geschichte hat katholisch.de daraus ein Meme gebastelt, auf dem ein Kind und vermutlich dessen Vater zu sehen ist, der einen Lenkdrachen in die Luft hält.  Darüber ist zu lesen:

  • Denn der HERR, dein Gott, er zieht mit dir.

katholisch.de Goldene Rosine am Band 2019Ob hier tatsächlich die Assoziation von “…zieht mit dir” und “zieh’ (Drachen-)Leine” die Inspiration für diese Komposition war, kann man nur vermuten.

Fest steht, dass es sich hier um einen Text handelt, in dem der liebe Gott als radikal-brutaler, gnadenloser und machtvoller Kriegsgott dargestellt wird.

Wobei man sich schon fragen kann, warum er es bei all seiner angeblichen (All-)Macht nicht geschafft hatte, seine kriegerischen Ziele während der nun schon über 100 Jahre dauernden Herrschaft durch Mose zu erreichen. Fragen könnte man sich natürlich auch, was mit diesem Gott nicht stimmt, wenn er als allmächtiger Schöpfer des Universums nichts anderes zu tun hat, als sich in Territorialkämpfe kleiner Wüstenvölker in der ausgehenden Bronzezeit einzumischen.

Katholisch.de: Einladung zum Angriffskrieg?

Aber als Impuls, sich solche Gedanken zu machen, war auch dieses Meme sicher nicht gedacht. Nur: Wozu dann?

Die katholisch.de-Redaktion hatte das Meme mit der Aufforderung: “Ziehen Sie mit!” überschrieben.

Solange jetzt nur ein paar Väter an Drachenleinen ziehen, ist ja alles in Ordnung.

Orientiert man sich jedoch an der biblischen Textquelle, dann handelt es sich ja zweifellos um eine Aufforderung, mit göttlicher Unterstützung in einen Angriffskrieg zu ziehen, um mit göttlicher Legitimierung ein Land zu besetzen.

Laut Aussage der katholisch.de-Redaktion ist es durchaus beabsichtigt, die User mit diesen Impulsen zum Bibelstudium anzuregen.

Rückfragen, was sie mit  “Impulsen” wie zum Beispiel diesem konkret bezwecken möchte, beantwortet die katholisch.de-Redaktion bislang nicht. Die Interpretation sei den Usern überlassen, heißt es da. Und eben, dass es positive Impulse sein sollen.

Fazit

  • Mit ihrer Bibelspruch-Meme-Serie beweist die katholisch.de-Onlineredaktion, dass es problemlos möglich ist, selbst aus den abstoßensten, unmenschlichsten Bibelpassagen kleine (Halb-)sätze herauszupicken, die losgelöst vom jeweiligen Kontext irgendwie positiv, zumindest aber unverfänglich erscheinen können.
  • Anders als zunächst auf Nachfrage behauptet, werden diese Stellen nicht zufällig, sondern ganz gezielt aus dem biblischen Zusammenhang herausgepickt.
  • Dass praktisch alle Stellen in einem ganz anderen Licht erscheinen, sobald man den umgebenden Text berücksichtigt, scheint niemanden weiter zu stören. Genauso wie der Umstand, dass immer wieder falsche Bibelstellen als Quellen angegeben werden.
  • Wie kaum anders zu erwarten, fehlt jeder Hinweis darauf, dass es sich bei der biblischen Göttermythologie zu 100% um ein menschliches Phantasieprodukt handelt. Besonders Menschen, die einen nachweislich schwach (oder gar nicht) ausgeprägten Sinn für die Realität mitbringen, dürften kaum in der Lage (oder willens) sein, zwischen religiöser Wunschvorstellung und irdischer Wirklichkeit zu unterscheiden. Für sie bedeutet jedes dieser Meme eine weitere Bestätigung ihres religiös induzierten und vermutlich schon längst chronischen Bestätigungsfehlers.  Ein Mechanismus, der auch Wahnvorstellungen bis hin zu wahnhaften Erkrankungen auslösen und immer weiter verstärken kann.
  • Statt eine absurde Göttermythologie zweckzuentfremden, könnte man Menschen auch einfach so daran erinnern, sich mitmenschlich zu verhalten.
  • Statt sie mit hoffnungsvoll erscheinenden Fiktionen zu täuschen und ihnen eine fiktive göttliche Unterstützung vorzugaukeln, könnte man sie darin bestärken, auf ihre eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.

Goldene Rosine am Band für die katholisch.de-Onlineredaktion

Goldene Rosine am BandFür ihre besonderen Leistungen in der Disziplin “biblisches Rosinenpicken” durch die völlig einseitig-positive oder zumindest harmlose Darstellung biblischer Texte durch großflächige Weglassung und Umdeutung verleihen wir von AWQ.DE hiermit der katholisch.de-Onlineredaktion feierlich den virtuellen Preis “Goldene Rosine am Band 2019”.

