Das Schlimmste überhaupt – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 4 Min.

Das Schlimmste überhaupt – Das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Prof. Julia Enxing aus Dresden, veröffentlicht am 16.4.22 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Frau Prof. Enxing bemerkt selbst, dass ihr biblischer Vergleich hinkt, freut sich aber nichtsdestotrotz über ihre Einbildung, es sei ihr Gott, der ihr Kraft geben würde.

Ihre heutige Verkündigung beginnt Frau Prof. Julia Enxing mit einer minutenlangen Aufzählung verschiedener Situationen, die zeigen, dass der Tod der eigenen Kinder für Eltern „Das Schlimmste überhaupt“ ist.

Den in einer Kirchenwerbesendung quasi unverzichtbaren Bezug zur biblischen Mythologie stellt Frau Enxing über Maria her. Die ja gemäß der biblischen Kreuzigungslegende der inszenierten Hinrichtung ihres Sohnes (oder vielleicht auch dessen Suizid, je nach persönlicher Interpretation) beigewohnt hatte.

Doch hoppla! Da war doch was!

Der Vergleich hinkt?

[…] Und in dem Moment merke ich: Der Vergleich hinkt. Maria hat die Auferstehung ihres Sohnes miterlebt. Sie war die erste am leeren Grab. Sie hat Ostern erlebt, für sie ist die Nacht der Nächte gut ausgegangen.

Nanu, Frau Prof. Enxing? Gemäß des apostolischen Glaubensbekenntnisses haben Sie doch an eine generelle Auferstehung der Toten zu glauben? Und als Katholikin sogar an die leibliche Auferstehung aller Toten?

  • Es bedeutet, dass der endgültige Zustand des Menschen nicht nur die vom Leib getrennte Geistseele betrifft, sondern dass auch unsere sterblichen Leiber einst wieder lebendig werden.
    (Quelle: kathpedia.de: Auferstehung der Toten)

Wenn Sie das wirklich ernsthaft glauben, dann müssten Sie ja eigentlich jeden Verlust geliebter Menschen mit Leichtigkeit wegstecken können. Mehr noch: Das Schlimmste überhaupt müsste demzufolge ja eigentlich das Beste überhaupt sein!

Was sind schon ein paar einsame irdische Jährchen, verglichen zur ewigen (!) himmlischen Herrlichkeit, die man als Katholik:in sogar im eigenen Leib, also wohl auch mit den eigenen Schweißfüßen und dem eigenen Mundgeruch verbringen darf!

…und denke an die Bakterien!

Vorausgesetzt natürlich, dass der liebe Gott daran denkt, bei der leiblichen Auferweckung seiner Anhänger auch die Bakterien wieder mit aufzuerwecken, ohne deren Symbiose menschliche Leiber ja nicht funktionieren würden.

Aber das weiß ein allmächtiger allwissender Gott natürlich bestimmt alles, wenn es ihn geben sollte. Ob die Bakterien von Katholiken auch katholisch sein müssen, wird wohl eine Spezialabteilung des Heiligen Stuhls erst noch erforschen müssen.

Solche Überlegungen klingen bei Licht betrachtet skurril und lächerlich.

Allerdings liegt das nicht an der Fragestellung. Sondern an der Absurdität des Konzeptes einer „leiblichen Auferstehung“ und der sich daraus ergebenden Implikationen. Je ernster man die magisch-mythologischen Aussagen religiöser Glaubenslehren nimmt, desto lächerlicher wird es.

Aus katholischer Sicht erfolgt also irgendwann nach dem Tod die leibliche Auferstehung aller Menschen.

…und wenn sie nicht gestorben sind…

Und während Glaubensfreie und Anhänger anderer Götter wegen ihrer, von der christlichen abweichenden Weltanschauung im Auftrag des „lieben Gottes“ zeitlich unbegrenzt physisch und psychisch bei vollem Bewusstsein und ohne Aussicht auf Begnadigung dauergefoltert werden, verbringen gottgefällige Katholiken ihre Ewigkeit – auch in Gesellschaft mit den Katholiken, die schon vor ihnen gestorben waren.

