Gedanken zu: Impulse von Stadtpfarrer Buß: „Vertrau mir, ich bin da!“

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Gedanken zu: Impulse von Stadtpfarrer Buß: „Vertrau mir, ich bin da!“, veröffentlicht am 30.06.21 von osthessennews.de

Darum geht es

Stadtpfarrer Buß beschreibt die Methoden, mit denen die Kirche Kinder anlässlich der „Erstkommunion“ gezielt und zum eigenen Vorteil in die Irre führt, indem sie ihnen vorgaukelt, Jesus sei ihr Freund, auf den sie vertrauen können.

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– „Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda!“ Ich freue mich, am letzten Samstag und Sonntag sind zwei Gruppen von Kindern in unserer Innenstadt Pfarrei in Fulda zur ersten heiligen Kommunion gegangen.
(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Impulse von Stadtpfarrer Buß: „Vertrau mir, ich bin da!“, veröffentlicht am 30.06.21 von osthessennews.de)

Vertrau mir ich bin da
Quelle: imgflip.com

Diese Freude ist verständlich: Besteht doch für den Stadtpfarrer die Hoffnung, dass aus dieser Maßnahme zur Kundenbindung vielleicht tatsächlich wenigstens ein oder zwei lebenslängliche Kundenverhältnisse entstehen könnten.

Entweder aus Überzeugung. Oder, und das erscheint wahrscheinlicher, aufgrund der Faulheit, die praktisch immer unfreiwillige Kirchenmitgliedschaft irgendwann ab dem 14. Geburtstag zu beenden. Gründe dafür liefert die katholische Kirche ja wahrlich mehr als genug.

…ein verrücktes Jahr

Viele Pfarreien feiern in diesen Tagen und Wochen Erstkommunion. Corona bedingt in kleinen Gruppen, vielleicht mit Gottesdiensten im Freien. Es ist ein verrücktes Jahr, dieses Jahr der Pandemie.

Mindestens genauso verrückt wirkt es auf mich, dass auch 2021 noch erwachsene, geistig gesunde Menschen in einem Säkularstaat mit Schulpflicht ernsthaft glauben, das Verspeisen von in Menschenfleisch verwandelten Backoblaten sei eine bedeutsame und sinnvolle Angelegenheit.

Und genauso skurril gehts weiter:

[…] Da passt aus meiner Sicht in dieser Zeit auch gut das Motto der diesjährigen Erstkommunion: „Vertrau mir, ich bin da!“ Ein Wort als sei es hineingesprochen gerade in dieser Pandemie Zeit, wo vieles nicht möglich war, wo die realen Treffen gefehlt haben.

Dass Pfarrer Buß das Fehlen von realen Treffen beklagt, finde ich insofern erstaunlich, als dass er es sonst ja mit der Realität auch nicht so genau nimmt, wie wir gleich erfahren werden.

Vertrau mir, ich bin da!

Die Kommunionkinder hörten die Geschichte vom Seesturm (Mt. 14,22-33).

Jesus schickt seine Jünger mit dem Boot voraus. Sie kommen in einen Sturm und das Boot wird hin und her geworfen. Sie bekommen Angst und da kommt er über den See auf sie zu und er rettet sie. Aber er sagt zu ihnen: „“Habt Vertrauen, ich bin es. Fürchtet euch nicht! (Mt. 14,27).

Aus irgendwelchen Gründen fehlt bei Pfarrer Buß ein wichtiges Detail dieses biblischen Märchens:

Nachdem Jesus also über die aufgewühlte See zum Boot seiner Anhänger marschiert ist, möchte Petrus den Trick mit dem Übers-Wasser-Laufen auch mal ausprobieren. Nachdem er das Boot verlassen hat und er, seinem verehrten Halbgott Jesus gleich auf der Meeresoberfläche steht, überkommen ihn doch Zweifel, ob das denn alles überhaupt tatsächlich funktionieren kann.

Und schwupps beginnt er im Meer zu versinken. Damit Jesus ihn retten und ihn wegen seiner Glaubenszweifel tadeln kann. Die Aussage lautet sinngemäß: Wer nur fest genug glaubt, dass Jesus unter bestimmten Bedingungen die Naturgesetze außer Kraft setzen kann, der geht auch nicht unter, wenn er sich aufs Meer stellt, solange er nur fest daran glaubt.

Thoughts and Prayers

Auch in Anbetracht der Tatsache, dass der Schwimmunterricht Coronabedingt jetzt über viele Monate hinweg ausgefallen war, halte ich dieses Märchen für denkbar ungeeignet, Kindern mit einer Geschichte Vertrauen auf göttliche Hilfe zu suggerieren, bei der jemand durch göttliche Hilfe vor dem Ertrinken gerettet wird.

