Auslegung der Bibel

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Die evangelische Kirche bietet einen Online-Beantwortungsservice für religiöse Fragen. Dort finden sich allerlei Fragen, dazu Antworten aus evangelischer Sicht sowie ab und zu Kommentare von weiteren Lesern.

In dieser Frage wollte der Fragesteller wissen, warum die Bibel ausgelegt werden solle und von wem.

Pfarrer Muchlinsky erklärte kühn, dass die Bibel sogar ausgelegt werden wolle  (er kennt also offenbar nicht nur die Absichten seines Gottes, sondern sogar den Willen eines Buches!). Jedes Lesen, ja sogar schon das Aufschreiben sei eine “Auslegung.” Selbst wenn man die Bibel als “Wort Gottes” betrachte, sei das ebenfalls schon eine Auslegung.

Eine der wohl unredlichsten Formen der Auslegung, nämlich das weit verbreitete Rosinenpicken, wie die hochselektive Lesart auch genannt wird, taucht in der Antwort erwartungsgemäß nicht auf. Deshalb folgender Kommentar:

Eine spezielle, immer wieder angewendete Art der “Auslegung” ist das Herauspicken bestimmter Aussagen und das Weglassen anderer Aussagen. Wegen dieses Vorgehens haben viele Menschen, die sich noch nicht selbst mit der Bibel beschäftigt haben, fälschlicherweise den Eindruck, die Bibel sei ein besonders bedeutsames Buch für die Menschen von heute.

Wer sich selbst die Mühe macht und die Bibel unvoreingenommen komplett liest, wird unschwer erkennen, dass die Bibel (Altes und Neues Testament) in moralisch-ethischer Hinsicht katastrophal abschneidet, verglichen mit unseren heutigen Standards.

Kein Wunder, die vormittelalterlichen Texte gehen zurück bis in die Bronzezeit. Die Bibel liefert die Grundlage für jede beliebige “Auslegung”, von Nächstenliebe bis zum Völkermord. Die Bibel bietet keinen eindeutigen ethisch-moralischen Standard, es hängt vom Leser ab, welche Aussage er aufgrund seiner eigenen, persönlichen Einstellung als “richtig” oder “bedeutsam” betrachtet und welche nicht.

Da die Bibel keinen solchen Maßstab bietet, muss der Leser auf anderen Wegen zu seinem ethischen Standard gekommen sein, anhand dessen er die Auslegung vornimmt. Das zeigt, dass Menschen auch von sich aus wissen können, ob sie sich eher an das biblische Gebot der Mitmenschlichkeit oder doch an das Gebot der Vernichtung Un- und Andersgläubiger halten sollen. Somit ist die Bibel überflüssig, zumindest als Quelle für ethische Standards und als Richtfaden für menschliches Verhalten.

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