Eine kleine Unsicherheit bleibt für ungetaufte Kinder, die vor 2007 gestorben waren: Denn erst in diesem Jahr hatte der regierende Papst die Vorhölle für ungetauft gestorbene Kinder von Katholiken abgeschafft.

Was mit den vor 2007 ungetauft gestorbenen Kindern passiert ist, wann genau der Stichtag war und wie sich diese päpstliche Entscheidung auf den weiteren Verbleib dieser Transit-Kinder ausgewirkt hat – auch hier ist wieder die theologische „Forschung,“ also die „Wissenschaft von den Farben und Schnitten der Stoffe von ‚Des Kaisers neuen Kleidern'“ gefragt.

Wir fassen zusammen:

Auch wenn die Vorstellung einer leiblichen Auferstehung bei Licht betrachtet skurril und absurd erscheint, so ist es trotzdem genau das, was der katholische Glauben von seinen Anhängern verlangt zu glauben: Eine leibliche Auferstehung nach dem Tod. Nicht nur für Maria, sondern für alle Menschen.

Innerhalb der katholischen Binnenlogik hinkt dieser Vergleich somit kein bisschen.

Der Vergleich hinkt erst, und dann aber dafür umso mehr, wenn man, wie Frau Prof. Enxing in ihrer heutigen Fernsehpredigt, versucht, religiöse Phantasievorstellungen mit der irdischen Wirklichkeit in einen tatsächlichen Zusammenhang zu bringen.

Und die anderen? Die Trauernden? Die Traurigen? Die Verzweifelten? Wann feiern sie Ostern – das Fest des Lebens, des Lichtes und des Neubeginns? Ich weiß es nicht.

Um das Leben, Licht und einen Neubeginn zu feiern, braucht es keine Kreuzigungs- und Auferstehungslegenden. All das haben Menschen wohl schon immer gefeiert – Jahrhunderte und Jahrtausende, bevor Jahwe & Sohn überhaupt erfunden waren, Frau Prof. Enxing.

Um Trauer und Verzweiflung bewältigen zu können, muss man überhaupt kein Ostern feiern. Deshalb ist die Frage, wann traurige Menschen Ostern feiern für mich auch irrelevant. Weil ich die christliche Osterlegende genauso wenig für tröstlich oder hoffnungsvoll halte wie vergleichbare Legenden aus beliebigen anderen Mythologien.

Vom subjektiven Erleben zur (falschen) Existenzaussage in nur 3 Sätzen

Aber ich erlebe: Ostern kann Kraft geben. Auch ich kann – trotz der dunklen Nächte – im Jahr 2022 davon zehren, dass Jesus auferstanden, am Morgen wiederaufgestanden ist. Ja, es gibt eine Kraft Gottes, die auch mich immer wieder auf die Füße stellt. Diese (zarte) Ostererfahrung wünsche ich Ihnen von Herzen.

In typisch theologisch-rhetorischer Manier kaschiert Frau Prof. Enxing hier in nur wenigen Zeilen den Umstand, dass ihr persönliches Krafterlebnis keineswegs belegt, dass ein Mensch tatsächlich irgendwann mal wie in der Bibel behauptet nach seiner Ermordnung wiederauferstanden ist.

Und genausowenig folgt natürlich aus ihrem subjektiven Erleben, dass es, wie von Frau Prof. Enxing behauptet, „eine Kraft Gottes“ tatsächlich gibt, „die auch mich immer wieder auf die Füße stellt.“

Redlicherweise könnte sie etwa schreiben, dass sie sich das vorstellt, ganz dolle wünscht oder einbildet.

Eine nicht belegte oder belegbare Existenzbehauptung wie „es gibt diese Kraft“ ist bis zum Beweis des Gegenteils eine Lüge, wenn sie, wie hier, wie eine Tatsache behauptet wird.

Zu Ostern: Ein Placebo-Ei

Diese „Ostererfahrung“ ist bis zum Beweis des Gegenteils nicht von einer rein menschlichen Wunschvorstellung oder Einbildung zu unterscheiden. Sie ist somit genauso „zart“ wie ein Placebo-Effekt eben üblicherweise bestenfalls sein kann.