Herzlichen Glückwunsch.

Ergänzung: Weitere Beispiele

In einem Facebook-Kommentar bemängelte ein User die Tatsache, dass in diesem Beitrag nur ein einziges Beispiel für den Umgang von katholisch.de mit den Bibeltexten gebe. Aus Redlichkeitsgründen sei es doch erforderlich, mehrere Beispiele zu nennen.

Deshalb hier ergänzend noch einige weitere Beispiele für Bibel-Meme von katholisch.de aus den letzten Wochen:

Steh still, um die Wunder Gottes zu betrachten. (Hiob 37,14)

Bild: Wanderer mit Rucksack betrachtet einen Waldsee
Kommentar katholisch.de: Nehmen Sie sich heute einen Moment, um die Natur zu betrachten.

Aus dem Text, aus dem diese Zeile herausgepickt wurde, geht hervor, dass der Gott, den die Christen heute verehren, früher mal hauptberuflich als Wettergott tätig gewesen sein muss.

Auch erfährt der Leser hier einen der Hauptgründe, warum Menschen überhaupt auf die Idee gekommen waren, sich Götter auszudenken:

Gott dröhnt mit seiner Stimme, wunderbar, tut große Dinge, wir verstehen sie nicht: (Hiob 37,5 EU) [es folgt eine Aufzählung von Naturphänomenen, die angeblich alle von Gott verursacht werden]

Menschen erschufen sich ihre Götter aus Unwissenheit, Angst und als ihnen hoffnungsvoll erscheinende Illusionen.

Ich lasse dich nicht fallen, und verlasse dich nicht. (Josua 1,5)

Bild: Ein Vater und ein Kind spielen Ball
Kommentar katholisch.de: Seid füreinander da!

Worum geht es in dieser Geschichte?

Menschen hatten sich vorgestellt, wie ihr mächtiger Kriegsgott (namentlich derselbe, den Christen heute verehren) ihren weltlichen Warlord Josua (Nachfolger von Mose) zur Landnahme des Westjordanlandes auffordert. In dem Abschnitt wird detailliert beschrieben, wie diese Besetzung zu erfolgen habe und dass sie nur gelingen könne, wenn sich das kleine Volk zu 100% ausschließlich auf ihren Kriegsgott verlassen würde.

Seine göttliche Legitimierung ermöglicht es Josua in dieser Legende, sein Volk zum unbedingten Gehorsam ihm und seinen Anweisungen gegenüber zu bringen:

“Sie antworteten Josua: Alles, was du uns befohlen hast, wollen wir tun und überall, wohin du uns schickst, werden wir gehen.”

…ein Satz, der die frappierende Ähnlichkeit zwischen biblisch-christlicher und absolutistischen politischen Ideologien zeigt. Die Bolsonaros dieser Welt bedienen sich bis heute genau dieser Masche mit erschreckend großem Erfolg.

Wenn diese göttliche Zusage heute noch gelten soll (immerhin wurde sie ja zum Meme verarbeitet), gelten dann auch die anderen Zusagen in diesem Textabschnitt, die sich die anonymen Bibelschreiber damals ausgedacht hatten? Wie zum Beispiel:

“Jeden Ort, den euer Fuß betreten wird, gebe ich euch, wie ich es Mose versprochen habe.”

“Niemand wird dir Widerstand leisten können, solange du lebst.”

“Jeder, der sich deinem Befehl widersetzt und nicht allen deinen Anordnungen gehorcht, soll mit dem Tod bestraft werden. Sei nur mutig und stark!” (alle aus Josua 1,5 EU)

Das alles scheint den meisten Berufs- und Privatchristen heute offenbar egal zu sein. Ihnen scheint die immer und immer wieder wiederholte Bestätigung ihrer eingebildeten Wunschvorstellung, ihr magischer Himmelsvater meine es gut mit ihnen zu genügen. Was das für einer ist, wie er sich denen gegenüber verhält, die nicht an ihn glauben und wie plausibel das Ganze bei Licht betrachtet ist, scheint sie nicht weiter zu stören.

Wie mich der Vater geliebt hat; habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! (Johannes 15,9)

Bild: Ein Vater umarmt seinen Sohn
Kommentar katholisch.de: Wann haben Sie das letzte Mal jemanden umarmt?

Hier wird (wie in den meisten bisherigen Memes dieser Art auch) suggeriert, als sei die in der biblischen Mythologie beschriebene göttliche Liebe mit der Liebe unter Menschen gleichzusetzen.

