Wie Stefan Buß rationales Denken als Halbherzigkeit diffamiert und totale Hingabe als Tugend verkauft: Gedanken zum Beitrag Stefan Buß: „Das Herz muss an der Angel hängen“ , veröffentlicht am 25.2.2026 von osthessen-news.de
Darum geht es
Buß missbraucht die Fischer-Metapher, um totale emotionale Unterwerfung unter Gott zu fordern, diffamiert dabei rationales Denken als „Halbherzigkeit“, glorifiziert irrationale Hingabe als spirituelle Tugend und macht aus autonomen Menschen gefangene Fische am göttlichen Haken – eine anti-aufklärerische Unterwerfungsrhetorik, die Menschen zu religiösen Nutztieren degradiert.Stadtpfarrer Stefan Buß hat einen neuen „Impuls“ veröffentlicht, in dem er eine Fischer-Weisheit zum Ausgangspunkt nimmt, um für bedingungslose religiöse Hingabe zu werben. „Das Herz muss an der Angel hängen“, lautet sein Motto – und was zunächst wie eine harmlose Metapher für Engagement klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als perfide Rhetorik zur Legitimation irrationaler Unterwerfung.
Denn wenn das Herz an der Angel hängt, dann hängt es am Haken – gefangen, manipuliert, der Autonomie beraubt. Buß predigt die Aufgabe des kritischen Verstands zugunsten emotionaler Bindung an eine imaginäre Autorität – und macht damit aus mündigen Menschen religiöse Nutztiere.
Die Angel-Metapher: Vom Werkzeug zur Falle
Buß beginnt mit einem „alten Spruch aus der Welt der Fischer“: „Das Herz muss an der Angel hängen.“ Er deutet das so: „Wer wirklich fischen will, darf nicht nur die Angel ins Wasser halten – er muss mit Aufmerksamkeit, Geduld und Leidenschaft dabei sein.“
Diese Interpretation ist bereits fragwürdig. Aus der Perspektive des Fischers mag die Angel ein Werkzeug sein, mit dem er konzentriert arbeitet. Doch aus der Perspektive des Fisches ist die Angel etwas ganz anderes: Sie ist die Falle, der Haken, an dem er gefangen wird, an dem er zappelt, an dem er hilflos hängt, bevor er aus seinem Element gezogen und getötet wird.
Buß sagt: „Das Herz muss an der Angel hängen.“ Doch wessen Angel ist das? Gottes Angel. Und was passiert mit dem, der am Haken hängt? Er wird gefangen, seiner Autonomie beraubt, aus seinem natürlichen Element (dem rationalen, selbstbestimmten Leben) herausgezogen und dem Willen des Fängers unterworfen.
Diese Ambivalenz der Metapher ist aufschlussreich. Sie offenbart unfreiwillig, worum es wirklich geht: nicht um Engagement aus freier Entscheidung, sondern um emotionale Gefangenschaft. Das Herz soll nicht frei sein, sondern gefesselt, nicht autonom, sondern abhängig, nicht selbstbestimmt, sondern am Haken Gottes.
Die Parallele zur Hirten-Metapher: Menschen als religiöse Nutztiere
Diese Metaphorik erinnert an eine andere beliebte christliche Bildsprache: den Hirten und seine Schafe. Jesus als „guter Hirte“, die Gläubigen als „Schafe seiner Weide“. Was romantisch klingen soll – Fürsorge, Schutz, Leitung – ist bei näherer Betrachtung eine Nutztier-Metapher.
Schafe werden nicht zu ihrem eigenen Wohl gehalten. Sie werden gehalten, um Wolle zu liefern, um Fleisch zu liefern, um dem Hirten zu dienen. Der Hirte schützt die Schafe nicht aus selbstloser Güte, sondern weil sie sein Eigentum, sein Kapital, seine Ressource sind. Und wenn ein Schaf ausbricht, wird es zurückgetrieben – notfalls mit Gewalt.
Die Angel-Metapher funktioniert ähnlich: Der Fisch am Haken ist kein freies Wesen, sondern Beute. Er ist gefangen, wird herausgezogen, wird zum Objekt fremder Zwecke. Wenn Buß also sagt „Das Herz muss an der Angel hängen“, dann propagiert er eine Haltung, in der der Mensch sich selbst zum Fang macht, sich selbst an den Haken Gottes hängt, sich selbst seiner Freiheit beraubt.
