Drei Finger – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 6 Min.

Drei Finger – das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Annette Behnken, veröffentlicht am 27.1.24 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Ihre Bestürzung über den gerade bekannt gewordenen Umstand, dass es auch in der evangelischen Kirche tausende Fälle systematisch vertuschter sexualisierter Gewalt gegen Kinder gab und gibt ist für Frau Behnken offenbar kein Grund, diese Kirche mit sofortiger Wirkung zu verlassen.

Ich bin als Pastorin und Christin für eine andere Kirche angetreten. Eine Kirche, die ihrem Auftrag vom Evangelium her gerecht wird, Menschen zu schützen. Zufluchtsort zu sein. Wo wir sicher und geborgen sein, uns öffnen und anvertrauen können. Ein Ort, an dem ich nicht kämpfen muss, um gehört und gesehen zu werden. An dem ich Solidarität und Segen erfahre. Das ist mir heilig.

Wenn das so ist, dann sollte ja spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen sein, sich von dieser Wunschvorstellung im wahrsten Sinn des Wortes zu ent-täuschen. Und zwar mit allen Konsequenzen.

Wer hat uns verraten…?

All das wurde verraten. Mit jedem Menschen, der in kirchlichem Kontext Missbrauch und sexualisierte Gewalt erleiden musste.

(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Drei Finger – Wort zum Sonntag, verkündigt von Annette Behnken, veröffentlicht am 27.1.24 von ARD/daserste.de)

Nein, Frau Behnken. Ihre Kirche wurde nicht mit den Opfern verraten. Sondern von den kirchlich angestellten pädokriminellen Sexualstraftätern unter Ihren Glaubens- und Berufskollegen. Die ihre besondere Vertrauensstellung und den Schutz durch ihre Kirche für ihre Verbrechen ausnutzten.

Mit allem, was Missbrauch ermöglicht, Personen, Strukturen und Netzwerke. Macht. Angst. Bequemlichkeit. Mit jedem Fall, der verschwiegen, vertuscht, bagatellisiert wurde.

Nochmal: Nicht die Fälle oder Methoden sind die Verräter. Sondern die Straftäter, die die Straftaten (direkt und indirekt) begangen haben und sicher auch heute noch begehen.

Es waren und sind Menschen, die – aus verschiedenen Gründen und unter anderem durch die Schaffung von Strukturen und Netzwerken – diese Straftaten ermöglicht haben und ermöglichen. Frau Behnken wird gleich noch konkreter, aber trotzdem sei auf diese sprachliche Nuance hingewiesen.

Welche Rolle spielt der/die/das Zölibat?

Die Täter: Fast nur Männer, meist Ende dreißig und verheiratet. Pfarrer, Mitarbeitende, die ihr Amt, ihre Rolle ausnutzten. Menschen, meist Kinder und Jugendliche verwundet haben an Leib und Seele, oft für ihr ganzes Leben.

Im Zusammenhang mit dem Skandal sexualisierter Gewalt gegen Kinder durch katholische Priester wurde und wird auch immer wieder die Frage gestellt, inwieweit ein Zusammenhang zwischen dem Außmaß dieses Skandals und dem Zölibat bestehen könnte.

Schon allein die bisherigen Erkenntnisse bezüglich des selben Skandals in der evangelischen Kirche zeigen, dass Kinder in den Händen evangelischer verheirateter Pastoren keineswegs sicherer sind als in denen von katholischen, zölibatären Priestern. Deshalb gilt der Appell auch weiterhin und jetzt erweitert:

  • Eltern,
    gebt eure Kinder nicht den Kirchenangestellten,
    egal, ob sie sich Pastor, Pfarrer oder Priester nennen.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt?

Und häufig konnten die Täter immer weiter machen. Weil die, die was wussten, geschwiegen haben. Weil Vorgesetzte sie „strafversetzt“ haben, in andere Gemeinden, wo sie weitergemacht haben. Weil viele was geahnt, aber nur wenige was gesagt haben. Weil den Betroffenen nicht geglaubt wurde. Bis zu sieben Mal müssen Betroffene sexualisierter Gewalt ihre Geschichte erzählen, bis sie auf jemanden treffen, der ihnen glaubt.

