Sam Harris (3): Atheismus ist das Eingeständnis des Offensichtlichen

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In seinem “Brief an ein christliches Land” weist Sam Harris auf die Problematik des Begriffes “Atheismus” hin:

„Der Atheismus ist keine Philosophie, ja nicht mal eine Weltanschauung. Er ist schlicht und einfach das Eingeständnis des Offensichtlichen.

Letztendlich dürfte es nicht mal den Begriff „Atheismus“ geben. Es gibt ja auch niemanden, der sich als ein „Nichtastrologe“ ausweisen müsste oder als ein „Nicht-Alchemist.“

aus Sam Harris: Brief an ein christliches Land, S. 74/75, C. Bertelsmann 2006

Sam Harris über Atheismus

Was bedeutet Atheismus? Und was nicht?

In Gesprächen mit Gläubigen tauchen immer wieder alle möglichen abenteuerlichen Definitionen dessen auf, was mit “Atheismus” gemeint sein soll. Oft verwenden Gläubige den “Atheist” als Strohmann für diverse Eigenschaften. Die freilich mit der Eigenschaft “atheistisch” gar nichts zu tun haben.

Die wohl häufigste Fehlinterpretation lautet: “Ein Atheist ist jemand, der behauptet, es gäbe keinen Gott.” Volker Dittmar schreibt dazu (Hervorhebungen von mir):

  • Ein Theist ist jemand, der an die Existenz Gottes glaubt. Die Vorsilbe A- ist eine Verneinung dessen, also gilt: Eine Atheist ist jemand, der nicht an die Existenz Gottes glaubt.Das ist eine simple, sprachliche Definition. Die Mehrheit der Atheisten sind nämlich nicht, wie man glauben mag, Menschen, die behaupten „Es gibt keinen Gott“, vielmehr sagen sie „Ich glaube nicht an Gott“. Die Anzahl der Atheisten, die die Existenz Gottes rundweg bestreiten, ist sehr gering, aus meiner Erfahrung heraus würde ich schätzen, dass es nicht mehr als 10 Prozent der Atheisten sind, also nur eine kleine Minderheit. Die meisten Definitionen in Wörterbüchern sind von Theisten geschrieben worden, und die definieren das oft im Widerspruch zu dem, was Atheisten tatsächlich denken. Das beruht einerseits auf einer verbreiteten Unkenntnis darüber, was Atheisten tatsächlich über Gott denken, und ist zugleich der Versuch, die Atheistin in eine schwerer zu verteidigende Position zu bringen. (Quelle: dittmar-online.net)

Daraus folgt nicht,…

Nur weil jemand nicht so tut, als gäbe es irgendwelche (oder bestimmte) Götter, heißt das noch lange nicht, dass er deswegen besonders unfair/fair, gerecht/ungerecht, selbstlos/egoistisch klug/dumm oder sonstwas ist.

Und umgekehrt ist es natürlich auch nicht gesagt, dass sich jemand immer und in allen Bereichen vernünftig verhält, nur weil er in Bezug auf Phantasiewesen vernünftiger ist als jemand, der so tut, als gäbe es diese tatsächlich.

Problematisch ist der Begriff “Atheismus” auch, weil er suggeriert, es handele sich dabei um einen Mangel.  Um einen Mangel handelt es sich jedoch beim Gottesglaube – einen Mangel an Vernunft. Und einen Mangel an einem wirklichkeitskompatiblen Weltbild.

Weitere Informationen

Eine leicht verständliche Einführung in den methodischen Atheismus bietet Volker Dittmar auf dieser Webseite.

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Letzte Aktualisierung: 1. März 2018