Aus humanistischer Sicht ist das eine Zumutung. Der Mensch ist kein Nutztier, kein Fang, kein Objekt göttlicher Jagd. Der Mensch ist ein autonomes Subjekt mit der Fähigkeit zu rationalem Denken, moralischer Urteilsbildung und selbstbestimmter Lebensführung. Diese Würde aufzugeben zugunsten emotionaler Bindung an eine imaginäre Autorität ist keine Tugend, sondern Selbstaufgabe.
Die Dichotomie: Äußeres vs. Herz, Verstand vs. Emotion
Buß konstruiert eine Dichotomie: „Wir Menschen achten oft auf das Äußere: auf Leistung, Frömmigkeit, Worte, Engagement. Gott aber fragt: Wo hängt dein Herz?“
Diese Gegenüberstellung ist rhetorisch geschickt und intellektuell unredlich. Sie suggeriert, dass äußeres Handeln (Leistung, Engagement, konkrete Taten) weniger wertvoll sei als innere Gesinnung (das „Herz“). Damit wird moralisches Handeln entwertet zugunsten emotionaler Bindung.
Aus säkularer Sicht ist diese Logik pervers. Was tatsächlich zählt, ist ja nicht, ob jemand innerlich fromm ist, sondern ob er oder sie ethisch handelt. Ob jemand „mit dem Herzen bei Gott“ ist, während er anderen schadet, ist irrelevant. Entscheidend ist das konkrete Handeln, nicht die innere Gefühlslage.
Doch Buß verkehrt diese Priorität: „Man kann äußerlich alles richtig machen – beten, singen, helfen – und doch innerlich ganz woanders sein.“ Das klingt nach Kritik an Heuchelei, ist aber etwas anderes. Es ist die Abwertung konkreten Handelns zugunsten emotionaler Loyalität gegenüber Gott.
Wer äußerlich „alles richtig macht“ – also betet, singt, hilft – der tut doch Gutes! Ob er dabei innerlich an Gott denkt oder nicht, sollte irrelevant sein. Doch für Buß ist es zentral: „Dann liegt die Angel im Wasser, aber das Herz sitzt am Ufer. Ein geteiltes Herz fängt nichts.“
Diese Aussage ist entlarvend. Es geht nicht darum, Gutes zu tun. Es geht darum, mit dem ganzen Herzen bei Gott zu sein. Die Handlung ist sekundär, die emotionale Unterwerfung primär.
Die Diffamierung rationalen Denkens: „Halbherzigkeit“
Buß behauptet: „Ein Herz, das zerrissen ist zwischen tausend Dingen, verliert seine Kraft.“ Diese Formulierung pathologisiert Ambivalenz, Reflexion und kritisches Denken als „Zerrissenheit“.
Aus humanistischer Sicht ist es nicht nur normal, sondern wünschenswert, dass Menschen verschiedene Werte, Interessen und Verpflichtungen haben. Ein Mensch, der Familie, Beruf, Freundschaften, politisches Engagement, persönliche Entwicklung und vielleicht auch Spiritualität miteinander in Einklang bringen muss, ist nicht „zerrissen“ – er ist komplex, reflektiert, verantwortungsbewusst.
Doch Buß diffamiert diese Komplexität als „Halbherzigkeit“ und fordert stattdessen Eindeutigkeit: „Gott sucht keine perfekten Menschen. Aber er sucht ganze Herzen.“ Was nach Großzügigkeit klingt („keine perfekten Menschen“), ist in Wahrheit eine totalitäre Forderung: Das Herz soll ungeteilt Gott gehören, nicht Teilen davon – ganz.
Diese Forderung nach Ganzheit ist autoritär. Sie verlangt, dass alle anderen Bindungen, Interessen und Verpflichtungen Gott untergeordnet werden. Familie? Zweitrangig. Beruf? Nachgeordnet. Eigene Bedürfnisse? Egoistisch. Nur Gott darf das ganze Herz beanspruchen.
Ein anderer Berufschrist, Alexander Höner, hatte neulich einem seiner „Wort zum Sonntag“-Fernsehpredigten eine ähnliche Rhetorik verwendet: „Ich muss nicht immer recht haben, meine Meinung durchbringen.“ Auch dort wurde Standhaftigkeit als Sturheit diffamiert. Buß geht noch weiter: Er diffamiert rationale Ambivalenz als Kraftlosigkeit und fordert emotionale Totalhingabe.
