Gedanken zum Impuls von Stadtpfarrer Stefan Buß: Sternsinger: „Nein zur Kinderarbeit – Ja zu einer guten Zukunft für alle Kinder“, veröffentlicht am 10.1.26 von osthessen-news.de
Darum geht es
Die Sternsinger-Aktion instrumentalisiert Kinder für religiöse Missionierung, während sie vorgibt, gegen deren Instrumentalisierung zu kämpfen, monopolisiert ein säkulares, humanistisches Anliegen durch theologische Überhöhung und entpuppt sich als zynische Heuchelei einer milliardenreichen Institution, die lieber Kinder betteln schickt, als selbst zu zahlen.Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda nutzt die diesjährige Sternsinger-Aktion, um auf das wichtige Thema Kinderarbeit aufmerksam zu machen. Doch bei aller Anerkennung für soziales Engagement offenbart sein Text exemplarisch, wie die Kirche auch humanitäre Anliegen zur religiösen Missionierung instrumentalisiert, dabei problematische Botschaften transportiert und Laien-Engagement als kirchliches Propagandamittel einsetzt.
Das Gute vorweg: Ein wichtiges Anliegen
Gegen Kinderarbeit einzutreten ist zweifellos richtig und notwendig. Die erschreckenden Zahlen von Kindern, die weltweit ausgebeutet werden, verdienen Aufmerksamkeit. Dass Kinder Bildung, Spiel und Entwicklungschancen statt Ausbeutung verdienen, ist ein universelles humanistisches Anliegen, das Unterstützung braucht.
Die Problematik: Religiöse Vereinnahmung und Doppelmoral
1. Instrumentalisierung von Kindern für religiöse Zwecke
Der Widerspruch ist (außer offenbar für Berufschristen) kaum zu übersehen: Ein Text, der sich gegen Kinderarbeit ausspricht, nutzt gleichzeitig Kinder systematisch für religiöse Hausbesuche. Kinder ziehen als „Sternsinger“ von Tür zu Tür, um religiöse Botschaften zu verbreiten und Spenden zu sammeln.
Man mag einwenden, dies geschehe freiwillig und nicht unter Zwang. Doch die Frage bleibt: Ist es ethisch vertretbar, Kinder als „Botschafter“ für eine religiöse Institution einzusetzen, während man gleichzeitig deren instrumentelle Ausnutzung in anderen Kontexten kritisiert? Die Grenze zwischen sinnvoller Partizipation und subtiler Instrumentalisierung ist fließend – besonders wenn Kinder in religiöse Rollen gedrängt werden, bevor sie diese weltanschaulich reflektieren können.
2. Monopolisierung von Ethik durch Religion
Buß schreibt: „Das ist nicht gerecht. Das ist nicht Gottes Wille.“ Hier zeigt sich ein klassisches Muster: Menschenrechte und ethische Grundsätze werden religiös begründet, als bräuchte es einen Gott, um Kinderarbeit als falsch zu erkennen.
Die Würde des Menschen und die Rechte von Kindern sind keine religiösen Konzepte – sie sind das Ergebnis aufklärerischen Denkens und humanistischer Philosophie. Die UN-Kinderrechtskonvention wurde nicht von Theologen, sondern von säkularen Institutionen entwickelt. Man braucht weder Bibel noch Jesus, um zu verstehen, dass Ausbeutung von Kindern moralisch verwerflich ist.
Durch den Umstand, dass weder göttlicher Wille, noch der Glaube an diesen Gott und natürlich auch weder die Bibel noch Jesus Kinder davor bewahren, von katholischen Priestern unter dem Schutz der katholischen Kirche mindestens vieltausendfach über mindestens viele Jahrzehnte hinweg vergewaltigt zu werden, liefert die katholische Kirche selbst den deutlichsten Beweis ihrer heuchlerischen und zynischen Amoral, die sich seit dem Bekanntwerden des Skandals mit der schleppenden Aufarbeitung fortsetzt.
Auch die ausgerechnet vom langjährigen „Sternsinger-Präsident“ Winfried Pilz verübten Sexual-Verbrechen standen offenbar nicht im Widerspruch zu „Gottes Wille“:
Er war einer der Großen der katholischen Jugendarbeit: Als Seelsorger und Präsident der Sternsinger prägte Winfried Pilz über Jahrzehnte die Kirche. Nun ist bekannt geworden: Zur selben Zeit, als er das Lied „Laudato si“ dichtete, missbrauchte er einen Mitarbeiter – und es gibt weitere Vorwürfe.