Konnten…?

Klar: Die gerade veröffentlichte ForuM-Studie zum Missbrauch in der evangelischen Kirche, in der von mindestens 2.225 Betroffenen und 1.259 mutmaßlichen Tätern die Rede ist und die Frau Behnken in die zwispältige Situation gebracht hat, sich heute dazu im „Wort zum Sonntag“ äußern zu müssen, ohne mit sofortiger Wirkung ihre Kirchenmitgliedschaft zu beenden, bezieht sich auf Fälle in der Vergangenheit.

Aber: Gibt es denn belastbare, glaubwürdige Belege dafür, dass dieser Skandal bereits beendet ist? Das Gegenteil ist der Fall. Schon allein aufgrund der von den Experten vermuteten riesigen Dunkelziffer („Die am Donnerstag in Hannover vorgestellte Studie geht von Tausenden Betroffenen aus.“, „…Spitze des Eisbergs…“, Quelle) gibt es keinen Grund zur Annahme, mit der Aufdeckung von Fällen in der Vergangenheit sei die Gefahr bereits gebannt.

Die Spitze der Spitze des Eisberges

So wie sie, von der mir gerade erst erzählt wurde:

Es hat lange gedauert, bis sie darüber sprechen konnte, was damals war. Als sie sechzehn oder siebzehn war. Er war väterliche Vertrauensperson für sie. Pastor in der evangelischen Kirchengemeinde. Als sie von ihm schwanger wurde, sorgte er dafür, dass sie das Kind abtrieb und beendete den Kontakt. Für sie folgte der emotionale Absturz. Und lebenslang immer wieder das Gefühl von Scham. Nichts wert zu sein. Nicht vertrauen zu können.

Der Kollege hat seine Macht missbraucht. Und ihr Vertrauen missbraucht. Und sonntags dann wieder auf der Kanzel gestanden und gepredigt. Zur Verantwortung wurde er nie gezogen. Ein Fall von vermutlich Tausenden, die nie gemeldet wurden. Die Spitze der Spitze des Eisberges, sagen die Forscher.

Wer es berufsbedingt schon gewohnt ist, Menschen ein magisch-mythologisches, rein fiktives Weltbild als reale Wahrheit zu verkaufen, dem kommt die dafür erforderliche eigene intellektuelle Unredlichkeitstoleranz sicher auch zugute, wenn es darum geht, mit den gleichen Methoden das Leid zu vertuschen, das man kurz zuvor noch einem anderen Menschen zugefügt hatte.

Gesündigt – na und?

Und sollte sich bei Frau Behnkens Berufs- und Glaubenskollegen doch jemals so etwas wie ein Gewissen geregt haben, so kann er nach jeder Vergewaltigung eines Kindes auf Bibelstellen wie diese zurückgreifen, um sich eine, wenn auch nur imaginäre und deshalb wertlose Vergebung einzubilden:

  1. Meine Kindlein, dieses schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Sollte aber jemand (trotzdem) sündigen, so haben wir einen Fürsprecher beim Vater, nämlich Jesus Christus, den Gerechten.
(1.Johannes 2,1 MENG)

Praktisch für christliche Täter, fatal für deren Opfer.

Somit machen sich, nebenbei bemerkt, auch alle jene Menschen mitschuldig, die sich – und sei es noch so gut gemeint und mit noch so integren Absichten – dafür engagieren, dass die „Heilige Schrift“ und die auf ihr basierende Kirche nach wie vor von vielen Menschen als überlegene, zumindest aber relevante, annerkennenswerte Moralquelle angesehen werden.

Hohe Kosten für die Kirche

All das kostet meine Kirche eine Menge Vertrauen und viele Kirchenmitglieder. Das ist kein Grund zu jammern. Ich kann es so gut verstehen. Die Wut, die Enttäuschung, den Vertrauensverlust.

Na hoffentlich. Während es bisher immer hieß, man solle sich schämen, wenn man die katholische Kirche als zahlendes Mitglied unterstützt, gilt dies spätestens jetzt genauso auch für die evangelische Kirche.