Die anti-rationale Zumutung: „Auch wenn ich nicht alles verstehe“
Nun wird Buß explizit anti-rational: „Gott sucht keine perfekten Menschen. Aber er sucht ganze Herzen. Nicht: ‚Ich glaube, wenn es mir nützt.‘ Sondern: ‚Ich vertraue, auch wenn ich nicht alles verstehe.'“
Diese Passage ist das Herzstück seiner autoritären Botschaft. Er fordert Vertrauen ohne Verstehen, Glauben ohne rationale Begründung, Hingabe trotz Zweifel.
Aus aufklärerischer Sicht ist das eine Bankrotterklärung des Denkens. Immanuel Kant definierte Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ – als Befreiung von autoritärer Bevormundung durch den Mut zum eigenen Denken. Sein Wahlspruch lautete: „Sapere aude!“ – „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Buß predigt das Gegenteil: Vertraue, auch wenn du nicht verstehst. Das bedeutet: Schalte deinen Verstand aus. Frage nicht nach Gründen. Prüfe nicht die Plausibilität. Folge blind, emotional, irrational.
Diese Haltung ist nicht nur intellektuell unredlich, sie ist auch gefährlich. Denn wer Menschen lehrt, „zu vertrauen, auch wenn sie nicht verstehen“, macht sie anfällig für Manipulation, für autoritäre Strukturen, für ideologische Vereinnahmung. Genau diese Haltung ermöglicht es religiösen (und politischen) Führern, Menschen zu Handlungen zu bewegen, die sie rational nie akzeptieren würden.
„Vertraue mir, auch wenn du nicht verstehst“ – das ist die Rhetorik jedes Gurus, jedes Sektenführers, jedes Autokraten. Buß verkauft diese Unterwerfungslogik als Tugend, als Glauben, als spirituelle Reife. Doch es ist das Gegenteil: Es ist Unmündigkeit, Selbstaufgabe, intellektuelle Kapitulation.
Die Jünger-Geschichte: Glorifizierung irrationaler Unterwerfung (revisited)
Buß greift die Geschichte der Berufung der Fischer-Jünger auf: „Als Jesus die Jünger ruft, sagt er nicht: ‚Lernt erst alles über mich.‘ Er sagt: ‚Folgt mir nach.‘ Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes lassen die Netze liegen. Nicht, weil sie alles begriffen hätten, sondern weil ihr Herz getroffen wurde.“
Diese Erzählung haben wir bereits im Kontext von Alexander Höners Umkehr-Predigt kritisiert. Auch dort wurde die blinde Gefolgschaft als bewundernswertes Vorbild präsentiert. Buß wiederholt diese Glorifizierung: Die Jünger folgen Jesus nicht aus Verständnis, sondern aus emotionaler Betroffenheit („ihr Herz getroffen wurde“).
Aus säkularer Sicht ist das eine erschreckende Beschreibung. Menschen geben ihre Existenzgrundlage auf (die Netze), verlassen Familie und Beruf, folgen einem Wanderprediger – und das alles ohne rationale Abwägung, ohne kritische Prüfung, allein aufgrund emotionaler Erschütterung.
In jedem anderen Kontext würden wir das als Manipulation bezeichnen. Wenn heute ein charismatischer Führer Menschen dazu bringt, ihr Leben aufzugeben und ihm bedingungslos zu folgen – „nicht weil sie alles begriffen hätten, sondern weil ihr Herz getroffen wurde“ – dann sprechen wir von einer Sekte, von psychischer Abhängigkeit, von emotionaler Ausbeutung.
Im religiösen Kontext wird genau dieselbe Dynamik als spirituelle Erleuchtung verklärt. Doch die Struktur ist identisch: Ein charismatischer Führer spricht Menschen emotional an, umgeht rationale Reflexion, fordert bedingungslose Gefolgschaft – und präsentiert diese Unterwerfung als Befreiung.
Die emotionale Erpressung: „Hängt dein Herz an mir?“
Buß formuliert die zentrale Frage aus Gottes Perspektive: „Gott fragt uns heute nicht: ‚Wie perfekt ist dein Glaube?‘ sondern: ‚Hängt dein Herz an mir?'“
Diese Frage klingt nach Beziehungsangebot, ist aber emotionale Erpressung. Sie konstruiert eine Entweder-Oder-Situation: Entweder dein Herz hängt an Gott, oder du bist nicht wirklich gläubig. Entweder du gibst dich ganz hin, oder deine Hingabe ist wertlos.
