Säkularisierung nennt man das?

Am 14. November veröffentlichte katholisch.de einen Beitrag, in dem von der Verwüstung des Innenraums einer niederbayerischen Kapelle berichtet wurde; diese Straftat bezeichnete eine Online-Redakteurin als Säkularisierung.

Die Täter sind bisher ebenso unbekannt wie das Motiv: Im niederbayerischen Elisabethszell wurde eine bäuerliche Hofkapelle verwüstet – und dabei nicht nur eine Figur des heiligen Aloisius zerstört.*

Die Beschädigung und Zerstörung fremden Eigentums ist eine Straftat. Und als solche zu behandeln.

Frau Martin, Online-Redakteurin von katholisch.de versteigt sich auf Facebook allerdings zu diesem Kommentar:**

Säkularisierung

Das bedeutet Säkularisierung

  • Die Säkularisierung, abgeleitet von saeculum (lat. Zeit, Zeitalter; auch: Jahrhundert), bedeutet allgemein jede Form von Verweltlichung, im engeren Sinne aber die durch den Humanismus und die Aufklärung ausgelösten Prozesse, welche die Bindungen an die Religion gelockert oder gelöst und die Fragen der Lebensführung dem Bereich der menschlichen Vernunft zugeordnet haben. Soziologisch wird dieser Prozess als „sozialer Bedeutungsverlust von Religion“ interpretiert. Während eine Säkularisierung in der jüngeren Geschichte vor allem in westlichen Gesellschaften zu beobachten gewesen ist („Entchristlichung“), sind säkularisatorische Tendenzen auch in vielen anderen Gesellschaften feststellbar. (Quelle: Wikipedia)

Das bedeutet Säkularisierung nicht

Nun könnte man freilich die Zerstörung von religiösen Einrichtungen der Kategorie “allgemein jede Form von Verweltlichung” zuordnen. Wenn Frau Martin jedoch Vandalismus in einer Kapelle als Säkularisierung bezeichnet, dann suggeriert sie damit, die Trennung von Staat um Kirche (worum es bei der Säkularisierung geht) sei generell mit Gewalt und Zerstörung verbunden. Oder umgekehrt: Vandalismus sei mit Säkularisierung gleichzusetzen.

Solange die Motive des Täters oder der Täter noch nicht bekannt sind, lässt sich darüber höchstens spekulieren. Der Amokschütze, der neulich Menschen in einer amerikanischen Kirche tötete, hatte beispielsweise offenbar keine (anti-)religiöse Motivation.  Sondern persönliche Probleme mit bestimmten Personen, die sich gerade in der Kirche befanden.

Hier war von christlicher Seite auch spekuliert worden, es habe sich möglicherweise um einen atheistisch motivieren Anschlag gehandelt. Weil der Attentäter als Atheist bekannt war.

Denkbar sind viele Motive, die die Tat freilich keineswegs rechtfertigen. Blinde Zerstörungswut kommt ebenso in Frage wie die Enttäuschung eines Menschen, der sich womöglich auf göttliche Unterstützung verlassen hatte und enttäuscht worden war.

Er ließ die Höhenheiligtümer zerstören, die Gedenksteine umhauen und die Ascherabilder umstürzen. (2. Kön 18,4 NLB)

Und dann kommt auch ein religiös motivierter Täter in Betracht. Denn in erster Linie in religiösen Kreisen hat die Zerstörung fremder Götzenbilder und Heiligtümer eine lange, unrühmliche Tradition.

In der Bibel findet sich dieses Verbrechen mehrfach, um die Macht Gottes zu demonstrieren. Denn hier ruft der eifersüchtige Monogott mehrfach dazu auf, die Heiligtümer anderer Götter zu zerstören.

Freilich nicht nur Heiligtümer. Auch Dörfer, ganze Städte und auch mal praktisch alles Leben auf der Erde waren laut biblischer Legende schon der Zerstörungswut des zornigen Rachegottes zum Opfer gefallen.

Und dann sind da noch die ungezählten Millionen von Menschen, die Gläubige tatsächlich im vermeintlichen Namen und Auftrag Gottes verfolgt, unterdrückt, ausgebeutet und ermordet haben. Nicht die im biblischen Mythos. Sondern in echt.

Das Motiv der Zerstörung fremder Heiligtümer finden wir jedoch nicht in den arachaischen Texten des Alten Testaments. So nannte zum Beispiel der katholische Fuldaer Bischof Algermissen gerade wieder den “Heiligen” Bonifatius als leuchtendes Vorbild für besonders starken Glauben und eifrige Missionierung. Denn der soll der Legende zufolge die Donareiche, also ein heidnisches Heiligtum gefällt haben. Um so die Überlegenheit seines Gottes zu demonstrieren.

Dass sich Donar nicht für die Zerstörung seines Heiligtums rächte, galt als Beweis für die Übermacht des orientalischen Wüstengottes. Und gilt bei Menschen wie Algermissen wahrscheinlich bis heute noch als eindeutiger Gottesbeweis.

Religiös motivierter Vandalismus

Noch heute bedienen sich zum Beispiel Islamisten dieser Methode, um die Macht wiederum ihres Gottes unter Beweis zu stellen. Und um so die Anhänger anderer Götter zu demütigen. Indem sie deren Heiligtümer zerstören. Wie zum Beispiel in Timbuktu. Oder bei der Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan durch Talibankämpfer.

Man könnte die Aussage also auch problemlos umkehren:

  • Religion nennt man das…

Aber genausowenig, wie man Religion mit der Zerstörung fremden Eigentums (lieber versucht man, dessen habhaft zu werden) gleichsetzen kann, ist Säkularisierung ein Synonym für die Zerstörung von Heiligenstatuen oder Gipfelkreuzen.

Fazit

Die Trennung von Staat und Kirche, das zunehmende Verschwinden von Religionen in der Bedeutungslosigkeit, der Schutz vor frühkindlicher Indoktrination und die Einstellung staatlicher Subventionierung einiger Kirchen in Deutschland sind nicht gleichzusetzen mit einer zerstörerischen Straftat. Auch wenn Frau Martin das augenscheinlich so darzustellen versucht.

In einer säkularen, freien, offenen Gesellschaft hat auch die Wüstenreligion, die Frau Martin vertritt ihren Platz – als Privatangelegenheit von Erwachsenen, nicht aber als milliardenschwer staatlich subventioniertes und umfassend sonderprivilegiertes Geschäftsmodell.

Die Zerstörung fremden Eigentums ist eine Straftat – ganz unabhängig von der Motivation. Sie ist nicht gleichzusetzen mit Säkularismus und auch nicht als solcher zu bezeichnen.

*Der als Zitat gekennzeichnete Abschnitt stammt aus einem Beitrag auf katholisch.de.
**Das Bildzitat stammt von der Facebook-Seite von katholisch.de
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**** Title photo by Nolan Issac on
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Letzte Aktualisierung: 15. November 2017