Es wird eine Menge Geld kosten. Zu Recht. Die Zahlungen nehmen niemandem den Schmerz, aber sie erkennen das Leid an – und das kann und darf nicht billig sein. Wer moralisch so kurz vorm Bankrott steht, sollte vor dem finanziellen keine Angst haben.

Och, Frau Behnken. Am Geld wirds nicht scheitern. Allein die Kirchensteuer 2022 hatte 6,24 Milliarden Euro (Quelle) in die evangelische Kirchenkasse gespült. Selbst wenn wir von 5000 Opfern ausgehen, wären das immer noch 1.248.000 Euro pro Person. Nur um mal die Größenverhältnisse zu umreißen, um die es hier geht…

Eine „Menge Geld“ ist zudem relativ. Erstmal kommt es darauf an, wie konsequent die Strafverfolgung durchgeführt wird, wie „gut“ die Vertuschung durch die evangelische Kirchenleitung funktioniert (hat) – und natürlich, wie hoch die Forderungen der Opfer ausfallen.

Frau Behnken, wie hoch müsste Ihrer Meinung nach die Summe sein, damit sie für die Zerstörung einer Persönlichkeit durch sexuellen und anderen Missbrauch „nicht billig“ ist?

…bleibt wohl nichts anderes übrig

Meine Kirche wird die Prävention verbessern müssen. Und dafür sorgen, dass ein Null-Toleranz-Maßstab gilt.

„Wird… müssen“ bestätigt meine schon geäußerte Befürchtung, dass zum heutigen Zeitpunkt noch keinesfalls davon ausgegangen werden kann, dass es in der evangelischen Kirche ein funktionierendes Präventionskonzept oder einen Null-Toleranz-Maßstab gibt.

A propos Null-Toleranz-Maßstab: Welcher Maßstab galt bzw. gilt denn bisher, was den Umgang mit kirchlichen pädokriminellen Sexualstraftätern angeht?

Unabhängige Profis

Und weiter aufarbeiten, was war und wie es dazu kommen konnte. Nicht allein, sondern mit Hilfe unabhängiger Profis: Wer sind die Täter und wer sind die, die sie nicht verfolgt haben und sie weitermachen ließen. Betroffene haben ein Recht auf die Wahrheit und auf Gerechtigkeit.

Vor allem haben Betroffene ein Recht auf konsequente Strafverfolgung durch unabhängige Profis, namentlich: Die Staatsanwaltschaft.

Und gleichzeitig gilt es, jetzt erst recht genau zu prüfen und neu zu beurteilen, ab welchem Punkt das Recht der Kirchen, ihre „Angelegenheiten“ selbst zu regeln nicht mehr greifen kann und darf. Angelegenheiten, die den Umfang dieses Rechtes in Frage stellen, liegen ja jetzt tausendfach auf dem Tisch.

Und: Betroffene können und sollen sich unbedingt weiter melden, damit das ganze Ausmaß deutlich wird. Zum Beispiel auf der Internetseite „anlaufstelle.help„.

Wir fangen gerade erst an und müssen weitermachen und nicht aufhören, unsere Schuld anzuerkennen und aus ihr zu lernen.

Keine gesegnete Nacht diesmal…?

Drei Finger?

Drei Finger

Was sich mir trotz mehrfachen Durchlesens diesmal nicht erschlossen hat, ist ein Zusammenhang zwischen der Überschrift und dem heutigen Thema.

Vielleicht wollte Frau Behnken ursprünglich über das Drei-Finger-Handzeichen der Pfadfinder plaudern und hatte dann vergessen, die Überschrift zu aktualisieren. Falls das zutreffen sollte, erscheint die Überschrift im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal der evangelischen Kirche besonders zynisch, wenn man bedenkt, was es mit der Geste auf sich hat:

  • Die drei Finger stehen für die drei Dinge, die den Pfadfindern besonders wichtig sind: Sie symbolisieren den Respekt und die Verantwortung gegenüber Gott, der Gruppe und der eigenen Person, beziehungsweise gleichzeitig auch dem Pfadfinderkodex.
  • Dies sind die drei Grundpfeiler des Versprechens, das jeder Pfadfinder und jede Pfadfinderin ablegen muss. Nämlich nach dem Glauben an Gott zu handeln, Hilfsbereitschaft gegenüber seinen Mitmenschen zu zeigen und nach den Regeln der Gemeinschaft zu leben.
(Quelle: focus.de: 3-Finger-Zeichen: Diese Bedeutung hat es)

Was auch immer Frau Behnken mit „Drei Finger“ gemeint haben mag: Mir genügt bei diesem Thema ein einziger Finger, um meine Empfindung zum Ausdruck zu bringen.

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7 Gedanken zu „Drei Finger – Das Wort zum Wort zum Sonntag“

  1. „Eine Kirche, die ihrem Auftrag vom Evangelium her gerecht wird, Menschen zu schützen. Zufluchtsort zu sein.“

    Die MAFIA ist in ihrem selbst erwählten Auftrag auch angetreten, Menschen zu schützen…
    Stichwort: SCHUTZGELDERPRESSUNG und SCHWEIGEGELDZAHLUNG!
    Läuft bei den Kirchen ja ähnlich…
    Stichwort: KIRCHENSTEUER und ABFINDUNGSZAHLUNG!

    Ein Schelm wer böses dabei denkt und Parallelen aufzeigt…

    Man spürt die von ihrer Indoktrination hervorgerufene Verblendung bzw. Angst bei Frau Behnken förmlich, dass sie es nicht wagt, hier klar Ross und Reiter zu benennen, sondern die Opfer dafür herhalten müssen.
    „All das wurde verraten. Mit jedem Menschen, der in kirchlichem Kontext Missbrauch und sexualisierte Gewalt erleiden musste.“
    Diese Formulierung ist so derartig WIDERLICH, dass ich grade meinen Monitor angebrüllt habe: „Was zur Hölle geht denn bei dir ab du ekelhafte D****S*U???!!!“

    So das wars erstmal von meiner Seite.
    Falls mich jemand sucht, ich unterhalte mich im Badezimmer gerade intensiv mit dem Kanalarbeiter, während ich dabei zwei ausgestreckte Mittelfinger in die Luft halte, um damit meiner Empörung Luft zu machen!

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  2. In der Tat habe auch ich den Zusammenhang mit den drei Fingern im Text vergeblich gesucht.
    Wird wohl ein redaktionellen Versehen gewesen sein, das durch die Schockwelle der Offenbarung dieser Untersuchung verursacht worden sein könnte. 😉

    Obwohl das Ganze eigentlich vorhersehbar war, denn erstens gab es auch in der Vergangenheit schon zahlreiche an die Öffentlichkeit gebrachte Fälle von Missbrauch in der Evangelischen Kirche – nur nicht so zahlreich wie in der RKK, und zweitens ist Pädophilie ja nicht den katholischen Tätern allein vorbehalten; denn es kommt ja nicht auf die Denomination einer religiösen Vereinigung an, sondern auf deren moralisch gerechtfertigte Machtstruktur. Und die ist den beiden Konfessionen ähnlich immanent.
    Auch andere Religionen werden da keine Ausnahme machen. Nur deren Vertuschungsstrategien und Drohpotenziale mögen heute noch effizienter und intakter sein als bei der christlichen. Die sind ja weitest gehend von einer Aufklärung noch „verschont“ geblieben.

    Was mir aber noch zum allgemeinen Geisteszustand der Evangelischen Kirche einfällt ist deren seinerzeitiger Kommentar zu den letzten katastrophalen Austrittszahlen 2022, in denen sie sich darüber beklagte, dass sie von den Ausgetretenen sozusagen in Mithaft für die Missbrauchsskandale der RKK genommen würde.
    Da hat Frau Behnken vermutlich heftig mitgenickt.

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  3. Wie wäre es denn, wenn Frau Behnken und die anderen WzS-Darsteller ihre eigene Rolle im Missbrauchsskandal untersuchen und aufarbeiten würden?