Die Frage „Hängt dein Herz an mir?“ ist keine neutrale Einladung zur Selbstreflexion. Sie ist eine Loyalitätsprüfung, eine Unterwerfungsaufforderung. Wer „Nein“ antwortet oder auch nur zögert, steht bereits als defizitär da.
Zudem personifiziert Buß Gott als jemandem, der Ansprüche stellt, der Loyalität einfordert, der prüft, ob das Herz wirklich an ihm hängt. Dieses Gottesbild ist autoritär und narzisstisch: ein Gott, der nicht nach ethischem Handeln fragt, nicht nach Mitgefühl oder Gerechtigkeit, sondern nach emotionaler Exklusivität.
In menschlichen Beziehungen würden wir eine solche Haltung als toxisch bezeichnen. Ein Partner, der fragt „Hängt dein Herz an mir?“ und totale emotionale Hingabe fordert, ist kontrollierend, besitzergreifend, manipulativ. Doch im religiösen Kontext wird diese Dynamik als Liebe Gottes verkauft.
Die Aufgabe der Autonomie: „Mit Gott leben, nicht nur Zeit für Gott“
Buß konkretisiert, was es bedeutet, das Herz an der Angel hängen zu lassen: „Vielleicht heißt es für dich: wieder ehrlich zu beten, statt nur richtige Worte zu sagen; Gott auch die Zweifel hinzuhalten; nicht nur Zeit für Gott zu reservieren, sondern Zeit mit Gott zu leben; den Mut zu haben, Gott wichtiger zu nehmen als Bequemlichkeit.“
Diese Aufforderungen klingen nach spiritueller Vertiefung, sind aber Ausdruck totaler Vereinnahmung:
- „Ehrlich beten“ bedeutet: alle Gedanken, auch die intimsten, Gott offenlegen – keine Privatsphäre mehr, totale Transparenz vor einer imaginären Autorität.
- „Gott auch die Zweifel hinhalten“ bedeutet: Zweifel nicht rational ausarbeiten, sondern sie Gott „anvertrauen“ – also den kritischen Verstand ausschalten.
- „Zeit mit Gott leben“ bedeutet: keine säkularen Lebensbereiche mehr, alles wird religiös durchdrungen – die totale Kolonialisierung der Lebenswelt.
- „Gott wichtiger nehmen als Bequemlichkeit“ bedeutet: eigene Bedürfnisse zugunsten religiöser Pflichten opfern – Selbstaufgabe als Tugend.
Diese Forderungen zielen auf die Aufhebung der Autonomie. Es gibt keinen Lebensbereich mehr, der nicht von Gott durchdrungen ist. Es gibt keine Gedanken mehr, die nur einem selbst gehören. Es gibt keine Entscheidungen mehr, die nach eigenen Maßstäben getroffen werden – alles wird Gott untergeordnet.
Aus humanistischer Sicht ist das keine spirituelle Reife, sondern religiöse Totalität. Der Mensch wird vollständig vereinnahmt, seine Autonomie aufgelöst, seine Selbstbestimmung negiert.
Die falsche Verheißung: „Gott sorgt für den Fang“
Buß endet mit einer Verheißung: „Wenn ja, dann darfst du vertrauen: Gott sorgt für den Fang. Er zieht, hält fest und trägt durch.“
Doch welchen „Fang“ meint er? Und was bedeutet es, dass Gott zieht? Hier kehrt die Angel-Metapher zurück – und entlarvt sich vollends. Gott ist der Fischer, der zieht. Der Mensch ist der Fisch am Haken, der gezogen wird, der sich nicht mehr selbst bewegt, sondern bewegt wird.
„Er zieht, hält fest und trägt durch“ – das sind keine Verben der Autonomie, sondern der Passivität. Der Mensch wird gezogen, gehalten, getragen – wie ein Objekt, wie ein Fang, wie Beute. Er ist nicht mehr Subjekt seines Lebens, sondern Objekt göttlicher Führung.
Die Verheißung „Gott sorgt für den Fang“ ist zudem eine leere Versprechung. Was ist der „Fang“? Materieller Erfolg? Nein, das verspricht die Theologie nicht. Innerer Frieden? Vielleicht – aber das ist eine selbsterfüllende Prophezeiung: Wer sich emotional Gott hingibt, mag subjektiv Frieden erleben, weil er aufhört, kritisch zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Ewiges Leben? Das ist eine unbelegbare Jenseitsverheißung, die sich bei näherer Betrachtung als furchtbare Horrorvorstellung entlarvt, wenn man sie zu Ende denkt.
