Mesliers Mémoire (5): Die Wahrheit

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Die Wahrheit, die Erfahrung, die Reflexion, die Vernunft sind die geeigneten Mittel die Unwissenheit, die Torheit, den Fanatismus zu heilen.

Die Wahrheit...

In diesem Zitat zählt Jean Meslier die Methoden auf, die der Pfarrer und Radikalaufklärer für wirksam gegen Unwissenheit, Torheit und Fanatismus hält. Neben Erfahrung, Reflexion und Vernunft nennt er die Wahrheit.

Doch was bedeutet Wahrheit? Gibt es eine solche überhaupt? Und wenn ja, sind Menschen überhaupt in der Lage, die Wahrheit als solche sicher zu erkennen?

Wikipedia liefert folgende Definition:

  • Dem Begriff Wahrheit werden verschiedene Bedeutungen zugeschrieben, wie Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, einer Tatsache oder einem Sachverhalt, aber auch einer Absicht oder einem bestimmten Sinn bzw. einer normativ als richtig ausgezeichneten Auffassung („Truism“ oder Gemeinplatz) oder den eigenen Erkenntnissen, Erfahrungen und Überzeugungen (auch „Wahrhaftigkeit“).
    Das zugrundeliegende Adjektiv „wahr“ kann aber auch die Echtheit, Richtigkeit, Reinheit oder Authentizität einer Sache, einer Handlung oder einer Person, gemessen an einem bestimmten Begriff, beschreiben („Ein wahrer Freund“). Alltagssprachlich kann man die „Wahrheit“ von der Falschheit, der Lüge als absichtlicher Äußerung der Unwahrheit und dem Irrtum als dem fälschlichen Fürwahrhalten abgrenzen.(Quelle: Wikipedia)**

Der zitierte Artikel bietet einen Überblick über dieses weite Thema. Und über die verschiedensten philosophischen Ansätze zum Wahrheitsbegriff.

Was bedeutet Wahrheit?

Ich verstehe Wahrheit als die bestmögliche Annäherung an die natürliche, beobacht-, erleb-, messbare Wirklichkeit. Und deshalb darf und kann Wahrheit nicht dogmatisch festgelegt werden. Weil sich auch die für absolut sicher gehaltenen Wahrheiten durch neue Erkenntnisse als falsch erweisen können.

Es kann sich immer nur um Wahrscheinlichkeiten handeln. Wobei hier die Bandbreite von völlig unwahrscheinlich bis hin zu mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit reicht.

Glauben - Gewissheit - Wissen

Gläubige sprechen oft von einer “Gewissheit”, die sie bezüglich ihrer Glaubensinhalte haben. Mit dieser Gewissheit versuchen sie, den Unterschied zwischen Nichtwissen und Wissen zu vertuschen.

Etwas glauben bedeutet, etwas für wahr zu halten, das nach den seriösen, bewährten Methoden zur Erkenntnisgewinnung nicht als wahr bezeichnet werden kann.

So tun, als sei es wahr

Es handelt sich bei diesen Inhalten also bestenfalls um Hypothesen. Und als solche müssten sie auch behandelt werden –   rein hypothetisch. Und zwar bis zum Beweis des Gegenteils.

Selbst der allergrößte Teil der Theologie hat längst aufgegeben, Gott beweisen zu wollen. Vielmehr räumen die meisten Theologen freimütig ein, dass man Gott natürlich nicht beweisen könne. Dieser Erkenntnis sollte die nächste Erkenntnis folgen, nämlich dass alle Aussagen, die auf einer Hypothese beruhen, ebenfalls bestenfalls hypothetisch sein können. Doch weit gefehlt.

Man gibt zwar zu, dass es keinen Beweis für Gott gibt. Und tut dann aber einfach trotzdem so, als gäbe es Gott. Nicht nur irgendeinen, sondern den jeweils vorgestellten. Und mit den jeweils behaupteten Eigenschaften.

Was wird als “die Wahrheit” akzeptiert?

Natürlich wohnt in Wirklichkeit kein Minidrache in meinem linken Schuh. Ich habe aber in einem Mythenbuch aus dem Vormittelalter gelesen, dass ein Minidrache in meinem linken Schuh wohnt. Und ich habe persönliche Empfindungen meines Minidrachens. Deshalb verlange ich von dir, dass du den Minidrachen respektierst. Und meine Glaubensgewissheit, dass es diesen Minidrachen in meinem linken Schuh wirklich gibt.

Wohl kaum jemand wird die Existenz meines Minidrachens aufgrund dieser Schilderung für wahr halten. Und trotzdem kann auch die tiefste religiöse Glaubensüberzeugung keine stärkeren Fakten liefern als ich in meinem Bespiel: Eine antike Mythen- und Legendensammlung. Und vielleicht noch persönliche Empfindungen.

  • Der Wahrheit ist es egal, ob sie jemand für wahr hält.
  • Die Wahrheit wird nicht dadurch unwahr, dass sie niemand für wahr hält.
  • Die Unwahrheit wird nicht dadurch wahr, dass viele sie für wahr halten.
  • Religiöser Glaube heißt, etwas für wahr zu halten, von dem man nicht wissen kann, ob es wahr ist.

*Quelle des Meslier-Zitats: gbs-rhein-neckar.de
** Wikipedia-Zitat: Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported
**Grafik: © AWQ.DE

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