    Wer zeichnet denn jeden Samstag ein grotesk kitschiges Bild der christlichen Religion und deren Kirchen? Wer hat denn die ganze Zeit daran mitgearbeitet, dass viele Gläubige ihr Vertrauen in die Repräsentanten dieser moralisch korrupten Institutionen nicht verloren und nicht einmal hinterfragt haben? Wer hat denn diesen unsäglichen Propaganda-Schutzschild vor den ganzen schrecklichen Übelständen aktiv aufgebaut und ausgestaltet?

    Weg mit dem WzS!

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  4. Die 3-Fingerregel kannte ich bisher nur aus der Physik bzw. Elektrotechnik. Ich versuche mal eine religiöse Analogie:
    1. Finger: der Strom von Indoktrination (möglichst im Kindesalter) und Manipulation (durch Predigten …)
    2. Finger: das dadurch erzeugte naive Gottvertrauen und der Kadavergehorsam Gott gegenüber
    3. Finger: die dadurch erzeugte Bereitwilligkeit, Männer (ggf. auch Frauen) Gottes zu alimentieren, zu verehren und sie mangels Präsenz (und Existenz) des echten Gottes als dessen Stellvertreter zu akzeptieren.
    Eine besonders fiese Art der Indoktrination sind in meinen Augen die sogenannten Kinderbibeln. Sie schildern, mit kitschigsten Bildern illustriert, selbst die schlimmsten Horrorgeschichten der „Heiligen Schrift“ als unleugbare historische Tatsachen, wie z.B. die Sintflut oder den Befehl Gottes an Abraham, seinen Sohn Isaak als Opfer abzuschlachten. Hier wird die Basis gelegt für Kindesmissbrauch als Machtmissbrauch.
    Die EKD gibt unter der Website https://kindergottesdienst-ekd.de/ Hilfen für den Bibelunterricht für Kinder. Wer immer wissen möchte, was unter „Geistlichem Missbrauch“ zu verstehen ist, möge sich diese Seite „zu Gemüte führen“: https://www.derkindergottesdienst.de/geschichten/01archenoah.htm
    Hier wird auch die Basis gelegt für die „irre Egozentrik“ der Gläubigen, denen schon im Kindesalter beigebracht wird: Hauptsache, Gott liebt DICH und Hauptsache DU wirst gerettet, weil DU ja Gott ganz doll lieb hast. Selbst Kinder, die noch in den Windeln liegen oder noch gar nicht geboren sind, sind ja GANZ SCHLECHTE Menschen und gehören ersäuft.

    Den Anfang gebe ich hier mal vollständig wieder:
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    Arche Noah (Die Sintflut) Bibeltext: 1. Mose 6,5 – 9,19
    Lehre: Gott will uns Menschen retten.
    Bibelvers: 1. Tim 2,4 (Elb): [Gott] will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
    Poch, poch, poch. Immer wieder hörten die Leute die Schläge des Hammers. Einige schüttelten den Kopf. „Noah ist doch verrückt geworden“, schimpften sie. Sie konnten Noah wirklich nicht verstehen. Wieso baute er hier ein so großes Schiff. Hier gab es doch gar kein Wasser.
    Noah war nicht verrückt. Noah hörte auf Gott. Gott hatte gesagt: „Noah, baue ein großes Schiff!“ Und deshalb baute er jetzt ein großes Schiff. Noah liebte Gott, aber die anderen Menschen liebten Gott nicht. Sie hörten nicht auf Gott und sie taten viele schlechte Dinge. Gott sah es und er war sehr traurig darüber. Gott ist heilig. Das bedeutet, dass er nie etwas Schlechtes tut oder überhaupt denkt. Gott kann Sünde, also all die schlechten Dinge, nicht zulassen. Doch die Menschen waren ganz schlecht. Es gab Mörder und Diebe und Lügner. Es war ganz schlimm auf der Erde. Keiner war gut, nur Noah glaubte an Gott.
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    Wem ist noch nicht schlecht von soviel kindischem (nicht kindlichem !) Gesülze ?
    Welche Lehren muss man tatsächlich aus dem Text ziehen ?
    1. Wer „auf Gott hört“ ist niemals verrückt, egal was immer er da für einen Unsinn hört.
    (Oder was für eine Ungeheuerlichkeit;
    siehe https://www.derkindergottesdienst.de/geschichten/01opferungisaaks.htm : „Bist du bereit,
    Gott zu gehorchen? Ist Gott allein der Herr in deinem Leben? Du kannst Gott vertrauen,
    denn er liebt dich. Deshalb nimm ihn als deinen Herrn an.“)
    2. Dass Gott fast alle seine Geschöpfe
    – einschließlich der Kinder und der ungeborenen Kinder im Mutterleib (!) –
    ersaufen lässt, kann nichts Schlechtes sein, weil Gott ja heilig ist.
    3. Gott kann die schlechten Dinge nicht zulassen. In den folgenden Jahrtausenden offenbar doch !
    4. Die Menschen waren (und sind !?) ganz schlecht. Nicht NUR die Mörder, Diebe und Lügner !
    5. Nur wer an Gott glaubt, ist gut. Wer Gott nicht liebt, ist schlecht.
    („Keiner war gut, nur Noah glaubte an Gott.“ !!!)

