Erderwärmung: Simple answers for simple minds

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In einem Facebook-Kommentar berichtete ein religiös gläubiger Nutzer von einem Gespräch, das er mit einem Amerikaner zum Thema Klimawandel und Erderwärmung geführt hatte:

Erderwärmung

Da wurde ich neugierig und fragte nach. Wenn “Ich glaube nicht an Erderwärmung” eine “einfache Antwort für einfache Gemüter” sein soll, wie wäre dann “Ich glaube an Gott” zu bewerten?

Also fragte ich nach. Und erfuhr, dass es ganz einfach sei: Es gebe wissenschaftliche Belege für Erderwärmung, aber keine dagegen. Umgekehrt gebe es keine wissenschaftliche Belege dafür, dass es keinen Gott gibt, aber jede Menge Indizien, die für seine Existenz sprechen.

Eine interessante Argumentation. Grundsätzlich scheint der Diskussionspartner also schon davon auszugehen, dass wissenschaftliche Belege geeignet sind, um die Gültigkeit einer Annahme oder Behauptung zu bestätigen. Jedenfalls, solange es um Phänomene wie die Erderwärmung geht.

Aber wie sieht es aus, wenn es die Existenz von Göttern behauptet wird? Da kommen auf einmal Indizien ins Spiel.

Leugner der Erderwärmung glauben an Indizien

Nun nennen Leugner der Erderwärmung natürlich genauso eine ganze Reihe an Indizien, die ihrer Meinung dafür sprechen, dass die Erderwärmung nur eine “Fake news” ist. Und glauben daran.

Nach dieser Logik ergeben sich folgende Annahmen:

  • Für die Erderwärmung sprechen wissenschaftliche Belege, aber keine dagegen. Dagegen sprechen nur Indizien.
  • Für die Existenz eines Gottes sprechen keine wissenschaftlichen Belege, aber auch keine dagegen. Dafür sprechen nur Indizien.

Den Umstand, dass kein einziger Beweis für die Existenz von Göttern oder eines Gottes spricht, hatte mein Gesprächspartner in seiner Begründung – wohl kaum versehentlich – weggelassen. Und stattdessen nur die Nicht-Nichtbeweisbarkeit Gottes angeführt. Auch die Tatsache, dass Leugner der Erderwärmung ihre diesbezügliche Gewissheit mit vermeintlichen Indizien belegen, kam nicht zur Sprache.

Genausowenig, wie es den Erderwärmungsleugner stört, dass es keine wissenschaftlichen Belege gegen die Erderwärmung gibt, stört es den Gläubigen, dass es eben auch keine wissenschaftlichen Belege für die Existenz des von ihm angenommenen Gottes gibt. Denn beide gewichten die von ihnen an- oder wahrgenommenen Indizien stärker als die Faktenlage. Sie glauben, was sie glauben möchten. Ohne belastbare Beiweise. Und wenn nötig sogar wider besseres Wissen.

Simple answers for simple minds

ErderwärmungAugenscheinlich war es für meinen Diskussionspartner kein Problem, die Unredlichkeit dieser Argumentation zu entlarven – solange es um die Erderwärmung geht. Es ist ja auch nicht allzu schwer zu erkennen, dass der Glaube an Indizien nicht die gleiche Beweiskraft haben kann wie mit wissenschaftlichen Methoden gewonnene Erkenntnisse.

Die logische Schlussfolgerung aus der Erkenntnis, dass Indizien, die gegen die Klimaerwärmung sprechen, nicht gegen die Faktenlage ankommen, wäre, dass auch Indizien, die für die Existenz von Göttern sprechen, ebenfalls nicht gegen die Faktenlage ankommen. Und diese ist: Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg für die Existenz oder das Wirken von Göttern. Umgekehrt liefert die Wissenschaft heute bessere, weil plausiblere Antworten als Religionen, die weder Sinn-, noch Sachfragen beantworten können.

Die Tatsache, dass es keinen wissenschaftlichen Beleg für die Nichtexistenz von Göttern gibt, macht diese Existenz kein bisschen plausibler. Solange es keinen einzigen seriösen Beleg dafür gibt. Das verhält sich bei Göttern genauso wie bei allen anderen von Menschen imaginierten Phantasiewesen.

Sowohl Gottgläubige, als auch Erderwärmungsleugner argumentieren mit Indizien, um ihre jeweils gewünschte Vorstellung zu belegen. Ich sehe hier eine unfreiwillige Ironie, wenn der eine das gleiche Verhalten des anderen als “simple answers for simple minds” bezeichnet…

*Quelle: Screenshot Facebook

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