Wer glaubt, dass Menschen übers Meer laufen können und wer meint, dass fiktive, offensichtlich falsche Behauptungen in der biblischen Mythologie etwas seien, auf das man sinnvollerweise vertrauen könne, der dürfte eigentlich auch kein Problem damit haben, wenn aus guten Gründen vorübergehend mal keine realen Treffen unter Menschen möglich sind.

Vertrauen – aber worauf, auf wen und warum?

Im Wort „Vertrauen“ steckt das Wort „trauen“ und das ist kein Zufall. Mit Vertrauen gelingt viel mehr als ohne. Für viele ist das beim Springen in die Arme, beim Fahrradfahren lernen, beim Schwimmen wichtig, dass jemand da ist. Einer, der mir etwas zutraut und der mir hilft es zu schaffen.

Meme RealitätBis hierher stimme ich Herrn Buß voll zu: Vertrauen kann für Menschen (überlebens-)wichtig sein. Genauso wichtig ist dabei natürlich, dass man auf etwas oder jemanden vertraut, auf das oder den man sich auch tatsächlich verlassen kann. Etwas oder jemand, das oder der auch tatsächlich eingreift, wenn es erforderlich sein sollte. Und nicht nur in der eigenen Einbildung oder in biblischen Märchen.

Die realen kindlichen Erfahrungen von Vertrauen missbraucht Pfarrer Buß (oder wer auch immer sich diese perfiden Taktiken ausdenkt) jetzt, um den Kindern vorzugaukeln, auf seinen Gott zu vertrauen sei genauso sinnvoll wie auf tatsächlich zu erwartende Unterstützung und Hilfe von echten Menschen zu vertrauen.

Geistiger Kindesmissbrauch

Hier wird also kindliches, reales Vertrauen instrumentalisiert, um ihnen ein fiktives, eingebildetes Gottesvertrauen vorzugaukeln:

Von Jesus lernt der Menschen, man kann Gott vertrauen. „Vertrau mir, ich bin da!“ Ja, es ist schon eine spannende Geschichte mit dem Glauben. Es ist eigentlich wie ein Abenteuer. In einem Abenteuer gibt es Aufgaben, Gefahren, Freunde, Weggefährten.

Wie anders kann man solche Versuche, Kindern durch Instrumentalisierung von tatsächlich berechtigtem Vertrauen ein imaginäres Vertrauen auf magische Himmelswesen zu vermitteln nennen als geistigen Kindesmissbrauch?

Es gibt aber auch dunkle Momente, schöne Dinge und auch Menschen, die versuchen einen vom Weg abzubringen. Es gibt aber auch Wegbegleiter, die einfach da sind.

In der Aufzählung fehlen die katholischen Priester, die genau dieses Vertrauen von Kindern ausnutzen, um sie zu vergewaltigen. Diese Kinder hätten froh sein können, wenn sie jemand rechtzeitig von diesem Weg abgebracht oder sie erst gar nicht auf diesen Weg geschickt hätte. Dann wären diese Wegbegleiter nämlich womöglich nicht einfach da gewesen.

Abenteurer des Lebens

Es gibt einen Wechsel von Hoffnungen aber auch Zweifeln. Der Glaube ist und bleibt stets auch ein Abenteuer. Wenn das so ist, können Menschen zu Abenteurern des Glaubens werden.

Vertrau mir, ich bin da
Quelle: memegenerator.net

Durch Zweifeln und in der Folge durch einen kritischen Abgleich der Illusionen mit der irdischen Wirklichkeit können Menschen auch zu Abenteurern der Wirklichkeit werden.

Statt sich, wie von Berufschristen erhofft und beabsichtigt, in religiöse Phantasiewelten zu flüchten.

Gegen Fiktionen und Phantasievorstellungen an sich ist freilich nichts einzuwenden. Sie eröffnen praktisch grenzenlose Vorstellungswelten, in denen alles Beliebige vorstellbar ist.

Problematisch und deshalb kritikwürdig wird es, wenn jemand Kindern suggeriert, zwischen diesen Phantasievorstellungen und der irdischen Wirklichkeit bestünde eine Wechselwirkung, die über die reine Einbildung hinaus geht. Und genau das passiert hier.

Verantwortungsbewusste Eltern sind darauf bedacht, ihren Kindern beizubringen, dass sie eben nicht blind auf irgendwen oder -etwas vertrauen sollen. Genau das ist aber für Glaube im religiösen Sinn erforderlich: Glauben statt denken. Und denken nur so weit, dass der Glaube dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Wer Kindern Gottvertrauen vermittelt, der muss versuchen, sie dazu zu bringen, ihren kritischen Verstand auszuschalten. Und auf eine kritische Überprüfung dieser Behauptungen zu verzichten. Also genau das, was man Kindern gerade nicht vermitteln sollte. Um sie in ihrem Selbstvertrauen, aber auch in ihrer Skepsis falschen Freunden oder katholischen Priestern gegenüber zu stärken.