Leider verrät Frau Prof. Enxing nicht, was genau an der biblischen Auferstehungslegende denn für jemand, deren oder dessen Kind vielleicht gerade verstorben ist nun eigentlich tröstlich sein soll.

Ich fände es interessant zu erfahren, wie sie sich konkret das vorstellt. Vielleicht so: „Der Tod meines Kindes ist nicht so schlimm, weil ich ja an einen Gott glaube, der Tote wieder zum Leben erweckt?“

Sowas kann doch niemand mehr ernsthaft glauben!?

…jedenfalls nicht im 21. Jahrhundert und nicht mit einem Prof. im Namen, vermutlich aufgewachsen in einem Industriestaat mit Schulpflicht?

Zumindest gibt es Menschen, die sich mit solchen Botschaften vor eine Fernsehkamera des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stellen. Offenbar ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass man ihnen nach solchen Aussagen bestenfalls einen nicht unerheblichen Realitätsverlust unterstellen kann.

Besonders fragwürdig erscheinen mir diese Fiktionen, wenn ich mir vorstelle, wie sie wohl auf Menschen wirken, die womöglich gerade tatsächlich „das Schlimmste überhaupt“ erleben mussten. Die ihr Kind durch eine Krankheit, einen Unfall oder durch einen Suizid verloren haben.

Und denen Frau Prof. Enxing jetzt voller Gottvertrauen zuruft: – – – ja, was denn nun eigentlich genau?

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3 Gedanken zu „Das Schlimmste überhaupt – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. Tja, so isses, die Leute, die tatsächlich den Verlust eines geliebten Menschen betrauern, haben halt nicht fest genug geglaubt und sollten sich deswegen schämen…wie können die es nur wagen, jede vergossene Träne ist die pure Blasphemie, das leugnen der Auferstehung, des eigenen Glaubens…

    Zurück zur Realität:

    Warum sehen wir bei christlichen Bestattungen nur lange Gesichter?!
    Eigentlich müssten die jedes mal ein wildes, vergnügtes Freudenfest feiern, sobald einer/e abtritt:

    „Jahoo, er hats geschafft, er/sie ist im Paradies, Endziel erreicht!!!“

    Sind die ganzen „Gläubigen“ in echt etwa doch nur rational denkende Menschen, die wissen, was Verlust bedeutet und nur ein seit Kindheit eingeimpftes Märchen benutzen, um für kurze Zeit die Realität, das Leben selbst. auszublenden?!

    (Ich brauch jetzt mein Opium, aber das Volk kriegt nichts von…)

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  2. Das einzige, was mir zu so einem WzS noch einfällt:

    Und in dem Moment merke ich: Die Tochter des Müllers hat miterlebt und mit eigenen Augen gesehen, dass Rumpelstilzchen aus Stroh Gold gesponnen hat. Sie hat das Märchen selbst erlebt und für sie ist alles gut ausgegangen. Aber wir anderen? Wie sollen wir zu Gold kommen? Ich weiß es nicht – aber der Gedanke an Rumpelstilzchen gibt mir sehr viel Kraft, damit zu leben …

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  3. So ein Irrsinn,
    in Deutschland bekommt man für völlig sinnentstelltes Geschwätz, fern der Realität, eine Professur.
    Die Religion ist tatsächlich der „Parasit am Tisch der Wissenschaften“.
    Das Schlimmste ist, wir müssen die Ausbildung dieser Schwurbler* innen (von alleine kommt man ja nicht auf so einen Unsinn) zu solchem Geschwätz auch noch bezahlen.

    Der absolut Gipfel des Wahnsinns, wir müssen uns das weinerliche, sinnfreie religiöse Geseier auch noch im öffentlich rechtlichen Programm anhören.

    Zum großen Glück, gemessen an den Austrittszahlen, verstehen immer mehr Menschen was uns da so an Blablablablablub aufgetischt wird.
    Auch dieser Gott wird den Weg allen Irdischen gehen, in der Bedeutungslosigkeit versinken und sterben. Wie so viele vor ihm.

    Bis dahin, wenn religiöse anfangen zu Schwurbel, einfach nach „Grüß Gott“ die Ohren auf Durchzug stellen um die Synapsen zu schonen.

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