Darum geht es
Frau Prumbaum instrumentalisiert menschliche Stärke und medizinische Erfolge für religiöse Narrative, während sie gleichzeitig die tatsächlichen Heldinnen und Helden – Wissenschaft, Medizin und menschliche Vernunft – unsichtbar macht.Anke Prumbaum beginnt ihre Ansprache mit einer harmlosen Yoga-Anekdote, um dann schnell zu dem überzugehen, was das „Wort zum Sonntag“ am besten kann: Die Vereinnahmung menschlicher Stärke für religiöse Narrative.
Die Instrumentalisierung menschlicher Stärke
Die Geschichte der drei „Heldinnen“ – zwei werdende Mütter und ihr ungeborenes Kind mit schwerer Prognose – ist zweifellos bewegend. Doch was macht diese Menschen zu Heldinnen? Ihre Liebe, ihr Durchhaltevermögen, ihre Hoffnung. Alles zutiefst menschliche Eigenschaften. Warum also muss Prumbaum daraus eine Geschichte über „Gottes Beistand“ machen?
Die beiden Frauen haben durchgehalten. Das medizinische Team hat sein Bestes gegeben. Die moderne Medizin hat funktioniert. Aber im religiösen Weltbild wird daraus eine Geschichte über Glauben und göttlichen Beistand. Die tatsächlichen Heldinnen und Helden – die Ärztinnen, die Pflegekräfte, die Wissenschaft, die diese positive Wendung möglich gemacht hat – werden zu bloßen Statisten in einem göttlichen Drama.
Biblische „Helden“ als moralisches Vorbild?
Besonders problematisch wird es, wenn Prumbaum biblische Figuren als Vorbilder anführt. Die Hebammen, die sich dem Pharao widersetzen? Moses, dessen Geschichte mit einem Völkermord endet? Daniel in der Löwengrube? Das sind mythologische Erzählungen aus einer Zeit, in der Sklaverei normal war, Frauen als Besitz galten und „Heldentum“ oft genug mit brutaler Gewalt einherging.
Diese Geschichten als moralische Vorbilder zu präsentieren, während man sich gleichzeitig von „kriegerischen Helden“ distanziert, ist ein bemerkenswerter Widerspruch. Die Bibel ist voll von genau jenen „rücksichtslosen Machtmenschen“, die Prumbaum angeblich ablehnt.
Die Anmaßung des Glaubens
Am deutlichsten wird die Problematik in dieser Passage: „Sie kämpfen für Zukunft, Sie glauben an das Unmögliche, Sie wissen um Gottes Beistand.“
Nein. Menschen, die für eine bessere Welt kämpfen, brauchen keinen Gottesglauben. Rita Süssmuth wird erwähnt – eine Politikerin, die konkrete politische Arbeit geleistet hat. Ihre Erfolge beruhten auf rationaler Analyse, politischem Geschick und hartnäckigem Engagement, nicht auf göttlichem Beistand. Sie als religiöse Heldin zu vereinnahmen, ist eine Beleidigung ihrer tatsächlichen Leistung.
Was wir wirklich brauchen
Prumbaum hat recht damit, dass wir keine „rücksichtslosen Machtmenschen“ brauchen. Aber wir brauchen auch keine religiösen Narrative, die menschliche Stärke, Mitgefühl und Vernunft zu göttlichen Geschenken umdeuten.
Wir brauchen Menschen, die:
- Auf Wissenschaft und Evidenz vertrauen, nicht auf übernatürliche Interventionen
- Aus Empathie handeln, nicht aus Angst vor göttlichem Urteil
- Verantwortung übernehmen, statt sie an eine höhere Macht zu delegieren
- Kritisch denken, statt sich auf bronzezeitliche Mythen zu berufen
Die beiden Mütter aus der Krankenhausgeschichte waren stark, weil sie Menschen sind, die lieben und hoffen können. Nicht weil ein Gott ihnen beistand, sondern weil Menschlichkeit und moderne Medizin ihnen halfen.
Fazit
Frau Prumbaum macht in ihrer heutigen Verkündigung das, was Religion seit jeher macht: Sie nimmt menschliche Errungenschaften und schreibt sie Gott zu. Sie nimmt menschliches Leid und macht es zu einer Glaubensprüfung. Und sie nimmt die Verantwortung von uns Menschen und legt sie in die Hände einer imaginierten höheren Macht.
Wahres Heldentum braucht keinen göttlichen Beistand – es braucht Mut, Vernunft und Menschlichkeit.

















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