(Quelle: katholisch.de: Neuer Missbrauchsverdacht gegen „Laudato si“-Schöpfer Winfried Pilz)
Was sagt das aus über die Brauchbarkeit eines angeblich göttlichen Willens oder von „heiligen Schriften“ als Moralquelle?
3. Selektive Bibelauslegung
Der Verweis auf Jesu Worte „Lasst die Kinder zu mir kommen“ ist bezeichnend selektiv. Die Bibel legitimiert Sklaverei (1. Petrus 2,18), enthält Passagen über körperliche Züchtigung von Kindern (Sprüche 13,24), fordert die Ermordung widerspenstiger Kinder (5. Mose 21, 18-21) und kennt aus leicht nachvollziehbaren Gründen kein modernes Konzept von Kinderrechten.
Für den biblischen Romanheld Jesus waren Kinder ideale Protagonisten für bedingungs- und kritiklosen Glauben, wie Kleinkinder ihn ihren Eltern entgegenbringen. Genau dieses Verhalten wünschte sich der biblische Jesus von seinen (erwachsenen) Anhängern (Matthäus 18,3).
Dass die Bibelschreiber ihren Jesus in ihren Geschichten Kinder aus diesem oder womöglich auch aus anderen Gründen schätzen ließen, mag sein – aber es waren aufklärerische Denker, Menschenrechtler und säkulare Bewegungen, die Kinderrechte erkämpften, oft gegen den Widerstand kirchlicher Institutionen. Die Kirche als Vorreiterin des Kinderschutzes darzustellen, ist historisch fragwürdig, ganz zu schweigen vom gerade schon erwähnten Missbrauchsskandal.
4. Verantwortungsdiffusion durch religiöse Rahmung
„Kinderarbeit ist nicht Gottes Wille“ – diese Formulierung verschleiert die tatsächlichen Ursachen: Kapitalistische Ausbeutung, globale Ungleichheit, Armut und fehlende staatliche Strukturen. Kinderarbeit ist nicht das Ergebnis göttlicher oder teuflischer Einflüsse, sondern konkreter wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse.
Statt zu theologisieren, wäre es ehrlicher, Ross und Reiter zu nennen: Konzerne, die Profite über Menschenrechte stellen, Regierungen, die versagen, eine globale Wirtschaftsordnung, die Ausbeutung systematisch begünstigt – und Kunden, denen das alles völlig egal sein muss, solange sie Produkte zum Spottpreis bestellen können.
5. Missionierung durch die Hintertür
Die Sternsinger bringen nicht nur Spenden – sie bringen vor allem eine religiöse Botschaft: „Christus mansionem benedicat.“ Wer spendet, bekommt den christlichen Segen quasi frei Haus geliefert.
Für viele Menschen ist dies eine unerwünschte religiöse Belästigung. Warum kann Entwicklungshilfe nicht ohne religiöse Botschaften auskommen? Säkulare Hilfsorganisationen zeigen seit Jahrzehnten, dass effektive humanitäre Arbeit keine Missionierung braucht.
6. Strukturelle Probleme der kirchlichen Entwicklungsarbeit
Die Aufforderung, an die Heimatpfarrei oder das Kindermissionswerk zu spenden, wirft Fragen auf:
- Wie viel der Spenden fließt tatsächlich in konkrete Projekte, wie viel in kirchliche Strukturen?
- Warum werden Spenden nicht direkt an effiziente, säkulare Organisationen empfohlen?
- Welchen Anteil haben missionarische Absichten bei der kirchlichen Entwicklungshilfe?
- Welche mittel- und langfristigen Ziele verfolgt kirchliche Entwicklungshilfe, wie nachhaltig ist diese und an welche Bedingungen ist sie geknüpft?
Die Bezeichnung „Kindermissionswerk“ spricht für sich: Mission steht im Namen. Hilfsbedürftige Kinder als Zielgruppe für Glaubensverbreitung – das hinterlässt einen fahlen Beigeschmack.
7. Der Elefant im Raum: Das Milliardenvermögen der Kirche
Hier offenbart sich der vielleicht zynischste Aspekt der gesamten Aktion: Die katholische Kirche – eine der reichsten Institutionen der Welt mit einem geschätzten Vermögen von mehreren hundert Milliarden Euro allein in Deutschland – lässt Kinder von Tür zu Tür ziehen, um Spenden für notleidende Kinder zu sammeln.
