Impfen ist Nächstenliebe – Das Wort zum Wort zum Sonntag

Lesezeit: ~ 9 Min.

Impfen ist Nächstenliebe – das Wort zum Wort zum Sonntag, verkündigt von Ilka Sobottke, veröffentlicht am 01.05.2021 von ARD/daserste.de

Darum geht es

Um ihre Wunschvorstellung, ihr lieber Gott passe auf Menschen in Gefahrensituationen auf nicht aufgeben zu müssen, erklärt Frau Sobottke einfach vernünftiges und selbstverantwortliches Handeln zur göttlichen Gabe.

Zum Einstieg präsentiert Frau Sobottke einige typische Aussagen von Impfskeptikern und -gegnern. Und verrät:

[…] Es macht mich schier rasend, zu wissen, wie viel Leid vermeidbar wäre. Vielleicht deswegen versuche ich ständig alle um mich her zu überzeugen, sich impfen zu lassen.
(Quelle der so als Zitat gekennzeichneten Abschnitte: Impfen ist Nächstenliebe, Wort zum Sonntag, verkündigt von Ilka Sobottke, veröffentlicht am 01.05.2021 von ARD/daserste.de)

Eine ganze Reihe von kognitiven Verzerrungen und Denkfehlern (zum Beispiel: Verfügbarkeitsheuristik, Bestätigungsfehler…) erschwert es vielen Menschen, mit Phänomenen wie Wahrscheinlichkeit, exponentielles Wachstum oder Komplexität allgemein klarzukommen. Und das Thema Impfen ist erstmal verhältnismäßig komplex.

Auch das Präventionsparadox und nicht zuletzt die massenhafte Verbreitung schlicht falscher Behauptungen führen bei erschreckend vielen Menschen zu einer krassen Fehleinschätzung und in der Folge zu schlechten Entscheidungen.

Vermeidbares Leid

Auch wenn ich in Sachen Impfung grundsätzlich mit Frau Sobottke übereinstimme, so macht mich etwas an ihrer Aussage doch stutzig:

Sie weiß also von einem Leid. Und es macht sie schier rasend zu wissen, dass dieses vermeidbar wäre.

Deshalb versucht sie ständig alle Mitmenschen zu überzeugen, sich impfen zu lassen.

Als Christin „weiß“ Frau Sobottke ja auch noch von einem unvergleichbar schlimmeren Leid: Nämlich von der physischen und psychischen Höllenfolter bei vollem Bewusstsein, die ihr lieber Gott, an dessen postmortale Belohnung sie ja auch glaubt für alle vorsieht, die sich zu Lebzeiten nicht ihm, sondern anderen oder keinen Göttern unterwerfen wollten.

Unvergleichbar schlimmer ist dieses Leid, weil es nicht nur auf eine Lebensspanne begrenzt ist und wenigstens mit dem Tod endet. Das göttlich veranlasste Höllenleid dauert der biblisch-christlichen Mythologie zufolge ewig an.

Ich kann mich nicht erinnern, in den nunmehr 268 von mir kommentierten „Wort zum Sonntag“- Sendungen auch nur einen einzigen Versuch gelesen zu haben, mich mit Verweis auf die göttliche Höllendrohung davon zu überzeugen, mich doch schnell noch dem „richtigen“ Gott zu unterwerfen, um diesem Leid zu entgehen.

Gerade wenn Berufschristen behaupten, das Schicksal ihrer Mitmenschen läge ihnen am Herzen, dann sollte man doch eigentlich erwarten, dass sie genauso leidenschaftlich vor diesem Leid warnen wie es Frau Sobottke hier in Sachen Corona tut. Schließlich ist Frau Sobottke Theo- und nicht Virologin.

Warnung vor Höllenleid: Fehlanzeige

Dass zumindest im christlichen Mainstream heute überhaupt nicht mehr vor Höllenqual gewarnt (geschweige denn damit gedroht) wird, lässt für mich nur zwei mögliche Schlüsse zu:

Entweder sorgt sich Frau Sobottke nur um ihre Glaubensbrüder und -schwestern, während ihr das Schicksal aller anderen Menschen egal ist. Dies wäre zwar biblisch sauber zu begründen, erscheint aber unwahrscheinlich, weil sie in Sachen Corona vermutlich ja auch nicht zwischen Gläubigen, Glaubensfreien und Andersgläubigen unterscheidet.

