Das Wort zum Wort zum Sonntag: Reinheitsgebote

~ 15 Minuten

Das Wort zum Wort zum Sonntag: Reinheitsgebote, gesprochen von Alfred Buß (ev.), veröffentlicht am 23.4.2016 von ARD/daserste.de

ACHTUNG: Dieser Kommentar enthält brutale Original-Bibelzitate, die auf nicht religiös indoktrinierte Menschen verstörend wirken könnten. Dieser Beitrag ist nicht für Leser unter 18 Jahren geeignet und würde außerhalb des religiösen Kontextes wahrscheinlich indiziert werden.

Sie [die angebliche AfD] will die Reinheit des “christlichen Abendlandes“ bewahren.*

Was natürlich gleich in mehrfacher Hinsicht blanker Unsinn ist. Das, was das Abendland ausmacht, ist nicht der christliche Einfluss, sondern die (zumindest schon mal wenigstens teilweise) Überwindung desselben. Und ausgerechnet von Reinheit kann man im Zusammenhang mit Religionen, die die reale Wirklichkeit um erfundene Scheinwelten beliebig erweitern und damit verunreinigen, wahrlich nicht sprechen.

Mit der Reinheit beschäftigt sich auch manche biblische Erzählung. Eine beginnt so: Die Jünger Jesu sitzen zu Tisch und essen gemeinsam – mit ungewaschenen Händen.

Waschungen und Reinigungen spielen in der ganzen Bibel tatsächlich immer wieder eine Rolle. Kein Wunder, Waschungsriten und Wasser-Taufzeremonien hatten viele (heidnische) Kulte und Religionen auch schon viele Jahrhunderte vor Erfindung des Christentums im Portfolio. Man bediente sich auch hier einfach an schon lange bekannten und den Menschen vertrauten Riten und instrumentalisierte diese Zeremonien für die eigenen Zwecke.

Herr Alfred Buß (ev.) hätte genauso auch eine andere biblische Geschichte herauspicken können, in der das Thema Reinheit vorkommt. Wie zum Beispiel diese, in der einer Frau ihr Bad zum Verhängnis wurde – ausgerechnet David war der sauberkeitsbewusste Spanner, der sie vergewaltigte, nachdem sie sich gerade von ihrer Unreinheit gereinigt hatte (Hervorhebungen von mir):

  • Um die Jahreswende, zu der Zeit, in der die Könige in den Krieg ziehen, schickte David den Joab mit seinen Männern und ganz Israel aus und sie verwüsteten das Land der Ammoniter und belagerten Rabba. David selbst aber blieb in Jerusalem.
  • Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königspalastes hin- und herging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen.
  • David schickte jemand hin und erkundigte sich nach ihr. Man sagte ihm: Das ist Batseba, die Tochter Ammiëls, die Frau des Hetiters Urija.
  • Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen; sie kam zu ihm, und er schlief mit ihr – sie hatte sich gerade von ihrer Unreinheit gereinigt. Dann kehrte sie in ihr Haus zurück.
  • Die Frau war aber schwanger geworden und schickte deshalb zu David und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger.
  • Darauf sandte David einen Boten zu Joab (und ließ ihm sagen): Schick den Hetiter Urija zu mir! Und Joab schickte Urija zu David.
  • Als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe.
  • Dann sagte er zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße!
    (Quelle: 2. Samuel 11, 1-8 EU)**

Oder warum nicht die Geschichte von Judit, die sich erst wäscht und aufbrezelt, bevor sie zum feindlichen Heeresführer geht. Wie die Untertanen die frisch gestylte Judit erblicken, ist ihnen sofort klar: Da stecken die listigen, männlichen Feinde dahinter, sie haben diese Frau zu ihrem Chef geschickt:

  • Dort legte sie [Judit] das Bußgewand ab, das sie trug, zog ihre Witwenkleider aus, wusch ihren Körper mit Wasser und salbte sich mit einer wohlriechenden Salbe. Hierauf ordnete sie ihre Haare, setzte ein Diadem auf und zog die Festkleider an, die sie zu Lebzeiten ihres Gatten Manasse getragen hatte.
  • Auch zog sie Sandalen an, legte ihre Fußspangen, Armbänder, Fingerringe, Ohrgehänge und all ihren Schmuck an und machte sich schön, um die Blicke aller Männer, die sie sähen, auf sich zu ziehen.
  • Sie [die Assyrer] bewunderten ihre Schönheit und übertrugen ihre Bewunderung auch auf die Israeliten. Einer sagte zum andern: Wer kann dieses Volk verachten, das solche Frauen in seiner Mitte hat? Es wäre nicht klug, auch nur einen einzigen Mann von ihnen übrig zu lassen; wenn man sie laufen lässt, sind sie imstande, noch die ganze Welt zu überlisten.
    (Quelle: Judit 10, 3-4, 19 EU)

Nicht brutal genug? Nicht frauenfeindlich genug? Kein Problem, es geht natürlich auch noch viel grausamer. Baden allein schützt nämlich nicht immer vor brutalster Bestrafung und grausamster Todesfolterung, wie dieses biblische Beispiel belegt:

  • Sogar in weite Ferne hast du Boten geschickt und Männer zu dir eingeladen. Als sie kamen, hast du ihretwegen gebadet, deine Augen geschminkt und deinen Schmuck angelegt.
  • Du hast dich auf ein prunkvolles Lager gesetzt; davor stand ein Tisch bereit, auf den du meinen Weihrauch und mein Öl gestellt hattest.
  • Der Lärm einer sorglosen Menge umgab sie; denn laut zechten die Männer, die Unzahl von Menschen, die man aus der Wüste herbeigeholt hatte. Sie legten den beiden Schwestern Spangen an die Arme und setzten ihnen prächtige Kronen auf.
  • Ich dachte: So haben sie die Ehe gebrochen; wie eine Dirne es treibt, so treiben sie Unzucht.
  • Die Männer gingen zu ihr, wie man zu einer Dirne geht. So gingen sie zu Ohola und Oholiba, den schamlosen Frauen.
  • Doch gerechte Männer werden ihnen das Urteil sprechen nach der Rechtsvorschrift für Ehebrecherinnen und Mörderinnen. Denn sie haben Ehebruch begangen und an ihren Händen klebt Blut.
  • Ja, so spricht Gott, der Herr: Man berufe eine Volksversammlung gegen sie ein; sie sollen misshandelt und ausgeraubt werden.
  • Die Volksversammlung soll sie steinigen und mit Schwertern in Stücke hauen. Ihre Söhne und Töchter soll man töten und ihre Häuser verbrennen.
  • So mache ich dem schändlichen Treiben im Land ein Ende, damit alle Frauen gewarnt sind und nicht ebenso schamlos handeln wie ihr.
  • Man wird euch für euer schändliches Treiben bestrafen und ihr müsst für die Sünden büßen, die ihr mit euren Götzen begangen habt. Dann werdet ihr erkennen, dass ich Gott, der Herr, bin.
    (Quelle: Hesekiel 23, 40.49 EU)

Für diese Erkenntnis konnte man damals offenbar schon mal ein paar Frauen misshandeln, ausrauben, steinigen und mit Schwertern in Stücke hauen und deren Söhne und Töchter ebenfalls töten… Gottes einzige Entschuldigung ist, dass er nicht existiert. Oder wie wäre es mit dieser perversen biblischen Waschung?

  • Als man im Teich von Samaria den Wagen ausspülte, leckten Hunde sein Blut, und Dirnen wuschen sich darin, nach dem Wort, das der Herr gesprochen hatte. (Quelle: 1. Kön 22,38 EU)

Unwillkürlich durchfährt’s mich: Womit waren diese Finger wohl noch vor kurzem befasst?! Brrr.

Ja, mich durchfährt’s auch – willkürlich. Brrr. Wieso benötigt ein erwachsener, studierter Nordwesteuropäer im 21. Jahrhundert ein Buch mit solchen völlig geistesgestörten Schauergeschichten um zu wissen, dass man sich vor dem Essen die Hände wäscht?

