Kommentar zu NACHGEDACHT 126: Normal versus exzentrisch

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Kommentar zu: NACHGEDACHT 126: Normal versus exzentrisch, Originalartikel verfasst von Christina Leinweber, veröffentlicht am 7.6.2015 von osthessen-news.de

Pauschalurlaub, Samstagsautoputz, Tatortsonntag, Kartoffelsalat am Heiligabend. Klingt normal. Macht doch jeder! Irgendwann kommt die Zeit, in der wir tun, was jeder tut.*

Wir haben das große Glück, in einer Zeit und einer Region zu leben, in der wir weitestgehend selbst bestimmen können, ob wir das tun, was jeder tut, oder etwas ganz anderes. Diese große Handlungsfreiheit haben wir in erster Linie den Errungenschaften der Säkularisierung und des Humanismus zu verdanken, die in den letzten Jahren und Jahrhunderten gegen den erbitterten Widerstand der Religionen die Voraussetzungen dafür geschaffen haben.

[…] Ich bin gerade in genau dem Alter, in dem ich mich frage, wo aber all die Exzentrik aus meiner Schul- und Studentenzeit hin ist.

[…] Geht wirklich alle Exzentrik in einem Einheitsbrei an Normalität im Laufe des Lebens baden?! Woran liegt das?*

Exzentrik, oder auch einfach nur individuelles Verhalten ist allen Religionen ein Dorn im Auge. Für Religionen sind Menschen am einfachsten zu handhaben, wenn sie sich möglichst unauffällig und homogen verhalten, nicht zu viel nachdenken und sich an die Wertevorgaben und Dogmen der jeweiligen Religionsführer halten. Diese massive Beschneidung der menschlichen Freiheit äußert sich in sehr vielen Formen. Los gehts mit der eingeredeten Sünde und mit den Vorschriften über das Sexualleben hört es lange noch nicht auf.

Außerdem fordert die Gesellschaft von uns Uniformität. Ein jugendlicher Paradiesvogel wird vielleicht noch belächelt, aber ein erwachsener Paradiesvogel wird nicht ernst genommen.*

Das ist eine Pauschalisierung, die zum Glück nichts mehr mit der heutigen Wirklichkeit (zumindest außerhalb von Fulda) zu tun hat.

Mit „Normal-Sein“ kommt man wahrscheinlich besser durchs Leben.*

Wie die Evolutionslehre belegt, kann es durchaus von Vorteil sein, sich in ein Wertesystem der Gruppe oder des Stammes einzufügen, dessen Mitglied man ist. Andererseits waren es aber auch immer gerade Exzentriker, die durch neue, unkonventionelle Ideen neue Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Menschheit gewinnen konnten.

[…] Bedeutet Normalität vielleicht die Abwesenheit von Glück, wenn sich die Jugendlichen doch so sehr davor fürchten? Ich denke nicht: Nur weil etwas normal ist, heißt es nicht, dass es nicht enorm glücklich machen kann.*

Es erleichtert natürlich auch ungemein das Denken, wenn man sich hauptsächlich in schon bekannten und bewährten Denkbahnen bewegt. Allerdings birgt dieses Verhalten sicher auch die Gefahr, stehen zu bleiben, obwohl man eigentlich das Potential hätte, sich geistig weiterzuentwickeln und Neues zu entdecken, was auf jeden Fall glücklich macht.

[…] Normal muss nicht immer schlecht bedeuten. Und ab und zu einmal exzentrisch sein und gegen den Strom schwimmen, ist doch viel spannender, wenn es nicht Normalität ist.*

Aha. Ja. Und was genau heißt das jetzt? Das zeigt doch nur, dass wir das Glück haben, in einer Zeit und einer Gesellschaft zu leben, in denen wir so viel Handlungsfreiheit haben wie noch niemals nirgends irgendwer sonst. Diesen Umstand haben wir den Menschenrechten und dem Grundgesetz zu verdanken, zwei Einrichtungen, die sich ebenfalls an der Freiheit des Individuums und nicht an der Unterwürfigkeit vor einem bestimmten Gott als höchsten Wert orientieren.

*Das Online-Portal Osthessennews fordert jede Woche unter der Rubrik „NACHGEDACHT“ mit „liberal-theologischen“ Gedanken zum Nachdenken auf. Alle Zitate stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Original-Artikel von Christina Leinweber.

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