Oder, sie hält die Höllendrohung der von ihr verbreiteten Religion gar nicht für eine reale Bedrohung.

Dann stellt sich freilich sofort die Frage, was das für die Plausibilität und Glaubwürdigkeit der postmortalen Belohnung bedeutet, die das christliche Heilsversprechen in Aussicht stellt und das ja Kern ihrer ganzen Verkündigung ist.

Waren Höllendrohungen über Jahrhunderte noch das überzeugendste Argument, mit dem der Klerus das Volk zum „rechten Glauben“ brachte, sind solche Androhungen heute wenn überhaupt nur noch in radikal-fundamentalistischen christlichen Abteilungen anzutreffen. In Mainstream-Verkündigungen wird der Bestrafungsaspekt einfach verschwiegen. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass man von einer Bibelstelle nur einen Halbsatz zitieren kann.

Gottvertrauen statt Impfen: Reales Gefahrenpotential

Dass religiöser Glaube nicht nur geistig-psychisches, sondern auch physisches Gefahrenpotential hat, zeigt sich am nächsten Beispiel:

[…] Nach dem Gottesdienst an der Kirchentüre frage ich einen älteren Herrn: „Und sind sie schon geimpft?“ Er zwinkert: „Das brauch ich doch nicht. Gott passt auf mich auf.“

ImpfenFrau Sobottke, wenn Ihnen die Vermeidung von Leid Ihrer Aussage zufolge ein so großes Anliegen ist, wieso veranstalten Sie dann Versammlungen, bei denen Sie davon ausgehen müssen, dass Menschen anwesend sind, die sich für unverwundbar halten? Weil sie ganz offensichtlich davon ausgehen, sie stünden unter dem Schutz des Gottes, den Sie ihnen verkaufen?

Ist Ihnen wirklich nicht bewusst, dass Sie persönlich Menschen damit in Gefahr bringen, wenn Sie ihnen vorgaukeln, es gäbe Ihren Gott wirklich und er passe auf Menschen, zumindest auf Christen auf, wenn man nur fest an ihn glaubt?

Die zahlreichen Gottesdienste, die als Superspreader-Events maßgeblich zur Ausbreitung des Corona-Virus beigetragen haben belegen, dass Gläubige offensichtlich tatsächlich davon ausgehen, unter besonderem göttlichen Schutz zu stehen.

Hier führte und führt ausgerechnet das von Ihnen angepriesene Gottvertrauen nachweislich zu einer Selbst- und Fremdgefährdung. Weil die hier verbreitete Vorstellung nun mal nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Genauso wie die Vorstellung Gottvertrauen mache Impfen überflüssig.

Wenn sich heute weniger Menschen in Gottesdiensten infizieren, dann liegt das nicht an deren Gottvertrauen. Sondern an den Hygiene-Maßnahmen. Und natürlich auch am Impfen.

Redlicher- und ehrlicherweise müssten Sie jetzt eigentlich eingestehen, dass tatsächlich wirksame Mittel zur Eindämmung der Pandemie ausnahmslos solche sind, die eben nicht von Gottvertrauen abhängig sind. Es sind Mittel, die, anders als diese, komplett unabhängig davon wirksam sind, ob jemand an sie glaubt oder nicht.

Gott passt bestimmt auf ihn auf, aber wie?

Weil Sie Ihren Gott damit genauso überflüssig machen würden wie Sie das Vertrauen auf seinen Schutz als naiven (Selbst-)betrug entlarven würden, schnitzen Sie sich Ihre Gottesvorstellung einfach passend zurecht, um sich und Ihre Botschaft damit zu entlasten:

Gott passt bestimmt auf ihn auf, aber wie?