Und wieso scheint niemand zu bemerken, dass die Bibel nicht nur die wenigen, heute noch immer wieder herausgepickten Stellen, sondern auch einen viel größeren Anteil an Mythen und Märchen enthält, die sich beim allerbesten Willen nicht mal mehr ansatzweise mit unseren heutigen ethischen Standards und unserem Wissensstand in Einklang bringen lassen und die deshalb konsequent weggelassen werden müssen?

Natürlich achten wir hierzulande auf Sauberkeit, Hygiene, auch auf gesunde Ernährung, auf Rückstände oder Zusatzstoffe in Lebensmitteln.

Ein Verhalten, das sich bei aller Liebe mit biblischen Reinigungsmythen nicht in Verbindung bringen lässt. Erst nachdem die Zeit, die als das “Dunkle Zeitalter” in die Geschichte eingegangen ist und in der die christliche Kirche die Forschung und Entwicklung der Menschheit so massiv verhindert und unterdrückt hat wie keine andere Ideologie vor und nach ihr, vorbei war, konnten die wissenschaftlichen Erkenntnisse gewonnen werden, auf deren Grundlage die Bedeutung von Sauberkeit, Hygiene oder Ernährung für die Gesundheit erkannt wurde.

Solange die Kirche den Menschen noch weis machen konnte, dass Erkrankungen göttliche Strafen (oder Prüfungen oder Teufelswerk) seien, ging es mit der gesundheitlichen Aufklärung jedenfalls nicht voran. Erst das Wissen um die Existenz von Bakterien, Viren und anderen Erregern sowie die Erkenntnisse über deren Funktionsweise und Übertragung ermöglichte es, die Bedeutung von Hygiene und Sauberkeit wirklich zu erkennen.

Hier ist besonders der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis zu nennen, dessen Erkenntnissen aus seiner evidenzbasierten Medizin wir die Grundlagen der bis heute gültigen Hygienevorschriften verdanken. Der katholische Teil der christlichen Kirche indes leistet auch 2016 noch, wie schon im frühesten Mittelalter, seinen Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung allen Ernstes durch die Beschäftigung von Exorzisten.

Auch viele Religionen legen großen Wert auf Reinlichkeit und Reinheit – von alters her.

Nebenbei sorgen sie so auch für Hygiene und Gesundheit – bis heute.

Allein an den oben aufgezählten Beispielen wird deutlich, dass Reinlichkeit in der Bibel nichts mit Hygiene oder Gesundheit zu tun hatte. Es handelt sich dabei, wie in den zahlreichen älteren Kulten und Religionen auch schon, stets um Allegorien – aber auch im nicht übertragenen Sinne sind die biblischen Gründe für Reinlichkeit aus heutiger Sicht völlig abwegig.

Im Interesse ihres potentiellen Vergewaltigers, und nicht etwa im Interesse von Ruts Gesundheit trug die Schwiegermutter zum Beispiel der biblischen Rut auf, sich zu waschen:

  • Wasch dich, salbe dich und zieh dein Obergewand an, dann geh zur Tenne! Zeig dich aber dem Mann nicht, bis er fertig gegessen und getrunken hat. 
  • Wenn er sich niederlegt, so merk dir den Ort, wo er sich hinlegt. Geh dann hin, deck den Platz zu seinen Füßen auf und leg dich dorthin! Er wird dir dann sagen, was du tun sollst. […]
    (Quelle: Rut 3,3-4 EU)

Unser heutiges Hygiene- und Gesundheitsbewusstsein zählt jedenfalls ganz sicher nicht zu den Verdiensten des Christentums.

Und haben doch ein tiefer gehendes Motiv: Das Bedürfnis, dem heiligen Gott in Reinheit gegenüber zu treten. Im Gefühl, selber nicht rein zu sein. Deshalb meiden sie bestimmte Speisen. Und legen Wert auf rituelle Waschungen.

Ein Bedürfnis, das sich Menschen ausgedacht haben. Kein Gott hat jemals nachweislich selbst irgendetwas mitgeteilt, auch nicht, was aus seiner Sicht rein oder unrein ist oder worauf er Wert legt und worauf nicht. Nicht Gott schuf die Menschen nach seinem Ebenbild, sondern die Menschen schufen sich Götter nach ihrem Wunschbild und zu ihrem Zwecke.

Und die Jünger Jesu? – Essen da mittendrin mit ungewaschenen Händen!