Zielgruppe Eltern

Die Einführung in den Kannibalismus-Ritual des katholischen Totenkultes nehmen Berufschristen gerne zum Anlass für Versuche, auch die Eltern nochmal als profitable und nützliche Kunden und Markenbotschafter zu halten oder zurückzugewinnen:

Dabei sind alle gemeint. Kinder als auch die Erwachsenen. Das ist keine Einbahnstraße, sondern es ist ein Geben und Nehmen von Eltern, Katecheten und Pfarrer. Sie geben von ihren Glaubenserfahrungen des Lebens weiter an die Kinder und die Erwachsenen können sehr viel von der Frische und Lebendigkeit dieser Kinder profitieren.

Ich fände es mal interessant zu erfahren, wie oft dieser feuchte priesterliche Traum in Erfüllung geht. Und Eltern tatsächlich wieder zum Glauben und zur Kirche zurückfinden. Weil sie sich dem Gruppendruck beugen.  Statt ihre Kinder vor dieser absurden und bizarren Zeremonie zu verschonen.

In einem aktuellen Fall aus meinem Bekanntenkreis war es genau umgekehrt: Da ist der Vater aus der Kirche ausgetreten, direkt nachdem sein jüngstes Kind die „Erstkommunion“ hinter sich gebracht hatte.

Vertraue denen, die Vertrauen verdienen

Ich wünsche den Kindern eine gute und gesegnete Erfahrung mit dem Freund Jesus Christus und dass sie im Leben immer wieder erfahren Jesus ist da. Ich kann vertrauen und frohen Mutes das Leben wagen.

unsichtbarer Freund
„Ich bin hier, weil ich einen unsichtbaren Freund habe. Und du?“

Und ich kann auch und erst recht vertrauen und frohen Mutes das Leben wagen, ohne mir dazu einbilden zu müssen, ein bestimmter Halbgott aus der biblischen Mythologie sei mein Freund und bei mir.

Statt Kindern einzureden, es sei im täglichen Leben erfahrbar, dass Jesus da sei, wäre es doch sinnvoller, ehrlicher und redlicher, sie zum Beispiel dafür zu sensibilisieren, wer tatsächlich für sie da ist und woran sie das feststellen können.

Genauso wichtig wäre es, das Selbstvertrauen von Kindern zu stärken. Statt sie gezielt und zum eigenen Vorteil mit Lügen in die Irre zu führen.

Sollte es tatsächlich irgendwelche Götter geben, dann haben sie alle etwas gemeinsam: Sie verhalten sich exakt so, als gäbe es sie nicht.

Nichts im irdischen Geschehen lässt sich nachweisbar in einen ursächlichen Zusammenhang mit irgendwelchen Göttern, Geistern oder Gottessöhnen bringen.

Und deshalb macht es faktisch auch keinen Unterschied, ob jemand auf Jesus, Shiva, Thor oder Manitu vertraut: Der (bestenfalls Placebo-) Effekt ist der gleiche.

Fazit

Jesus kommt nicht übers Wasser gelaufen. Er  rettet auch keine Menschen, die wegen mangelnder Glaubensstärke oder aus physikalischen Gründen zu ertrinken drohen.

Der wundertätige biblische Gottessohn ist eine literarische Kunstfigur. Seine angeblichen Zauberkräfte, aber auch die Vorstellung, er sei ein vertrauenswürdiger Freund, auf den man sich verlassen könne entspringen der menschlichen Phantasie und Wunschvorstellung.

Das sollte man Kindern vermitteln. Statt ein fiktives Vertrauen auf fiktive Götterwesen, das lediglich aus der Einbildung einer Fehldeutung der irdischen Wirklichkeit besteht. Und ein Vertrauen, das es mangels göttlicher Existenz zudem auch noch pädokriminellen Priestern erleichtert, sich das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen.

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4 Gedanken zu „Gedanken zu: Impulse von Stadtpfarrer Buß: „Vertrau mir, ich bin da!““

  1. Diese Glaubenseinstellung ist äußerst bedenklich und kann schnell zu überheblichen Leichtsinn verführen.
    Es läßt sich somit alles beliebige auf das Eingreifen Gottes und das Wirken von Gebeten deuten.
    Beten = Nichts tun!
    Wie hier erwähnt, zeugt es von einer naiver Verantwortungslosigkeit, Minderjährigen so etwas zu suggerieren und davon auszugehen, jeder hat die selben Erwartungen und Ansprüche.

    Antworten
    • …ob diese Verantwortungslosigkeit tatsächlich naiv ist? Oder vielleicht „knallhart kalkuliert“, weil man mangels guter Argumente keine andere Wahl (mehr) hat?

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  2. Das ist eben das Problem, der religiösen Machtstruktur.
    Das eigenständige, kritische Denken, ist hier deplatziert, da sich hier auf eine Erwartungshaltung berufen wird, die durch Gott legitimiert ist und keine Wiedersprüche duldet!

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