Es folgt eine Anekdote, in der ein Mann in einer Flutkatastrophe alle Rettungsangebote ausschlägt, weil er darauf vertraut, sein Gott werde ihn schon aus seiner Notlage befreien:

[…] So versinkt er in den Fluten und stirbt. Er kommt in den Himmel und beschwert sich: Ich habe auf dich vertraut, Gott, wieso hast du mich nicht gerettet? Gott antwortet: „Ich habe dir einen Baumstamm, ein Boot und einen Helikopter geschickt, um dich zu retten. Was hast du erwartet?“

Ein solcher Gott müsste sich zunächst fragen lassen, ob er auch eine Welt hätte erschaffen können, in der es keine Flutkatastrophen gibt. Und falls ja, was ihn davon abgehalten hatte.

Die Bibel lehrt Gottvertrauen statt Selbstvertrauen

Desweiteren fände ich es interessant von diesem Gott zu erfahren, warum er Menschen dazu inspiriert hatte, Texte zu verfassen, in denen Gottvertrauen ausdrücklich über vernünftiges, tatsächlich wirksames Handeln gestellt wird, zum Beispiel:

  • Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?
    (Mt 6, 25-26 LUT)
  • Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
    (Mt 6, 31-33 LUT)
  • Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, in neuen Zungen reden, Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, so wird’s gut mit ihnen.
    (Mk 16,17-18 LUT)

…da braucht er sich doch nicht zu wundern, wenn sich leichtgläubige (oder, aus christlicher Sicht: ganz besonders gläubige) Leute dann tatsächlich darauf verlassen? Wenn es doch im „Wort Gottes“ so geschrieben steht!? Verlässt sich Gott darauf, dass die Leute sein Wort schon nicht so ernst nehmen werden, wenns drauf an kommt?!

…nicht nur abwarten

Gottvertrauen – das bedeutet nicht nur abwarten und die Hände in den Schoß legen. Gottvertrauen heißt auch: die eigene Verantwortung wahrnehmen.

Nicht nur…? …auch…?

Gottvertrauen bedeutet genau das: Dass man darauf vertraut, dass der jeweils geglaubte Gott Verantwortung für einen trägt und einen nicht im Stich lässt, wenn man nur fest an ihn glaubt.

Um selbst Verantwortung wahrzunehmen und um zu versuchen, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet, erfordert überhaupt kein Gottvertrauen.

Sondern Selbstvertrauen.

Da sich Frau Sobottke sicher sein kann, dass ihr Gott niemals widerspricht, kann sie auch problemlos Gottvertrauen so umdefinieren, wie es ihr in den Kram passt. Kritische Nachfragen seitens des Publikums (abgesehen seitens AWQ natürlich ;)) braucht sie ebenfalls nicht zu befürchten.

Zweifel an Gottvertrauen hatte man offenbar schon viel früher:

Σὺν Ἀθηνᾷ καὶ χεῖρα κίνει – „Mit Athena und bewege deine Hände!“, oder auch: Fortes fortuna adiuvat – „Den Mutigen steht Fortuna hilfreich bei“, so lauteten Vorformen der heute noch gebräuchlichen, interessanterweise nicht biblischen Redewendung: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.“

Geht man von der Bibel aus, deren Gott heutzutage ja zumeist gemeint ist, dann findet sich dort kein Anhaltspunkt für diese Sichtweise.

Im Gegenteil: Die anonymen Autoren mit Pseudonym Matthäus lassen Jesus Satan gegenüber klarstellen, dass es einzig Gott ist, auf dessen Hilfe man sich verlassen dürfe.

Nächstenliebe!?

Da aber alles Positive irgendwie Gott zugeschustert werden muss, spielt Frau Sobottke schnell noch die christliche Nächstenliebe-Karte:

Wir haben jetzt die Möglichkeit zur Impfung. Noch nicht alle, aber sehr schnell immer mehr Leute. Und da gilt für mich etwas fundamental Christliches.es geht beim Impfen nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch um die Gesundheit unserer Mitmenschen. Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Jesu Gebot wird auf einmal unangenehm unbequem: Und das heißt für mich nach all dem Leiden und Sterben: Schütze deine Mitmenschen wie dich selbst! Lass Dich impfen, auch wenn Du Angst hast, tue es für dich und tue es für deine Nächsten, die ganz nah und die ganz fern.

Quelle: Netzfund
Quelle: Netzfund

Wenn du Angst hast, dann nimm eine sachliche, objektive Nutzen-Risiko-Abwägung vor und triff dann eine vernunftbasierte Entscheidung.

Wissen ist das beste Mittel gegen Angst.