Allerdings besteht die Liebe des Gottes, der in der Bibel beschrieben wird aus einer Erpressung:

“Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.” (Joh 15,6 EU)

Niemals verlasse ich dich. (Jesaja 44,24)

Bild: Eine Seniorin hält die Hand ihres offenbar kranken Ehemannes
Kommentar katholisch.de: In guten wie in schlechten Zeiten.

Bei Jesaja 44,24 steht nichts von Verlassen:

“So spricht der HERR, dein Erlöser, der dich von Mutterleib an geformt hat: Ich bin der HERR, der alles bewirkt, der allein den Himmel ausgespannt hat, der die Erde ausgebreitet hat aus eigener Kraft, ” (Jesaja 44,24 EU)

Das ist die Stelle, wo Menschen Gott sagen lassen, dass er die Weisen absichtlich verwirrt, damit diese ihm nicht auf die Schliche kommen.

Die im Meme zitierte Stelle dürfte Hebräer 13,5 sein, also der Abschnitt, in dem auch steht, dass das Ehebett unbefleckt zu bleiben hat.

Bei Jesaja steht übrigens ein Satz, der genau das Gegenteil von “niemals verlassen” besagt:

“Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln.” (Jesaja 54,7 EU)

Wieso zeigt ihr kein Bild, auf dem zu sehen ist, wie *Gott*, der hier ja zitiert wird, sein Versprechen wahr macht?

Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet. (Lukas 17,19)

Bild: Wanderer balanciert über einen liegenden Baumstamm
Kommentar katholisch.de: 🙏

Also – in dieser biblischen Legende waren ja alle 10 Aussätzigen geheilt worden. Wovor hat der Glaube dann den einen, der sich bedankt hat gerettet? Was erwartet die anderen 9 Geheilten, die es versäumten, sich für die Heilung bei Gott zu bedanken?

Und: Ganz so unbedingt scheint Gottes Liebe ja doch nicht zu sein, wenn die “Rettung” (wovor auch immer) davon abhängt, ob man sich auch artig bedankt hat beim lieben Gott (bzw. seinem Sohn)?

Nichts wird mir fehlen! (Psalm 23,1)

Bild: Bauch einer schwangeren Frau
Kommentar katholisch.de: Wenn aus Liebe Leben wird.

Die Kindersterblichkeit hat seit der Zeit, in der die Kirche noch an der Macht war drastisch abgenommen. Zu verdanken haben wir das keinem fiktiven “Hirten” (wir sind ja auch keine Schafe), sondern Menschen, die sich nicht auf die (aus heutiger Sicht betrachtet naiven) Wunschphantasien eines kleinen Wüstenvolkes aus der Bronzezeit verlassen wollten.

Bleibt in mir, und ich bleibe in euch! (Johannes 15,4)

Bild: Eine Hand hält eine Traubenrebe
Kommentar katholisch.de: “Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt.”

Und wer nicht freiwillig bleiben will, der wird weggeworfen und verbrannt:

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie die Rebe und verdorrt; man sammelt sie dann und wirft sie ins Feuer: da verbrennen sie. (Joh 15,4 MENG)

Wie gehen Christen damit um, dass sie an eine Lehre glauben, in der Glaubensfreien und Andersgläubigen die gnadenlose Vernichtung wegen ihrer Glaubensfreiheit angedroht wird?

Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und jedem Verständnis wird. (Philipper 1,9)

Bild: Hand einer Frau hält eine Hand (vermutlich eines Mannes)
Kommentar katholisch.de: Auf dass wir auch in schwierigen Momenten Einsicht und Verständnis schenken mögen.⁠

Was mit Einsicht und Verständnis gemeint ist, erfahren wir, wenn wir weiterlesen:

Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und jedem Verständnis wird, damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt. Dann werdet ihr rein und ohne Tadel sein für den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus kommt, zur Ehre und zum Lob Gottes. (Phil 1, 9-11 EU)

Es geht also nicht um Verständnis von Menschen untereinander und füreinander; vielmehr wird dafür gebetet, dass Menschen in ihrem eigenen Interesse (und zur Vermeidung von Bestrafung durch Höllenqualen) die Heilslehre er- und anerkennen mögen.