Sauerei! Andererseits könnte man bei Angehörigen der sozialen Unterschicht eines vormittelalterlichen Wüstenvolkes vielleicht einfach mal ein Auge zudrücken. Es ist vollkommen bedeutungslos, ob sich erfundene biblische Jünger eines ebenso erfundenen biblischen Jesus Christus vor knapp 2000 Jahren mal die Hände gewaschen haben oder nicht – gleiches gilt für möglicherweise historisch belegbare Gestalten aus dieser Zeit.

[…] Was sagt Jesus? “Nichts kann den Menschen unrein machen, was in ihn hineingeht. Sondern was aus ihm herauskommt – was er sagt und wie er handelt – das macht ihn unrein“.

Auch hier lohnt sich ein Blick auf den Text, aus dem dieser Auszug stammt:

  • Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
  • […] Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht? Seht ihr nicht ein, dass das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann?
  • Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden. Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein.
  • Weiter sagte er: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
  • Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.
  • All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.
    (Quelle: Markus 7,15 EU)

Worum geht es in dieser Geschichte? Spekulationen über eine mögliche jesuitische Analfixierung seien den entsprechenden Fachleuten überlassen. Die eigentliche Aussage jedenfalls ist nicht allzu schwer zu entschlüsseln. Die Leute, die sich diese Geschichte ausgedacht haben, wollten zwei Dinge klar stellen:

  1. Gott hat den Menschen so erschaffen, dass nichts Unreines von außen die Schlechtigkeit des Menschen verursachen kann, weil ja alles, was rein kommt, auch wieder (automatisch) ausgeschieden wird.
  2. Alle Schlechtigkeit kommt folglich vom Menschen selbst, aus dessen Inneren, aus dessen Herz. Seine Schlechtigkeit ist seine Schuld, nicht etwa eine göttliche Fehlkonstruktion.

Dass diese Vorstellung nicht nur erniedrigend, sondern natürlich auch sachlich völlig unsinnig ist, dürfte heute niemand mehr anzweifeln. Erstaunlicherweise (?) wusste offenbar selbst der Sohn eines allwissenden Gottes und Schöpfers zu seinen angeblichen Lebzeiten nicht mehr von Anatomie und Humanmedizin als die Menschen, die ihn sich damals ausgedacht hatten. Woran könnte das nur liegen?

Mit der Aufgabe und Funktionsweise des Herzens und mit der natürlich durchaus vorhandenen Möglichkeit, den Körper durch Zuführung bestimmter Substanzen zu verunreinigen war Jesus jedenfalls ganz offensichtlich nicht vertraut. Stattdessen war er zeitlebens unter anderem auch als Exorzist tätig, der kranke Menschen von angeblichen Dämonen befreite.

Und offenbar war ihm auch nicht bekannt, dass menschliches Verhalten maßgeblich durch die Prägung des Unterbewusstseins bestimmt wird und sich damit natürlich sehr wohl alles, was von außen in den Körper (genauer: ins Unterbewusstsein, nicht ins Herz) gelangt, auf eben dieses Verhalten auswirkt.

Die Wissenschaftler, die mit ihren Forschungen in Bereichen wie Anatomie, Pathologie und Neurologie die Grundlagen für diese Erkenntnisse der modernen Hirnforschung schufen, verbrannte die Kirche auf dem Scheiterhaufen, wo sie nur konnte. Kein Wunder, sah sie doch ihr hervorragend zur Unterdrückung von Menschen geeignetes Welt-, Menschen- und Gottesbild (zurecht!) in Gefahr. Spätestens seit den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung in den letzten Jahren gibt es keinen einzigen ernstzunehmenden Anhaltspunkt mehr für die Annahme von überirdischen, göttlichen oder anderen geisterhaften Einflüssen.

Was ein Mensch aus seinem Herzen entlässt, das kann menschliche Beziehungen zerstören. Und auch die Beziehung zu Gott.

Hier greift Herr Buß genau das auf, was ich gerade dargelegt habe: Natürlich ist der Mensch Schuld an der Zerstörung von Beziehungen zu Menschen oder zu Göttern. Gott trifft natürlich keine Schuld, obwohl er es ja ist, der eine Beziehung zu den Menschen durch seine permanente Abwesenheit und völlige Untätigkeit nicht zerstört, sondern von vorneherein komplett ausschließt.