Die nackten Zahlen sprechen Bände:
- Die katholische Kirche in Deutschland verfügt über ein Vermögen, das Schätzungen zufolge zwischen 200 und 500 Milliarden Euro liegt
- Allein die deutschen Bistümer sitzen auf Finanzanlagen und Immobilien in dreistelliger Milliardenhöhe
- Das Bistum Fulda, zu dem Stadtpfarrer Buß gehört, verfügt selbst über erhebliche finanzielle Mittel
- Die Vatikanbank (IOR) verwaltet Vermögenswerte im Milliardenbereich
Die bittere Ironie: Eine Institution, die problemlos aus eigenen Mitteln das weltweite Kinderarbeitsproblem erheblich lindern könnte, schickt stattdessen Kinder los, um die Gläubigen und Bürger um Kleingeldspenden zu bitten. Menschen, die bereits über ihre Kirchensteuer die Institution finanzieren, sollen noch einmal in die Tasche greifen – während die Kirche selbst auf ihren Milliarden sitzt.
Was die Kirche mit einem winzigen Bruchteil ihres Vermögens bewirken könnte: Selbst wenn die katholische Kirche nur 1% ihres geschätzten Vermögens für den Kampf gegen Kinderarbeit einsetzen würde, wären das mehrere Milliarden Euro – ein Vielfaches dessen, was die Sternsinger-Aktion jährlich sammelt (rund 50 Millionen Euro). Damit ließen sich:
- Tausende Schulen in Entwicklungsländern bauen und betreiben
- Umfassende Sozialprogramme für betroffene Familien finanzieren
- Strukturelle Veränderungen in ganzen Regionen anstoßen
Stattdessen: Kinder in Königsgewändern tingeln durch die Straßen, während in Rom und in den Bischofspalästen der Reichtum verwaltet wird. Die Botschaft ist klar: Die Last der Nächstenliebe soll das Volk tragen, nicht die Institution, die sich auf Jesus Christus beruft – jenen biblischen Jesus, der bekanntlich gesagt haben soll: „Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen“ (Mk 10,21).
Die Heuchelei wird besonders deutlich, wenn man bedenkt:
- Die Kirche investiert Milliarden in Immobilien, Wertpapiere und den Erhalt prunkvoller Kathedralen
- Sie nutzt das Geschäftsmodell der Fremdfinanzierung, um die Allgemeinheit zum Beispiel die Ausbildung ihrer Vertriebler und hohe Bischofsgehälter zahlen zu lassen
- Sie leistet sich aufwendige Verwaltungsapparate
- Doch für notleidende Kinder muss das gemeine Volk gebeten werden – von Kindern.
Dies ist nicht Nächstenliebe, sondern Inszenierung. Es ist nicht Solidarität, sondern Symbolpolitik. Und es ist vor allem: zutiefst unehrlich.
Die unbequeme Wahrheit: Wenn die katholische Kirche es mit dem Kampf gegen Kinderarbeit wirklich ernst meinen würde, müsste sie nicht Kinder losschicken, um zu betteln. Sie müsste nur ihre eigenen Tresore öffnen. Dass sie dies nicht tut, entlarvt die Sternsinger-Aktion als das, was sie ist: Eine PR-Maßnahme, die soziales Engagement vortäuscht, während die Institution selbst ihre Verantwortung auf die Gläubigen abwälzt.
Die richtigen Fragen wären:
- Warum finanziert das Bistum Fulda die Bekämpfung von Kinderarbeit nicht aus eigenem Vermögen?
- Warum werden Gläubige, die bereits Kirchensteuer zahlen, zusätzlich um Spenden gebeten?
- Wie rechtfertigt eine milliardenreiche Institution, dass sie Kinder als Spendensammler einsetzt?
- Womit legitimiert die katholische Kirche ihren Anspruch, über eine zumindest theoretisch brauchbare Moralquelle zu verfügen?
Stadtpfarrer Buß schweigt zu diesen Fragen – verständlicherweise. Die Antworten würden das fromme Narrativ empfindlich stören.
Was wirklich helfen würde
Gegen Kinderarbeit helfen keine Gebete und Segen, sondern:
- Politischer Druck auf Regierungen und Konzerne
- Transparente Lieferketten und konsequente Kontrollen
- Faire Handelsstrukturen statt Almosen
- Bildungsinvestitionen in armen Regionen
- Soziale Sicherungssysteme für Familien
- Stärkung säkularer Menschenrechtsorganisationen
All das geht ohne religiöse Überhöhung – und oft sogar besser, weil ohne ideologische Agenda.
Fazit
Stadtpfarrer Buß nutzt ein wichtiges humanitäres Anliegen, um religiöse Botschaften zu verbreiten und die Kirche als moralische Autorität zu positionieren. Dabei wird verschleiert, dass Kinderschutz ein säkulares, aufklärerisches Projekt ist – nicht ein christliches.