Über die Werke deiner Hände will ich jubeln. (Psalm 121,8)

Bild: Hände, die einen Teig kneten
Kommentar katholisch.de: Herr, wunderbar sind deine Werke. (Psalm 139)⁠

katholisch.de, im zitierten Psalm 139 erfahren wir auch mehr darüber, dass die Einbildung, das Werk eines bestimmten Gottes zu sein, bei dem, der das behauptet zu “Hass mit tödlichem Hass” Glaubensfreien und Andersgläubigen gegenüber führt:

Möchtest du doch die Frevler töten, o Gott! Und ihr Männer der Blutschuld, weichet von mir! Sie, die von dir mit Arglist reden,mit Falschheit reden als deine Widersacher. Sollt’ ich nicht hassen, die dich, HERR, hassen, nicht verabscheun, die sich erheben gegen dich? Ja, ich hasse sie mit tödlichem Haß: als Feinde gelten sie mir. (Psalm 139, 19-22 MENG)

Dummerweise sind ja nun aber auch alle glaubensfreien und andersgläubigen Menschen genauso “wunderbar” gestaltet. Aber auch dafür hat die Bibel eine Erklärung parat, zu finden in dem Abschnitt, aus dem der Halbsatz des heutigen Memes herausgepickt wurde:

Wenn auch die Frevler sprießen wie Gras, wenn alle, die Unrecht tun, blühen – dann nur zur Vernichtung für immer. Aber du bist erhaben, o HERR, auf ewig. Doch siehe, HERR, deine Feinde, doch siehe, deine Feinde gehen zugrunde, zerstreut werden alle, die Unrecht tun. (Psalm 92, 8-10 MENG)

Alle, die sich keinen oder anderen Göttern unterwerfen, hat Gott also nur deshalb so wunderbar geschaffen, dass sie auf ewig vernichtet werden (weil sie sich ihm nicht unterwerfen).

Der als Quelle des Meme fälschlicherweise angegebene Satz lautet:

Der HERR behütet dein Gehen und dein Kommen von nun an bis in Ewigkeit. (Psalm 121,8 EU)

Dazu die Frage: Woran lässt sich diese Behauptung von einer menschlichen Einbildung/Wunschvorstellung unterscheiden?

Bonus:
Bibelmeme, die bisher noch nicht von katholisch.de veröffentlicht wurden

Quelle der Bibelzitate: Mengebibel (gemeinfrei)
Bildquelle: Pixabay

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Ein Gedanke zu „Ruft katholisch.de zum Angriffskrieg auf? – Die Goldene Rosine 2019“

  1. Die Goldene Rosine am Band hat sich die Kirche redlich verdient.

    Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass diese Kirche eine langsam sterbende ist, dann sind es diese selbst formulierten, aber als Originale verkauften Bibelverse. Die Methode des Ausschneidens einer gefälligen Wortfolge aus einem Bibelvers, unter Missachtung des oft geradezu gegensätzlichen Sinns des ganzen Bibelverses, ist ja nicht neu. Man kennt das aus vielen Predigten, auch die Leitmotive der Kirchentage bieten da schöne Beispiele extrem verkürzter, aber nützlich interpretierbarer Sprüche. Eine Kirche, die sich als Quelle und Bewahrer von Moral aufspielt, zeigt ein weiteres Mal, dass erst die Macht kommt, dann die Moral. Die Macht über die Seelen verliert sie dennoch langsam aber stetig – jedenfalls in den gebildeteren Ländern. Es sind die intellektuellen und moralischen Zumutungen dieser Lehre, die letztlich die Nachdenklicheren unter den Gläubigen, oft genug schon Zweifelnden, auf Distanz zu Kirche und Glauben gehen lassen.

    Die Kirchenoberen sehen das, nicht zuletzt aufgrund der verheerend wirkenden Missbrauchsfälle, natürlich schon längst. Deshalb weichen die Kirchen immer mehr in den politischen Bereich aus, um dort ihre angeblich moralische und gesellschaftspolitische Kompetenz unter Beweis zu stellen. Derzeit bieten sich vor allen an das Eintreten für Flüchtlinge und die Bewahrung der Schöpfung. Bei beiden Themen mischt sie inzwischen ganz offen mit wie eine politische Partei. Dass sie das Bündnis zwischen Thron und Altar schon immer perfekt realisiert hat, wissen wir. Aber dass sie in allen gesellschaftlichen Institutionen fest im Sattel sitzt, ist vielen Bürgern viel zu wenig bewusst. Beispielsweise ist sie verankert in allen Parteispitzen (auch den LINKEN, selbst der Atheist Gysi tönt: Ohne Kirche keine Moral!“), sie besetzt die Führungspositionen fast aller Rundfunk- und Fernsehsender, ist gruppiert als Deutschlands größte Lobbygruppe um den Bundestag und die Landtage und sitzt in der Richterschaft zum Beispiel des Bundesverfassungsgerichts, in dem meines Wissens nicht ein einziger nichtreligiöser Richter amtiert (bei fast 40 Prozent Konfessionsfreien!), aber acht Richter haben höchste Orden der katholischen Kirche für Verdienste um eben jene Institution empfangen.

    Wir beklagen und bekämpfen den politischen Islam, wir sollten das politische Christentum darüber nicht vergessen! Es wird leider noch lange – „Gott-sei-es-geklagt“ – so bleiben.

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