    Wer den ganzen Text nicht lesen will, hier die Zusammenfassung:
    «
    Gliederung
    Lehre: Gott will uns Menschen retten.
    Anwendung: Bitte Gott, dir deine Sünden zu vergeben.
    Einleitung: Poch, poch, poch. Immer wieder hörten die Leute die Schläge des Hammers.
    • Gott ist traurig über die Sünden der Menschen.
    ◦ Gott ist heilig und muss Sünde bestrafen.
    • Noah glaubte an Gott.
    • Gott kündigt Noah die Flut an und beauftragt ihn, die Arche zu bauen.
    • Noah beginnt zu bauen.
    • Die anderen Menschen lachen ihn aus.
    ◦ Wir sind auch in Gefahr, aber Gott will uns retten.
    • Noah glaubte Gott und baut die Arche nach Gottes Plan.
    ◦ Gott will dich retten, glaubst du Gott?
    • Die Arche ist fertig. Die Tiere kommen in die Arche.
    • Gott schließt die Tür zu.
    • Die Flut kommt, aber Gott rettet Noah in der Arche.
    ◦ Jesus ist unsere Rettung. Bitte ihn um Vergebung deiner Sünden.
    • Nach 150 Tagen beginnt das Wasser zu sinken.
    • Die Arche strandet auf dem Berg Ararat.
    • Noah lässt einen Raben und dann eine Taube fliegen.
    • Nach einem Jahr gehen alle aus der Arche heraus.
    • Noah dankt Gott für die Rettung.
    ◦ Dankst du Gott für deine Rettung?
    • Der Regenbogen ist ein Zeichen für Gottes Versprechen, keine Flut mehr zu schicken.
    Schluss: Wenn du einen Regenbogen siehst, dann erinnert er dich daran. Daran, dass Gott versprochen hat, dass es nie wieder eine so große Flut geben wird. Aber auch daran, dass Gott dich retten will, weil er dich liebt.
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  5. Hach was hab ich damals als kleiner Junge (8) mich in meine Kinderbibel vertieft und inbrünstig auf Knien gebetet…

    Mein Stiefvater der alte Katholik war mächtig stolz auf mich…

    Stunden-, ja tagelang hab ich in meiner naiven Kindlichkeit den „Herren“ angefleht, er möge mich bitte vor den Schlägen und Misshandlungen eben dieses Mannes erretten…

    Als sich nach Monaten keine Besserung einstellte, wusste ich endlich, was der Spruch:
    „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“ bedeutet.

    Ich habe dieses verdammte Buch weggeworfen, bin aufgestanden und begann mich, wenn auch aussichtslos unterlegen, zu wehren…

    Hat ca. 2 Jahre gedauert, dann war ihm ein wehrhaftes Opfer zu anstrengend und die Prügel liessen langsam nach!

    Möge ihm die Angst ein treuer Begleiter sein…
    Denn man trifft sich meistens unverhofft!!!

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