Argument #29: “Gott ist trotz des Leides in der Welt gut, denn er ist moralisch verpflichtet, uns den freien Willen zu gewähren.”

~ 1 Minuten

Religiöse Argumente unter der Lupe - über den freien WIllenBehauptung: “Gott ist trotz des Leides in der Welt gut, denn er ist moralisch verpflichtet, uns den freien Willen zu gewähren.”

Antwort: Dieses Argument nimmt an, dass es unmoralisch wäre, wenn Gott es einem Menschen verunmöglichen würde, seinen Willen uneingeschränkt in die Tat umzusetzen.

Hierbei wird zunächst ignoriert, dass jeder Mensch manche Dinge nicht tun kann, die er tun will, z.B. fliegen.

Dieser Gott hätte es uns also bereits verunmöglicht, unseren Willen uneingeschränkt in die Tat umzusetzen.

Zudem ist ein solcher freier Wille für alle gar nicht möglich. Weil sich die Wünsche verschiedener Menschen widersprechen können.

Über den freien Willen von Tätern

Wenn Gräueltaten passieren, gewährt dieser Gott nur den Tätern ihren Wunsch. Während er denjenigen der Opfer übergeht.

Der Vorbringende dieses Arguments verteidigt dies als moralisch richtig und will also keine generelle Entscheidungsfreiheit für alle, sondern nur uneingeschränkte Handlungsfreiheit für Übeltäter.

Nicht vergessen: Wir gehen dazwischen, wenn unsere Kinder einander in die Haare geraten.  Und wir haben die Polizei und Sicherheitsdienste ins Leben gerufen, deren Aufgabe es unter anderem ist, unmoralische Taten zu verhindern.

Dies zeigt, dass wir der Meinung sind, dass es genau anders herum ist, als dieses Argument es behauptet: Jemanden daran zu hindern, eine unmoralische Tat zu begehen, ist nicht unmoralisch, sondern löblich.

Repost des Beitrags mit freundlicher Genehmigung des Autors.

FacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmail

1 Gedanke zu “Argument #29: “Gott ist trotz des Leides in der Welt gut, denn er ist moralisch verpflichtet, uns den freien Willen zu gewähren.””

  1. Ich finde das Argument der Apologeten nicht überzeugend, freier Wille müsse zwangsläufig auch Leid bedingen. Warum soll es zwangsläufig sein?

    Ich versuch’s mal aus einer anderen Perspektive. Frage: Wieviel ist 2 plus 2? Antwort: 4. Was lehrt uns dieses erstaunliche Gleichnis? Es lehrt uns, dass jeder Leser die Freiheit hatte, als Antwort die Zahl 5 zu nennen. Aber der Leser hatte die Fähigkeit, die richtige Zahl 4 zu ermitteln. Diese Fähigkeit schmälerte seine Freiheit nicht.

    Das bedeutet: Gott hätte den Menschen durchaus die Fähigkeit geben können, immer die richtige Antwort zu finden. Dann wäre Leid zwar theoretisch möglich, jedoch würde es praktisch nie dazu kommen, weil alle immer das Richtige tun.

    Wieso hat der Mensch also so viele Fähigkeiten, aber ausgerechnet nicht jene, immer sofort die richtige Lösung zu finden? Warum hat Gott uns diese Fähigkeit nicht gegeben, obwohl er die Freiheit hatte, es zu tun?

    Leid und Freiheit bedingen sich nicht. Vermutlich trifft das Gegenteil zu: Freiheit verhindert Leid. Denn Leid sehen wir stets dann, wenn keine Freiheit vorhanden ist, dem Leid auszuweichen. Eine wahrhaft freie Schöpfung weicht dem Leid aus.

    Gott schuf den Menschen also gerade frei genug, um als Täter dem anderen Leid zuzufügen. Aber er schuf sie nicht frei genug, um als Opfer dem Leid auszuweichen. Und er schuf sie nicht weise genug, um Leid von vornherein zu vermeiden.

    Mehr noch: Er entließ die Menschen so unwissend in die von ihm geschöpfte grausame Welt, dass sie zehntausende Jahre keine Ahnung hatten, wo das Leid überhaupt herkam (beispielsweise von Krankheiten). Und ohne dieses Wissen bestand auch keine Freiheit, etwas gegen das Leid zu unternehmen. Für die längste Zeit der Menschheitsgeschichte gab es weder Freiheit noch Wissen. Stattdessen gab es Leid. Erst die Aufklärung und damit einhergehend der technisch-kulturelle Fortschritt hat diese Balance verschoben.

Schreibe einen Kommentar

18 − 4 =