Mesliers Mémoire (4): Alle Religionen der Welt

~ 2 Minuten

Alle Religionen der Welt sind nichts als menschliche Erfindungen, nichts als Irrtümer, Einbildung und Betrug.*

Toutes les religions du monde ne sont que des inventions humaines qu‘erreurs, illusions et impostures.**

Alle Religionen der Welt

Pauschalisierungen aller Art sind immer mit besonderer Vorsicht zu genießen. Die Zitate des Abbé Meslier verblüffen nicht selten durch ihre sehr direkte, unverblümte Sprache. Wenn es “ans Eingemachte” ging, nahm er kein Blatt vor den Mund. Und schrieb seine Erkenntnisse so nieder, wie sie ihm wahr und richtig erschienen.

Alle Religionen?

So auch in diesem Fall. Wo Meslier die Eigenschaften aller Religionen gezielt auf den Punkt bringt. Doch was für gläubige Schafe und deren Hirten möglicherweise auf den ersten Blick wie eine Beleidigung klingen könnte, erweist sich bei näherer Betrachtung als tatsächlich und bis zum Beweis des Gegenteils zutreffend.

Denn keine Glaubensgemeinschaft konnte bis jetzt seriös belegen, dass ihre Religion (anders als alle anderen) nicht von Menschen erschaffen worden war.  Sondern dass sie tatsächlich von einem Gott, Gottessohn, einer Göttin oder von Göttern stammt.

Manche möchten heute nicht mal mehr von einer Offenbarung sprechen. Und weichen deshalb auf eine unverfängliche göttliche Inspiration aus. Wie man sicherstellen kann, dass eine Inspiration tatsächlich von einem Gott itself und nicht nur von der Vorstellung oder Illusion eines Gottes stammt, bleibt unbeantwortet. Oder – worst case: Gar von einem Dämon, der dem Inspirierten nur vorgaukelt, es handle sich um eine göttliche Inspiration!?

Andere behaupten aber auch felsenfest, den göttlichen Ursprung ihrer Religion selbstverständlich beweisen zu können. Keiner dieser Beweise hält einer objektiven Prüfung stand. Und zwar egal, um welche Religion es geht.

Ein Gottesbeweis wäre gleichzeitig auch das sofortige Ende einer Religion. An einen Gott, den es wirklich gibt, müsste genausowenig jemand glauben wie jemand an die Schwerkraft glauben muss.

Irrtum, Einbildung Betrug

Alle Religionen (zumindest alle theistischen) basieren auf der Annahme, dass die jeweiligs verehrte Gottheit/en tatsächlich existieren würde/n. Auch das ist und bleibt bis zum Beweis des Gegenteils ein Irrtum. So sehr sich die Theologen und Dogmatiker auch bemühen mögen.

Und Einbildung und Betrug sind nur die beiden Seiten derselben Medaille: Gläubige bilden sich ein, dass das, womit sie von Religionsdienern betrogen werden, wahr sei.

Es ist einmal mehr erstaunlich und bemerkenswert, dass ein katholischer Pfarrer im 17. Jahrhundert bereits so klar diese aus heutiger Sicht offensichtlichen Tatsachen über Religionen zu Papier gebracht hatte. Wenn auch zunächst nur heimlich.

An der Richtigkeit dieser Feststellung hat sich jedenfalls bis heute nichts geändert.

* Hartmut Krauss (Herausgeber), Das Testament des Abbé Meslier. Die Grundschrift moderner Religionskritik. Hintergrund-Verlag 2.Auflage 2005, ISBN 300015292X, Kapitel 3, S.85.

** Le Testament de Jean Meslier I-III, Georg Olms Verlag Hildesheim 1974, Nachdruck der Ausgabe Amsterdam 1864, ISBN 3487052784, Google Books, p.30)

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