Das Wort zum Wort zum Sonntag: Mit Gott “auf’m Platz”

Lesezeit: ~ 3 Min.

Im heutigen Wort zum Sonntag musste Gott irgendwie auf dem Fussballplatz und damit in der irdischen Wirklichkeit untergebracht werden:

[…] Warum können Profifußballer ihren Glauben an Gott so offen zeigen, während es anderen (selbst in meiner Kirchengemeinde!) oft unendlich schwer fällt, über das zu sprechen, was sie persönlich glauben und erhoffen? – Ich denke, das liegt daran, dass es beim Fußball um etwas geht.*

Ich denke, das liegt – ganz im Gegenteil – daran, dass es beim Fußball eben nicht um “etwas” geht – es ist nur ein Spiel (bzw. ein Geschäft) – mehr auch nicht.

Da stören religiöse Scheinwahrheiten und publikumswirksam inszenierte, ansonsten aber (abgesehen vom Placeboeffekt) völlig nutzlose Rituale nicht so sehr wie in Bereichen, bei denen es tatsächlich um “etwas” geht.

Es geht um Sieg oder Niederlage. Um Hoffnung und Enttäuschung. Um Lebendigkeit und Leidenschaft. Da hat der Glaube an Gott seinen ganz natürlichen Platz.

Nein, da stört er nur am wenigsten und ist hier deswegen von den Menschen noch leichter zu verkraften als dort, wo es wirklich um etwas geht. Jeder Erfolg wird einfach dem Wirken Gottes bzw. der Wirksamkeit des Gebetes zugeschrieben, während jede Niederlage der Einfachheit halber nicht mit Gott in Verbindung gebracht wird – ein Verhalten, das auch jeder Glücksspieler zeigt.

So wundert es kaum, dass auf dem Fussballplatz nicht nur christliche, sondern auch alle anderen Arten von religiösem und sonstigem Aberglauben praktiziert werden – Verhaltensweisen, auf die sich niemand verlassen würde, wenn es tatsächlich um etwas ginge.

Ich erlebe es an mir selbst: Wenn man von mir allzu fromme Worte erwartet oder ich mich in einem Gottesdienst wiederfinde, bei dem ich denke “Das, was die da sagen, glauben die doch selbst nicht”, dann verschlägt es auch mir die Sprache.

Wenn ich dagegen von einer Sache emotional gepackt bin oder Menschen erlebe, die sich mit großer Leidenschaft ins Leben stürzen – sei es in der Familie, im Beruf oder eben auch bei einem Fußballspiel – dann liegt mir mein Glaube oft ganz leicht auf der Zunge.

Das dürfte recht einfach erklärbar sein: Religiöse Aussagen, also “allzu fromme Worte” oder das, was in Gottesdiensten ganz selbstverständlich wie Wahrheit behauptet wird, stammt aus einer erfundenen, rein fiktiven Scheinwirklichkeit und nicht aus unserer realen, natürlichen Wirklichkeit. Kein Wunder also, dass es einem die Sprache verschägt, wenn man sich sowas anhören muss. Mir jedenfalls würde es bei jedem Gottesdienst so gehen…

Es erscheint gut nachvollziehbar, dass solche Fiktionen nicht dieselben Emotionen hervorrufen können wie reale Leidenschaft oder sonstiges menschliches Verhalten, das im Gegensatz zu religiösen Inhalten ja tatsächlich vorhanden und nicht nur in der Phantasie erlebbar ist.

Mit seiner Annahme, im realen Erleben von menschlichen Verhaltensweisen eine Bestätigung seines Glaubens zu erkennen, tappt Herr Alter einmal mehr in die Denkfalle, die als “confirmation bias” bekannt ist: Er hält etwas Reales für eine Bestätigung von etwas Irrealem, das es bis zum Beweis des Gegenteils nur in der menschlichen Phantasie gibt. Menschliche Leidenschaft, menschliche Emotionen sind realen Ursprungs. Keine Götter, Gottessöhne oder Geister haben hier ihre Finger oder was auch immer im Spiel.

Und auf die ganz normalen, einfachen Gespräche, die sich dabei ergeben werden. Denn da ist Gott dann “auf’m Platz”.

Kein
Kein “Gott auf’m Platz”

Ganz normale, einfache Gespräche ergeben sich, wie alle anderen Gespräche auch, völlig ohne die Einwirkung von erfundenen Göttern, sie sind kein Indiz für die Existenz von imaginären Freunden.

Gott ist genauso “auf’m Platz” wie Eric, der götterfressende Pinguin mit einer Vorliebe für monotheistische Gottheiten. Oder Rumpelstilzchen, Oder Zeus, Anubis, Hermes, Neptun, Dionysos. Oder die Zahnfee. Und natürlich das Fliegende Spaghettimonster, das stets über jedem Fussballplatz schwebt, von wo aus es die Spieler mit Seinen Nudeligen Anhängseln leitet.

Herr Alter, wenn Sie gerne am normalen Leben teilnehmen und gerne entspannte, normale Unterhaltungen führen, dann überlegen Sie doch mal, warum Sie dann Ihr Leben damit verbringen, das klare Denken von Menschen mit religiösen Wahngedanken zu vernebeln und ihnen die Zeit zu stehlen, in der sie und auch Sie ein fröhliches, unbeschwertes Leben führen könnten, anstatt sich schuldig, abhängig und erlösungsbedürftig zu fühlen.

*Die als Zitat gekennzeichneten Abschnitte stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Artikel, veröffentlicht am 11.06.2016 von ARD / daserste.de

FacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmail

Schreibe einen Kommentar