Wer Kinder wirklich schützen will, braucht keine Theologie, sondern konkrete politische und wirtschaftliche Maßnahmen. Und wer Kinder respektiert, sollte sie nicht für religiöse Hausbesuche einspannen, während er gleichzeitig deren Instrumentalisierung anderswo kritisiert.
Die Sternsinger-Aktion mag vordergründig gut gemeint erscheinen und von den jungen Akteuren (und deren Eltern) auch gut gemeint sein – doch gute Absichten entbinden nicht von kritischer Reflexion über Methoden, Botschaften, Doppelstandards und die Instrumentalisierung des Engagements für Interessen des Kirchenkonzerns.

















»Die Kirche als Vorreiterin des Kinderschutzes darzustellen, ist historisch fragwürdig, ganz zu schweigen vom gerade schon erwähnten Missbrauchsskandal.«
Und ganz zu schweigen auch von der Jahrhunderte lang von der Kirche geübten Kastration von Knaben, damit sie auch als Erwachsene mit ihren Kinderstimmen Gott loben können !!!
Und was war das doch auch für eine Sünde gegen „DAS LEBEN“ ! Analog zum Wüten der Kirchenfürsten gegen alle Formen der Empfängnisverhütung muss man das als Mord werten.
Ȇbersicht mit KI
Kastraten (männliche Stimmen, die durch Kastration vor der Pubertät eine hohe Stimmlage behielten) waren über Jahrhunderte prägend für die Kirchenmusik, insbesondere in der päpstlichen Kapelle und italienischen Chören, bis Papst Pius X. ihre Rolle 1903 durch ein Verbot effektiv beendete, wobei Alessandro Moreschi der letzte bekannte war. Sie wurden eingesetzt, um die hohen Sopran- und Alt-Partien zu besetzen, da Frauen der Kirchengesang verboten war, und erreichten in der Barockzeit große Berühmtheit, bevor ihre Stimmen durch moderne Technik (Countertenöre, Digitaltechnik) ersetzt wurden.«
1903 !!!
„Aber die Kinder singen doch so schön, da muss man was geben. Und ausserdem ist das ja alles für einen guten Zweck.“
(O-Ton, meine Oma (R.I.P))
Dass Christentum was gutes sei, und die Kirche nur gutes tut, Gott die Liebe in Person ist, das kriegt man nicht mehr aus den Köpfen der seit Generationen indoktrinierten, egal wie und womit man es versucht.
Zum Glück ist die „Glaubesapathie“ mittlerweile zum Selbstläufer geworden und junge Menschen lassen sich nicht mehr einfach so hanebüchene Märchen aufzwingen.
Ohne direkte Gewalteinwirkung hat die Kirche keine Chance mehr, ihre einstige Autorität aufrecht zu erhalten.
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der ganze Spuk ein Ende hat.
Wo steht in der Bibel, dass Jesus sich explizit gegen Kinderarbeit ausgesprochen hätte.
Und sag mir keiner, in der Antike hätte es keine Kinderarbeit gegeben!
Wahrscheinlich war Jesus selbst Opfer von Kinderarbeit, falls man mal einfach annimmt, am Leben Jesu wär was Wahres dran.
Die schlimmste Kinderarbeit, die man sich vorstellen kann, ist Kinder zu Soldaten abzurichten, damit sie sich für eine Ideologie oder gar nur für die Interessen eines kruden Potentaten opfern. Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor, Herr Buss?
Aber Herr Buss hält unverdrossen dagegen: Gott ist kinderlieb und hat eine Charta gegen Kinderarbeit und für Kinderrechte vom Himmel fallen lassen. Oder vertu ich mich da? Ach, nee, das waren ja die christlichen Amerikaner, die sog. Hilfslieferungen aus Helikoptern auf schutzlosen Kinder in Gaza herabgeworfen haben, bei deren Gelegenheit dann zig ausgehungerte Kinder den Tod fanden.
Diesem scheinheiligen, weichgespülten Pfarrer aus Fulda geht es doch nicht um das Wohlergehen oder die Selbstverwirklichung, den Respekt oder das Ernstnehmen von Kindern, sonst würde er Kinder nicht zum Geldbetteln und auf Missionstour auf die Strasse schicken.
Nie habe ich und wohl auch die meisten anderen Menschen das Sternsingen in Zusammenhang mit einem Protest gegen Kinderarbeit gebracht. Nie im Leben.
Es ist das Verdienst des Herrn Buss, das mal endlich geklärt zu haben. 😉