Kommentar zu NACHGEDACHT 76: Träumen – abschweifen

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Kommentar zu NACHGEDACHT 76: Träumen – abschweifen, Originalartikel veröffentlicht von Christina Leinweber, veröffentlicht am 15.6.2014 von osthessen-news.de

[…] Nur zu gern stellen wir uns schönere Situationen vor, sehnen uns im Kopf eine bessere Wirklichkeit herbei.*

Dabei ist uns natürlich auch bewusst, dass wir selbst maßgeblichen Einfluss darauf haben, ob und wie wir aus unserer schlechten Wirklichkeit (wenn wir sie denn trotz des fast unerträglichen Wohlstandes und der Übersättigung in unseren Zeiten und Breiten so empfinden) eine bessere machen können.

Nichts selten wachsen die Wünsche uns dann aus dem Kopf über den Kopf. Imaginativ geht das ja auch ganz leicht – die Gedanken sind frei und schweifen gern ab.*

Die Fähigkeit, sich Dinge ausmalen und vorstellen zu können, ist sicher eines der vielen großen Highlights, die die Evolution uns beschert hat.

[…] Allerdings: „Der Bau von Luftschlössern kostet nichts, aber ihre Zerstörung ist sehr teuer. “ […] Denn Träume finden nicht immer Erfüllung, Träume bleiben auch einmal nur im Kopf. Wenn sie dann aber nicht zur Wirklichkeit werden können und wir das schlussendlich einmal merken, dann wird es sogar teuer.*

Noch teurer wird es, wenn wir Fiktionen wie Luftschlösser oder religiösen Glauben nicht als solche erkennen, sondern sie für wahr halten. Wer an einer Illusion wie der eines “Luftschlosses” festhält und sie für real hält, leidet objektiv betrachtet unter Wahnvorstellungen. Wer an einer Illusion wie der Existenz eines Gottes festhält und vielleicht sogar an einen göttlichen Einfluss auf sein Leben glaubt, leidet unter Gotteswahnvorstellungen.

Warum teuer? Ganz einfach: die Erbauung des Wunschschlosses kostete nichts als ein paar Minuten Zeit und Gedanken. Der Abriss kostet dann aber womöglich einiges, allerdings nicht Geld.

Es kostet die eigene Zufriedenheit.*

Aber zum Glück nur eine scheinbare, weil rein fiktive und nicht reale Zufriedenheit. Der Preis für das Einreißen eines Wunschschlosses mag somit für einen kurzen Moment hoch erscheinen. Selbst wenn die damit erreichte Wahrheit erstmal trauriger erscheint als eine hoffnungsvolle Illusion, ist es trotzdem zielführender und sinnvoller, sich mit der Wahrheit auseinanderzusetzen, als in der Scheinwelt einer naiven Illusion zu verbleiben.

Der positive Aspekt einer Ent-Täuschung überwiegt beiweitem den kurzfristig negativ empfundenen Aspekt, der ja nur darin besteht, dass eine Täuschung nicht mehr länger als wie bisher vertraut-real angesehen wird.

Die Realität schlägt ein – und nimmt alles mit. Die ganze Freude, die mit dem Traum verbunden war, geht unter.*

Und das ist gut so! Eine Freude, die nur auf einer Illusion wie einer beliebigen Wunschvorstellung eines lieben Gottes basiert, kann nun mal keine reale Freude sein – weil sie nicht von der Wirklichkeit ausgeht.

Und wie umgehen wir solch einen Schaden? Wir müssen wohl ab und zu einmal aus der Traumwelt aussteigen und in unserem tatsächlichen Leben suchen, was uns Freude bereitet – das, was wir wirklich haben, was wir wirklich anfassen können und was im Bereich des möglichen Lebens ist.*

Ein wie ich finde hervorragender Ansatz! Verabschieden wir uns von der nur scheinbar hoffnungsvollen Illusion und erfreuen wir uns an der Realität, die so viel mehr** zu bieten hat als jedes antiquierte, welt- und menschenfremde Heilsversprechen jeder Religion.

Auf das besinnen, was wir haben. Das ist wohl schwerer, als zu träumen, aber womöglich macht es auf lange Zeit zufriedener.*

Auf jeden Fall! Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst hat, braucht keine Religion! Und es ist tatsächlich viel schwerer zu versuchen, den unverständlichen, widersprüchlichen, sachlich oft falschen, immer beliebig auslegbaren und teilweise komplett wirren und Menschen verachtenden Aussagen einer “Heiligen Schrift” irgendeinen brauchbaren Sinn abgewinnen zu wollen, als sich mit den aktuellen wissenschaftlich belegten Erkenntnissen zu befassen, die uns eine unvergleichlich spannendere und vor allem wahrere Weltsicht ermöglichen als alle angeblichen Wunder zusammen!

*Unter der Rubrik „NACHGEDACHT“ fordert Osthessennews jede Woche zum Nachdenken auf. Die Zitate stammen aus dem eingangs genannten und verlinkten Original-Artikel von Christina Leinweber.

**Wir haben von Verlinkungen, eingebetteten Inhalten und Buchtipps keinen materiellen Nutzen.

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