[…] Aber für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen sind Reinheitsgebote wie Gift. Es gibt keine völkische Reinheit, erst recht keine rassische.

(Anmerkung: Es gibt nicht mal Rassen, weil die Unterschiede der Menschen viel zu gering sind, um von Rassen sprechen zu können.) Und deshalb durfte oben auch nicht der Hinweis fehlen, dass die zahlreichen biblischen Hinweise auf Reinheit und Sauberkeit natürlich als Hygiene- und Gesundheitstipps gemeint gewesen sein sollen.

Reinheitsgebote, die tatsächlich die Gesundheit und Hygiene zum Ziel haben, beeinträchtigen das Zusammenleben von Menschen nicht. Ganz anders Religionen, die mit ihren Dualismen, Abgrenzungen und durch die Erhöhung ihrer Anhänger über Un- und Andersgläubige das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen (direkt und indirekt) so vergiften wie nichts anderes auf der Welt.

[…] Muslime haben das Recht, ihren Glauben hier frei zu leben – wie alle anderen auch.

Natürlich. Recht auf Glaubensfreiheit heißt nicht nur Recht auf Glauben, sondern genauso Recht auf Freiheit von Glauben. Deshalb sollte Glaube ausschließlich von Erwachsenen und ausschließlich im persönlichen, privaten Bereich praktiziert werden. Jegliche Einmischung in das öffentliche Leben und ganz besonders die mit nichts zu rechtfertigende staatliche Subventionierung und Sonderprivilegierung von Glaubensgemeinschaften ist ein beispielloses Skandal, das, anders als ein persönlich praktizierter Privatglaube, keinen Respekt verdient.

Und wie wir Christen das auch für uns erwarten und einfordern in muslimisch geprägten Ländern.

Das lässt sich leicht behaupten, solange man sich während einer solchen Aussage nicht in einem muslimisch geprägten Land aufhält. Wenn die Weltbevölkerung nicht sehr bald begreift, dass keine Religion (und am allerwenigsten eine monotheistische Religion) mehr als bestenfalls ein optionales, spirituelles Angebot für Erwachsene sein darf, ist zu befürchten, dass bald auch wieder im Namen von eigentlich schon säkularisierten Religionen gemordet wird. Die Bibel liegt zur Rechtfertigung bereit.

Jesus setzte sich mit allen an einen Tisch, auch mit denen, die andere für unrein hielten, aß und trank mit ihnen und sagte ihnen die Nähe Gottes zu.

Jesus setzte sich mit seinen Anhängern an einen Tisch. Nur diesen sagte er die Nähe Gottes zu. Für alle anderen kündigte er zeitlich unbegrenzte psychische und physische Bestrafung im Jenseits durch eben diesen Gott an. Für Jesus dürfte es reichlich egal gewesen sein, ob andere seine Nachfolger für unrein hielten – schließlich sah er seine Bestimmung nur darin, das kurz bevorstehende “Jüngste Gericht” anzukündigen.

Diese Nähe Gottes wünsche ich Ihnen für einen gesegneten Sonntag.

Dann beweisen Sie erstmal, dass es Ihren Gott überhaupt gibt. Beweisen Sie anschließend, dass dieser Gott in der Lage und willens ist, Menschen nah zu sein. Vergewissern Sie sich dann am besten erst noch, ob die verschiedenen Sonnengötter damit einverstanden sind, wenn Sie an deren Feiertag (Sonntag) Ihren Zuschauern die Nähe Ihres Gottes wünschen.

Ohne diese Vorarbeit ist die öffentlich-rechtliche, staatlich bezahlte und geduldete Verkündigung dieses Wunsches sinnlos und irreführend – leichtgläubige Menschen könnten auf Sie hereinfallen und glauben, es gäbe tatsächlich einen Gott, auf dessen Nähe sie hoffen könnten.

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Originalartikel.

** Die Bibelzitate mit der Quellenangabe EU stammen aus der “Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.”

FacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmail

Schreibe einen Kommentar

4 × 2 =