Den biblischen Romanheld Jesus lassen seine Geschichtenschreiber unmissverständlich klar stellen, dass es diesem bei Nächstenliebe tatsächlich nur um die Nächsten, nämlich um die Glaubensbrüder und -schwestern geht. Und eben ausdrücklich nicht um alle Menschen „ganz nah und die ganz fern.“ Diese Erweiterung ist auf Frau Sobottkes Mist gewachsen, wohl um den Anforderungen einer globalen Pandemie gerecht werden zu können.

Es ist außerdem auch weder realistisch noch erforderlich, alle Menschen zu lieben. Denn es genügt völlig, sie als Mitmenschen zu respektieren oder, je nach deren Verhalten, auch nur zu tolerieren, sofern ihr Verhalten tolerierbar ist.

Zum Beispiel, indem man auch deren Gesundheit nicht durch Impfverweigerung aufs Spiel setzt. Was letztlich freilich auch einem selbst wieder zugute kommt.

Impfen lassen – um der Liebe Gottes willen?

Zum Abschluss gibts dann nochmal ein besonders albernes Argument:

Gott hat uns den Verstand geschenkt, Klugheit, Beharrlichkeit und Menschenliebe – Baumstamm, Boot, Helikopter, und so eben auch Impfstoffe. Gott gibt uns die Freiheit zu handeln und damit die Verantwortung: Lassen Sie sich impfen, um der Liebe Gottes und um der Menschen willen.

Frau Sobottke, meinen Sie den Gott, der uns auch Flutkatastrophen, Dummheit, Resignation, Hass, Ignoranz, Masern, Diphterie, Kinderlähmung, Mumps, Röteln, Keuchhusten, Scharlach, Windpocken, Hedgefonds-Manager, den Loa Loa-Wurm und Corona-Viren geschenkt hat? Um damit unser Verantwortungsbewusstsein auf die Probe zu stellen?

Sie halten ernsthaft Impfstoffe für göttliche Geschenke?

Spekulationen darüber, was Sie mit „Lassen Sie sich impfen, um der Liebe Gottes […] willen“ womöglich meinen könnten, erspare ich mir an dieser Stelle. Ich halte es für eine sinnfreie theologisch-rhetorische Nebelkerze, die einfach nur dazu dient, nochmal irgendwie den lieben Gott unterzubringen. Falls Sie mir den Sinn dieser Aussage noch verraten, ergänze ich das gerne noch.

Prämissen im Faktencheck

Schauen wir uns stattdessen mal die Prämissen an, die für Ihre Ausführungen vorausgesetzt werden müssen, damit diese überhaupt einen Sinn ergeben können:

Ein Schöpfergott, den sich ein halbnomadischer Wüstenstamm aus einem früheren Gottesbild zusammenphantasiert hatte, hat das Universum erschaffen.

Auf einem kleinen Planeten hatte dieser zunächst eine mehrere Milliarden Jahre lange Evolution in Gang gesetzt (ich unterstelle mal, dass Sie die Evolution nicht leugnen, sie aber wahrscheinlich genauso wie alles andere auch für göttlich verursacht und gelenkt halten).

Dort hatte der liebe Gott (der in „Wirklichkeit“ auch damals schon alles andere als lieb war) vermutlich zunächst Methan verstoffwechselnde Lebewesen entstehen lassen, die als Abfallprodukt Sauerstoff ausschieden, der wiederum Lebensgrundlage für höhere Lebensformen wurde.

Damit es ihm während der vielen Millionen langen Zeitspannen nicht langweilig wird, hatte dieser Schöpfergott die Umwelt für Sauerstoff verstoffwechselnde Landsäugetiere extrem lebensfeindlich gestaltet: Der ohnehin kleine irdische Lebensraum besteht zum größten Teil aus ungenießbarem und unbewohnbarem Salzwasser. Jegliches Leben ist einer ständigen Bedrohung durch Natur- und Klimakatastrophen, Fressfeinde und Krankheitserreger aller Art ausgesetzt.

Flickschusterhafte Schöpfung

Das alles war nötig, um nach dem Dinosaurier-Intermezzo schließlich in einem wiederum unvorstellbar langen Prozess eine bestimmte Trockennasenaffenart evolvieren zu lassen. Die so schlecht an ihre Umweltbedingungen angepasst war, dass sie nur überleben konnte, indem sie ihre zahlreichen physischen Defizite durch geistige Fähigkeiten kompensieren lernte.

Als „Nebenprodukt“ dieser Entwicklung war diese Trockennasenaffenart schließlich irgendwann auch in der Lage, sich Götter auszudenken. Und schon nach wenigen tausend Fehlschlägen hatten einige Vertreter dieser Art endlich das Gottesbild zusammengebastelt (erkannt?), das dem tatsächlich existierenden, einzigen Schöpfergott entspricht.

Andere Götter werden zwar weiterhin auch noch geglaubt und verehrt. Wer allerdings von seiner gottgegebenen Freiheit Gebrauch macht und an diese (oder an keine) Götter glaubt, den bestraft der liebe Gott (nur echt mit den drei Persönlichkeiten) mit ewiger Höllenqual.

Und als vorläufiges Zwischenergebnis dieser Evolution verkündet Frau Sobottke nun im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ihr Gott habe uns den Verstand geschenkt, unsere Probleme selbst lösen zu können. Wofür wir ihm dankbar sein sollten.

Wissen hilft. Glaube nicht

Erst indem Menschen dazu übergingen, ihre Probleme nicht durch Gebete und Opfergaben, sondern durch kritische Untersuchung und wissenschaftlich-rationale Forschung zu lösen, gelang es ihnen nach und nach, immer mehr Bedrohungen mehr oder weniger gut in den Griff zu bekommen.

Allen diesen wirksamen Problemlösungen ist gemein, dass ihre Wirksamkeit nicht von irgendeinem Glauben abhängig ist.

Erst, nachdem sie aufgehört hatten, auf tatsächliche Hilfe dieses Gottes zu vertrauen und vorallem, nachdem sie aufgehört hatten, den göttlichen Willen, den dessen Priester zu ihrer Sicherheit vorsorglich als „unergründlich“ definiert hatten als Begründung für ihr leidvolles Schicksal zu akzeptieren, waren sie überhaupt erst in der Lage, ihre „gottgegebene Freiheit“ nutzen zu können, um sich selbst wirksam zu helfen.

Das bis dahin erlittene Leid sowie das Leid, das bis heute noch nicht eliminiert werden konnte und kann, nimmt dieser Gott trotz Allmacht und Allgüte kommentar- und tatenlos in Kauf.

Stattdessen gibt er Menschen die Freiheit, zum Beispiel bei einem Erdbeben, einer Überschwemmung, einem Vulkanausbruch oder durch ein Virus qualvoll zu sterben. Was für eine zynische, unmenschliche Sichtweise, in diesem Zusammenhang, wenn auch nur indirekt auf eine gottgegebene menschliche Freiheit zu verweisen!

Selbstvertrauen statt Gottvertrauen

Im gleichen Maß, wie es Menschen gelang, Zusammenhänge zu erkennen und so funktionierende Lösungen für ihre Probleme zu finden, wurde Gottvertrauen immer irrelevanter.

Was Frau Sobottke hier in blumigen Worten zum Besten gibt, könnte man auch so formulieren:

Seien Sie meinem Gott dankbar dafür, dass er Sie mit so viel Verstand ausgestattet hat, dass Sie nicht mehr auf Gottvertrauen angewiesen sind. Denn es steigert Ihre Überlebenschancen, wenn Sie auf sich und andere Menschen vertrauen statt auf diesen Gott.

Was kostet nochmal die Produktion einer „Wort zum Sonntag“-Sendung? Und wer trägt diese Kosten?

Die heutige Verkündigung zeigt eindrücklich, dass religiöser Glaube ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential beinhaltet.

Der Versuch, wissenschaftlich gewonnene und deshalb funktionierende Methoden zur Verminderung von Leid als Grund für Gottvertrauen umzudeklarieren, erscheint mir wie ein verzweifelter Versuch, die Absurdität und Irrelevanz der zu verkündigenden Glaubenslehre noch so lange es geht irgendwie zu kaschieren.

Verständlich: Frau Sobottkes berufliche Existenzgrundlage steht auf dem Spiel.

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