Faktisch sorgt kein Gott für irgendeinen Fang. Egal, ob er Poseidon, Jahwe oder Jesus genannt wird. Gläubige Menschen leiden, scheitern, sterben wie alle anderen. Die Verheißung ist eine Vertröstung, eine Leerformel, die dazu dient, die Hingabe des „ganzen Herzens“ zu legitimieren – ohne konkrete Gegenleistung.
Die Gefahr der Herz-Rhetorik: Emotion gegen Vernunft
Buß‘ gesamter Text basiert auf der Glorifizierung des Herzens gegenüber dem Verstand. Das Herz steht für Emotion, Intuition, Hingabe. Der Verstand (implizit) steht für Zweifel, Reflexion, kritisches Denken – und wird als „Halbherzigkeit“ diffamiert.
Diese Dichotomie ist intellektuel unredlich und historisch gefährlich. Die Aufklärung hat uns gelehrt, dass Vernunft und Empathie sich nicht ausschließen, sondern ergänzen. Rationales Denken bedeutet nicht Gefühlskälte, sondern die Fähigkeit, Emotionen kritisch zu reflektieren und ethische Urteile auf rationale Grundlagen zu stützen.
Die Glorifizierung des „Herzens“ gegen den Verstand ist eine anti-aufklärerische Strategie. Sie macht Menschen anfällig für Manipulation, weil sie lehrt, Emotionen über Argumente zu stellen, Intuition über Evidenz, Glauben über Wissen.
Historisch hat diese Herz-Rhetorik oft katastrophale Folgen gehabt: religiöse Kriege, Inquisition, Hexenverbrennungen – all das geschah nicht aus rationalem Kalkül, sondern aus emotionaler Überzeugung, aus „ganzem Herzen“, aus blinder Hingabe an religiöse Autoritäten.
Fazit: Das Herz gehört niemandem – schon gar nicht Gott
Stefan Buß‘ „Impuls“ ist eine Anleitung zur emotionalen Selbstaufgabe. Er fordert Menschen auf, ihr Herz „an die Angel zu hängen“ – also sich selbst zum Fang zu machen, sich gefangen nehmen zu lassen, ihre Autonomie aufzugeben zugunsten bedingungsloser Hingabe an eine imaginäre Autorität.
Die Fischer-Metapher entlarvt sich selbst: Wer am Haken hängt, ist nicht frei. Wer gezogen wird, bewegt sich nicht selbst. Wer gefangen ist, hat keine Autonomie. Die Parallele zur Hirten-Schaf-Metapher ist offensichtlich: Menschen werden zu religiösen Nutztieren degradiert, deren Zweck es ist, Gott zu dienen, nicht ihr eigenes Leben zu gestalten.
Buß diffamiert rationales Denken als „Halbherzigkeit“, glorifiziert irrationale Unterwerfung als „Glauben“ und fordert totale emotionale Hingabe als spirituelle Tugend. Er lehrt Menschen, „zu vertrauen, auch wenn sie nicht verstehen“ – und macht sie damit zu willenlosen Objekten religiöser Manipulation.
Aus humanistischer Sicht ist die Antwort klar: Das Herz gehört niemandem außer dem Menschen selbst. Es gehört nicht Gott, nicht der Kirche, nicht religiösen „Autoritäten“. Das Herz – als Metapher für Emotionen, Werte, Bindungen – ist Teil der menschlichen Autonomie und Würde.
Ein selbstbestimmtes Leben bedeutet nicht „Halbherzigkeit“, sondern Komplexität. Es bedeutet, verschiedene Werte abzuwägen, Beziehungen zu pflegen, Verpflichtungen gerecht zu werden – und dabei den eigenen Verstand zu gebrauchen, nicht auszuschalten.
„Ich vertraue, auch wenn ich nicht alles verstehe“? Nein, danke. Lieber: „Ich denke, auch wenn es unbequem ist. Ich prüfe, auch wenn ich zweifle. Ich bleibe autonom, auch wenn Autoritäten Hingabe fordern.“
Das Herz muss nicht an der Angel hängen. Es darf frei schlagen – für Menschen, für Werte, für ein selbstbestimmtes Leben. Ohne Haken, ohne Fänger, ohne Gott, der zieht und hält und trägt.
Frei. Autonom. Menschlich.


















Bitte beachte beim Kommentieren: