Kritische Gedanken zum Beitrag Stefan Buß: „Dem Wind trauen, im Sturm glauben.“, veröffentlicht am 18.4.2026 von osthessen-news.de
Darum geht es
Stadtpfarrer Stefan Buß bewirbt das Jahresmotto der Schönstatt-Bewegung – und verschweigt dabei zum wiederholten Male, dass gegen deren Gründer Josef Kentenich schwerwiegende, gut dokumentierte Vorwürfe geistlichen und sexuellen Missbrauchs vorliegen und dessen Seligsprechungsverfahren deshalb ausgesetzt wurde.Dem Wind trauen, im Sturm glauben: Recycling mit Werbeanhang
Es ist Samstag, also meldet sich Stefan Buß im regionalen Newsportal Osthessennews mit einem neuen Impuls. Dieses Mal stellt er das aktuelle Jahresmotto der so genannten Schönstatt-Bewegung vor: „Dem Wind trauen, im Sturm glauben.“

Die inhaltliche Ausarbeitung ist – freundlich formuliert – eine Wiederverwertung. Wind, Sturm, Segelschiff, Vertrauen, Jünger im Boot, Gott mittendrin: Wer den Osterimpuls vom 5. April gelesen hat, kennt das Programm bereits.
Auf die dortige Analyse sei verwiesen: Was Buß beschreibt, ist im Kern menschliche Resilienz und gegenseitige Unterstützung, garniert mit einem unsichtbaren Steuermann, dessen Existenz und Wirken vorausgesetzt, aber nicht begründet wird. Zirkelschluss, Immunisierung gegen Widerspruch, unterschlagene Leistung des Säkularen – das Muster wurde bereits durchleuchtet.
Interessanter ist etwas anderes: Der Rahmen, in den Buß diese Metaphern einspannt. Denn der Text ist in Wahrheit weniger ein geistlicher Impuls als eine Werbebotschaft für die Schönstatt-Bewegung.
Schönstatt als Marke: Was Buß sagt
Die ersten Sätze des Beitrags lesen sich wie aus einer Imagebroschüre: Schönstatt sei „eine internationale katholische Bewegung, die Menschen zu einem bewussten christlichen Leben führen möchte.“ Gegründet 1914 durch den Pallottinerpater Josef Kentenich. Die Bewegung wolle Menschen helfen, „ihren Glauben im Alltag zu leben“. Ein wichtiges Element sei „das Vertrauen auf den Vater Gott und die Fürsprache der Gottesmutter Maria“.
Am Schluss wird Kentenich persönlich als Gewährsmann einer frommen Lebenshaltung zitiert: „Gott wirkt in den Ereignissen unseres Alltags.“ Das ist der schon in früheren Impulsen analysierte Vorsehungsglaube in Kurzform – jene magisch-mythologische Weltsicht, die menschliche Autonomie systematisch untergräbt.
Was in Buß‘ Text mit keiner Silbe vorkommt: Wer Josef Kentenich war, was er getan haben soll, und warum der Vatikan seine Seligsprechung derzeit nicht betreibt.
Was Buß nicht sagt: Die dokumentierten Vorwürfe gegen Kentenich
Die Faktenlage ist mittlerweile öffentlich, gut belegt und in seriösen kirchlichen wie wissenschaftlichen Quellen dokumentiert. Eine knappe Erinnerung (ausführlich nachzulesen in diesem Beitrag):
- Vatikanische Untersuchung 1949–1951: Nach Beschwerden von Marienschwestern stufte das Heilige Offizium die Missbrauchsvorwürfe als glaubwürdig ein. Visitator Sebastian Tromp dokumentierte in seinen Berichten systematischen Machtmissbrauch. Kentenich wurde 1951 von der katholischen Kirche ins Exil in die USA geschickt.
- Archivfunde 2020: Die Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach veröffentlichte bis dahin unter Verschluss gehaltene Dokumente. Sie belegen systematische Infantilisierung erwachsener Frauen, demütigende „Kindesexamen“ („Was ist das Kind vor dem Vater? – Nichts.“), totale Kontrolle bis in intimste Bereiche, Beichtzwang beim Gründer selbst sowie mindestens einen Fall körperlich-sexuellen Missbrauchs.
- Keine Rehabilitierung: Ein 2020 entdeckter Brief aus der Glaubenskongregation von 1982, unterzeichnet von Kardinal Joseph Ratzinger, hält fest: Keine der früheren Entscheidungen des Heiligen Offiziums gegen Kentenichs Lehre und Person wurde annulliert. Die von Schönstatt behauptete „Rehabilitierung“ 1965 hat nie stattgefunden.
- Milwaukee-Vorwürfe: Ein amerikanischer Betroffener wirft Kentenich sexuellen Missbrauch in den Jahren 1958 bis 1962 vor.
- Ausgesetztes Seligsprechungsverfahren: Bischof Stephan Ackermann setzte das Verfahren im Mai 2022 aus, weil die Vorwürfe „noch nicht entkräftet werden konnten“. Das Bistum Trier führt es nicht aktiv fort. Und das will was heißen, wenn man bedenkt, wen die katholische Kirche schon alles selig oder heilig gesprochen hat.
- Behinderung der Aufarbeitung: Die Schönstätter Marienschwestern versuchten, von Teuffenbachs Buch juristisch verbieten zu lassen (erfolglos). Das Archiv bleibt der unabhängigen Forschung weitgehend verschlossen.
Dies ist kein Nebenschauplatz. Es ist der Elefant im Raum jedes öffentlichen Textes, der Schönstatt oder Kentenich bewirbt.
Die rhetorische Leistung des Weglassens
Buß liefert den Lesern ein geschlossenes Bild: Eine sanfte, fromme Bewegung mit einem inspirierenden Gründer, einem ansprechenden Jahresmotto und einer verständlichen Spiritualität. In diesem Bild gibt es keine Opfer, keine Vatikan-Akten, kein ausgesetztes Seligsprechungsverfahren. Es gibt nur Wind, Sturm, Vertrauen – und einen freundlichen alten Pater, der kluge Sätze gesagt haben soll.
Das ist keine neutrale Information. Das ist PR. Und es ist eine Form von PR, die durch das, was sie ausspart, bedenklicher ist als durch das, was sie sagt. Denn wer Kentenich im April 2026 ohne jede Einordnung als spirituellen Gewährsmann präsentiert, behandelt die Betroffenen so, als hätten ihre dokumentierten Berichte nie stattgefunden.
Was will Buß damit eigentlich bezwecken?
Die Frage lässt sich nicht abschließend beantworten – aber sie muss gestellt werden. Drei Deutungen sind möglich; keine davon stellt Buß in ein günstiges Licht.
Deutung 1: Er weiß es nicht.
Ein Stadtpfarrer einer Bischofsstadt, der seit Jahren wöchentlich öffentliche Impulse verfasst und dabei wiederholt Schönstatt-Material verwendet, wüsste nicht, dass der Gründer dieser Bewegung seit 2020 Gegenstand einer breiten kirchlichen und medialen Missbrauchsdebatte ist? Das wäre eine Form professioneller Fahrlässigkeit, die für einen Geistlichen im Amt kaum entschuldbar ist. Wer öffentlich predigt, hat eine Holschuld hinsichtlich der Personen, auf die er sich beruft. Diese Option scheidet aber sowieso aus, weil ich Buß vor Kurzem mit den Vorwürfen per E-Mail konfrontiert und ihn vergeblich um eine Stellungnahme gebeten hatte.
Deutung 2: Er weiß es – und blendet es strategisch aus.
Dann wäre das Schweigen eine bewusste Kommunikationsentscheidung: Unangenehme Fakten werden weggelassen, damit die Werbebotschaft für Schönstatt ungestört wirken kann. Das ist keine Seelsorge mehr, sondern Imagepflege im Dienst einer Bewegung, deren Ruf ohne diese Ausblendung kaum zu retten wäre. Und es ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die den Mut hatten, gegen Kentenich auszusagen – ihre Zeugnisse werden, in typisch katholischer Manier, aus dem öffentlichen Bild einfach wegretuschiert.
Deutung 3: Er weiß es – und hält es für richtig.
Das ist die unangenehmste Variante, aber angesichts der inhaltlichen Kontinuität seiner Impulse die plausibelste. Denn was Buß Woche für Woche verkündet, ist genau jenes autoritäre Menschenbild, das Kentenichs dokumentiertes System überhaupt erst ermöglicht hat: Der Mensch soll sich nicht selbst bestimmen, sondern von Gott bestimmen lassen. Das Herz ist trügerisch, das Ego verwerflich, Autonomie teuflisch, Gehorsam die höchste Form der Selbstverwirklichung, das Leben ein von Gott geschriebener Weg, dem man ohne Verstehen zu folgen hat.
Wer dieses Programm teilt, hat keinen inhaltlichen Anlass, sich von Kentenich zu distanzieren – im Gegenteil: Kentenich ist dann nicht trotz, sondern wegen seines Zu- und Übergriffs auf die Schwestern ein Vorbild. Die „Väterlichkeit“, die Infantilisierung, der Anspruch totaler geistlicher Führung – all das sind in dieser Logik keine Grenzverletzungen, sondern konsequente Anwendungen derselben Theologie, die Buß selbst verbreitet. In dieser Lesart ist das Schweigen keine Ausblendung unbequemer Fakten, sondern der logische Ausdruck einer Haltung, die an diesen Fakten nichts Skandalöses erkennen kann, weil sie das Menschenbild dahinter teilt.
Welche der drei Deutungen zutrifft, weiß nur Buß selbst. Die Kontinuität seiner bisherigen Impulse legt aber nahe, dass es sich um die dritte handelt – und das ist nicht nur eine persönliche Position, sondern eine, die nicht mal eine Stadtpfarrerstelle in einer Bischofsstadt des 21. Jahrhunderts einnehmen sollte.
Ein Muster mit System
Der aktuelle Impuls ist kein Ausrutscher. Er fügt sich in ein Muster:
- Am 11. März 2026 zitiert Buß Kentenich direkt als Autorität für Authentizität – analysiert hier.
- Am 8. April 2026 propagiert er den schönstatttypischen Vorsehungsglauben – analysiert hier.
- Am 18. April 2026 bewirbt er das Jahresmotto der Schönstatt-Bewegung und erwähnt Kentenich namentlich und mit Würdigung.
In keinem dieser Texte fällt ein einziges Wort zu den Vorwürfen, zum ausgesetzten Seligsprechungsverfahren oder zu den Betroffenen. In einer Zeit, in der die katholische Kirche über Missbrauchsaufarbeitung zumindest notgedrungen reden muss, ist das eine (wenig erstaunliche) Leistung konsequenten Nichtsagens – und Zeugnis eines moralischen Bankrotts.
Die säkular-humanistische Alternative: Einordnung statt Weihwasser und Täterschutz
Ein säkular-humanistischer Umgang mit problematischen historischen Gestalten besteht nicht darin, ihre Texte zu verbieten – sondern darin, sie mit Kontext zu lesen. Wer auf Kentenich zurückgreifen will, kann das tun; aber dann gehört dazu die Bereitschaft, die Person, von der die schönen Sätze stammen, vollständig zu kennen und zu benennen.
Eine öffentliche Figur, die unter schwerem Verdacht steht, jahrzehntelang erwachsene Frauen systematisch entmündigt und mindestens eine Person sexuell missbraucht zu haben, ist kein unproblematischer Gewährsmann für Fragen der Lebensführung. Das Mindeste, was man von einem Geistlichen erwarten könnte, der ihn trotzdem zitieren möchte, wäre: die Fakten benennen, Position dazu beziehen, den Betroffenen ein Stück öffentliche Würde zurückgeben.
Stattdessen liefert Buß: Wind, Sturm, Segel, ein frommes Zitat.
Fazit: Das Schweigen als Botschaft
„Dem Wind trauen, im Sturm glauben“ – als Jahresmotto einer Bewegung, deren Archive noch immer nicht für die unabhängige Aufarbeitung offen sind und deren Gründer vom eigenen Dienstgeber nicht rehabilitiert wurde, ist der Slogan nicht nur religiös fragwürdig. Er bringt die Verdorbenheit auf den Punkt: Ausgerechnet eine Organisation, die mit Vertrauen wirbt, hat über Jahrzehnte Vertrauen auf elementarste Weise missbraucht.
Und ausgerechnet der Stadtpfarrer von Fulda verbreitet diesen Slogan mit freundlicher Biographie des Gründers und ohne ein einziges Wort zur Aktenlage.
Wer in diesem Zusammenhang über einen Sturm schreiben will, sollte nicht ausgerechnet den Sturm verschweigen, der um Kentenich und Schönstatt tobt.
Das Schweigen ist in diesem Fall keine Neutralität. Es ist eine Haltung.
Und diese Haltung ist – in jeder der drei denkbaren Deutungen – mit der Aufgabe eines Seelsorgers, der öffentlich für eine von Kritikern als sektenartig charakterisierte[1]Der Begriff „Sekte“ gilt in Religionssoziologie und Sektenberatung als unscharf; die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages empfahl 1998, stattdessen mit konkreten Merkmalen zu … Continue reading Schönstatt-Bewegung wirbt, nicht zu vereinbaren. Sollte man jedenfalls meinen.
Fußnoten
| ↑1 | Der Begriff „Sekte“ gilt in Religionssoziologie und Sektenberatung als unscharf; die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages empfahl 1998, stattdessen mit konkreten Merkmalen zu arbeiten. Übliche Kriterien (u. a. nach Robert J. Lifton, Steven Hassan und den Kriterienkatalogen deutschsprachiger Sektenberatungsstellen) sind: ein charismatischer, unanfechtbarer Gründer mit quasi-göttlichem Status; Totalitätsanspruch auf die Lebensführung der Mitglieder; Isolation von kritischen Außenperspektiven; psychische Kontrolltechniken wie Schuld- und Gehorsamsinduktion; Behinderung unabhängiger Aufarbeitung.
Auf die Schönstatt-Bewegung bzw. ihren Gründer treffen mehrere dieser Merkmale dokumentiert zu: Kentenich ließ sich als „Vater“ mit nahezu gottgleicher Autorität verehren, verlangte Beichten bei sich selbst und drohte, „direkt in die Hölle zu schicken“, wer sich ihm entzog; im „Kindesexamen“ wurden erwachsene Frauen zur Antwort „Was ist das Kind vor dem Vater? – Nichts“ angehalten; die Kontrolle reichte bis zu alltäglichen Körperfunktionen; der „praktische Vorsehungsglaube“ wurde ausdrücklich als weltanschaulich totale Haltung konzipiert; und die heutige Schönstatt-Bewegung behindert die wissenschaftliche Aufarbeitung durch Archivverschluss und juristische Schritte gegen kritische Forschung. Die Einordnung als „sektenartig“ – nicht als „Sekte“ im formalen Sinn, da Schönstatt eine vatikanisch anerkannte katholische Bewegung ist – wird in diesem Sinne auch von religionswissenschaftlichen Informationsstellen wie relinfo.ch und in der kritischen Fachliteratur vertreten. |
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Guten Tag Herr Bischof Dr. Gerber,
am 18. April 2026 veröffentlichte der Fuldaer Stadtpfarrer Stefan Buß auf osthessen-news.de einen Impuls unter dem Titel „Dem Wind trauen, im Sturm glauben“. Darin stellt er das aktuelle Jahresmotto der Schönstatt-Bewegung sowie deren Gründer Pater Josef Kentenich in wohlwollender, rein biographischer Darstellung vor.
Mit keinem Wort erwähnt werden dabei die seit 2020 öffentlich dokumentierten und im Bistum Trier untersuchten schwerwiegenden Vorwürfe gegen Kentenich – insbesondere die von Alexandra von Teuffenbach veröffentlichten Archivfunde, die Einstufung der Missbrauchsvorwürfe durch das Heilige Offizium als glaubwürdig um 1950, die Exilierung Kentenichs 1951, die Missbrauchsvorwürfe aus Milwaukee sowie die durch Bischof Stephan Ackermann im Mai 2022 erfolgte Aussetzung des Seligsprechungsverfahrens.
Es handelt sich bereits um die dritte wohlwollende öffentliche Bezugnahme von Stadtpfarrer Buß auf Kentenich bzw. Schönstatt binnen weniger Wochen, ohne dass die Faktenlage zur Person Kentenichs in irgendeiner Form eingeordnet würde.
Als Bischof des Bistums Fulda sind Sie der unmittelbare Dienstvorgesetzte von Herrn Buß. Ich bitte Sie daher um eine Stellungnahme zu folgenden Fragen:
1. Entspricht es der Position des Bistums Fulda, dass Josef Kentenich in der öffentlichen Verkündigung bistumsangehöriger Geistlicher ohne Einordnung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe als spirituelle Autorität präsentiert werden kann?
2. Welche Haltung nimmt das Bistum Fulda zur Entscheidung des Bistums Trier von 2022 ein, das Seligsprechungsverfahren auszusetzen, weil die Vorwürfe „noch nicht entkräftet werden konnten“? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus aus Ihrer Sicht für die öffentliche Verkündigungspraxis in Ihrem Bistum?
3. Wie beurteilen Sie vor dem Hintergrund der von der Deutschen Bischofskonferenz wiederholt bekräftigten Bedeutung einer glaubwürdigen Missbrauchsaufarbeitung die Signalwirkung, wenn ein Stadtpfarrer einer Bischofsstadt eine in Missbrauchsvorwürfe verstrickte Bewegung samt ihres Gründers öffentlich bewirbt, ohne diese Vorwürfe auch nur zu erwähnen?
Ich plane, Ihre Antwort – oder den Umstand einer ausbleibenden Antwort – in meinem Blog AWQ.DE zu veröffentlichen. Für eine Rückmeldung bis zum 24.4.26 wäre ich dankbar.
Guten Tag Herr Buß,
in Ihrem am 18. April 2026 auf osthessen-news.de veröffentlichten Impuls „Dem Wind trauen, im Sturm glauben“ stellen Sie die Schönstatt-Bewegung sowie ihren Gründer Pater Josef Kentenich wohlwollend vor, ohne den öffentlich bekannten und dokumentierten Kontext zu erwähnen. Dazu habe ich drei Fragen, um deren Beantwortung ich Sie bitte:
1. Sind Ihnen die seit 2020 öffentlich dokumentierten Vorwürfe gegen Josef Kentenich bekannt – insbesondere die Archivfunde von Alexandra von Teuffenbach, die Einstufung der Missbrauchsvorwürfe als glaubwürdig durch das Heilige Offizium um 1950, Kentenichs Exilierung 1951, die Milwaukee-Vorwürfe sowie die 2022 erfolgte Aussetzung des Seligsprechungsverfahrens durch Bischof Stephan Ackermann?
2. Falls ja: Was war der Grund, diese Sachverhalte in Ihrem Impuls nicht zu erwähnen, obwohl Sie sowohl die Bewegung als auch ihren Gründer namentlich und zustimmend einführen?
3. Wie bewerten Sie persönlich die dokumentierten Praktiken Kentenichs – etwa das „Kindesexamen“, den Beichtzwang beim Gründer selbst, die totale Kontrolle bis in intimste Lebensbereiche der Marienschwestern sowie den bis heute nicht aufgeklärten Missbrauchsvorwurf aus Milwaukee? Halten Sie Kentenich trotz dieser Faktenlage für einen geeigneten spirituellen Gewährsmann öffentlicher Verkündigung?
Ich plane, Ihre Antwort – oder den Umstand einer ausbleibenden Antwort – in meinem Blog zu veröffentlichen.
Es scheint sich hier um ein bekanntes Phänomen zu handeln. Wenn eine religiöse oder ideologisch motivierte Vereinigung sich auflöst, reduziert sich die Anhängerschaft zunehmend auf den harten bzw. fundamentalistischen Kern. Dessen Offenheit für logische und moralische Argumente ist stark begrenzt bis gar nicht (mehr) vorhanden. Diese Personen haben sich auch oft und lange genug so stark exponiert, dass ein Zurückrudern keine Option mehr für sie ist.
Deshalb vermute ich stark, dass keine Antwort erfolgen wird und sie weitermachen wie bisher.